Aku no Hana (The Flowers of Evil) – Review

die blumen des bösen-aku no hana

„Ich schreibe kein Review zu Aku no Hana.“ Habt ihr ernsthaft erwartet, dass ich das ernst gemeint habe?

Es ist nun mehr als zwei Jahre her, dass ich die Anime-Adaption von Aku no Hana auseinander genommen habe. Wir erinnern uns – Aku no Hana fiel durch Rotoscopie auf und sah dabei abartig hässlich aus. Zum weiteren kam der Anime nicht sonderlich weit, da man lediglich vier Bände der elfbändigen Manga-Reihe abarbeiten konnte. Grund genug, den Rest der Geschichte auf den Grund zu gehen, da diese erst ab Band fünf so richtig losgeht. Warum ist eigentlich der Anime lizensiert und nicht der Manga? Was soll der Scheiß? Allerdings gehen wir noch einmal die komplette Geschichte durch, damit ihr nicht zwischen mehreren Reviews hin und her klicken müsst. Vorsicht, ich werde wahrscheinlich spoilern.

aku_no_hana_mangazo_De_manipuladora_04_Tierra_Freak_Tierrafreak_com_ar

Nakamura, Kasuga und Saeki

Worum geht’s?

Takao Kasuga ist ein gewöhnlicher Mittelschüler, der eine große Leidenschaft zu Literatur besitzt. Man sieht ihn die meiste Zeit im Klassenzimmer lesen und auch Daheim hat er ständig irgendein Buch in der Hand. Sein Lieblingsbuch ist Les Fleurs du Mal (zu dt. die Blumen des Bösen), geschrieben vom französischen Poeten Charles Baudelaire. Seine Liebe gilt allerdings nicht nur der Literatur, sondern auch seiner Mitschülerin Nanako Saeki, welche er als seine Muse und Venus betrachtet, doch er hält lieber Abstand von ihr. Eines Tages lässt er sein Blumen des Bösen Exemplar in der Schule liegen und geht noch einmal in den Klassenraum um dieses noch schnell mitzunehmen. Dort findet er allerdings nicht nur sein Buch, sondern auch die Sportsachen von Saeki, welche wohl aus ihrem Fach gefallen sind. Aus welchen Gründen auch immer stielt er diese und macht sich aus dem Staub, doch seine merkwürdige Mitschülerin Sawa Nakamura hat ihn dabei gesehen und erpresst ihn daher mit einem Vertrag, der sein perverses Ich zum Vorschein bringen soll.

So weit, so gut. Diese Inhaltsangabe kennt sicher schon jede Sau, also j030kommen wir zu den anderen Dingen, die auf uns warten. Von nun an ist Kasuga also als der unbekannte Perverse bekannt, der Saekis Sportklamotten geklaut hat. Nakamura scheint das aber egal zu sein und möchte dafür sorgen, dass er sobald wie möglich mit Saeki zusammen kommt. Neben der Tatsache, dass er sich jeden Tag mit Nakamura trifft, schafft er es auch bald sich mit Saeki zu verabreden. Man könnte meinen, schöne Sache. Doch Nakamura ist nicht ganz normal im Kopf, was sie immer öfter beweist und ich denke, sie hatte Kasuga schon sehr zeitig unter ihrer Fuchtel. So muss Takao Saekis Sportklamotten unter seine ziehen, als er mit Saeki auf das Date geht und irgendwann taucht Nakamura auf und zieht ihm einen Wassereimer drüber. Praktisch, wenn man dann auch noch ein weißes Hemd anhat. Wie auch immer es dann zu einer rein platonischen Beziehung zwischen Saeki und Kasuga gekommen ist, keine Ahnung. Von seinen Mitschülern wird er deswegen erst mal schief angestarrt, aber Saeki meint das vollkommen ernst. Wahrscheinlich hat ihr zuvor wirklich nie ein Junge auch nur irgendein Geständnis gemacht, schätze ich. Erstes Date im Second Hand Buchladen, wie romantisch. Dennoch verbringt Kasuga nach wie vor Zeit mit Nakamura und randaliert mit dieser eines Nachts das Klassenzimmer, wo er letztlich die Sportsachen von Saeki niederlegt, welche diese auch am nächsten Tag findet. Dank der im Klassenzimmer gezeichneten Blume findet Saeki also nun heraus, wer ihre Sportsachen gestohlen hat, möchte aber auf keinen Fall mit Kasuga Schluss machen. Als seine Mutter vom Vandalismus mitbekommt (schmutzige Sachen) rennt Kasuga von Daheim fort und rennt zum Fluss, an dem sein Fahrrad steht, welches am Anfang von Nakamura dort versteckt wurde, nach dem sie ihn auf die Sportsachen-Sache ansprach. Der Junge ist auch so dumm und ist weg gerannt, gleich am Anfang. So wollen die Beiden mit dem Fahrrad in die Berge flüchten und auf die „andere Seite“ um dieser kleinen Stadt zu entkommen. Gerade im Bezug auf die „andere Seite“ nimmt das Ganze schon einen sehr tiefen und melancholischen Ton an, den man von Nakamura nicht gewohnt ist. Allerdings fängt es an zu regnen, als sie auf dem Berg sind und können nicht weiter, was Saeki Zeit verschafft ihnen zu folgen.

maxresdefault

So geht alles schief, die Polizei kommt um Saeki zu suchen und nimmt auch Nakamura und Kasuga fest. Zwar ist Nanako aus welchen Gründen auch immer egal, dass er ihre Sportklamotten geklaut hat, aber die beiden trennen sich dennoch einen Monat später, was nicht unbedingt die beste Lösung war. Mit der Enttäuschung die andere Seite nicht erreicht zu haben, will er nun wieder mit Nakamura reden, die allerdings dicht macht und ihm sogar droht, ihr näher zu kommen. Hier endet im Übrigen der Anime, was ich schon reichlich bescheuert finde. Um also Nakamuras Vertrauen wiederzugewinnen stiehlt einfach mal jegliche Unterwäsche ALLER seiner Mitschülerinnen (Nakamura nicht, was egal ist, weil die eh keine Freunde hat) und schafft an ihrem Treffpunkt ein neues Hauptquartier, welches aus den Unterhöschen dieser Mädchen besteht. Die Polizei ist nun nicht wirklich begeistert davon, kann aber nichts in diesem Moment tun. Irgendwie kommt Saeki gemeinsam mit ihrer Freundin dahinter und will ihn komischerweise NICHT verpetzen, was eher zum Entsetzen ihrer Freundin ist. Saeki bildet sich mehr oder weniger ein, sich ernsthaft in Kasuga verliebt zu haben und steht dann am Abend in Unterwäsche vor ihm. Ich möchte daran erinnern, diese Kinder sind höchstens vierzehn. Kasuga hat natürlich nicht freiwillig Sex mit ihr, aber sie „vergewaltigt“ ihn quasi und schafft es, das Ding so weit reinzuschieben, dass es bei ihr aua gemacht hat. Hier beweist Kasuga das allererste Mal in der ganzen Reihe, dass er sich wehren „kann“ und schubst sie weg, verschwindet aus dem Quartier, welches ein paar Minuten später in Flamen aufgeht.

aku-no-hana-anime

porn…

Man könnte also meinen: „Hey, Nakamura war’s mal nicht.“, aber leider stimmt das nicht. Diese findet sich dort auch wieder und wird von Saeki gefragt, wie es ist, im Stich gelassen zu werden. Doch Nakamura kehrt das so ziemlich einen Scheißdreck, aber sie scheint auch nicht wirklich sauer auf Kasuga zu sein. Immerhin scheint dieser ernsthafte Gefühle für diese entwickelt zu haben und will sie unter keinen Umständen allein lassen. Doch die Polizei kommt wenig später auch an gedackelt und verdächtigt Nakamura und Kasuga wegen Brandstiftung. Kasuga bekommt von seinem Vater Hausarrest, muss seine Sommerferien daheim verbringen. Doch Nakamura taucht dennoch bei ihnen daheim auf, nimmt ihn mit und dann kommt ziemlicher Abfuck. In der Zeit des Hausarrestes hat sich Kasuga nämlich einen Plan ausgedacht, um auf dem Sommerfest ordentlich Mist zu veranstalten … (HARTER SPOILER) Selbstmord vor mehreren Leuten. Natürlich scheitert dieser Plan und die Beiden werden letztlich getrennt.

tumblr_nhppzlke8C1u63lloo1_1280Hier kommt dann ein Zeitsprung ins Spiel und wir sehen Kasuga, der nun etwas älter an die Oberschule in einer großen Stadt geht. Trotz der Tatsache, dass sie umgezogen sind, kann er Nakamura nicht vergessen und sieht in so ziemlich jedem Mädchen mit Brille Nakamura wieder. Seine Mitschülerin Aya Tokiwa ist auch so ein Fall, allerdings ohne Brille. Nach dem er diese in einem Buchladen sieht, kommen die Beiden ins Gespräch und sie ist ähnlich Literatur interessiert wie Kasuga. Allerdings schreibt sie auch selbst einen Roman, was sie allerdings vor anderen Leuten geheim halten wollte. Doch ein nächstes Problem kommt auf Kasuga zu – er verliebt sich nicht nur in sie, sondern muss auch noch feststellen, dass diese einen Freund hat. Kann das eigentlich noch gut gehen? Denn auch Saeki schlägt wieder auf und will mit ihm reden, beziehungsweise trifft er am Ende auch noch einmal Nakamura, die mittlerweile bei ihrer Mutter wohnt. Aber das Ende spoilere ich nun nicht, auf alles kann man hier unmöglich eingehen.

Was macht dieses Werk gut, beziehungsweise besonders?

Aku no Hana ist ein Werk, dass nicht einfach so zu verarbeiten ist. So viel Tiefe hatte ich selten in einem Manga und ich habe auch erst mal ein paar Tage gebraucht um das alles zu verarbeiten. Doch gerade die psychologischen Aspekte finde ich in diesem Werk sehr gut und selbst diese totalen Überreaktionen sind irgendwie noch realistisch. Unter den vielen Manga, die es heutzutage gibt, fällt Aku no Hana einfach auf, obwohl der Anfang eher holprig ist. Eigentlich ist es wirklich schade, dass der Anime nicht alles umsetzen konnte, da die Story erst dort richtig losgeht. Ich würde Aku no Hana nicht als besten Manga bezeichnen, aber dennoch als einen der ungewöhnlichsten. Sein wir doch mal ehrlich – normal ist diese Geschichte ganz sicher nicht.

lanh051-003-004

Tokiwa, Aya die später dazu kommt.

Welche Charaktere gibt es und wie sind sie so?

Zentral geht und ging es eigentlich immer um Kasuga, Nakamura und Saeki. Kasuga ist am Anfang ein ziemlicher Waschlappen, schüchtern, zurückhaltend … alles, was ich an Shinji aus NGE gehasst habe. Doch Kasuga kann sich, wenn er wirklich will, durchsetzen. Er wird im Laufe der Geschichte irgendwo erwachsen und seine Gedanken werden nach und nach nachvollziehbarer. Kasuga ist nicht unbedingt mein Liebling, aber hey, scheiß drauf. Des Weiteren wäre da Saeki, die selbst nicht weiß, was sie will. Ihre Persönlichkeit ist meiner Meinung nach verdammt flach und sie missinterpretiert vieles falsch, ist einfach nur dümmlich und rafft gar nichts. Später war sie dann nur noch mal da um Kasuga ein schlechtes Gewissen zu machen und wer sie hasst, wird von mir auch nicht verurteilt. Ich glaube zwar nicht, das Kasuga wirklich ernsthaft etwas mit Nakamura angefangen hätte, aber sicher auch nicht mit Saeki. Dumme, dumme Nudel.

Nakamura war dagegen sehr tiefgründig, was man am Anfang gar nicht so erwartet. Sie wirkte am Anfang wie eine Einzelgängerin, hatte keine Freunde (bis auf Kasuga dann) und ist sehr gelangweilt von ihrer Außenwelt. Außerdem sieht sie sich vermutlich als einziger normaler Mensch zwischen den ganzen Kotfressern (Shiteater, hihi) und ist auch sehr direkt, wenn ihr etwas nicht passt. Dieses seltsame Verhalten kommt wohl durch die Tatsache, dass sich ihre Eltern scheiden ließen und sie auch so wohl kein einfaches Kind war. Im Grunde möchte sie einfach nur aus dieser Stadt fliehen, aber ihren Sadismus verstehe ich nicht ganz so gut. Dennoch, für mich bleibt sie der komplexeste Charakter der Serie. Alle anderen Charaktere sind nur nebensächlich, Saekis Freundin ist eine ziemliche Zicke, die es nur gut meint und Kasugas Freunde sind eh komisch und dumm. Von seinen Eltern fang ich gar nicht erst an, die sich ständig wegen jedem Shit die Rübe machen, dass sie ihren Sohn falsch erzogen haben und haste nicht gesehen. Nur Tokiwa, Kasugas neue Bekanntschaft ist halbwegs interessant und kam am Ende viel zu kurz. Sie ist Kasuga in vielen Dingen ähnlich, erscheint mir aber weitaus stärker zu sein, als er selbst.

Das wäre eigentlich alles, was man zu den Charakteren wissen muss. Wie gesagt, ich mag Saeki überhaupt nicht, weil sie einfach aus dem Nichts einen Grund für Liebe sieht, aber so was gibt’s leider auch in der Realität. Wie realistisch die Charaktere nun sind, mal dahingestellt, aber den meisten Teil von ihnen mag ich und ich finde ihre einzelnen Entwicklungen auch recht gut. Aber ernsthaft, Saeki hätte zumindest einen kleinen Grund für ihre Dinge haben können. Meine Fresse.

Aku_no_Hana_full_1657780

Ist der Manga auch gut gezeichnet?

Wenn man nicht mit den größten Ansprüchen heran geht und kindliche Zeichenstile mag, wird man den Zeichenstil sicher mögen. Dagegen war mir der Anime dann doch zu realistisch und die Charaktere sehen zumindest auch aus wie 13-14. Gerade sehr eindrucksvolle Szenen beherrscht Oshimi Shuzo sehr gut und diese sind auch eine große Stärke des Mangas. Aku no Hana erschlägt einen nicht mit Schrift und Wort – es besticht durch seine eindrucksvollen Zeichnungen und hat höchstens acht Sprechblasen pro Seite. Da kann man sich tatsächlich auch die englische Ausgabe geben.

Wie man Aku no Hana nun sehen mag, bleibt einem selbst überlassen. Dem einen ist es zu skurril, für die Anderen ist es ein Kunstwerk. Für mich war es dann teilweise etwas zu deep, aber ich mag ihn dennoch sehr, gerade wegen den eindrucksvoll gestalteten Szenen und Landschaften (die kleine Stadt gibt es ja wirklich). Einen ähnlichen Manga wie Aku no Hana wird man allerdings nur schwer finden, davon bin ich überzeugt. Würde man Aku no Hana in einem Blumenfeld mit mehreren Manga sehen, wäre Aku no Hana wohl die auffälligste und ungewöhnlichste Blume (haha, Wortwitz, weil Hana = Blume). Mit elf Bänden erscheint mir der Manga auch weder zu kurz, noch zu lang. Wer etwas Ungewöhnliches lesen möchte, ist hier sehr gut bedient, also zu greifen.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

(Für Leute die es unbedingt lesen wollen, empfehle ich meine Übersetzung auf Tokido Translations – bin aber leider erst bei der Hälfte, also lest es lieber auf Englisch, wenn ihr es an einem Stück haben wollt)

Nakamura_Sawa_full_1496935

Advertisements

3 Gedanken zu “Aku no Hana (The Flowers of Evil) – Review

  1. Ja einer deine rbekannten favoriten, schön das du den Manga noch ansprichst. Ein Satz liest sich etwas seltsam:

    „Um also Nakamuras Vertrauen wiederzugewinnen stiehlt einfach mal jegliche Unterwäsche ALLER seiner Mitschülerinnen (Nakamura nicht, was egal ist, weil die eh keine Freunde hat)“

    <— fehlt da ein "er?"

    Sonst ist die Review recht gut geworden, da aber viele Namen genannt werdne hätte ich sie vielleicht Farblich abgegrenzt so das man wieder genau weiß wer nun wer ist, doch die charakteranalyse war ziemlich interessant. Mich erinnert, da du meintest "so einen manga gibt es nirgends sonst" alles etwas an "Naru Taru" das war auch gewollt seltsam, auch wenn es eher eine art Digimon Geschichte erzählt, nur eben in "abgefucked" 😉

  2. Puh! Du hast mich neugierig gemacht. Vielleicht schaue ich mal in die deutschen Übersetzungen rein, aber mich wundert es wirklich, dass der Manga noch nich lizenziert wurde ._.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s