Elfen Lied – Review

MangaNyuuNana

Zehn Jahre später bin ich bereit, diesen Manga ordentlich durchzunehmen. Okay, eigentlich sind es vielleicht fünf Jahre, aber man soll ja so tun, als ob.

So ziemlich jeder kennt Elfen Lied oder hat zumindest schon einmal davon gehört. Wenn man den Titel allerdings hört, hat man eher den Anime gedanklich vor sich. Das es ja eigentlich einen Manga gibt, weiß oftmals keiner, den ich frage. Ich selbst habe diese Reihe angefangen, als ich mit meinen ersten zwei Mangareihen durch war. Klingt sicher nach einer langen Zeit, aber so lang erscheint es mir gar nicht, wenn ich ehrlich bin. Es folgen eine Menge Spoiler, ihr seid gewarnt.

Manga und Anime unterscheiden sich eigentlich nicht großartig. Gemeint ist damit zumindest der Anfang, der sich im Manga auch recht ähnlich anfühlt. Es gibt ein paar mehr elfen-lied-1887343Gespräche und das Massengemätzel aus Folge 1 gibt es so eigentlich gar nicht. Natürlich bringt Lucy schon ein paar Leute um, aber sie wirkt hier nicht ganz so extrem desinteressiert. Könnt ihr euch noch an die Sekretärin erinnern, die sie einfach umgebracht hat? Im Anime lief sie einfach so ins Bild, doch hier pack Lucy die Gute und reißt ihr eigenhändig den Kopf raus. Also nicht mit ihren Vektoren, sondern wirklich mit ihrer eigenen Hand. Hier und da merkt man Unterschiede, die einem beim Schauen des Anime sogar teils gefehlt haben und alles … fast ein bisschen logischer machen. So in etwa sitzt man da, wenn man zuvor den Anime gesehen hat und sich bis zur Hälfte des Mangas durchgearbeitet hat. Den eines ist sicher – Lynn Okamoto ist fähig, eine spannende Geschichte aufzubauen. Was ihm aber ein wenig zum Verhängnis wird, erkläre ich aber auch noch. Prinzipiell sind die Charaktere völlig gleich zu dem, wie man sie aus dem Anime kennt. Ein gravierender Unterschied ist aber doch vorhanden – Lucy ist wirklich bösartiger, als ich es ursprünglich erwartet habe.

In der Anime-Adaption versuchten sie ständig, Lucy als „Gute“ darzustellen. Mit Kommentaren wie: „Bis jetzt habe ich niemanden umgebracht“ oder dergleichen. Diese Lucy wirkte aber fast immer völlig desinteressiert, aber im Manga wirkt sie wirklich von Grund auf böse. Ansonsten liest sich diese Serie auch sehr bitter, zu lachen gibt es wirklich selten etwas. Ob man allerdings über Ecchi lachen kann, also so richtig, mag ich eher bezweifeln. Nyu wirkt noch fast ein bisschen dümmlicher, aber wenigstens ist Yuka nicht mehr ganz so nervig. Als sie von Bando ins Gesicht bekam, hab ich doch ein bisschen gelacht. Ich gebe es gern zu. Bei Nana und Mayu habe ich keine großen Unterschiede bemerkt, aber die mochte ich eh noch nie so richtig. Merklich eher wird außerdem auf Lucys Vergangenheit eingegangen und wird direkt am Stück gezeigt. Im Anime meinte man ja, diese Rückblicke teilen zu müssen. So ist auch gleich klarer, wer Kotas Schwester umgebracht hat. Ganz verwundert war ich auch, als am Ende von Band 4 Lucy auf der Treppe stand und völlig nett zu Kota war. Im nächsten Band vergessen sie das allerdings fast völlig und sie ist genauso bösartig wie immer. Ich werde nie verstehen, warum Anime Lucy so ein Emo ist.

0_original

Der Kontrast Nyu und Lucy hat mich eh immer wieder aufgeregt. Zugegeben, so eine Sache mit gespaltener Persönlichkeit find ich ganz gut. Aber wie Nyu als Amnesie-Mädel dargestellt wird und wie wirklich niemand rafft, wieso, weshalb, warum … das war so eine Sache, die mich immer wieder angekotzt hat. Da tut es doch beim Lesen gut, einige Verbindungen zu den Charakteren ziehen zu können. Nehmen wir doch einfach mal Nummer 3, die Dr. Kurama identifiziert hat. Wusstet ihr, dass sie Nanas ältere Schwester ist? Ich hätte es gut verstanden, wenn Kurama Nana irgendwo gehasst hätte, wegen dieser Tatsache. Aber gut, Nana kann ja dafür auch nicht viel. Ihn mochte ich eigentlich relativ gern, sowohl im Manga als auch im Anime. Das er die Sache mit Mariko überlebt hat, fand ich eh extrem. Später ist er völlig niedergeschlagen und lebt zusammen mit Bando auf der Straße. Alles hat der Anime aber nicht falsch gemacht – die Existenz von Nozomi verstehe ich bis heute nicht. Sie wurde im Anime völlig weg gelassen und ist eine Freundin von Yuka, die mit ins Haus zieht. Sie kann recht schön singen, ist aber eine Bettnässerin. Ihr Einleitungskapitel konnte man wirklich wörtlich nehmen. Dieses hieß nämlich in die Hose gegangen.

9dkXMDbAb Band 6 erfährt man dann auch endlich, wie die Geschichte wirklich weitergegangen ist. (ab hier wird noch härter gespoilert, also Vorsicht) Das Mariko völlig überpowert ist, brauchen wir nicht erzählen. Sie kann zwar nicht richtig laufen, aber das gibt ihr auch keinen wirklichen Minuspunkt. Fünfzig Vektoren sind einfach zu viel, die im Anime zwar auf 28 gesenkt wurden, aber trotzdem. Der Manga setzt sogar noch einen drauf und lässt Mariko klonen, nach dem sie den Kampf gegen Lucy verloren hat. Dort spaltet sich die Story mehr oder minder, wenn man es so sagen kann. Der ganze Kampf war auch ein ziemlicher Abfuck, gerade mit dieser Sekretärin (oder Wissenschaftlerin – keine Ahnung) Shirakawa. Die steht zwar irgendwie auf Kurama, lässt sich aber trotzdem von ihrem Boss … na ja, ihr wisst schon. Der ist übrigens der nächste größere Antagonist und sich auch nicht so schade, seine eigene Tochter für seinen Gotteswahnsinn zu „opfern“. Ein halbes Jahr vergeht also und Lucy scheint ein normaler Mensch geworden zu sein, seit dem ihre Hörner abgebrochen (eigentlich wäre sie wohl gestorben, was auch der Fall war, da ihre eigentliche Persönlichkeit gestorben ist) sind. Nyu wie sie war, hat nun sogar das Sprechen gelernt und alles fängt nun an, nicht mehr so sinnlos brutal zu sein. Selbst Nana entwickelt sich weiter und begreift, dass sie nicht immer nur auf ihren Vater angewiesen sein kann. Manchmal hatte sie sogar Momente, in denen sie richtig bad ass war. Am Ende bleibt aber nicht so viel übrig. So genial wie die Story ab diesen Punkt war, reißt Kota gleich wieder alles ein. Das mit seiner Schwester, schön und gut. Kann man ja verstehen, dass er sauer auf Lucy/Nyu war, nach dem er es erfahren hat. Aber selbst nach dem er ihr nicht mehr böse war und dann wegen eines Missverständnisses doch wieder, ging er mir einfach nur noch auf den Sack. Natürlich, Lucy war nie die Gute in dieser Geschichte. Aber selbst sie hat am Ende verstanden, was Freunde sind. Deshalb hat sie sich auch für diese geopfert und vor allem auch für diesen Pisskopf eines Protagonisten. Der Manga nimmt ein gutes Ende, trotz Lucys Tod. Kota heiratet die blöde Yuka, zehn Jahre später geht er das Grab von Lucys Hund mit seiner Tochter besuchen und macht einen Fund, der ihn zum Weinen bringt. Ein Wiedersehen mit zwei kleinen Mädchen gibt es auch, die wohl die wiedergeborenen Persönlichkeiten von Lucy und Nyu darstellen. Das Ende war doch, sehr gut.

Undersiege

Zeichnerisch ist hier aber noch kein Meister vom Himmel gefallen. Vor einiger Zeit habe ich mal Elfen Lied mit dem neueren Okamoto Werk Brynhildr verglichen und eingesehen, dass sich dieser Mann durchaus weiterentwickelt hat. Der Anime war optisch extrem aufpoliert, wenn man so will. Er selbst sieht auch ein, dass er keinen besonders schönen Manga geschaffen hat. Über Elfen Lied hinweg wird es steigend besser, aber gerade blutige Szenen und vereinzelte Gesichtsausdrücke bis Haltungen liegen ihm nicht so ganz. Manchmal denkt man sich: „Oh, das sieht gut aus.“ und im nächsten Moment gleich wieder: „Ups, da lief was falsch.“ Mittlerweile ist er auf digitales Zeichnen umgestiegen, was eine gute Entscheidung war. Bessere Zeichner gibt es natürlich auch, aber ich bin schon der Meinung, dass er sich bei seinen Storys ordentlich Gedanken gemacht hat. Gerade Elfen Lied hat seine tiefsinnigen Stellen und handelt, wenn man es genau nimmt, eigentlich nur um die Einsamkeit dieser nicht ganz menschlichen Wesen. Lustiger Fakt noch am Rande – die Diclonius haben nur im Anime rosa Haare. Im Manga hat Lucy als einzige rosa Haare, Nana hat lilane und Mariko ist blond. Ich war höchst verwundert, als ich die Cover sah.

Nach all den Jahren würde ich diesen Manga auch nicht als besten bezeichnen, den ich je gelesen habe. Müsste ich mich aber zum Beispiel zwischen Mirai Nikki und Elfen Lied entscheiden, würde meine Entscheidung wohl auf Elfen Lied fallen. Lucy war tatsächlich ein starker Charakter, aber wirklich schwer von Begriff, was soziale Bindungen angeht. Ist natürlich bei ihr kein Wunder, aber trotzdem. So weit war es das erstmal, sobald ich Bruno im Dunkeln abgeschlossen habe, kommt auch dazu ein Review (oh Gott … ich muss noch mindestens zehn Bände nachkaufen, arg). Der Manga lohnt sich aber wirklich nur für Leute, die den Anime nicht gesehen haben oder wissen wollen, wie die Geschichte weitergeht.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Erschienen bei: Tokyopop, zwölf Bände in Doppelbänden, abgeschlossen

Advertisements

3 Gedanken zu “Elfen Lied – Review

  1. Na da haste aber nun wirklich das komplette Ende gespoilert, aber okay, man war vorgewarnt, auch wenn es mehr wie eine Nacherzählung wirkt als wie eine Bewertung. Dennoch gefiel mir die Review weil du natürlich gute Vergleiche mit dem Anime machst und auch auf die Optik des Manga eingehst. Ein Rechtschreibfehler ist mir aufgefallen: „Ansonsten liest sich diese Serie auch sehr bitte“ <- Bitte? ^^;

    Ansonsten ne gute Review, auch wenn jeder den Manga/anime kennen muss um hier zu wissen was du meinst, das solltest du trotz deiner passenden Spoiler Warnung nochmal dazuschreiben.

    Unglaublich das Kurama das überlebt haben soll, aber in Anime gibts ja abstruseres XD Das der Anime mit einem gemetzel beginnt ist scheinbar ein dramaturgischer Trick der Macher um die Zuschauer zu ziehen, leider sehr gerne genutzt 😦 Danke für die Manga Review ^^

    • Das sollte bitter heißen, ist mir tatsächlich auch schnell aufgefallen, sollte also raus sein. Was Kurama angeht – Mariko stirbt im Manga auf eine sehr abstruse Weise. Die ist so bescheuert, dass ich sie nicht wirklich spoilern konnte. Das Ende ist jetzt auch nur ganz grob gespoilert, auf die richtigen Details bin ich auch nicht eingegangen. Ich bin selbst überrascht gewesen, wie viel ich über den Manga noch nach Jahren weiß. War damals auch sehr begeistert von der Reihe, vielleicht liegt es daran.

  2. Ich habe den Manga vor ein paar Jahren angefangen, ehe ich den Anime geguckt habe, habe erstmal die ersten 70 Kapitel fast am Stück gelesen, um dann den Anime zu gucken. Seitdem verläuft es mit dem Manga aber nur schleppend, und ih bin erst bei Kapitel 80 Mal schauen, ob ih ihn je zu Ende lese xD

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s