Yu-Gi-Oh! Dark Side Of Dimensions – Review

Alle schreien so: „Boaaar, geil“ und ich steh so daneben und denke mir … „ja, alles klar.“

Wie oben im Text schon angeteasert, die meisten Schauer des Films waren total begeistert von Dark Side Of Dimensions. KSM brachte den Film ins Kino und zeigte ihn an einem Sonntag vor einigen Wochen und zum Teil auch noch jetzt in ausgewählten Kinos. Da ich allerdings arbeiten musste, habe ich den Film geschaut, als Subs da waren. Ich hatte eh keine Lust auf zensierten Amikram, aber dafür kann KSM ja nichts. Die müssen sich auch irgendwo an die Rechte halten und verteidigen sich gern damit, dass hierzulande eh kaum einer das Original kennt (außer ich und tausende User auch, aber das mal hingestellt). So toll für viele der Tritt in die Kindheit und das Nostalgiegefühl auch war – so begeistert war ich dann doch nicht. Ich habe Yu-Gi-Oh! auch geschaut, als ich in der Grundschule war. Ich bin genauso damit aufgewachsen und will niemandem irgendwelche nostalgischen Gefühle kaputt machen, also fühlt euch nicht angegriffen, wenn ich so etwas mittlerweile fast als idiotisch ansehe. Es gibt einfach Leute im Netz, die es völlig übertreiben.

Ich muss ja denk nichts mehr zum Plot und den Charakteren sagen. Die kennt jeder und der Film spielt ein halbes Jahr nach dem Abschied vom Pharao. Der Versuch, das mittlerweile schlecht gealterte DM in neues Gewand zu bringen, wirkt nicht völlig daneben. Pünktlich zum Jubiläum kam der Film in Japan und wurde dort sogar noch ein weiteres Mal wiederholt, weil die Resonanz wohl so gut war. Verglichen mit anderen Jubiläumsprojekten ist dieser Film aber ziemlich mager. Klar, hier können wir uns jetzt streiten, aber mal ehrlich – Konami riskiert echt gar nichts. Toei Animation legt den kompletten Sailor Moon Manga zum Jubiläum neu auf und die Fans feiern es, weil es so nah am Original ist. Digimon wird neu auflegt und bekommt ganze sechs Filme. Und da haben wir Yu-Gi-Oh! – ein Film, durchzensierter Dreck und die Leute wollen mir was von Nostalgie erzählen. Das ist nicht nur traurig, nein, es hat sogar einen ziemlich bitteren Nebengeschmack. Für Bonds Beyond Time hat sich seinerseits kaum ein deutscher Fan interessiert. Warum? Hat ja keine deutsche Umsetzung bekommen, weil kein Lizenzgeber so richtig Interesse und Durchsetzungsvermögen gezeigt hat. Das war ein Jubiläumsmovie mit Logiklücken ohne Ende, aber er hat Spaß gemacht und hat das Beste von allem gehabt (tut mir leid, ich sehe die Glanzzeit von YGO! nun mal nur bis 5D’s). Zumindest sitzt an diesem Film auch Kazuki Takahashi selbst (einer von wenigen Japanern, die im Abspann der westlichen Fassung aufgelistet werden) an der Story, der ja schon einen Kurzmanga als Einleitung gezeichnet hat. Außerdem stellt sich noch der Main Director von Yu-Gi-Oh! Zexal zur Verfügung, was dem ganzen schon wieder gewisse Zweifel meinerseits einfließen lässt. Aber gut, ich habe den Film gesehen und ich kann genug dazu sagen.

Wenn Kaiba einen Fahrstuhl ins Weltall baut, nur um das Milleniumspuzzle zusammen zustellen, hat der Wahnsinn wohl ein neues Level gefunden. Nicht das es völlig unlogisch und unmöglich ist, diese Besessenheit um den Pharao wirkt meiner Meinung sogar für ihn zu viel. Ich habe am Ende nur aufgeseufzt und na ja … so geil ist der Pharao nun auch nicht, auch wenn seine Fangirls jetzt sicher auf mich zu kommen und mich köpfen wollen. Der neue Bösewicht Aigami (oder auch Diva) lässt einige Menschen in den Limbo verschwinden und stellt einiges Chaos an, ist dabei aber nur ein Witz von einem Bösewicht. Natürlich waren Bösewichte in YGO! immer so eine Sache, aber Aigami redet nur gern deep vor sich hin und wird von mir sonst nicht ernst genommen. Hier fehlt es mir schon an der Glaubhaftigkeit, den Film möglichst tiefgründig wirken zu lassen. So ein Lutscher, als hätten wir so einen Bishounen noch gebraucht (gibts ja eh nich schon genug, wa?). Das am Ende mal wieder nur Bakura an allem Schuld war (oder zumindest der Milleniumsring), war auch wieder so eine Enttäuschung. Wieder so ein typischer Antagonist, der doch eigentlich voll der nette Kerl war und von den Umständen so böse gemacht wurde. Ich kann es langsam nicht mehr hören, aber wenigstens war seine kleine Schwester mit ihren zwei Minuten Screentime ganz niedlich.

Yugi wirkt in diesem Film etwas gereift, scheint mittlerweile halbwegs allein klar zu kommen. Der Rest war dann auch okay, Jonouchi (Joey) hatte auch nur ein paar kurze, lustige Momente, doch das war es dann auch schon. Nur Shadis Existenz und ständig plötzliches Auftauchen in der eigentlichen Serie ergibt nun endlich Sinn, aber das war es schon. Während der Pharao letztlich nur ein paar Sätze gesprochen hat (und das auch nur in einer nachgestellten Illusion von Kaiba), saß ich Schultern zuckend da und hab einfach drauf gewartet, dass der Abspann läuft. In unserer Version hat er am Ende bestimmt noch gesprochen, so gut kenne ich die Amerikaner mit ihrer Verstümmelung mittlerweile gut genug. Zwei Sekunden mal da stehen und das Duell beenden hat es echt gebracht, bye Pharao. Das war es auch schon vom Film. Musikalisch war es ziemlich gut gemacht und auch zum Teil sehr episch, aber das verdeckt nun mal die teils schwachen Charaktere nicht. Im Kino hat sich der Film sicher ziemlich gut gemacht und gut aussehen tut er auch. Ein wesentlicher, technischer Fortschritt und auch von den Zeichnungen ist hier viel mehr Qualität vorhanden. Muss aber auch so sein, nach zwanzig Jahren. Wenn man das ganze drumherum betrachtet, kann man diesen Film auf jeden Fall akzeptieren. Ist auch von meiner Seite gar kein Thema, aber mit Dub tu ich mir das hier nicht an. So geil die deutschen Sprecher auch sein mögen, so nimmt man der ganzen Sache einfach den kompletten Sinn.

Ich kann mir aber leider kaum vorstellen, dass dieser Film für neue Fans wirklich geeignet sein soll. Verstehen tut man es zwar schon, aber warum Kaiba so besessen vom Pharao ist und wieso, weshalb, warum … ich glaube, das wird den neuen Zuschauern nicht ganz aufgehen. Wie man den Film besser machen könnte, kann ich nicht genau sagen. Zum Schauen reicht er völlig aus, aber eine wahrliche Meisterleistung im Vergleich zu anderen Filmen ist er nicht. Ob jetzt Bonds Beyond Time oder dieser Film besser ist, lässt sich auch bestreiten. Wenn dieser Film wirklich ein halbes Jahr nach DM spielt, zweifle ich, dass die Technik da schon so weit war (gerade was Solid Vision und diesen total lächerlichen Fahrstuhl angeht). Eine Timeline zwischen allen Serien ist mittlerweile auch nicht mehr möglich, weil halt alles nach GX und 5D’s auf zeitliche Festlegungen der Vorgänger scheißt. Betrachten wir ab jetzt einfach alle YGO Dinge als einzelnes, hier Logik zu suchen ist eher fehl am Platz. Besser als der erste Film von 2004 ist Dark Side of Dimensions aber auf jeden Fall. Das kann man mit Gewissheit so unterschreiben.

Nach all dem Hype um einen gut aussehenden Film bleibt mir Dark Side Of Dimensions nur als netter kleiner Versuch in Erinnerung, alle nach Yugi kreischenden Fangirls zu beruhigen in Erinnerung. Dieses Franchise hatte schon besseres zu bieten und die Ideen für diesen Film waren auch nicht sonderlich kreativ oder besonders wertvoll. Yu-Gi-Oh! heißt ja immer noch König der Spiele und nicht „Boar, Yugi ist der Protagonist“, aber viele haben da wohl einfach was missverstanden. In diesem Falle sage ich nur, netter Versuch, aber mich haut ihr mit so etwas nicht von den Socken.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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2 Gedanken zu “Yu-Gi-Oh! Dark Side Of Dimensions – Review

  1. Nachdem ich deinen Artikel gelesen habe, kann ich dir nur voll und ganz zustimmen. Habe den Film mit ein paar Freunden angeschaut, auch mit welchen die den Anime nur kurzfristig in ihrer Kindheit mal geguckt haben. Der Film war nicht schlecht, aber auch nicht gut. Dennoch gut genug um mich und meine Freunde, im positiven Sinne, zum Lachen zu bringen. Die Witze waren so übelst schlecht, das es schon gut war und auch dieses Space-Kaiba dingens war so unrealistich, da kann man bloß drüber hinweg lachen.
    Ich gebe zu ein Nostalgie Gefühl breitete sich nicht in mir auf, Diva war im wahrsten Sinne des Wortes eine totale Diva und so richtig gefesselt hat mich der Film natürlich auch nicht. Trotzdem fand ich den Film in Ordnung und er wird wahrscheinlich für eine zeit lang in Erinnerung bleiben (aber nur wegen den Witzigen Szenen). Um ehrlich zu sein, ich habe mir eigentlich auch ein Remake der Serie gewünscht, das wäre doch voll der Renner mit den neuen Animationen. Wäre mir auch wurscht wenn es nur in Japan veröffentlicht wird.

  2. Ich privat denke aber auch man sollte diverse Sachen einfach ruhen lassen. Natürlich kann man Konami verstehen, YGO ist so erfolgreich geworden das sie selbst auf ihre Videospiele nichts mehr geben und sich in die Welt der Pappkarten flüchten, doch die erste serie? Wären sie nicht so halbherzig und würden man wirklich kreative neue Serien rund um das Kartenspiel versuchen wäre man vielleicht auch wieder wirklich interessiert, so ist es doch nur meistens „Konfetti-Haar in der Zukunft“ was auf dauer eher zum Gähnen anregt.

    Digimon neu aufgelegt, Sailor Moon neu aufgelegt, Berserk neu aufgelegt… der Zwang nach Remakes ist derzeit echt ermüdend in der Szene. Dennoch gute Review deinerseits, schade das sie den Film nicht etwas selbstironischer und nostalgischer gemacht haben

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