Kuroko no Basket – Review

Heute mal ein bisschen ehrlicher und seriöser, als das Anime Review.

Irgendwann kommt auch für Hotaru die Zeit, in der sie sich nach neuen Dingen umschauen muss … weil das Yu-Gi-Oh! Franchise auf Dauer echt langweilig und flach wird. Was muss also her? Ein neuer Shounen Anime, der ein klares Ende hat und Charaktere hat, die aushaltbar und originell sind. Davon hat die Shounen Jump ja einige in der Auswahl, aber welchen auf die Schnelle nehmen? Ich bin selbst überrascht, dass ich mal ernsthaften Gefallen an einem Sportmanga finde, kein Scheiß. Nach dem ich den Anime zu Kuroko no Basket gesehen habe, war schon klar – jo, der Manga muss auch noch gelesen werden. Da meine Manga Reviews aus unerklärlichen Gründen meist ehrlicher und aufschlussreicher sind als meine Anime Reviews, versuchen wir es auf ein neues. Heute einmal, wesentlich ernster und zusammenfassender. Spoiler sind vorhanden, aber das sollte klar sein.

Hach ja, damals als alles noch sehr merkwürdig aussah.

Einst gab es da so ein total starkes Basketballteam von der Teiko-Mittelschule mit fünf begnadeten Spielern, welches auch die Wundergeneration genannt wurde. Kein anderes Team hatte eine Chance gegen sie, doch hinter ihnen stand ein unscheinbarer, fast unsichtbarer Junge namens Kuroko, den wir im Laufe der Serie begleiten. Während alle Mitglieder der Wundergeneration auf namenhafte Oberschulen gegangen sind, geht Kuroko nun auf die noch neu gegründete Seirin Oberschule und trifft dort auch auf einen weiteren zu großen Kerl namens Kagami Taiga, der es im Grunde mit der Wundergeneration aufnehmen kann. So ist es nicht nur Kurokos Ziel seine früheren Mitschüler zur Vernunft und auf den Boden der Tatsachen zurück zu bringen, sondern auch gemeinsam mit seinem Team die Nummer eins in Japan zu werden. (Inhaltsangabe frei von mir, die von anisearch ist scheiße, als ob Kuroko famegeil wäre)

Müsste ich Kuroko no Basket mit vorhandenen Mangas beschreiben, würde wohl ein Cocktail aus Slam Dunk und Dragon Ball ganz gut passen. Fujimaki Tadatoshi liebt Slam Dunk und die Brise Dragon Ball macht das ganze gelegentlich etwas unrealistisch, aber im Grunde schreit nur einer und das ist Kagami bei seinen Supersprüngen. Heißt – die Schwerkraft wird hier gelegentlich ausgeschaltet, aber das ist okay. So ist der Rest eben voll mit Basketballspielen und wenig Fillern die man sich manchmal sogar wünscht, weil der Mann tatsächlich Comedy kann. In seinen Bloopern (klassische Pannen), die es als Extras in den Bänden gibt, beweist er einen wunderbar bescheuerten Sinn für Humor. Mein liebstes Kapitel war das, als sie ihre Schränke sauber machen mussten, schließlich am Ende versehentlich ein Pornoheft aus dem Schrank zogen und danach Prügel vom Coach kassierten. Ernsthaft, ich habe mir fast eingepisst vor Lachen. Die Spiele am Anfang sind auch noch recht kurz und strecken sich meist nur über einen Band, was dann aber zunehmend mehr wird. Man braucht am Anfang schon etwas Durchhaltevermögen, um erst mal richtig rein zukommen. Die Regeln werden aber ordentlich, kurz und flüssig erklärt, damit man als völliger Unwissender (so wie ich) erstmal begreift, was da gerade abgeht. Der Manga nimmt sich auch nie völlig ernst, was gerade für mich immer ganz nett war. Meistens sind das halt einfach nur krumme, kurze Dialoge. Dinge, die eine langweilige Szene eben aufbessern können. Im Laufe wird der Manga aber zunehmend ernster und beschäftigt sich auch mit den Problemen, die man rund um diesen Sport und die Wundergeneration entstehen lassen kann.

In der Mitte natürlich Kuroko und Kagami, unten links Murasakibara, unter rechts Kise, ganz oben Akashi, links oben Aomine und rechts Mitte Midorima.

Ob sich der Dialog nun wieder um die ach so tolle Begabung der Wundergeneration dreht oder einfach nur, wie andere Spieler unter diesen zu leiden hatten – normale Charaktere mit normalem Talent gibt es natürlich auch, aber es wirkt nicht so klischeehaft wie manch bescheuerte Backstorys in anderen Shounen Manga. Alle Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und haben eine feste Persönlichkeit, verhalten sich nicht wie dumme Stereotypen und das mag ich. Es gibt tatsächlich Probleme, Neid, Frustration und richtige Arschlöcher die einem das Leben zur Hölle machen können. Während bei Free am Ende alle Händchen haltend da stehen und nur rumgeheult haben, weil … Problem XYZ, gibt es hier tatsächlich echte Probleme. Mit vielen Antagonisten hatte Seirin im Laufe der Serie echte Probleme, wenn man bedenkt – sie haben tatsächlich ein Spiel verloren und hatten daran erstmal zu fressen. Neben einem ganzen Team das auf Foulplay trainiert ist und einst den Gründer von Seirin ernsthaft verletzte, jedem einzelnen Mitglied der Wundergeneration (außer Kise, der ist scheiße) und anderen ziemlich arschigen Gegenspielern steht ganz am Ende auch noch Akashi, der ja eigentlich für Kurokos „Emotionslosigkeit“ verantwortlich ist. Der einzige, recht lächerliche Konflikt war zwischen Kagami und seinem älteren Senpai Himoru, die sich einst als Brüder sahen. Himorus Neid auf Kagamis Talent war schon irgendwie nachvollziehbar, aber ihm gleich die Bruderschaft kündigen? Elende Emo-Pussy.

Bei den Charakteren liegt eindeutig die Stärke dieser Serie, wenn auch manche Nebencharaktere dazu neigen extrem ähnlich auszusehen. Kuroko, der sonst so emotionslos wirkt, hat eigentlich einen recht traurigen Grund für sein Verhalten, was auf die Zeit an seiner Mittelschule zurückzuführen ist. Ihn hat die Zeit von damals mit am härtesten getroffen und dafür gesorgt, dass sein eigentlich recht sensibles Gemüt immer emotionsloser wurde. Heißt nicht, dass er gar keine Gefühle zeigt aber am Anfang hält sich das noch ziemlich im ruhigen Rahmen. Kagami ist dagegen schon wieder etwas simpler mit dem üblichen Idiotenzügen eines Shounen-Charakters ausgezeichnet worden, aber bei ihm stört das irgendwie nicht. Das Herz sitzt am rechten Fleck, er sollte nur manchmal nicht so viel an Basketball und Essen denken. Soll in der Schule sicher hilfreich sein. Bei der Wundergeneration merkt man auch wieder, das Charaktere anders wirken können als sie wirklich sind. Der von Glück besessene Midorima wirkte am Anfang zum Beispiel völlig arrogant und egoistisch, ist aber in Wirklichkeit eher zurückhaltend und einfach nur ehrgeizig. Neben einem leicht psychowirkenden Kerl mit gespaltener Persönlichkeit (Akashi), einem Süßigkeiten fressenden, faulen 2,08 m Riesen (Murasakibara), einem vereinsamten Naturtalent (Aomine) und einem simplen Copy Cat (Kise) hat man hier irgendwie alle Klischees ordentlich abgedeckt und dann ordentlich formvollendet, in dem man mal nicht ständig den Protagonisten mit ihnen glorifiziert. Ohne diese Charaktere wäre der Manga nicht bis zum Ende so frisch und unterhaltsam gewesen. Man fiebert tatsächlich die ganze Zeit mit und man sitzt nicht da und denkt sich: „Ach, die gewinnen eh, fuck it.“

Links – Kuroko zur Zeit der ersten Bände (ich schätze, 2008/2009) | Rechts – 2015, zur Zeit von Extra Game, nach dem die Hauptreihe abgeschlossen war

Für die Zeichnungen mag ich an dieser Stelle auch noch eine Lanze brechen. Vergleicht man die Zeichnungen aus dem ersten Band mit denen aus den letzten Bänden merkt man, wie extrem Fujimaki bemüht war sich konstant zu verbessern. In den fünf Jahren, die er Kuroko gezeichnet hat, ist er besser geworden als manch andere Zeichner die ich kenne. Vielleicht liegt es aber auch an seinem damals noch relativ jungen Alter, aber hat wirklich sehr viel über die Zeit gelernt. Man hat wirklich das Gefühl an den letzten Bänden sitzt echt jemand anderes, aber solche Entwicklungen beobachte ich einfach zu gern. Die Strichmännchen aus den ersten Bänden, die manchmal im Hintergrund standen, waren aber ein schöner Running Gag den ich mittlerweile sehr vermisse. Wie hart es allerdings ist in der Weekly Shounen Jump zu zeichnen, weiß auch Fujimaki nur zu gut. Der wöchentliche Stress ist doch in den ersten Bänden deutlich zu sehen und Kuroko stand bei einem der Serin gegen Shuutoku-Spiele kurz vor dem Abbruch. Gut, dass sich die Redaktion dann doch entschieden hat weiter zu machen. Sonst hätte ich an dieser Stelle wohl nichts zu schreiben, denke ich. Das Kuroko und Akashi (weil er ja eben der „Final-Boss“ ist) allerdings keine Geschwister geworden sind, find ich im Nachhinein fast schon doof. Als Konflikt finde ich das im Nachhinein betrachtet noch extrem interessant, da sie sich eben nach wie vor extrem ähneln.

Am Ende bleibt mir Kuroko no Basket doch als sehr guter Manga in Erinnerungen. Natürlich ist es immer schwierig bei längeren Spielen Ausdauer zu zeigen, aber ich hatte da bei anderen Titeln schon wesentlich schlimmere Probleme. Gar nicht genannt habe ich das Sequel Extra Game, das einfach noch mal zwei Zusatzbände hinzufügt und ein Spiel gegen ein amerikanisches Streetballteam zeigt. Kann man lesen, muss man aber nicht. Die Zeichnungen waren noch etwas besser, weil die Kapitel nur einmal im Monat raus kamen. Ist relativ gut für die Qualität, möchte ich meinen. Wer mal wieder Lust auf einen guten und unterhaltsamen Shounen-Titel hat und nicht wirklich mit Vorurteilen belastet ist, sollte mal reinschauen. Kuroko hat durch die weiblichen Fans gern den Ruf ein mit Sport getarnter Yaoi-Titel zu sein, aber das ist der Manga nun wirklich nicht (und der Anime auch nicht). Ob man den Anime schaut oder den Manga ließt, ist abschließend aber völlig egal. Mir erschienen viele Dinge hier noch etwas klarer, weil das Finale mit vierzig Kapiteln im Anime in gut neun Folgen geklatscht wurde (wodurch der Hauptfokus zu sehr auf den Antagonisten liegt, aber passt schon). Am Ende lernen wir auch hier wieder, dass man nicht so stur sein soll und keine Scheu davor haben soll, sich auch auf andere zu verlassen.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Bisher noch nicht in Deutschland erschienen – in 30 Bänden abgeschlossen

(erscheint aber bei VIZ Media auf Englisch, es ist also nicht 0ganz unmöglich an die Serie zu kommen. Sportmanga sind halt hierzulande rar, man kann sich nur wünschen das Haikyuu demnächst einen kleinen Boom startet und Kuroko auch was vom Kuchen abbekommt)

Ich habe über die Serie immer das Gefühl gehabt, die schwänzen alle zum großen Teil die Schule.

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2 Gedanken zu “Kuroko no Basket – Review

  1. Hach soviele Namen, aber ich erkenne immerhin ansatzweise die Free! Parallelen… wobei es hier aber zum Glück wie du schon schreibst mal um echte probleme geht und nicht irgendwelche Konsturierten Gut-Laune-Probleme für Yaoi-Fangirls 😄 Gangbatte-Manga (Also „Wir wollen Nummer 1 werden-Sportmanga“) sind immer so eine Sache, doch wenn Figuren und Handlung überzeugen fiebere ich auch gerne mit, ich hoffe die Helden gewinnen aber nicht ständig, sowas finde ich auf dauer (Captain Tsubasa *hust*) immer sehr mau

    • Ja, mit den Namen ist das immer so ein Problem. Mit der Zeit merkt man die sich aber mindestens mit Spitznamen. Die weiblichen Fans waren bei Kuroko dennoch wichtig um die Serie zu halten. Sportmanga haben es in der Jump nach wie vor ziemlich schwer, ganz so böse soll man über sie auch nicht reden. Die Probleme hier sind halt alle zum großen Teil um den Sport angesiedelt, aber man glaubt gar nicht wie frustrierend dieser Sport sein kann. Das mit dem Gewinnen ist so die eine Sache, aber ich sage es mal so – sie verlieren auf jeden Fall mindestens einmal und viele siegreiche Spiele waren so mega knapp, das sie es genauso auch hätten verlieren können. Das Spiel gegen Kirisaki Daiichi hat mich gelehrt, wie finster dieses Genre sein kann. Ich glaub, so ein Foulplayfest hab ich noch nirgends gesehen.

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