Der deutsche Light-Novel Markt – Ziemlich leeres Regal, oder?

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Light Novel Reihen haben es schwer in Deutschland. Warum das so ist? Dieser Frage versuche ich heute nachzugehen.

Ihr wisst nicht, wovon ich spreche? Dann erkläre ich es noch einmal: Light Novels sind Romane, in denen meist einige Mangaillustrationen enthalten sind. Viele dieser Werken sind Grundstein für viele Anime- und Mangaumsetzungen (wobei ersteres, denke ich, überwiegt). Der Grund warum viele diese nicht kennen, ist sehr einfach – die Nachfrage hierzulande ist sehr gering. Vereinzelt gibt es diese sogar, wie zum Beispiel zu One Piece und Naruto. Alleinstehende Werke, die allerdings nur eine Light Novel haben, schaffen es eher weniger hier her nach Deutschland. Dabei würde mich sehr interessieren, was zum Beispiel im Another Anime nicht vorhanden war, oder auf welche Dinge eher eingegangen wurde. Anlass für diesen Artikel ist übrigens die Death Note Novel Another Note, die ich im Moment förmlich runterschlinge, so gut gefällt sie mir.

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Vielleicht war es aber bisher meine Lesefaulheit, die dazu beigetragen hat, dass ich Light Novels keine Beachtung geschenkt habe. In ein paar Visual Novels habe ich im Gegensatz schon öfter reingeschaut, aber nie in diese Bücher, die ja eigentlich nur aus Text bestehen. Lieber nahm ich mir einen Manga zur Hand, den ich meist nach 1-2 Stunden fertig gelesen hatte (kommt aber auch darauf an, was ich lese). Früher hatte ich an Büchern weitaus mehr Interesse, als heute. Heute sterbe ich nach 100 Seiten ab, weil ich das Interesse verliere. Vielleicht ist es auch nur Einbildung, aber meistens bin ich bei Seitenzahlen doch beeinflussbar, im Sinne von: „Boar, 100 Seiten. Gott, ist das langweilig.“ Vielleicht mag ich ellenlange Beschreibungen nicht, da ich allgemein Bücher mit guten Dialogen und guten Charakteren mag. Verglichen mit damals, ist das eine andere Welt für mich. In der Grundschule hab ich in den Ferien so viele Bücher gelesen, Harry Potter sogar teilweise (neben den neutralen acht re-reads) mit Hörbuchkassetten gelesen … Ach, ich hör besser auf. Das hat schon gar nichts mehr mit dem Thema zutun.

Nun kränkt es mich dann schon ein wenig, dass es Novels wie Another (die Manga-Adaption gibt es hierzulande), Haruhi und andere Konsorten einfach nicht hierher schaffen. Ich verstehe ja auch, dass der Übersetzungsaufwand von 300 Buchseiten wesentlich mehr ist, als der von 200 Mangaseiten. Nur, wenn es gerade der englische Sprachraum sogar schafft, diese genannten Werke und andere rauszubringen, frage ich mich ersthaft ob es überhaupt nur Ansatzweise  deutsche Leser für diese Werke gibt. Gut, viele kaufen sich die englischen Ausgaben und sind auch sehr zufrieden damit. Ich kaufe ja auch teils englische Manga, die es nicht hierher schaffen. Mir ist es allerdings zuviel, hunderte von Buchseiten auch noch auf Englisch zu lesen, obwohl wir mit unseren Publishern wie Tokyopop, Carlsen Manga, Egmont und Co. doch lange nicht mehr in der Steinzeit leben. Soviele Manga werden hierzulande lizenziert, das ich mich immer wieder frage: „Warum schießt ihr nicht noch eine Novel nach?“ Zu bekannteren Serien gibt es natürlich auch schon einige Novels, aber eben nur dann, wenn der Manga hierzulande sehr erfolgreich ist. So hätte ich mir auch die Vampire Knight Novels besorgen können, die mich aber kein Stück interessiert haben, weil es da nur um eine umwichtige Randgeschichte geht. Vielleicht überlege ich mir ja auch noch, mich eines besseren belehren zu lassen, aber bisher war ich einfach nicht daran interessiert.

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Tokyopop hat ja erst neulich ein paar Novelreihen angekündigt – Sword Art Online, Accel World und Black Bullet (jeweils parralel lizenziert mit den Mangaumsetzungen). Wie ich zu Sword Art Online stehe, sollte ja bekannt sein. Ich ärgere mich deswegen auch nicht, sollen die Leute sich den Kram ruhig holen. Allerdings sieht man da wieder, dass die bettelden Fans irgendwann ihren Kram kriegen, wenn sie lang genug betteln. Wenn das doch nur bei Another so wäre … immerhin hat die Reihe vielleicht 1-2 Bände und ist abgeschlossen. Aber gut, da lass ich mich gern etwas besseren belehren. Accel World ist vom selben Schreiber wie Sword Art Online und mir persönlich kein Begriff. Da es aber so ähnlich sein soll, halte ich mich davon auch fern. Black Bullet kenn ich überhaupt nicht – mir ist nur bekannt, dass es einen Anime dazu gibt und das dieser hierzulande lizenziert ist. Von daher interessante Lizenz, die ich aber auch nicht unbedingt kaufen will. Zumindest traut sich Tokyopop überhaupt an sowas ran, was bei anderen Verlagen anders aussieht. Carlsen Manga veröffentlicht hin und wieder den einen oder anderen Band, der meist zu irgendeiner Serie dazugehört. Schön und gut, aber nicht meine Erstwahl, allein weil es halt meistens Serien sind, die ich schon als Manga nicht gelesen habe. Dennoch besitze ich tatsächlich eine Naruto Novel, die einst in der Serie von Naruto’s Lehrer Jiraya geschrieben wurde. Diese war ganz interessant, aber nicht umhauend. Da nach dem Ende von Naruto noch einige solcher Novel-Bände erscheinen werden, bin ich mir sicher, dass diese auch den Weg nach Deutschland schaffen werden. Bei dieser einen Novel hatte ich halt Glück, dass ich fast kein Vorwissen gebraucht hab. Na gut, ein bisschen schon. Aber das reichte aus, um das geschriebene zu verstehen.

Ansonsten hat sich kein weiterer deutscher Verlag an Light Noveles getraut. Es gab meines Wissens noch irgendwann einen Versuch von Egmont, der allerdings auch eher ins Minus ging. Nun … woran könnte es vielleicht noch liegen? Ich kann mir auch noch vorstellen, dass es die meisten auch gar nicht interessiert. Wer ein Buch lesen will, geht in die Buchhandlung und geht sicher nicht zum Mangaregal, um fündig zu werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich jemandem ’ne Novel in die Hand drück‘ und der auf einmal noch mehr davon will, geschweige denn anfangen würde, Manga zu lesen. Wäre ich nur irgendein Leser, könnte ich schon gar nichts mit den ganzen japanischen Namen und Begriffen anfangen. Dafür muss man sich wahrscheinlich auch irgendwo interessieren, was die heutige Jugend ja nicht mehr tut. Fernöstlich sind diese ja eigentlich für junge Erwachsene (quasi Teenager?) geeignet, werden hierzulande aber eher von Lesern gelesen, die schon die 20 bis 30 aufwärts machen. Stimmt jetzt also was mit den Deutschen nicht, oder eher mit den Japanern? Wahrscheinlich ist es eher ein Fall von „andere Länder, andere Sitten“. Ohne Interesse kommt man da wahrscheinlich nicht ran. Man kann zumindest hoffen, dass irgendwann mal ein paar Mangaleser auf die Idee kommen, bei den Verlägen zu nerven. Ich mach sowas ungern, meist nur in der Gruppe oder einfach gar nicht. Ja, hin und wieder bin ich auch ein Mitläufer.

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Meine Vorschläge wären auf jeden Fall (wie schon gesagt) Another, die Haruhi Suzumiya Reihe, Amagi Brilliant Park, die Monogatari Reihe (sehr unwahrscheinlich), Date A Live und was weiß ich. Meinetwegen könnte man auch No Game, No Life und Highschool DxD lizenzieren, solange es mal ein wenig Entwicklung geben würde. Vielleicht denke ich auch einfach zu kleinlich und sollte mir englische Novels einfach kaufen. Dann denke ich mir aber: „Ne, Bücher lese ich lieber in deutscher Sprache.“ Nun kann man sich streiten, da ich diverse Manga auch auf Englisch lese (unabhängig davon, ob online oder Buchform, wobei ich beides lese). Bei Manga wirken die Bilder einfach weitaus mehr, wo man in einer Light Novel aber nur 12 Illus hat. Man muss es sich dort eben selbst vorstellen, was ich in der reinen englischen Sprache nun mal nicht kann. Um es so zu erklären: wenn ich Zeichnungen vor mir habe, ist mir die Sprache egal. Ich kann mir darunter was vorstellen – das ist das wichtigste. Setzt man mir eine Light Novel auf englisch vor, kann ich mir darunter nicht viel vorstellen, weil ich mich auf’s lesen konzentrieren muss.

Bücher sind für mich zum träumen und zum vorstellen da. Auch bei Light Novellen ist dies der Fall. Was sagt ihr dazu? Habt ihr auch ein Werk, dass ihr gern hierzulande lesen wölltet, oder wünscht ihr euch allgemein schon mehr Werke dieser Art?

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11 Gedanken zu “Der deutsche Light-Novel Markt – Ziemlich leeres Regal, oder?

  1. Ich würde mich eigentlich auch sehr darüber freuen, wenn mehr LNs nach Deutschland kommen. Ich sehe die Situation jetzt aber nicht so negativ. Der Markt ist in Deutschland noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen. Wenn die von Tokyo Pop veröffentlichten Novels Erfolg haben, werden sicher noch mehr lizenziert werden. All you need is kill ist bisher die einzige LN, die ich auf deutsch gelesen habe. Ansonsten lese ich die englischen Fanübersetzungen. Wobei die auch nicht ganz unproblematisch sind. Wenn eine Serie nicht so beliebt ist kann es Monate dauern, bis ein Buch komplett übersetzt ist. Und was die Übersetzung von Sao betrifft, da tut sich Tokyo Pop sicher keinen Gefallen damit den Veröffentlichunstermin um ein halbes Jahr zu verschieben. Hoffentlich wird die Übersetzung dafür gut.

  2. Ich glaube nicht, dass sich LNs durchsetzen. Der Durchschnittsfan hat sich an das Schema „Anime & Manga“ gewöhnt. Und ich fürchte, dass kaum einer weiß, was eine LN genau ist. Das könnte durch Ignoranz geschult sein oder durch den einfachen Sachverhalt, dass es LNs nicht zuhauf in Deutschland zu erwerben gibt.
    Früher stand ich am Regal einer Buchladen und sah dort „Ab sofort Dämonenkönig!“. Das ist bekanntlich eine LN, aber ich fragte mich, warum diese dort war. (Es ist auch die einzige LN, die ich jemals in einem Laden gesehen habe.) Es war ja schließlich Text drin und kein „Comic“. Auch jetzt fällt es mir schwer, eine LN in die Manga-Sparte zu stecken. Vielleicht wäre es ein guter Zeitpunkt, einen Buchverlag zu gründen oder eine Abteilung, die sich auf LN spezialisiert. So lange die LN als „Manga“ verkauft wird oder bei den Mangas steht, wird die Akzeptanz niedrig sein. Dann steht nämlich jemand vor dem Regal (so wie ich früher), greift ausversehen eine LN, schaut rein und denkt: „Ehh, doch kein Comic. Voller Wörter. Pfui.“

  3. Ehrlich gesagt begrüße ich, dass es mittlerweile ein paar mehr LN zu uns hier nach Deutschland schaffen. Warum es nun nicht so viele sind, wie etwa in Amerika, wird wohl u.a. auch an den Vorgaben aus Japan an die deutschen Publisher und Verlage liegen. Oft können Carlsen Manga, Tokyopop und Co. nicht die LN-Lizenzrechte erwerben, sondern bekommen lediglich die Rechte an der Mangareihe.
    Wenn man als Verlag dann sieht, dass sich die Dinger auch noch schlecht verkaufen, überlegt man sich das ganze lieber dreimal, bevor man den Versuch wagt. Aber gerade deswegen begrüße ich es, dass Verlage wie Tokyopo den Versuch wagen. Wenn das jetzt noch gut von den Fans quitiert wird, denke ich, dass auch in Deutschland ein Markt für LN entstehen könnte.

  4. Also, ich finde es ziemlich schade, dass so wenig LNs auf deutsch erscheinen. Aktuell gibt es ja Accel World und Black Bullet, hab auch beide gekauft. Jetzt finde ich Accel World zum lesen aber echt anstrengend. Die erste hälfte des zweiten Bandes bestand nur aus Dialog, die zweite Hälfte nur aus Kämpfen. Black Bullet hingegen kann ich sehr empfehlen, die Anime-Adaption hat es mir auch sehr angetan, daher hab ich mir gleich die Novel geholt, und lese sie gerade zum zweiten mal.
    LNs die ich gerne auf deutsch hätte wären: Mahouka Koukou no Rettosei, der Anime erscheint ja derzeit, und war auch sehr erfolgreich, und Date a Live, wobei das eher unwahrscheinlich ist. Gerne auch no game no life, oder Toradora.
    Apropos Toradora, die LN erscheint demnächst auf Polnisch xD zusammen mit SAO sind das die einzigen LNs in Polen. SAO erscheint dort schon seit April 2014 mit 5 Bänden. Und umgerechnet kosten die dort auch nur 5€ pro Band.
    Überhaupt wüsste ich gerne, wie die LNs sich bei Tokyopop verkaufen.

    • Wenn man spezielle Serien wirklich haben möchte, wird man vorerst auf die englischen Ausgaben zugreifen müssen. Da gibt es ja durchaus einige Serien zu lesen. Eine ideale Alternative ist das zwar nicht, aber nun ja … Schön, dass die Kollegen aus dem Ausland zumindest ein paar gute Titel rausbringen. Freut mich für diese ^^

  5. Naja also ich würde gerne LNs lesen wenn sie in Deutschland verfügbar wären. Und das was du gesagt hast, also das es vielleicht am Desinteresse der heutigen Jugend liegen könnte, finde ich nicht ! Ich meine ich bin noch recht jung und würde das sehr gerne ! Naja ich hoffe einfach mal das es sich durchsetzten wird. Ich habe auch schon überlegt die LNs einfach auf englisch zu lesen aber das wäre wahrscheinlich etwas problematisch bei meinem englisch 😀

    • Es ist ja auch nur ein könnte. Aber es gibt tatsächlich nicht sonderlich viele Jugendliche, die gern lesen. Dass es Ausnahmen gibt, ist ja völlig klar. Lohnen muss es sich natürlich auch, aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte. Mein Englisch war ursprünglich auch nicht so gut, aber wenn man mit englischen Novels anfängt, kann man viel dazu lernen. Oder eben Manga, das kann auch helfen.

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