A Silent Voice – Review

Wenn einem eigentlich die Worte fehlen, aber man trotzdem etwas schreiben möchte.

Es gibt viele Anime-Filme, die man empfohlen bekommt. Während Kimi no Na wa. momentan ziemlich beliebt ist und viele Leute darüber reden, war ich wie immer unbeeindruckt und habe mich nach einer Alternative umgesehen. Natürlich, den Film schaue ich auch noch. Aber A Silent Voice hat mich da noch etwas mehr interessiert. Eigentlich gibt es hierzulande auch den Manga, den ich mir ursprünglich auch kaufen wollte. Nur habe ich dann doch zu dieser Filmversion gegriffen. Warum? Ich habe selbst keine Ahnung, da kann ich ehrlich sein. Ich kann daher nicht genau sagen, wie nah der Film am Manga ist. Leser des Manga merken sicher, wenn irgendwas fehlt.

Shouya Ishida ist ein sehr aktives Kind. Mit seinen Freunden veranstaltet er regelmäßig Mutproben, um sich zu beweisen. Das Schulleben findet er langweilig und kann nicht verstehen, warum seine Freunde immer öfter von ihm verlangen, erwachsen zu werden. Als eines Tages das hörgeschädigte Mädchen Shouko Nishimiya in seine Klasse kommt, macht es ihm erst Spaß, sie zu ärgern; doch da ist scheinbar mehr …

Der Anfang des Filmes ist ziemlich hart und zeigt ohne Hemmungen, wie schlimm Mobbing unter Kindern sein kann. Während sich am Anfang kaum einer auf Shoukos Seite stellt und ihr hilft (bis auf das eine Mädchen, das tatsächlich Zeichensprache lernt), lehnt sich die Klasse später gegen Shouya auf und das zu diesem Zeitpunkt völlig zu Recht. Wie falsch manche Mitschüler in der Klasse selbst sind sieht man zum großen Teil auch an Naoka, die am Anfang aktiv beim Mobbing gegen Shouko hilft und dann so tut, als wäre sie ein wahrer Unschuldsengel. Das Shouya später ein völliger Außenseiter wird und sich umbringen will, weil er das ganze nicht mehr aushält, ist daraus nur eine von vielen Folgen. So handelt der Film klar davon, dass er sich bei Shouko entschuldigen möchte und mit ihr nach all den Jahren befreundet sein möchte. Ich weiß nicht, wie sehr der romantische Aspekt im Manga wichtig war, aber im Film ist dieser eher nur zum Teil da (also wirklich selten) und hätte genauso gut weg gelassen werden können. Es ist für mich in Ordnung, dass es irgendwo ein wenig in die Richtung geht, aber in dieser Darstellung ist das völlig in Ordnung für mich.

Für mich war es auch dann später schön zu sehen, was aus Shouko wurde und dass sie gut an ihrer späteren Schule zu Recht kommt. Es ist für mich immer sehr unangenehm zu sehen, wenn Leute mit deutlichen Behinderungen oder Schwierigkeiten im Alltag völlig ausgegrenzt und weg geschoben werden, wie es eben mit ihr in der Grundschule war. Der Film vermittelt einem nicht das Gefühl, dass dieser Charakter so wie er ist eine Last wäre, auch wenn Shouko das eben nach all den Jahren noch von sich denkt. Auf solche Gedankengänge kommt man mit Krankheiten im allgemeinen immer sehr schnell und ich kann zum Teil auch ihre Mutter verstehen. Diese reagiert zwar auch größtenteils über, ist aber immer auf der Seite ihres Kindes und will für sie nur das beste. Auch Shoukos Schwester Yuzuru war für mich angenehm als Charakter und Unterstützung ihrer Schwester, auch wenn sie in gewisser Hinsicht vielleicht etwas blind war. Tote Dinge zu fotografieren ist irgendwie nicht ganz so … toll, wie ich finde.

Shouya habe ich dementsprechend am Anfang einfach nur gehasst. Natürlich, Kinder verstehen viele ihrer Taten nicht wirklich und es ist auch gut, dass er im späteren Alter verstanden hat, welche Fehler er über die Jahre gemacht hat. Wie er niemandem mehr ins Gesicht schauen konnte, was interessant dargestellt. Ich mochte seinen späteren Kumpel Tomohiro, der mit seiner fröhlichen Art sehr erfrischend war und von mir und Shima nur liebevoll Brokkoli-Kopf genannt wurde. Wie Shouyas frühere Mitschüler allerdings auf den vergangenen Dingen herumreiten, war sehr nervig. Er bereut aus dieser Zeit alles und diese Leute müssen ihn immer wieder daran erinnern, was ich einfach nur mies finde. Diese blöden Typen hat es damals doch auch nicht interessiert, wie es Shouko ging. Aber natürlich reitet man jetzt darauf rum, natürlich. Alles klar, ihr blöden Idioten.

A Silent Voice hat viele harte Themen in sich und das ist nicht nur Mobbing. Das alles ist wirklich sehr realistisch dargestellt und ich denke, dass einzige was einen daran stören könnte, sind die leicht angehauchten Romance-Szenen. Da es für mich aber alles noch im Rahmen geblieben ist, kann ich ziemlich gut damit leben. Diese schwarzhaarige Bitch Naoka werde ich aber für immer hassen, das weiß ich auf jeden Fall.

Für die Animationen war dieses Mal Kyoto Animation verantwortlich, wo man sich jetzt sicher wieder streiten kann. Die einen lieben KyoAni, die anderen hassen es. Ich mag sie schon ziemlich, weil sie einfach gute Arbeit leisten. Wie die Techniken des Studios selbst sind, kann ich nicht wirklich beurteilen. Im Vergleich zum Stil vom Manga sieht das ganze aber gut umgesetzt aus und man erkennt auch alles wieder, selbst wenn es im Stil schon ein wenig typisch Kyoto Animation aussieht. Dieses Studio weiß, wo sie einen treffen können und der Film hinterlässt sicher bei vielen nicht nur ein trockenes Auge. Also los, liebe Kyoto Animation „Hater“. Kommt zu mir, ich bin bereit! (natürlich scherzhaft gemeint, jeder hat eben seine eigene Meinung und das akzeptiere ich auch) Musikalisch gibt es von meiner Seite auch keine Einwände und man kann nur hoffen, das der Film auch schnell bei uns erscheinen wird.

Unterm Strich bleibt nicht mehr viel zu sagen. A Silent Voice wirkt nicht wie ein durchgehetzter Film und ich denke, mit dieser Adaption des Manga kann man gut leben. Es wurden bestimmt einige Dinge weg gelassen und das ist bei sieben Bänden sicherlich normal. Aber für mich wirkt der Film in sich geschlossen und fertig. Die Bewertungen für den Film sind ziemlich hoch, aber ob das auch wirklich gerechtfertigt ist? Das ist wohl eine Sache, die jeder für sich selbst beantworten muss. Eine volle Wertung gibt es von mir zwar nicht, aber diese Wertung gebe ich auch so nicht unbedingt oft, also muss der Film schon ordentlich Eindruck hinterlassen haben.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

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Ein Gedanke zu “A Silent Voice – Review

  1. Brocoli Kopf? Im Manga wurde daraus „Kack-Kopf“ XD Ich fand die Geschichte gut, ja auch da werden immer wieder romantische Töne ANGEDEUTET aber letztendlich sprechen die beiden Hauptfiguren es nie direkt aus (was mich aber irgendwie auch nervte) die Story um das Mobbing war wie du schon sagst absolut glaubwürdig, niemand sieht sich als Täter oder sagen „na der andere war doch soppelt so schlimm, ich hab nur mitgemacht weil ich angst hatte etc“ und so wirken viele Menschen absolut abscheulich ohne das sie selbst das so richtig wahrnehmen.

    Schade nur fand ich das die Thematik Taub zu sein so gut wie kaum wirklich behandelt wurde, Manga über behinderungen sind viel zu selten, es sei denn es sind Blinde krieger die 10 mal besser sehen als normale leute oder Mädchen im Rollstuhl mit Psycho-Kräften und ähnlicher X-Men Quatsch. Dennoch eine schöne Geschichte die bewegt, kann man sich gut ansehen

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