Was zur Hölle sind Mary Sues & Self Inserts? – Ein Ratgeber für Fanfiktionleser, Autoren und auch Konsumenten japanischer Unterhaltungsmedien

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Infoprogramm, wuhu.

Man stöbert durch etliche Fandoms auf fanfiktion.de und was sieht man? Jede Menge Fanfiktions mit eigenen Charakteren. Was gibt es also zu Hauf? Richtig, Mary Sues und Gary Stues. Was das mit Self Inserts zu tun hat, erkläre ich natürlich auch. Man kann diese perfekten Charaktere aber auch auf eigene Werke beziehen oder halt auch Anime/Manga. Dieses Thema ist in Unterhaltungsmedien jeglicher Form sehr gut anwendbar.

Was ist eine Mary Sue?

Eine Mary Sue ist simpel gesagt ein perfekter, weiblicher Charakter, der vom Autor in die Geschichte gesetzt wird. Das männliche Abbild ist dann der Gary Stue – allerdings kommt dieser eher selten zum Vorschein. Was kann und muss eine gute Mary Sue also haben?

• Sie muss wunderschön sein und weitaus hübscher, als es jeder Charakter der Originalstory ist.
• Sie drängt sich immer in den Vordergrund und ist wichtiger als die eigentlichen Hauptprotagonisten. (häufig anzufinden in Fanfiktions)
• Sie ist stinkend reich, braucht sich keine Sorgen um Geld zu machen.
• Jeder verliebt sich sofort in sie – so wohl männlich, als auch weiblich.
• Man streicht die weiblichen Charaktere und lässt nur sie übrig – Rivalen ausgeschaltet.
• Sie hat unzählige Fähigkeiten, die ihr immer behilflich sind. Zumal die meist niemand anders hat.
• Sie kann alles perfekt, niemand kann ihr etwas Neues erzählen, weil sie ja schon alles kann. Deshalb hat sie auch einen IQ von 300.
• Ihre Kindheit war traumatisierend, da ihre Eltern umgebracht wurden. Natürlich hat sie kein Trauma davon getragen und ist quietsch gesund. Außerdem entspricht ihre familiäre Situation nie der Norm. (verwaist, Pflegeeltern …)
• Unsere Mary darf immer mit dem Lieblingscharakter der Autorin zusammen kommen. Wer hätte das bloß erwartet?
• Wahlweise ist sie auch gern mit einem Originalcharakter verwandt.
• Natürlich darf unsere Mary auch Fehler machen, aber das wird meistens als süß betrachtet und ist auch überhaupt kein Problem.
• Man kann Mary-chan auch sterben lassen, aber nur zum Wohle der Weltrettung, in dem sie sich geopfert hat.

Es gibt natürlich sehr viele Formen der Mary Sue, aber eigentlich bemerkt man es immer, wenn man eine vor sich hat. Auch namentlich haben sie manchmal echt lange Namen: Kiara Chanurya Alekszandra Siobhàn Sylvija Mariko Takahashi Slytherin Gryffindor. Da konnte sich jemand wohl nicht für einen Namen entscheiden, was? Außerdem sind die meisten Mary Sue Fanfiktions irgendwelche Schnulzen, die eh keiner liest. Man kann sie oft als Belustigung sehen, da viele davon einfach nur schlecht geschrieben sind.

Warum sind Mary Sues so blöd?

Da die Mary Sue einen Charakter hat, der sich nicht entwickelt, bekommt man nichts Tolles zu sehen. Ein Mädchen, das alles kann, ist doch langweilig. Sie lernt nichts dazu, verändert sich nicht. Ich will einen guten Charakter, mit schöner Entwicklung haben, verdammt. Dieser Charakter hat keine Schwächen und das ist das traurige. Ein Charakter muss doch auch schlechte Erfahrungen in seinem Leben machen. Sich etwas erkämpfen, Erfahrungen sammeln, einen Standpunkt haben. Es ist einfach langweilig zu lesen/schauen. Die Story wirkt dadurch leblos und flach – kein gutes Zeichen für eine gute Story, oder?

Was hat eine Mary Sue mit Self Insert zu tun?

Die Autoren von MS-Geschichten sind oftmals nur dabei, sich selbst in die Geschichte zu schreiben. Sie schreiben einen Charakter, der sie gerne selbst wären und deshalb kommen sie natürlich immer mit dem Lieblingscharakter der Autorin zusammen. Natürlich ist das nicht verwerfliches, aber es ist einfach unschön, solche Ergüsse ins Netz zu stellen. Jeder Mensch hat Fehler und das vergessen diese Schreiber sehr oft. Daher sind die meisten Mary Sues so ziemlich der Schreiber selbst. Das Problem dahinter – kritisiert man diese Fanfiktions, bekommt man Stunk mit dem Autor. Denn eine richtige Mary Sue hat man erst dann, wenn man sich bei Kritik anderer angegriffen fühlt. Du magst meinen Charakter nicht? Das bin ich, ich hasse dich! Diese Weiber fühlen sich meistens sehr angegriffen, sind aber oft erst elf bis sechszehn. Ich spreche aus Erfahrung, glaubt mir.

Ist es okay, einen Charakter zu erschaffen, der etwas von mir hat?

Der eigene Charakter darf etwas vom Autor haben (Persönlichkeit, Schwächen, Macken). Allerdings sollte man es vermeiden, ihn wirklich wie man selbst zu machen. Das führt zu ähnlichen Resultaten, die ich oben genannt habe. Man fühlt sich angegriffen, wird beledigt und solchen Shit.

Wie schaffe ich es einen Charakter zu schreiben, der keine Mary Sue ist?

Ganz einfach – man schreibt ihn einfach menschlich. Jeder Mensch hat Stärken, Schwächen und Probleme. Das sollte der Charakter, den man erstellt, auch haben. Eine Geschichte muss auch nicht unbedingt mit einem Happy End enden. Sie kann auch genauso gut ein schlechtes Ende haben. Ich habe mich sogar während meiner aktuellen Geschichte heran gewagt, alternative Enden aus entscheidenden Kapiteln zu machen. Das ist allerdings nicht zwingend nötig und auch gar nicht gebräuchlich.

Mary Sues in Originalwerken

Mary Sues und Gary Stues gibt es natürlich auch in richtigen Anime. Hier ein paar Beispiele:

Hibiki Tachibana (Symphogear)

Symphogear ist objektiv betrachtet ein verdammt beschissener Anime. Das Setting, die Story … eigentlich ist alles, außer der Musik, ist ziemlich retardiert (das macht tatsächlich den Reiz der Serie aus). Daher braucht dieser Anime auch eine Mary Sue als Protagonistin. Nichts ist nahe liegender, als ein gewöhnliches Mädchen total mächtig zu machen, obwohl sie vorher immer sehr gewöhnlich war. In einer Folge der zweiten Staffel bekommt sie sogar einen Arm abgebissen, den sie in der nächsten Folge allerdings wiederbekommt. Und tödliche Krankheiten? Können ihr nix anhaben – zwei Folgen Drama und alles ist wieder okay. Gut, sie ist aber nur so eine immer stärker werdende Mary Sue, die ohne wirklich etwas zu tun, stärker wird. Vom Rest her ist sie sehr gewöhnlich, aber durch den Rest ihrer Kräfte ziemlich Mary Sue.

Sailor Moon

Wenn man Sailor Moon aus der Sicht des Mangas sieht, ist Bunny schon eine Mary Sue. Irgendwie mag jeder Bunny, niemand hasst sie (Feinde zwar schon, aber das wäre ja relativ) und die Gute wird irgendwie immer stärker. Das einzige was dagegen spricht, ist ihre Persönlichkeit. Im alten Anime ist sie dagegen so unnütz und zerbrechlich, dass sie doch keine Mary Sue ist (zumindest da). Da Bunnys Eltern sogar wie die von Naoko Takeuchi heißen, könnte man davon ausgehen, dass es sich bei ihr um einen Self Insert handelt. Aber das ist nur eine vage Theorie.

Yusei Fudo (Yu-Gi-Oh! 5D’s)

Leider … ist Yusei diesem Syndrom im späteren Verlauf der Geschichte erlegen gewesen. Bis zur Dark Signer Arc war ein ruhiger, fast stiller Kerl der nicht viel redet. Dennoch hält er viel von seinen Freunden, die ihm enorm wichtig sind. Doch ab Season drei driftete er so langsam in eine Richtung, die Gary Stue schreit. War Yusei bei sehr wenig Lebenspunkten in einem Duell, hatte er schon so gut wie gewonnen. Irgendwie halten die meisten Leute recht viel von ihm, Z-ONE hat ihn ja sogar 1:1 kopiert. Hier streite ich immer mal gern ab, das er eine Gary Stue ist aber leider … stimmt das. Die Nutzung des Maincharbonus ist hier einfach zu sehr genutzt worden. Angesichts der 4kids Version ging er mir auf die Nerven, weil er zu viel geredet hat, aber sonst … das tut mir so weh, meh. In wie weit man andere YGO! Protagonisten als Stue bezeichnen kann, keine Ahnung. Judai war in meiner Erinnerung zumindest keine und Yuuya auch nicht.

Das ist nur eine sehr geringe Auswahl an Charakteren aus Originalwerken. Es gibt noch etliche mehr, aber das sind die, die mir spontan eingefallen sind (ja, ich weiß das Kirito auch ein Gary Stue ist. Aber ich hasse SAO und das ändert sich in den nächsten zehn Minuten auch nicht). Ich hätte durchaus noch mehr Material für dieses Thema (Arten von Mary Sues, ect.), aber hier möchte ich erstmal einen Anfang für euch setzen. Was haltet ihr davon? Kennt ihr Mary Sues in Originalwerken oder habt selbst schon unglücklicherweise eine produziert? Wie steht ihr dazu und wie könnte man einen Self Insert eurer Meinung nach besser machen? Eure Meinung gern in die Kommentare.

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3 Gedanken zu “Was zur Hölle sind Mary Sues & Self Inserts? – Ein Ratgeber für Fanfiktionleser, Autoren und auch Konsumenten japanischer Unterhaltungsmedien

  1. Die Mary Sue war mir vor Jahren noch kein Begriff, er basiert ja tatsächlich auf einer Star Trek!(!) Fanfiktion wo eine Mary Sue Jenkins den guten Kirk, Spock und McCoy klar übertrumpft UND dann natürlich heldenhaft stirbt haha. Ja solche selbstinserts kommen gerne in Fanfictions vor, ich denke das ist so ein typischer Jugend-Trend den man in der Kindheit durchlebt wenn man schreibt.

    In Animes und Manga sind Mary Sues eher seltener finde ich, wobei: Viele Mädchen (vor allem in Männlichen Werken) sind zum kotzen gutmütig und gutherzig das es einen nur noch nervt, auch Kinder sind gerne Heilige, entgegen der Realität. Mir fällt noch Tamaki aus Maid Sama ein: Cool, Gutaussehend, Beliebt, Reichm Weise, kann Violine spielen und was weiß ich, ganz grauenhafter Charakter.Auch Negi aus Magister Negi Magi ist schlimm, 9 Jahre alt und Hochintelligent UND ein Kampfsportmeister, zum Kotzen diese Figuren…

  2. Haha, genial, dass auch mal ein beitrag von dir zu Mary Sues kommt. Übrigens darf ich dir folgende „Geschichte“ zu Mary Sues empfehlen, die jedoch nicht mehr zu finden ist, da die Userin ihren Account gelöscht hat^^ (Freitag der 13. lässt grüßen).

  3. hach ja, das gute Thema „Mary Sue“ Irgendwie fühl ich mich schon fast dazu berufen, da mal was zu zu sagen. Ich selber hab in meiner Jugend unzählige von diesen Biestern verzapft, aber gut – Ich wusste es nicht besser. Der Begriff Mary Sue war mir jahrelang ein Fremdwort, bis es mir vor 8 Jahren circa an den Kopf geknallt wurde, das meine GX Ocs allesamt Marys wären, allen voran mein Haupt-OC, die so hieß wie ich mich immer nenne, reich war und hübsch (nein, gut, so hübsch find ich ihr damaliges Design gar nicht mehr XD) Wenn ich so drüber nach denk, würde ich heute meine damaligen OCs wahrscheinlich alle auf dem Scheiterhaufen verbrennen, haha. Wobei ich sogar eine eigene Geschichte hab, wo die Prota irgendwie Mary ist… zumindest stehen fast alle Typen auf sie, aber andererseits ist die gute schon wieder fast zu Kuudere um Mary zu sein und ne übelste Zicke manchmal. Aber was red ich da. mir gefällt der Artikel zumindest und ich denke, so gut wieder jeder Autor hat schon eine Mary Sue verzapft. Tot zu bekommen sind sie ja (leider) nicht ^^

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