Guilty Crown – Review

Ein Anime, der als absoluter Megahit da stehen will – daran aber kläglich versagt.

Guilty Crown ist einer dieser Titel, den man bei meist jungen, deutschen Anime-Fans gern in einer Auflistung von empfohlenen Titeln sieht und sich fragt: „Ja, warum den eigentlich?“ In dieser Liste findet man meist noch so Titel wie Mirai Nikki oder Elfen Lied, was an sich ja auch nicht so verkehrt ist. Ich mochte Elfen Lied und Mirai Nikki habe ich gehasst, aber das lag an den beiden Protagonisten der Serie. Doch in Guilty Crown habe ich gelernt, das eine Yuno und ein Yuki gar nicht mal so schlimm sind, wenn man erstmal Inori und Shuu kennt. Leute vergleichen Guilty Crown gern mit Titeln wie Code Geass und Neon Genesis Evangelion. Nach diesen 22 Folgen kommt mir das aber eher wie eine Beleidigung gegenüber dieser Titel vor, als alles andere. Wie ich die Serie in einem zwei Tage Marathon ausgehalten habe, frage ich mich immer noch. Aber fangen wir ganz von vorn an.

Story 

Die Geschichte spielt in Tokio im Jahr 2039. Als der unbekannte Virus „Lost Christmas“ 2029 ausbricht, ist Japan unter der Kontrolle einer Organisation namens „GHQ“. Shuu ist ein 17-jähriger Junge, der übersinnliche Kräfte in seiner rechten Hand besitzt. Er kann diese Macht benutzen, um Werkzeuge oder Waffen aus seinen Freunden zu extrahieren. In seiner Vergangenheit hat er es stets vermieden, seinen Mitmenschen Ärger zu bereiten, jedoch ändert sich sein Leben schlagartig, als er das Mädchen Inori trifft. Sie ist ein Mitglied der Widerstandsgruppe „Undertaker“, in der Piloten von Kampfmechas gegen die Regierung kämpfen.

Leute kritisieren Neon Genesis Evangelion und betiteln es als überbewerteten Anime. Dieselben Leute kritisieren Code Geass auch für seinen Fanservice in der eigentlich so ernsten Story, den zum Teil völlig bescheuerten Charakteren, Klischees und dem eher unpassenden Zeichenstil von Clamp. Aber hört man je Leute darüber klagen, was Production I.G. mit diesem Müll hier geschaffen hat? Guilty Crown will eine gute Geschichte erzählen und einem weiß machen, es könnte episch und interessant sein. Der Grundstein wird dafür auch gelegt, aber nicht wirklich genutzt. Man hätte so viel daraus machen können und schließlich ist es nur ein Fest an Fanservice, ein paar Action-Szenen und jede Menge unerklärter Plot. Ehrlich? Die ersten zwölf Folgen hätte man als solches hin nehmen können. Bis dahin war die Geschichte halbwegs gut erzählt, bis auf die Fanservice-Szenen (die zum Teil wirklich sexistisch gegenüber Frauen gesehen werden können), den Klischees und den typischen Gejammer des Protagonisten. Hätte man die Geschichte genau da beendet und eine dreizehnte Folge mit Erklärungen rein geschoben (+gutes Ende), wäre meine Kritik gar nicht mal so sehr vorhanden. Aber leider geht es nach Folge 12 weiter und da geht alles Berg ab. Auf einmal will der Anime ein Drama sein, der Protagonist wird Hitler und dann ergibt nach und nach wirklich gar nichts mehr Sinn. Guilty Crown gab mir inhaltlich nichts, was mich gute Erinnerungen daran haben lässt. Nicht einmal als guten Trash kann ich diese Serie betrachten, weil sich die Story trotz allem noch vollkommen ernst nimmt und das ist echt ein Kotzfest. Ob nun die Schreiber, ein geringes Budget oder anderes daran Schuld ist, will ich gar nicht ankratzen. Hinter diesem Anime saßen fähige Leute und es ist wirklich fraglich, wie diese einen Anime so derart versenken können. Ich will auch keinen Fan der Serie anfeinden, aber ich habe nach diesem Anime ernsthaft eher Lust alle meine gedroppten Anime (bis auf ein paar Ausnahmen) aus zu graben und nochmal anzufangen. Das Guilty Crown aber so eine Fanbase hat, lässt mich wirklich nur wortlos zurück. So naiv war nicht mal ich, als ich jünger war – und ich mochte Elfen Lied, aber das hat wenigstens nicht während der Serie sein komplettes Genre ändern wollen.

Charaktere

Mit dem Plot gehen auch die Charaktere gemeinsam zu Grunde, wobei Shuu nie ein sonderlich guter Charakter war. Er ist einfach ein Versuch, einen neuen Shinji Ikari zu erschaffen und daran sind die Produzenten kläglich gescheitert. Der arme Junge, er hat es ja so schwer gehabt, buhu. Dann ist da noch dieser omnipräsente Gai, dem alle Mädels in den Arsch kriechen, weil er eine Truppe von Terroristen anführt (schreit auch so gaaar nicht Code Geass). Die weiblichen Charaktere sind wirklich nur dafür da, Shuu und Gai in den Himmel zu heben und zu feiern. Sie verlieren sämtliche Charakterzüge, sobald diese beiden genannt werden und das ist schon sehr erbärmlich. Man muss aber zugeben, das Inori eh nur dafür da war eine leere, hübsche Hülle zu sein und hin und wieder Yandere-Tendenzen zu zeigen. Die Charaktere wechseln sowieso jede Folge ihre Persönlichkeit und eigentlich ergibt keiner davon so wirklich Sinn, selbst wenn es eine Erklärung dafür gebe.

Nicht einmal Ayase konnte das alles noch retten, die als das willensstarke Mädchen im Rollstuhl anfing und diesen auch als Teil von sich sieht. Sie bekommt sogar ihre eigene Folge, wird dann aber später auch vergessen und erhält nicht die wichtige Kraft am Ende, weil die ja der Protagonist erhalten muss. Wie lächerlich die Produzenten ihre eigene Serie mit vielen Entscheidungen gemacht haben, scheint ihnen gar nicht bewusst zu sein. Solch eindimensionale Charaktere ohne wirkliche Entwicklung habe ich schon lang nicht mehr gesehen und ich war zuvor auch wirklich froh, sie lange nicht mehr erlebt zu haben. In so etwas kann man sich einfach nicht wieder finden oder nachempfinden. Das funktioniert einfach nicht.

Zeichnungen & Animationen

Hier muss man den Anime tatsächlich mal loben – Guilty Crown sieht wirklich gut aus und das sowohl mit seinem Zeichenstil, als auch seinen Animationen. Mir gefällt auch zum großen Teil das Charakterdesign, auch wenn Inori mit ihrem überhübschen Aussehen viel zu sehr raus sticht und das als Charakter, mit der wenigsten Persönlichkeit. Diese Zeichnungen und Animationen sind so verschwendet, wenn man den Inhalt der eigentlichen Serie bedenkt. Man wünscht sich eigentlich nur, dass die Zeit von den Animationen und die ganze Arbeit viel eher in den Plot hätte fließen sollen. Anders kann man es gar nicht ausdrücken. Auch die Darstellungen der Openings und Endings sind wundervoll gelungen und sehr schön anzusehen. Aber nun ja, nicht alles was hübsch aussieht ist auch gut. Dann schaue ich mir doch lieber ein etwas skurilles Higurashi an – das sieht anfangs scheiße aus, aber die Story ergibt wenigstens Sinn.

Musik & Synchronisation

Dieser Anime kennt den Sinn hinter dem Wort „Insert Song“ nicht wirklich. Solche werden immer dann gespielt, wenn etwas packendes oder wichtiges in der Story passiert. Leider laufen solche in Guilty Crown echt jede Folge, wodurch es echt nichts besonderes ist. Ja, die Musik ist gut. Daraus macht der Anime auch kein Geheimnis, aber gute Musik ist eben nicht alles. Wenn ich bedenke, wie oft Inori dieses eine Lied mit dem Leid der Menschen singt, frage ich mich: „Hat die auch noch andere Songs geschrieben?! Ist das dein einziges Lied, hast du nicht mehr zu bieten?!“ Als ach so beliebte Sängerin ist Inori eh nicht sonderlich glaubhaft, aber der Anime schert sich auch nicht groß darum. Das erste Opening ist ganz gut, das zweite ist so Mittelmaß. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Zur deutschen Synchronisation kann ich allerdings gar nichts sagen, da ich die Serie vollkommen im O-Ton geschaut habe und darüber bin ich auch froh. Ehe man mir für Kritik am Dub aufs Dach steigt, schaue ich ihn gleich erst gar nicht und nehme den Anime so, wie er war und fertig. Außer das die ach so niedliche Stimme von Inori nicht mit ihrer eher normalen, ein wenig tieferen Gesangsstimme zusammen passt, konnte man sich alles ganz gut anhören und war auch nicht irgendwie störend für die Ohren. Aber das ist wohl wirklich Geschmackssache.

Im gesamten ist Guilty Crown kein Anime, den ich weiterempfehle. Hier sieht man wieder, das ein beliebter Anime nicht automatisch gut ist. Bis Folge 12 hätte ich den Anime sicher eine solide 6 oder 7 geben können, aber der Berg von Scheiße der später kommt, riecht ein bisschen stark. Als Ecchi-Comedy-Anime hätte ich diese Serie sicher genießen können, aber das will Guilty Crown ja trotz Fanservice auch nicht sein. Man wollte eine ach so tolle Revolution mit diesem Anime schaffen und hat dann einfach nur Emo-Kram, gute Zeichnungen und wenig Plot hinbekommen. Klar, die meisten Anime heutzutage ticken so, aber man hätte Guilty Crown auch anders produzieren sollen. Ein weiterer überbewerteter Anime, sparrt euch die Zeit und schaut lieber Neon Genesis Evangelion oder Code Geass. Da habt ihr mehr von.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

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4 Gedanken zu “Guilty Crown – Review

  1. Danke ;_; Endlich jemand der die gleiche Meinung zu Guilty Crown hat! Tja, man nennt den Anime in Fachkreisen nicht umsonst „Plothole – The Animation“, den das ist hier Programm. Die Animationen haben das ganze zwar noch irgendwie schaubar gemacht, aber die gut 8-9 Stunden, die ich damit verschwendet habe, hätte ich trotzdem gerne zurückgehabt.
    Und sei froh, dass du es nicht mit dub geguckt hast. Als jemand, der normal wirklich alles gedubbt guckt, was es gibt, kann ich dir sagen, du hättest nach ein paar Folgen zu OmU umgeschalten, so ist es mir nämlich ergangen.

    • Das mit dem Dub wusste ich ehrlich gesagt auch. Ich hatte es nur nicht in das Review geschrieben, habe damals zwei Folgen auf Tele 5 gesehen und fand es schrecklich. Deshalb hatte ich direkt zum O-Ton gegriffen und wollte mir auch kein Urteil über den Dub erlauben. Gibt ja immer wenn, den man ans Bein pisst, wenn man was dagegen sagt. Deshalb bin ich etwas vorsichtiger geworden. Mit ein paar schlechten Anime lernt man die Guten eben wieder zu schätzen, aber na ja. Wenigstens sah es hübsch aus, damit tröste ich mich selbst jedes Mal. Vielen Dank für dein Review.^^

  2. Schade, keine HYPE-Hell? Wobei es wohl wirklich (zum Glück) knapp am Hype vorbeischrammt, aber wie auch bei No Game No Life oder The Irregular at Magic High School: Optik alleine bringt nichts wenn der Plott schwach ist. Ich kenne den Anime auch nur weil er mal breit in einem Video zusammengeschissen wurde, scheinbar zurecht, gute Review, sehr spaßig zu lesen XD

  3. Hab es vor Jahren gesehen. Nichts davon ist in Erinnerung geblieben, außer:
    „Damenunterbekleidung mit acht Buchstaben? — LEGGINGS“

    Ein Klassiker.

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