Yu-Gi-Oh! ARC-V – Review

So viel Potenzial und doch so wenig Plot.

Yu-Gi-Oh! macht es einem nicht einfach, wenn man einmal zu tief drin steckt. Nach dem mich Yu-Gi-Oh! Zexal zum kotzen brachte, ich es nach dem ersten Drop gleich noch dreimal mehr droppte und drei Jahre Luft hatte, fasste ich einen Entschluss – die nächste Serie wird geschaut. Immerhin kann es nicht so schlimm werden wie sein Vorgänger und zum Teil hatte ich Recht – was kann schon schlimmer als scheiße sein? Hier ist mein Eindruck, nach 148 Folgen dieses … Kunstwerkes.

Story

Yuya Sakaki ist ein 14-jähriger Schüler, welcher mal ein professioneller Unterhaltungsduellant werden möchte, um jedem mit seinen Fähigkeiten ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Eines Tages kommt es dazu, dass Yuya in einem Freundschaftsspiel gegen den amtierenden Champion der professionellen Duellwelt antreten darf. Dieses Duell lässt ihn eine wichtige Entscheidung treffen, da er hier zum ersten Mal mit den Schwierigkeiten, die es auf dem Weg zur Spitze zu meistern gilt, konfrontiert wird. Um seinen Traum wahrwerden zu lassen, muss Yuya all diese Herausforderungen erfolgreich bestehen. (Beschreibung stammt von anisearch, hier ist die Beschreibung ganz okay)

Von den vier Dimensionen, die alles unnötig kompliziert machen und der Tatsache, das Konami realisiert hat: „Oh, wir können ja alle Beschwörungsarten die es gibt, einfach so reinschmeißen“, hab ich bis hier noch nicht mal ein Wort verloren. ARC-V ist wirr, hatte keinen idealen Start und doch waren die ersten fünfzig Folgen nicht schlecht. Doch das war es eigentlich schon fast, da ab dort alles den Bach runtergeht. Anstatt angefangene Ideen weiterzuführen, bringt man andere Dinge und Ideen ein, die so keinen Sinn ergeben. Das Sprichwort, viele Köche verderben den Brei, ist hier sehr ernst zu nehmen. Wenn ein Director zugibt, er wusste erst nach einem Jahr warum das ganze ARC-V ist und was damit genau gemeint ist … sollte man sich doch Sorgen machen. Es gibt viele Anime, bei denen eine Richtung am Anfang nicht wirklich erkennbar ist. Bei ARC-V wäre so etwas noch ganz nützlich gewesen, weil es zeitweise keinen Plot und nur Duelle gibt, die nur dafür da sind neue Karten zu zeigen. Die Charaktere suchen zum Teil nur nach dem Plot und das ist schon sehr, sehr traurig.

ARC-V hatte so viel Potenzial und macht auch vieles wesentlich besser, als Zexal. Es langweilt den Zuschauer nicht mit seinen ersten Folgen zu Tode und die Duelle sind in der Regel ganz ansehbar, wenn man den Fakt ignoriert, dass sie zum Teil später nur noch die selben Züge machen und viele Duelle dadurch nicht sonderlich spannend sind. Es gab so viele Ansätze, die interessant waren. Die Academia, die Synchrodimension und selbst das völlig zerstörte Zexal-Heimatstädchen hätte interessant sein können. Doch man langweilt sich eigentlich nur durch ein paar nette Versuche, den Protagonisten mit der Protagonistin zu vershippen und sich daran zu erinnern, welcher Charakter eigentlich welcher war. Nie wurde so deutlich, in welcher Lage sich Studio Gallop befindet. Massive Produktionsschwierigkeiten zeigen sich auf, wenn man bedenkt, was parallel neben ARC-V auch in Arbeit war – der ach so gefeierte Dark Side of Dimensions Movie. Schon damals zu Zeiten von 5D’s begann man den Fehler, parallel einen Movie zu produzieren. 5D’s fing sich jedoch später wieder und kam zu seinem alten Glanz zurück, während ARC-V nur noch mehr wirre Fragen aufwirft und auf seinem miserablen Level bleibt. Nicht mal die Tatsache, dass der Protagonist der eigentliche Antagonist wurde hat dem ganzen geholfen, obwohl es eine extrem geile und neue Idee war (die aber nicht wirklich durchgezogen wurde). ARC-V versenkte sein Potenzial zeitig, tastete dieses zum TEil kaum an, wurde sehr unglaubwürdig und das ist einfach nur extrem traurig.

Charaktere

Yu-Gi-Oh! Charaktere waren nie wirklich stark und wenn, dann nur ein paar die wichtig waren. Aber hier? Man musste möglichst viele Charaktere einwerfen, wodurch alles zugestopft und konfus wirkt. So viele unnötige Charaktere, die nichts tun und einfach nur in der Ecke stehen. Ob nun die weibliche Protagonistin Yuzu, Yuuyas Gegenstücke aus den anderen Dimensionen oder auch jeder andere Nebencharakter – nützlich ist keiner wirklich gewesen und wurde zeitig weggeworfen oder gänzlich vergessen. Nicht mal deren „Tod“ war meist irgendwie tragisch und Character Arcs gab es auch nicht, um Charaktere zu entwickeln. Nicht einmal Shun oder der „Rivale“ Reiji haben die Hoffnung auf gute Charaktere irgendwie retten können. Zumindest ist Yuuya immer zweimal sympathischer als sein Vorgänger Yuma (dessen Namen ich wirklich gerade vergessen habe, ich musste echt nachschauen), aber das ist wie gesagt auch nicht schwer. Man versuchte auch noch auf sehr billige Weise mit Charakteren zu punkten, die man schon aus den anderen Serien kannte. Natürlich in alternativen Version, treffen wir nun Edo (Aster), Asuka (Alexis), Kaito (irgendein Typ aus Zexal, keine Ahnung, ob der einen US Namen hat) und Jack (5D’s) wieder, die aber außer ihrem Aussehen und einzelnen Charakterzügen nicht viel mit ihren Originalen gemeinsam haben. Der peinlich gezwungene Versuch, hier irgendwelche nostalgische Gefühle zu erwecken, ging eher nach hinten los.

Vielleicht kann man manche Charaktere noch irgendwie scherzhaft mit einem Lächeln betrachten, doch über viel kann man hier nicht reden. Die anfangs ach so gelobte Protagonistin Yuzu wird später nur noch entführt und unser Protagonist wird gegen Ende hin zeit weilen sogar der Antagonist, aber das war es auch schon. Man kann Yuuya mögen, aber wirklich als meinen Lieblingscharakter könnte ich ihn nicht schimpfen. Dafür ist er einfach zu lasch und einfach, ohne großartige Tiefe und eben immer noch ein Kind.

Zeichnungen & Animationen

Jedes Studio entwickelt sich irgendwann weiter, selbst Studio Gallop. Während jede Serie bisher seinen eigenen Stil hatte, setzt ARC-V seine Mischung eher auf die kindliche Qualität seines Vorgängers und mischt es mit zeitlich aktuellen Dingen. Schlechte Folgen gibt es nach wie vor, aber im Vergleich zu manchen Folgen von früher ist es wirklich besser geworden. Sie haben es sogar irgendwie geschafft, die Qualität halbwegs konstant zu halten OBWOHL ein Film im Produktion war. Nur der Inhalt selbst war halt scheiße, aber die Animationen haben doch nicht so krass darunter gelitten wie damals bei 5D’s.

Musik & Synchronisation

Einen schlechten japanischen YGO! Soundtrack gibt es eigentlich nicht. Wenigstens da hat man sich bis heute immer Mühe gegeben und ARC-V ist auch keine Ausnahme. Nur die Wahl der Openings wurde später sehr merkwürdig, das letzte Opening klingt echt völlig untypisch für Yu-Gi-Oh! Verhältnisse. Die Endings waren gut und vorhanden, aber nicht erwähnenswert. Gute Stücke aus dem BGM fallen mir leider auch keine ein. Doch wenigstens weiß die japanische Synchro zu punkten – Yuuyas Seiyuu ist nämlich zeit weilen das einzige, was ihn irgendwie ertragbar und sympathisch macht. Mit Reiji ist es in etwa das selbe, wenn sein Seiyuu den mal wieder Zeit hat oder er überhaupt mal vorkommt. Die Ohren weigern sich zumindest nicht zuzuhören und das ist ganz gut so.

Ob man es zugeben will, oder nicht – seit Zexal geht es mit den Storys qualitativ bergab und ARC-V ist nicht verschont davon. Was stark anfing, wird einfach weg geworfen und nicht mehr benutzt. Von den Cardgames on Hippos Witzen mal abgesehen. So scheint es zumindest Konami zu gehen, die wohl einfach nur noch ihre Karten bewerben wollen. Vielleicht lag es aber auch wirklich an den Produktionsproblemen und dem Zeitdruck, wenige Wochen nach Zexal schon eine neue Serie starten zu müssen. Ich warte lieber erstmal auf die neue Serie VRAINS und lasse mich überraschen, ob Yu-Gi-Oh! mit einem neuen Versuch überhaupt noch überzeugen kann. ARC-V war nett, aber nicht sehenswert. Mit viel Augen kneifen und Kopf abschalten hält man das alles gut durch, vielleicht unterschätze ich hier auch ein Meisterwerk des Trashes an sich. Man weiß ja nie.

Bewertung: 5 von 10 Punkten – damit bin ich noch wesentlich über dem, was ich eigentlich geben wollte.

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3 Gedanken zu “Yu-Gi-Oh! ARC-V – Review

  1. Meine Theorie ist eigentlich das man spätestens ab Serie 3 immer so anfing:

    Produzenten: Okay, wir haben jetzt 5 WOCHEN KONZEPTPLANUNG gemacht und ENDLICH DIE FRISUR entwickelt die wir wollten!!!

    Zeichner: Und der Plott?

    Produzenten: Huh? Ach ja, Böse Macht… Dimensionen… viele Karten… ihr macht das schon, aber SEHT EUCH DIESE BUNTE FRISUR AN!

    Selbst Digimon hat ja öfters versucht immerhin mal neue Impulse und Ideen anzubringen (wenn auch nicht immer erfolgreich) aber YGO scheint immer in der selben Ebene gefangen zu sein, wieso gehen sie nicht mal in den Weltraum ala Cowboy Bebop? Duelle auf Fremden Planeten (Was, es ist nicht beschauerte als das was man schon hatte) oder man nimmt mal einen anderen Helden als den 14 Jährigen mit Haaren die ein Eisbecher. Wieso keine weibliche Protagonistin? Oder nen erwachsenen? Irgendwie ist dieses stagnieren bedauerlich

  2. Ich kann viele deiner Kritikpunkte teilen und nachvollziehen, wenngleich ich ARC-V aber nicht ganz so tief herunterwürgen möchte.
    Die Serie hat auch mich nach ZeXal positiv überrascht und so ein bisschen das alte Yu-Gi-Oh!-Fiebern wieder entfacht, was ZeXal konsequent abgetötet hat…

    Ich finde, bis zur Mitte von ARC-V, den Synchro-Arc, hat man sogar recht solide Geschichte erzählt. Die Andeutungen mit Yuyas dunkler Seite und den vielen Charakteren, die scheinbar aus anderen Dimensionen kamen, waren interessant und spannend gemacht. Mein Highlight bleibt vor allem der Kampf von Jack Atlas gegen Sergeij. Oder um es mit Sergeijs Worten auszudrücken: „Wunderschön!“ ^^
    Und genau zu dieser Zeit fand ich es auch irgendwie schön, dass sie alte Charaktere wiedereingeführt haben, und gerade solche Persönlichkeiten wie unseren one and only King, Jack Atlas, geben YGO und vor allem den Duellen einfach Leben.

    Leider hat man nach dem Synchro-Arc konsequent abgebaut und die Charaktere wurden allesamt nur noch stiefmütterlich behandelt (wie du bereits sagtest), weil es nur noch um diese „Mario rettet Prinzessin Peach“-Geschichte mit Yuya und Yuzu ging. Dahingehend fand ich das Ende auch irgendwie unbefriedigend, obwohl es rührend gemacht war.

    Ich vermute fast, die Produzenten wird irgendetwas (im Zweifelsfall KONAMI) gedrängt haben, den Anime so schnell wie möglich abzuschließen. Aber 2/3 der Serie haben sie wohl gemerkt: „Scheiße, wir haben viel zu weit ausgeholt! Wir hatten doch die Vorgabe, dass keine YGO-Serie länger als 150 Folgen gehen darf. Sonst kann KONAMI wieder kein neues Gameplay-Element einführen, um Kunden zu generieren! Lasst uns das jetzt möglichst schnell und irgendwie noch würdevoll zu Ende bringen!“
    Und genauso lief es dann eben ab. Man versuchte, die ganzen losen Handlungsstränge schnellstmöglich zusammenzuführen, wodurch die Charaktertiefe leiden musste. Eigentlich sehr schade, da du ja auch bereits meintest, die Serie hätte Potenzial gehabt. Hätte man ihr vielleicht 200-250 Folgen spendiert, hätte man wunderbar alle Charaktere featuren und vielleicht noch eine intensivere Suffering-Geschichte ála YGO GX einbringen können.

    So bekam ich eine YGO-Serie, welche mich zwar des öfteren mitfiebern lies, aber gegen Ende nur noch wenige Highlights bot und mir wohl vor allem durch die doch recht intensiven Duelle in Erinnerung bleiben wird.
    Ich erwarte nach den ersten Folgen VRAINS nicht, dass die neue Serie es viel besser macht, aber wer tief stapelt kann fester auftreten… oder so ähnlich^^.

    • So, jetzt komme ich auch mal dazu, etwas zu antworten. Es ist zumindest schön zu sehen, dass du an ARC-V deinen Spaß hattest. Ich will mit dem Review auch nicht ausdrücken, dass alles an ARC-V kacke war. Es hatte seine starken Folgen, aber später eben zu wenig. Ob es die 200+ Folgen wirklich gebracht hätte, keine Ahnung. Es hätte sicher einiges bringen können, aber dafür war einfach der Ideentopf zu wirr gemischt. Ich finde, die Ideen wurden zum Teil rausgezogen wie Lose. Ich mochte zum Beispiel das Duell mit Ruri und Shun total, weil es von der Darstellung total cool war. Aber in der nächsten Folge war sie wieder böse und na ja, weg geschmissenes Potenzial. Unterm Strich bereue ich es aber nicht so sehr, es hätte halt wirklich besser sein können.

      Bei VRAINS erhoffe ich mir einfach nur eine Serie, die mal etwas durchdacht ist. Mehr verlange ich ja gar nicht. Vielleicht sehen wir Yusaku über die Serie auch mal ordentlich erwachsen werden oder so. Wäre schon cool. Seine Stimme wollte erst gar nicht so zum Gesicht passen, aber ich mag seine Persönlichkeit bis jetzt ganz gern. Manchmal schiebe ich schon den Headcanon, er könnte irgendwie mit Yusei verwandt sein. Aber wahrscheinlich auch nur wegen den paar Gemeinsamkeiten und der tiefen Stimme. Yuma und Yuuya waren einfach so Milchbubis und von diesen überhübschen Bishies (find ich teils meist nicht mehr hübsch, wenns zu weiblich aussieht) hab ich die Schnauze voll. Ist halt so, wie es ist.

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