Perfektionismus unter Anime-Fans – etwas, worüber ich mich stundenlang aufregen könnte

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Ich glaube, jeder weiß wovon ich rede.

Was Perfektionismus ist, müssen wir sicher nicht groß ausweiden. Es ist ein krampfhafter Versuch, alles schön perfekt und fehlerfrei hinzubekommen. Gerade das ist der Zustand, in dem sich so ziemlich jeder Deutsche befindet … oder fast jeder, je nach dem. Man kann dieses Thema wunderbar auf die deutsche Anime-Szene übertragen, die sich über jeden Müll aufregen müssen. Daher auch dieser Artikel. Ursprünglich habe ich mich auch gern über alles und jeden aufgeregt, aber mittlerweile ist mir das einfach zu fad geworden, weshalb ich einen Spruch ziehe und dann wieder ruhig bin.

Deutsche Zeichnerszene

Meine Zeit in der deutschen „Mangaka“-Szene war zugegeben nicht lang. Es gab mehrere Gründe dafür, aber der übergroße Perfektionismus war einfach zum kotzen. Ich habe irgendwann mit vierzehn anfangen zu zeichnen, weshalb ich mir nie groß Gedanken zur Verbesserung gemacht habe. Immer schön drauf los und dann hat das schon gepasst. Als ich dann besseren Zugang zum Internet hatte, hab ich natürlich einiges hochgestellt. Böse Kritik habe ich eigentlich nie wirklich bekommen, aber die meisten Leute gingen mir schon auf den Sack. Wenn es nach denen ging, sollte man nach einem Jahr Erfahrung doch bitte Anatomie und Co. perfekt beherrschen. Jeden Tag zu üben wäre doch Pflicht und … meh. Nee, danke. Ich zeichne hin und wieder für mich und Freunde, aber ins Netz werde ich wohl nicht mehr viel stellen. Allgemein sehe ich die deutschen Zeichner eher im lala Bereich. Ich habe schon viel schönes gesehen, aber man muss ja so arg an sich selbst kritisieren. Ein wenig Selbstkritik ist in Ordnung, aber wenn man sich nur kritisiert, hat man berechtigt schnell keine Lust mehr. Unverständlich ist mir auch, warum deutsche Eigenproduktionen so unvielfältig sind. Das meiste davon hat man schon zwölfmal gelesen oder es ist einfach Yaoi. Die Zeichenstile sind meistens gar nicht so schlecht, aber die Story will einfach nicht überzeugen. Vielleicht bessert sich das noch in den nächsten Jahren, aber ich habe zugegeben keinen einzigen Manga eines deutschen Zeichners bei mir daheim stehen. Ändern würde ich das gerne, aber überzeugen tun mich die meisten Sachen auch nicht.

Cosplayer

Egal auf welcher Convention, sie sind immer da. Meistens arbeiten sie ein Jahr vor und sind auf jedes Detail an ihren Kostümen fixiert. Ich sitze dann daneben und zucke mit den Schultern. Warum? Ich mach mir gar nicht so viel Kopf. Klar, ich kann nicht nähen und kauf mir meine Kostüme fertig. Aber warum sich den Stress machen? Bei den meisten Sachen verstehe ich aber schon, warum so viel Zeit dran hängt. Wenn man was aufwendiges machen will, soll schon alles passen. Aber gerade bei so Sachen wie Schuluniformen sitze ich dann da und denke mir: „Hm, machs dir schwerer, als es wahrscheinlich ist.“ Hier verstehe ich es schon, keine Frage. Wenn man dann auch noch wenig Zeit hat, erschwert sich das ganze umso mehr. Auch ich habe noch ein paar kleine Träume, die ich cosplayen will. Nur finde ich es dann auch arg böse, wenn so Cosplayer gegenseitig aufeinander losgehen. Diese perfektionistischen, überschminkten Weiber sind oft auch live völlig unsympathisch und blaffen dich blöd von der Seite an, wenn du zu laut geredet hast. Ich habe auf der Messe brav Bilder von mir machen lassen und war völlig locker und hört und staunend – ich hatte keinen Gramm Schminke im Gesicht. Da guckste, was? Bei Wettbewerben sind die Jurys aber genauso streng, davon mal abgesehen.

Deutsche Anime/Manga-Veröffentlichungen

Typisch ist so etwas eher bei Anime-Releases, aber davon sehen wir nun einmal ab. Ob es nun die Übersetzung, der ach so beschissene deutsche Titel oder die Synchronisation ist – die Fans haben immer irgendwas zu meckern. Früher hats auch niemanden gekehrt, weil niemand das Original kannte und man froh war, wenn man was zu sehen hatte. Kritik finde ich aber auch in Ordnung, wenn man sie ordentlich äußert. Dann ist das für mich völlig in Ordnung. Vergleichen kann man aber auch nicht wirklich, aber trotzdem – ohne Kritik verbessert sich wirklich nichts. Das mal ein Tippfehler in einem Manga passieren kann, verstehe ich allerdings nur zu gut. Die Übersetzer haben sicher auch so zu tun, mit ihren Bänden monatlich oder zweimonatlich fertig zu werden – da kann ich das verstehen. Nur bedenken all diese Leute nicht, das hinter den Verlegern und Übersetzern nur Menschen stecken. Es wird immer ein paar Fehler geben, das ist nun mal so. Ich kaufe mir teils auch englische Mangabände und die sind auch nicht völlig super. Wo sich bei den deutschen Verlegern Mühe gegeben wird, schön zu bearbeiten, kacken die Amis lieber drauf und ziehen ein weißes Kästchen über die Zeichnung und fügen dann die Schrift ein. So einfach machen die es sich. Gut, wem es ganz zu blöd ist, kann es sich völlig einfach machen. Das Internet funktioniert für gewöhnlich und Subs/Scans findet man immer. Aber gerade der deutsche Markt hat sich in den letzten Jahren wirklich verbessert und bringt teils Serien heraus, von denen man damals nur träumen konnte. Man braucht eben auch heute etwas Geduld, aber mit ein bisschen Geduld kann alles irgendwann wahr werden. Man darf einfach nicht zu negativ sein.

Ich frage es mich immer wieder – warum eigentlich? Klar, aufregen kann man sich immer. Aber der allgemeine Deutsche ist so verkrampft, das ich mit Neid zur englischen Szene sehe. Die sehen vieles etwas lockerer und bashen nicht gleich auf alles ein. Natürlich wünsche auch ich mir Dinge, die mir die Welt niemals geben wird. Aber mal ehrlich – ich habe meinen Spaß. Ich würde niemals etwas tun, worauf ich keinen Bock habe. So viele Leute verlieren das Interesse an ihrem Hobby, weil sie vieles zu verkrampft sehen. Entspannen wir uns doch ein wenig und bleiben etwas optimistisch, auch wenn die Chancen eher schlecht stehen.

Wie steht ihr zu diesem Verhalten? Welche Kritik findet ihr angebracht und welche nicht? Alternativ darf auch gern jeder seine Vorgehensweisen im Detail schildern, nur denkt daran – das Internet vergisst nie.

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4 Gedanken zu “Perfektionismus unter Anime-Fans – etwas, worüber ich mich stundenlang aufregen könnte

  1. Bei den meisten Dingen stimme ich dir zu. Entspannt lebt es sich meiner Meinung nach eh viel leichter. ^^
    Ich finde es übrigens sehr faszinierend, dass ich deutschsprachige Manga bisher fast ausschließlich im Yaoi-Bereich gefunden habe. („Skull Party“ von Melanie Schober wäre z.B. eine Ausnahme.) Liegt es daran, dass mehr Frauen in Deutschland zeichnen, weil das eher ein „feminineres“ Hobby ist und tendenziell Frauen eher auf Yaoi stehen als (heterosexuelle) Männer? Oder verkaufen sich Yaoi-Manga in Deutschland einfach besser und landen daher eher im Regal? Oder habe ich bisher einfach alle deutschen Nicht-Yaoi-Manga übersehen? Hast du da eine Theorie zu? 🙂

    • Ich schätze, Yaoi verkauft sich einfach wegen den überwiegend weiblichen Lesern besser, ja. In den Regalen die ich kenne stehen eher Action Manga, eben die typischen Shounen Vertreter. Anders erkläre ich mir das auch kaum. Ich hab irgendwann mal einen Hetero-Romance Titel gesehen, aber ich seh dann manchmal noch was anderes daneben und denk mir so: „Oh, das wollt ich ja noch lesen.“ und dann isses vorbei. Ein Regal rein für deutsche Zeichner würde ich aber auch nicht einführen, weil man es ja dann bewusst überspringen kann und es auch nicht fair wäre. Zumindest fände ich es so, wenn ich als Zeichner da einen Band stehen hätte.

      • Ja, aber die Shounensachen sind soweit ich das überblicke eben nie von deutschen Zeichnern/Zeichnerinnnen. ^^
        Nee, aufsplitten nach der Herkunft der Zeichner muss man da ja auch nix. 🙂 Es wunderte mich halt nur, dass ich bisher eher wenig Nicht-Yaoi bei den deutschsprachigen Sachen gefunden hab.

  2. Bei Cosplayern finde ich es schon schlimm wenn „Kollegen“ einen den Spaß madig machen wollen. Klar, einer gibt sich halt mehr Mühe als ein anderer, aber ist es ein Wettkampf? Ich finde wenn man jemanden nach seiner Meinung fragt ist Kritik okay, aber grundlos einen anmachen muss natürlich nicht sein.

    Deutsche Manga Szene? David Füleki. Das bringt eigentlich jeden kritiker zum schweigen würd ich meinen. Ich fand es auch sehr toll das Anike Hage „Die Wolke“ als Manga brachte, wäre es nicht toll würden andere zeichner auch deutsche Sachen mal als Manga verabeiten? Eine Manga Version vom hauptmann vom Köpenik? Oder „Die Brücke?“ sowas würde mich schon mal reizen. Klar, es gibt immer mal Werke die einem nicht zusagen aber ich bin da sehr offen und finde manche Szenen sehr unschön: Wenn man in einem Forum z.B. schreibt „Ist deutsch also kauf ichs nicht“ ärgert mich das, und ich verstehe wieso manche Zeichner da etwas dunnhätug reagieren.

    Zeichnen hm, das ist schwierig: Man sollte KONSTRUKTIV sein, aber es ist auch immer die Frage: Zeichnet jemand aus spaß oder will er wirklich professionell werden? Das sollte ausschlag für Kritik (KONSTRUKTIVE) sein.

    Und ja: Wir deutschen sind immer schnell kritisch, das zeigt das Internet ja eh am besten^^

    Dehr interessanter Bericht, danke

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