Yu-Gi-Oh! 5D’s (Manga) – Review

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Noch nie hatte ich solche Krämpfe, während des Lesens eines Manga.

Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich den Anime zu Yu-Gi-Oh! 5D’s mag. Ob nun Klassensysteme, Sekten und anderer zwielichter Müll – Yu-Gi-Oh! 5D’s hatte alles, was ich mag. Mystery, ein bisschen Drama, genug Action und ordentlich Story. So war ich gespannt, als ich dann den Manga in der Hand hielt. Ja, ich weiß. Es ist eine andere Story, andere Charaktere und der Aufbau ist völlig anders. Nur stellt sich hier ein Problem heraus – der Manga baut nicht nur dermaßen auf dem Anime auf, nein, er schafft es kaum sein eigenes Universum NICHT auf seiner Vorlage aufzubauen. Was das letztlich heißt? Das Ergebnis ist eher enttäuschend, aber nicht absolut schlecht. Kazuki Takahashi plante 5D’s ursprünglich als One Shot und hatte auch schon einiges fertig. Dann kam der Verlag und lehnte den One Shot ab. Warum? Er war einfach zu lang. Wer Fragen dazu hat, dem beantworte ich diese gern in den Kommentaren. Wenden wir uns nun dem eigentlichen Manga zu.

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Zentral handelt der Manga natürlich wieder von Yusei, der wieder einmal in Satellite lebt und gemeinsam mit seinem Freund Sect ein relativ gewöhnliches Leben führt. Zumindest zum Anfang, Yusei ist zwar relativ „berühmt“ für seine Fähigkeiten, aber so berühmt kann man in Satellite ja nicht sein. So trifft er auf den mysteriösen Duellanten Skeleton Knight (der Sect ein wenig böse verletzt, also krankenhausreif) und später auf Jack Atlas, der hier keine gemeinsame Vergangenheit mit ihm hat. Wo die Story am Anfang hin will, kann man noch nicht richtig erkennen. Allerdings nimmt er dann auf Einladung der üblichen Bösewichte am D1 Grand Prix teil, wo sich der meiste, große Teil der Story tummelt. Verwendet werden nur Charaktere aus der ersten und zweiten Staffel aus Yu-Gi-Oh! 5D’s(Anime), mit Ausnahme von Sherry und ein paar anderen Duellanten aus dem eigentlichen Grand Prix. Mit der Story der Signer und Dark Signer hat der Manga auch relativ wenig zu tun, aber der Geschichtsteil mit Peru ist dennoch mit enthalten. Wer den Anime gar nicht kennt, wird wohl weniger verwirrt sein. Von den Genres her bewegt es sich aber in den üblichen Genres, die auch der Anime anspricht.

Gezeichnet wurde der Manga von Masashi Sato, die Story stammt von Masahiro Hikokubo (der auch allgemein an den Animes zu Yu-Gi-Oh! beteiligty5d_cap25_03 ist). Als Produktionsunterstützung ist Studio Dice angegeben, wohinter sich Kazuki Takahashi selbst versteckt. Er ist wohl der zuständige Redakteur für die Serie, denke ich mal. Die Kritik die ich dem Manga gegenüber habe, ist eigentlich relativ simpel. Ich habe nichts gegen eigene Universen und wenn man die bereits vorhandenen Charaktere anders gestalten will, ist das für mich auch in Ordnung. Allerdings sollte man dabei doch beachten, was man da eigentlich macht. Meine erste verwirrte Reaktion war, woher Yusei den Criminal Marker her hat. Kenner des Animes wissen, das er diesen während den ersten zwölf Episoden bekommt (genaue Episode weiß ich grad nicht). Woher dieser Marker allerdings stammt, weiß man nicht genau. Welches Vergehen hat Yusei hier wieder verbockt? Wir werden es nie erfahren. Die Existenz von Satellite finde ich gar nicht so schlimm, nur scheint man hier auch völlig zu ignorieren, das Yusei gar nicht nach Neo Domino City dürfte. Ist die Einladung für den Cup ein Freifahrtsschein? Die Beleidigung (Satelite scum, nennen wir es einfach Abfall, das ist simpel) die er sonst so gegen den Kopf bekommt, erscheinen hier seltener, irgendwann einfach gar nicht mehr. Ich frage mich ernsthaft, wie Satellite hier entstanden ist. Immerhin hatte es ja auch einen Grund, aber nun gut. Plotholes halt. Ich mein, solche Sache kann man in zwei Sätzen abhandeln, aber sie kommen einfach nicht. Was zur Hölle ist hier los? Ansonsten verhält sich die Story relativ im Mittelmaß bis etwas besseren Durchschnitt. Die Duelle erstrecken sich meist über zwei Kapitel oder mehr, sind weder langweilig noch besonders aufregend. Sie gehören eben dazu, wobei die meisten Karten Manga-only sind.

yu-gi-oh-5ds-857108Kommen wir zu den Charakteren. Aus dem Anime kennt man Yusei als sehr in sich gekehrten, ruhigen, jungen Mann, der nicht sonderlich viel spricht. Dennoch hat er eine sehr freundliche Art und Weise, vor allem seinen Freunden gegenüber, die ihm sehr wichtig sind. Im Grunde unterscheidet sich dieser Yusei nicht zu sehr von seinem Original. Der einzige Unterschied liegt lediglich in seinen Emotionen, die er doch etwas offener zeigt. Das führt für den Fan des Anime oft zu kleinen Überraschungen, aber Yusei ist im Grunde eigentlich der selbe. Jack kann man hier etwas ernster nehmen, da er seinen Ernst und Co. im Anime ja doch etwas verliert und hin und wieder eher eine Lachnummer ist. Vergleiche mit Kaiba würde ich allerdings nie stellen, da es bei Jack wirklich nur der Stolz ist, der ihn arrogant wirken lässt. Im Grunde hat auch er einen guten Kern, er kann ihn halt einfach nur nicht so gut zeigen. Außerdem ist er in diesem Manga Rex Goodwins Sohn, allerdings handelt es sich dabei nur um eine Adoption. So viel sei verraten. Wichtig ist auch noch Sect (oh wow. ein Manga-only Charakter), Yuseis einziger Freund in diesem Universum. Dieser ist eher einfälltig und einfach gestrickt, sogar schon ziemlich wie Crow. Später wird er mal Antagonist, aber das geht auch nur paar Bände. Dann ist wieder alles okay. Ich akzeptiere ihn, mehr hab ich zu ihm nicht zu sagen. Aber Gott, ohne Jack, Kiryu und Crow in Satellite ist Yusei eine echt arme Sau.

Wenn haben wir da noch? Aki wird im Anime vorerst als aggressive Antagonistin vorgestellt und verliert später an Charakter, ähnelt sogar fast Anzu, yu-gi-oh-5ds-1178545wobei sie etwas stärker ist. Aber hier im Manga … ist sie lachhaft. Eine extrem beliebte Schülerin mit Psychickräften? Mary Sue, huh? Gerade wegen den Kräften war sie einst doch so unbeliebt, aber das ganze wird natürlich noch getoppt. Als Reinkarnation einer Duellpriesterin (Hölle, wasn Shit) setzen die Schreiber damit noch eins auf die Krone. Charakterlich kann sie gereizt sein, ist aber sonst ein nettes Mädel ohne Ecken und Kanten. Isso. Rua und Ruka stellen sich auch eher als Witz raus, was sie aber schon im Anime waren. Um die Operation für seine Schwester zu zahlen, nimmt Rua am D1 Grand Prix teil und ist so blöd wie immer. Seine Schwester ist noch ruhiger als eh schon und ist damit fast transparent. So unnütz, dieser Charakter. Crow ist hingegen der selbe Idiot wie immer, sogar manchmal fast sympathisch mit dem Müll, der aus seiner Richtung kommt. Außerdem hat er in dieser Version einen kleinen Bruder, der im Rollstuhl hat und wahnsinnig Schiss vor einer Operation hat. Gar keine so schlechte Idee, ihm eine solche Backstory zu geben, weil er sich für diesen kleinen Kerl duelliert. Aber auch wenn man sich all die Marker an Crow ansieht, denkt man sich: „Das geht so nicht.“ Wofür hat er die alle bekommen? Er lebt in Neo Domino City, was kann man da schon groß verbocken? Das selbe gilt auch für Kiryu, dessen Design seinem Crash Town-Part entgegen kommt und nun ja … er nutzt auch in diesem Manga explodierenden Stoff, um eine Backstory glänzen zu lassen. Im weiteren Kontrast zum Anime hat er auch keinen Bezug zu Yusei, sondern eher zu Jack. Find ich interessant, ich kann es nicht abstreiten. Allerdings hat er auch eher eine untergeordnete Rolle und kommt später kaum noch vor.

YuGiOh!5D'sRide017Zeichnerisch kann man leider auch nicht zu viel gutes erzählen. Wirklich schlecht sieht das alles nicht aus und kommt dem alten Stil von Takahashi und dem vom Anime Studio Gallop schon nahe. Problematisch sind eher manche Posen und Gesichtsausdrücke, bei denen ich manchmal schon da saß und dachte: „Na? Spielt da wer mit seiner Deadline?“Anatomisch ist das teils so inkorrekt, dass es sogar Leuten auffällt, die sonst nicht so bewandert im Zeichnen sind. Ich will hier aber nicht alles schlecht reden, ich kann schon verstehen, warum gerade er ausgewählt wurde. Allerdings  ist Sato aber auch kritisch mit seinem eigenen Stil, was er in seinen Randkommentaren hin und wieder schreibt. Der Mann hat dennoch Humor und erzählt auch ordentlich von Events und alltäglichen Begegnungen, die er so hatte. Sein Kollege, der die Story macht, ist da eher unvernünftiger und nicht so verantwortungsbewusst wie er. Wie ich diesen Manga letztlich betrachte, bleibt mein Schlussfazit dennoch dasselbe.

Eine Manga-Adaption zu einem Anime zu machen ist nichts schlimmes. Wenn überhaupt, schon ziemlich geil, wenn man an all die Möglichkeiten denkt. Allerdings baut dieser Manga zu sehr auf dem Anime auf und verbaut sich somit seine eigene Glaubwürdigkeit, auch wenn sich die Geschichte selbst ordentlich entwickelt. Das Goodwin der Bösewicht war, konnte man allerdings vorausahnen. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der wirklich Gründe hatte, ist er einfach nur von Willen besessen, ein Gott zu werden. Das ist kein Spoiler, wirklich. Unterm Strich war das Ende auch in Ordnung, aber so im Nachhinein hätte ich mir durchaus lieber einen Manga gewünscht, der die Plotholes des Anime abdeckt. Aber das wird wohl immer ein Traum bleiben. Meine Wertung ist daher etwas höher als Durchschnitt, weil eben auch gute Ansätze drin waren. Leider nicht genug, um gegen den Anime anzukommen oder zumindest damit gleichgesetzt zu werden. Aber es war keine verschwendete Zeit und das ist für mich wichtig.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

ACHTUNG – Der Manga ist nur auf Englisch erhältlich. Erschienen ist er bei VIZ-Media und kostet so sieben bis zehn Euro auf Amazon. Die Preise variieren stark, mit neun Bänden ist er aber endgültig abgeschlossen.

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3 Gedanken zu “Yu-Gi-Oh! 5D’s (Manga) – Review

  1. Hm naja die Bewertung ist aber fraglich, war der Manga nicht VOR dem Anime raus? Dann müsste eher der Anime die offenen Fragen DES MANGA abdecken? ^^ Ansonsten interessant was immer für Änderungen gemacht werden, sowas ist allgemein ja auch unterhaltsam zu sehen wie die ursprüngliche Idee war.

    Und die Anatomie der Serie war ja auch nie ganz sauber xD Dennoch gute Review 🙂

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