Ein Leben mit der Fiktion – Wenn das Hobby mehr als nur eine Beschäftigung wird (Anime/Manga)

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Heute mal ein etwas ernsteres Thema, dass ich schon länger unterbewusst beobachte.

Man kennt es vielleicht. Als Kind hat man Lieblingscharakter XYZ und mag diesen sehr. Man möchte so sein wie er, mit ihm Abenteuer erleben. So etwas kenne ich für meinen Teil zur Genüge. In jüngeren Jahren schmachtete auch ich Charakteren nach, die nun mal 2D und unerreichbar sind. Das war für mich auch in Ordnung, da es sowieso nur in meinem Kopf war. Eine heile Welt für mich, sogesehen. Ein Platz, an dem ich mich von allen Strapatzen erholen konnte. Heute mache ich das natürlich nicht mehr. Mittlerweile habe ich einen Freund, der das selbe Hobby wie ich hat und auch gemeinsam mit mir an meinen Übersetzungssachen arbeitet. Das macht mir unglaublich Spaß, eine Welt zum erholen brauche ich also nicht mehr wirklich. Nun gibt es jedoch Menschen, denen es nicht so gut geht. Ich lese im Netz immer wieder davon, weshalb ich eher gemischte Gefühle habe, wenn ich solche Texte lese:

„Ich lebe viel mehr in Alabastia, als in der realen Welt, wo alles trist und grau ist. In der realen Welt gibt es nämlich kaum Menschen, die ich als richtige Freunde bezeichnen könnte. Wenn, dann kenne ich diese nicht persönlich, sondern nur dank des Internets. In Alabastia hingegen habe ich mich Satoshi und seinen Freunden angeschlossen und genieße dies in vollen Zügen.“ (verändertes Zitat)

Ich arbeite in einer überbetrieblichen Einrichtung, in der ich momentan mein letztes Lehrjahr mache. Wenn jemand bei uns so etwas offen äußern würde, ratet mal, was mit dieser Person passieren würde. Ihr könnt es euch sicher denke – man würde diese Person zu einem Psychologen stecken, im schlimmsten Fall müsste diese Person in die abgeschlossene Abteilung der Klapse (was bei uns der ehere Fall wäre, da meine Ausbilder ercht nett zu der Person wären). Schlimmster Fall wäre allerdings: „Boar, is die behindert?“ Das tut der Seele wirklich nicht gut … Das Verständnis mancher Menschen reicht leider nur sehr begrenzt. Die meisten haben nicht einmal mehr die Geduld, überhaupt hinzu hören. Meistens wurde mein Hobby auch nur sehr oberflächlich bewertet, was ich wohl nie verstehen werde.

Deshalb äußere ich nun ganz offen meine Meinung.

Ich bekomme immer wieder Bedenken, wenn ich so etwas lese. Aussagen wie: „Ich bin in XYZ verliebt.“ verhalten sich da sehr ähnlich. Ich glaube allerdings nicht, dass diese Menschen krank sind. Sie sind eigentlich nur eines – einsam. Wenn man allein ist und niemanden hat, sucht man sich nun mal seine eigene Welt. Man möchte akzeptiert werden, einen Ort haben, an dem man sich geborgen fühlt. In unserer heutigen Gesellschaft ist so etwas mittlerweile unvermeidbar. Oftmals wird einfach nur weg gesehen, da es ja nicht sein eigenes Problem ist. Andere ziehen darüber her, wenn man es den wirklich offen äußert. Menschen die sich ihre eigene Welt suchen sind nicht dumm. Sie haben wirklich niemanden, weshalb sie nun mal das tun. Ob sie dies nun in Anime/Manga tun, ist dabei recht egal. So etwas gibt es auch bei anderen Werken. Es muss nicht zwingend Anime sein.

Leider ist dies aber so eine Sache. Meistens neigen diese Menschen dazu, depressiv zu sein. Den dieser Zustand ist auf Dauer wirklich nicht gut, schon gar nicht permanent. Dennoch sehe ich diese Menschen nicht als krank, sondern nur als Glück suchend. Was können sie schon für das, was Ihnen wiederfahren ist? Dieses Mädchen scheint zumindest Kontakt in die Außenwelt zu suchen (selbst wenn es nur über das Internet ist). Ich finde es zumindest schöner, wenn man etwas hat, das einem etwas bedeutet, als sich nur falsche Freunde zu suchen. Ich habe sogar großen Respekt vor diesen Leuten, solang sie daran nicht zu Grunde gehen. Deshalb spreche ich an dieser Stelle ein paar Worte für diese: Ihr seit nicht allein. Da draußen gibt es irgendjemanden, der auf euch wartet. Niemand wird auf Dauer allein sein, wenn er nicht nach seinem Glück sucht. Hinzu fallen ist dabei sehr normal, auch wenn es dauert, wieder aufzustehen. Gebt alles, dann werdet ihr euer Ziel irgendwann erreichen!

Denn ein schönes Hobby zu haben ist viel schöner, als sich falsche Freunde zu suchen. Was denkt ihr darüber?

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6 Gedanken zu “Ein Leben mit der Fiktion – Wenn das Hobby mehr als nur eine Beschäftigung wird (Anime/Manga)

  1. Da sprichst du ein wichtiges Thema an! Mir machen einige Cosplayer öfters Angst. In Gesprächen kommen sie ziemlich weltfremd herüber. Und ich bin ein weltfremder Mensch!

    Eine ehemalige sehr, sehr gute Freundin schwärmte total für das Thema. Irgendwann konnte ich es nicht mehr nachvollziehen. Die Freundschaft ging in die Brüche. Heute sehe ich sie nur noch ab und zu und ausschließlich im Mangakontext. Eine Zeit lang sah es so aus als hätte sie ihr Äußeres den Japanern angepasst. Das ist schwierig für mich zu begreifen, immer noch.

    Was Hobbys angeht, braucht es oft nur die richtigen Worte und Aufklärung. Wenn die Leute über Dinge bescheid wissen, können sie dir vielleicht auch anders zuhören.

  2. Was du berichtest ist einerseits traurig, andererseits kann ich gut nachvollziehen, wenn man sich aus Angst vor der richtigen Welt in eine andere flüchten möchte. Ich glaube gerade Anime, der so großen Wert auf unzerbrechliche Freundschaften legt, ist einfach verlockend, weil solche Freundschaften für viele in der realen Welt unerreichbar wirken. Gerade wenn man sich als Außenseiter fühlt, kommen einem Luffy und Co. doch besonders wie die Retter der Welt vor, wenn sie auf den Spruch „Ich bin ein Monster! ;_;“ mit „Ja und? Sind wir doch alle :D“ reagieren.
    Es wäre natürlich toll, wenn man dann trotzdem nicht die Verbindung zum Rest der Welt verliert oder eben gerade durch cosplayen oder ähnliche Fansachen den Kontakt zu neuen Menschen findet, bei denen das mit der richtigen Freundschaft dann auch funktioniert.
    In jedem Fall: Danke für den Beitrag! 🙂

  3. Falsche Freunde zu haben ist ja generell scheiße, aber es gibt auch viele, die lieber falsche Freunde haben als gar keine. Am besten ist es natürlich, ein schönes Hobby zu haben, dass man mit Freunden teilen kann. Und solange man zumindest versucht, Kontakte zu knüpfen und diese Freunde zu finden, ist alles ok.
    Als Gamer beobachte ich so eine Realitätsflucht noch viel öfter und intensiver als bei Anime/Manga-Fans oder gar Cosplayern – letztere mögen ja manchmal etwas verschroben rüberkommen, gehen ja aber wenigstens noch unter Menschen und auf Conventions.
    Es kommt halt auf das soziale Umfeld an. Wenn es gar nicht erst vorhanden ist und es auch sonst – sei es beruflich oder familiär – nichts wirklich erbauliches im Leben gibt, dann ziehen sich viele aus dieser Welt zurück und flüchten in eine virtuelle oder in eine gezeichnete/animierte. Wobei ich mir das bei Animu und Mango nur sehr schwer vorstellen kann – da kommt ja auch nichts zurück, wenn man nur Mangas und Anime konsumiert. Das wäre dann reine Ablenkung von den Problemen, die man vielleicht hat. Eine Serie nach der anderen schauen, damit man sich nicht damit beschäftigen muss (habe ich auch ab und zu).

    • Um mal auf alles irgendwie einzugehen: ich sehe es doch schon ähnlich. Ich selbst hatte eine Zeit, in der es mir sehr sehr ähnlich ging. Gut, ich hatte keine direkten Charaktere, die ich mochte. Ich hab mich auch nicht wirklich abgeschottet, das noch mal dazu. Allerdings war es so eine Art Kriesenzeit, in der ich eine Serie nach der anderen verschlugen habe. Heute habe ich meine Scan/Fansubarbeiten die ich 2-3 Stunden am Tag mach und dann rede ich mit Shima und schau dann noch paar Anime. Wobei, am Wochenende schau ich noch einiges mehr an Anime, aber joar. Es ist eben immer schwierig. Ich hab in der Ausbildung ’ne sehr harte Zeit hinter mir (Ausbildermobbing, ect.) und stehe nun bald vor den Prüfungen. Wenn man wirklich nichts hat, lenkt man sich nun mal ab. Dennoch bin ich sehr froh, dass ich sowas nicht mehr machen muss. Wobei ich in dem Sinne auch keine Sucht hatte, oder so. Es war irgendwo nur Frustabbau.

  4. Ich finde es immer sehr traurig, wenn ich im Internet auf Aussagen solcher Leute stoße, da mir die Personen dahinter einfach nur leid tun. Gegen Realitätsflucht im gewissen Maße habe ich persönlich ja gar nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil, ich wäre sonst sicherlich nie so ein großer Mangafan geworden, wenn mir meine eigene kleine Welt nicht zusagen würde.
    Aber dieses sich völlig der Außenwelt gegenüber verschließen, bzw. dass einem die Außenwelt vom sozialen Umfeld verschlossen wird, das muss einfach sehr schmerzhaft sein.
    Eine Welt ohne meine Freunde, meiner Wahl-Familie, kann und will ich mir nicht vorstellen.
    Nein, man braucht nicht viele Freunde, dafür aber welche, die einen akzeptieren, wie man ist und die einem auch die Rückzugsorte gewähren. So sehe ich das jedenfalls.

  5. Ich kann meinen Vorrednern nur zu stimmen und habe mich selbst in einem Artikel auf meinem Blog mit dem Thema „Anime/Manga = Realitätsflucht?“ beschäftigt und sehe das auch so wie du. Prinzipiell denke ich, dass die Mehrheit an Fans Manga/Anime nur als bloßes Hobby konsumieren, aber nebenbei sicherlich auch noch anderen Beschäftigungen nachgehen oder ein soziales Leben haben. Sicherlich muss man da auch differenzieren und es gibt auch bei mir Zeiten, wo ich vielleicht mehrere Stunden am Tag vorm Rechner sitze und Anime schaue, wenn sie mich auch wirklich packen. Es stimmt, dass man dann echt gut abschalten kann und wenn man gerade mal voller Alltagssorgen ist, kann man die echt leicht vergessen. Ich fühle mich danach auch viel fröhlicher, weil ich einfach abschalten konnte. Eine gewisse Realitätsflucht braucht jeder, aber die Art und Weise ist entscheidend. Ein paar Stunden täglich oder halt auch mal ganz viele Stunden an einem Tag wären noch im Grünen Bereich.
    Wenn Leute nur noch in ihrer imaginären Welt stecken, sich von der realen Welt verabschieden, wird es jedoch richtig kritisch….Aber das hängt eben immer von der Persönlichkeit und den Lebensumständen der Personen ab. Meist sind es doch Menschen, die ohnehin Schwierigkeiten im Leben haben, kaum Freunde, Depressionen haben etc.

    Bestes Beispiel wären dann doch die gesogenannten Hikkikomori, die ein besonderes Phänomen in Japan darstellen. Ich weiß, dass diese Isolation nicht nur darauf gründet, dass sie nur noch Anime/Manga nachgehen, aber in gewisser Weise hat das Hobby doch großen Einfluss auf das Leben dieser Menschen. Weil sie diese Fantasiewelt haben, sehnen sie sich nicht nach der realen Welt, wo doch nur Probleme auf sie warten…Das ist dann wie ein Teufelskreis aus dem sie nicht mehr raus kommen.

    Ich finde, man darf die Augen von solchen Dinge nicht abwenden und wenn man merkt, dass jemand auf diese schiefe Bahn gerät, sollte man rechtzeitig einschreiten, aber möglichst einfühlsam und nicht Aussagen raushauen wie: „Mensch werd mal erwachsen!“ Das führt dann nur dazu, dass sie sich noch mehr abschotten…am besten versucht man sich in die Leute hinein zu versetzen und dann das Problem anzugehen. So ist zumindest meine Meinung.
    Auf jeden Fall toll geschriebener Artikel mit einer Thematik, die uns alle angeht.

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