Shigatsu wa Kimi no Uso (Your Lie in April) – Review

Hach, selbst ein wirklich guter Anime ist eben doch nicht ganz perfekt.

Your Lie in April hatte bei mir schon von Anfang an keinen schlechten Ruf. Ich wusste worauf ich mich einlasse und eine MAL Bewertung von 8,91 ist verdammt viel für einen Anime, mit solchem Inhalt. Ich hatte viel gutes gehört und auch keine wirklich bösen Stimmen (was auch echt zu Unrecht gewesen wäre) und die zugeteilten Genres Drama, Romanze, Musik und dann auch noch Shounen klangen wie für mich geschrieben. Nach 22 Folgen blicke ich nun zurück und stelle fest, dass auch so etwas nicht völlig perfekt sein kann. Aber fangen wir ganz langsam an und erklären alles, Stück für Stück.

Story

Kousei Arima ist ein ziemlich bekannter, junger Pianist, dessen Karriere allerdings abrupt endete als seine Mutter starb. Seit dem kann er die Töne des Klaviers nicht mehr hören und das ändert sich auch nach zwei vergangenen Jahren nicht. Er ist davon überzeugt, ein Leben ohne Musik führen zu können und hängt lieber mit seinen Freunden Ryouta Watari und Tsubaki Suwabe rum. Zumindest glaubt er das, bis er die sehr offenherzige Kaori Miyazono trifft. Diese spielt Violine und bittet ihn wieder mit dem Klavier spielen anzufangen. Doch Kouseis Probleme aus der Vergangenheit wiegen schwer und können nicht so eben ignoriert werden …

Hach, so viel Drama und doch ist irgendwie die Hälfte davon nur halb so interessant gewesen, wie ich es mir erhofft hatte. Ein Anime, der wirklich um Musik handelt, ist Your Lie in April aber auf jeden Fall. Am Anfang hält sich alles gezeigte um die Musik noch in Grenzen, wird dann aber zunehmend mehr. Kouseis Probleme werden auch ordentlich geschildert und ich verstehe auch, was er durchgemacht hat. Mit so einer strengen Mutter und dem Druck, den er als Kind ausgesetzt war ist nicht zu spaßen. Trotzdem drehten sich die Dialoge der Außenstehenden immer nur um ihn. Kousei hier, Kousei da. Man kann echt ein Trinkspiel machen, wenn es um seinen Namen geht. Er ist nicht perfekt (was auch gut so ist), wird aber gern so hingestellt und von allen ach so krass bewundert. Selbst Kaori hätte diese Aufmerksamkeit mehr verdient, aber die war leider ab einem gewissen Punkt damit beschäftigt krank zu sein. Sie tat mir schon ziemlich leid, aber die Nebencharaktere haben diesem Anime mehr Steine in den Weg gelegt als ihm weiterzuhelfen. Permanente Kindheitsflashbacks von Tsubaki und Kousei nervten einfach nur, weil man sich eigentlich nur Kousei und Kaori zusammen vorstellen kann. Ryouta war auch keine sonderlich große Hilfe und halt der beste Kumpel vom Protagonisten, aber mehr nun auch nicht. So schießt man sich eine Menge Potenzial auch in den Wind.

Kaoris nicht benannte Krankheit wird uns dann auch mit ihren Folgen gezeigt, was ja nicht schlimm ist. Aber WAS hat sie jetzt eigentlich? Generell fiel kein Satz dazu, nur dass ihre Beine und Arme zeit weilen nicht mehr bewegbar sind. Eine kurze Erklärung, irgendwas. Anime fühlen sich wohl generell zu fein dazu, irgendwas hierzu erklären zu müssen. Alle Umstände zwischen ihr und Kousei waren gegen Ende hin verdammt traurig und ich kann auch verstehen, wenn es viele Leute gibt die das sehr traurig fanden. Auf meiner Traurigkeitsskale stehen Key Werke aber noch etwas höher, aber dieser Anime kann sich mit den Feelings schon weit über Ano Hana stellen. Zum großen Teil fand ich diesen Anime inhaltlich klasse, aber die Side Plots fahren das so unglaublich gegen die Wand, dass es echt frustrierend ist.

Charaktere

Man merkt schon im ersten Teil des Reviews, wo ich mich ein wenig aufgeregt habe. Das dieser Anime nicht nur auf Romance fixiert ist und auch ein wenig freundschaftliche Dinge mit sich bringt, war auch völlig klar, nur mangelt es durch das allgemeine Gelabber der Nebencharaktere gern an der Glaubhaftigkeit des Protagonisten. Kousei ist kein Shinji, das kann ich zumindest sagen. Dagegen ist er wesentlich mutiger und lässt sich auch von anderen ermutigen (vor allem durch Kaori). Die ständige Lobpreisung oder Erwähnung seiner Rivalen und des Publikums hat mich halt irgendwie genervt. Als würde es in dieser Welt nichts wichtigeres geben, als ihn.

Kaori ist dann wieder eine ganz andere Geschichte. Anstatt auf das Klischee eines ach so kränklichen, schüchternen Mädchen zu setzen, hat man hier endlich ein offenherziges, überwiegend positives Mädchen eingesetzt und damit wesentlich mehr Sympathie beim Zuschauer geweckt. Sie ist vergleichsweise das helle Gegenstück zu Kouseis dunklen und düsteren Problemen, die wir in der Geschichte zu sehen bekommen. Auch sie kann sehr schnell wütend und aufbrausend sein, aber das macht sie auch etwas glaubhafter. So eine starke Protagonistin, mit einem doch traurigen Hintergrund war lange nicht mehr so glaubhaft für mich, weshalb Kaori auch mein Lieblingscharakter der Serie ist.

Die übrigen Charaktere sind dann halt vorhanden. Tsubaki ist ein sehr nerviges Beispiel für eine Kindheitsfreundin und Ryouta ist manchmal lustig, aber das war es auch schon. Es kam mir oft so vor, als müsste Kaori das ganze Gewicht dieser so unglaublich blassen Charaktere tragen und gleichzeitig auch noch Kousei wieder auf die Reihe bekommen. Es ist irgendwie ein wenig blöd, wie mich Tsubakis Story wirklich null interessiert und das obwohl sie ziemlich oft vorkommt. Ansonsten sind die Charaktere völlig in Ordnung, aber sie kommt einfach so unnütze vor. Wenn ihr versteht, was ich meine.

Zeichnungen & Animationen

Hier darf man wirklich einen optisch sehr schönen Anime beobachten. Die vielen Farben die man zu sehen bekommt sind wirklich schön und man hat sich mit allem was Animation angeht, wirklich Mühe gegeben. Die Openings sind wirklich sehr schön in Szene gesetzt und es macht viel Spaß, das alles zu sehen. Bei den Zeichnungen hört das Lob auch nicht wirklich auf, auch wenn ich die Münder der Charaktere manchmal etwas eigenartig breit fand. Die Details sind später aber auch zum Teil erschreckend, wenn man sich Kaori dann mal genauer anschaut. Wie blass ihre Haare und sie selbst gegen Ende werden, war echt schmerzhaft zu beobachten. Visuell kann man wirklich wenig an dieser Serie aussetzen und in dem Fall gefällt es mir schon wesentlich mehr als Ano Hana, auch wenn das ebenfalls nicht schlecht aussah.

Musik & Synchronisation

Zu einem guten Musikanime gehört auch schöne Musik. Passend zum Thema natürlich klassische Musik, auch wenn ich in dem Fall kaum Ahnung hatte. Ich kenne mich nicht so gut mit solcher Musik aus, aber es klang wirklich immer sehr schön und passte auch immer sehr schön zusammen. Das selbe kann man auch über die Openings und Endings sagen, auch wenn ich das letzte Ending meist überskipped habe.

In Sachen Synchronisation haben ich und Shima mal zur Abwechslung den Dub zur Serie geschaut und waren wirklich überrascht. Kousei, der von Konrad Bösherz gesprochen wurde, hat sehr gute Arbeit in seiner Rolle geleistet. Bei Kaori hatte ich wirklich so meine Bedenken, als ich Rieke Werner (Strawbelly Cake) gelesen habe. Sie wird immer auf so übersüße Mädchen besetzt und klingt immer gleich, obwohl sie eine eigentlich schöne Stimme hat und viel Potenzial hat. Hier konnte sie es endlich mal nutzen und hat mich tatsächlich mal überzeugt. Ich verstehe zwar nicht ganz, warum Twinkle Twinkle Little Star immer auf englisch gesungen wurde und so peinlich auf japanische Anreden verzichtet wurde (meist wurde Kouseis Name so richtig bescheuert voll ausgesprochen, was echt komisch ist, so benennt sich doch hierzulande auch keine Sau), aber das liegt wohl immer in der Entscheidung des zuständigen Studios. Auf einen Vergleich mit dem Originalton verzichte ich in diesem Fall, aber man kann sich die Synchro von Youre Lie in April durchaus antun, wenn man gern auf O-Ton und Untertitel verzichtet. Ob es mir auf japanisch mehr gefallen würde, weiß ich allerdings nicht. Wie gesagt, hab vom O-Ton dieses Mal wenig mitbekommen.

Im Ganzen war Youre Lie in April ein wirklich schöner und auch trauriger Anime. Leider hatte der Anime dennoch mit seinen Nebencharakteren zu kämpfen und das zieht ihn ganz schön runter. In den 22 Folgen bekommt man viel zu sehen, aber es ist wohl wirklich Geschmackssache welche Charaktere man mag. Das Drama war sehr gut ausgearbeitet und nicht aufgesetzt, wie es manch andere Anime gern mal machen. Mir tut es auch selbst weh keine vollen Punkte geben zu können, aber dafür reicht es halt leider nicht. Einen Re-Watch ist es aber sicher wert und seine Zeit verschwendet man auch nicht. Also, man kann nichts wirklich falsch machen, keine Sorge.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

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Ein Gedanke zu “Shigatsu wa Kimi no Uso (Your Lie in April) – Review

  1. Manchmal wundert es mich wie lange manche Animeserien werden: Da bekommen Schlaftabletten wie Irregular 24 Episoden während Werke wie Chaos Dragon die kaum ihren Plott erklären konnen egrade mal 12, manchmal schon sehr merkwürdig, das hier klingt ganz angenehm, wobei ich bei KEY Werken selten schniefen muss, sowas wie Clannad und Angel Beats drehen meistens die KITSCH-Schraube einen Tick zu weit als das es „mich abholt“. Der Anime hier klingt vielversprechender, danke für die Review ^^

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