Hiyokoi – Review

Auf in den Container mit Fluff und Klappe zu, dann kommst du nie wieder raus und lebst für immer weich und kuschelig.

Diese Überschrift ist nicht wirklich die Beste der letzten Jahre, beschreibt diesen Manga aber dennoch ganz gut. Die Idee und Story um Hiyokoi ist nicht wirklich neu oder berauschend anders. Wenn diese Reihe aber etwas hat, dann ist es eine sehr natürliche und unaufgesetzte Art seine eigentlich völlig belanglose Geschichte zu erzählen, die aber keineswegs inhaltslos ist. Hiyokoi (was man in etwa als Kükenliebe übersetzen kann) ist halt nicht kompliziert, aber das muss es auch nicht sein. (Achtung, einige Spoiler)

Obwohl Hiyori und Yushin gleich alt sind, trennt sie ein halber Meter Größenunterschied! Trotz ihrer Gegensätze schließt der offenherzige Yushin seine winzige Sitznachbarin, die ihn sofort an ein Küken erinnert, gleich ins Herz. Die beide werden Freunde – und bald vielleicht auch mehr? (stell keine unsinnigen Fragen, Manga, du weißt es doch schon und wir wissen es alle)

Es gibt so viele Shoujo-Reihen, die immer wieder nach dem selben Prinzip verlaufen. Hier geht es aber wesentlich langsamer zu und ein Lachen kann man sich auch nicht verkneifen. Wir lernen Hiyori als ängstliches und schüchternes, 1,40 m großes Mädchen kennen, dem es schwer fällt mit anderen in Kontakt zu treten. Im Kontrast dazu sitzt neben ihr Yushin, mit seinen 1,90 m und ist dauerhaft faul, schläft und wahnsinnig beliebt bei seinen Mitschülern. Natürlich bleibt es nicht ewig dabei, dass Hiyori nur eine Freundin (Ritsuka, von der ich bis heute keinen Nachnamen kenne) hat. Die Klasse der beiden ist ziemlich nett und das passt auch schon. Wer denkt, die Serie bleibt aber immer nur Friede, Freude, Eierkuchen und alltäglicher Schulgang, irrt sich. Gleich im ersten Band begegnen wir Kisaki, einer totalen Schönheit die Yushins Kindheitsfreundin ist und rein offensichtlich auch was von ihm will. Dumm nur, das der am Anfang so ziemlich null Interesse an irgendeiner Beziehung zeigt und Kisaki auch nichts besseres zu tun hat als ihm in den Arsch zu kriechen. Ich mochte es aber tatsächlich, wie sie Hiyori ein wenig ärgern wollte, aber letztlich brav und höfflich blieb. Eigentlich ging ich voll von einem Bitchfight aus, aber da hielt sich der Manga wohl reichlich zurück. Hiyori kommt Yushin auf ganz normale Art und Weise näher, auch wenn keiner ihrer Mitschüler das irgendwie ernst nimmt. Yushin braucht allerdings auch zwei Bände um überhaupt zu raffen, das Hiyori was von ihm hält. Für Hiyoris bekannte Art traut sie es sich an dem Punkt aber noch nicht, genau das auszusprechen. Ich kann ihr nicht mal böse dafür sein, sie ist einfach zu süß.

Wie die Zeit in der Reihe allerdings vergeht, merkt man auch kaum. Im dritten Band fängt schon das zweite Jahr an und zieht sich dann elendig in die Länge. Ab da werden auch einige neue Charaktere eingeführt, wie die völlig nervige und zu anhängliche Reina und Ko, dem gefühlt dritten, männlichen Charakter in dieser Reihe (wenn man den Klassensprecher mitzählt, der aber mehr Comic Relief als ernst zunehmend ist). Am Anfang wirkt Ko noch wie eine männliche Version von Hiyori (gerade was die Aufregung und Größe angeht, er ist ja auch recht klein für einen Kerl), ist aber eigentlich … eher eine männliche Tsundere. Ihm geht Hiyoris Art richtig auf die Nerven und er zögert auch nicht, ihr genau das ins Gesicht zu sagen. Komischerweise redet er aber trotzdem mit ihr, sitzt im zweiten Jahr auch dauerhaft neben ihr und hat selbst keinen Bock da zu sein. Er ist so ein kaltes und zum Teil bösartiges Stück Pizza, aber ich mag ihn irgendwie. Selbst mit Natsuki, dem eher tomboyischen Mädel hakt man noch ein weiteres Klischee ab, aber das stört mich eigentlich gar nicht. Der Manga verpackt seinen Humor gut, auch wenn der Shojo-Joke irgendwann ausgelutscht war (boar, das ist ja wie in einem Shojo-Manga).

Mit Hiyori und Yushin dauert es also lange, aber das stört mich ehrlich gesagt gar nicht. Da auch andere Charaktere mit einbezogen werden, kann ich gut damit leben. Das Kisaki recht früh weg war, fand ich sogar ein wenig schade. Reina war nur so ein nerviges Brot und ihr Konflikt mit Hiyori war einfach unnötig. Wenn sie schüchterne Menschen nicht ab kann, hätte sie das auch anders sagen können. Das Ko schließlich auch auf Hiyori stand und Ritsuka damit auch weh getan hat, war dagegen schon wieder interessanter. Denn das kalte Stück Pizza hätte auch gut zu Hiyori gepasst, aber sie stand eben auf den riesigen Idioten. Ist aber okay, da das Pizzastück eh an Ritsuka ging, die mit ihrer teils mütterlichen Art wohl irgendwie gut zu ihm gepasst hat. Mit der Zeit war es nur nervig, dass jeder immer wieder meinte: „Ja, Hiyori und Yushin sehen nicht wie ein Paar aus, sondern eher wie Vater und Kind. Das geht mal gar nicht“ Man war froh, dass die beiden auf natürliche Art und Weise zusammengefunden haben und diese Spasties können trotzdem nicht die Fresse halten. Konflikte und Problemchen waren in diesem Manga immer so ein Ding, aber nie so nervig wie das. Sucht euch ein Leben, ihr doofen Nebencharaktere.

Während das zweite Jahr gut acht Bände ging, kam das dritte Jahr mit den drei letzten Bänden schon fast zu kurz. Die Einführung von Akiho war aber sehr, sehr interessant. Ein eher stiller und doch hübscher Charakter, mit der Hiyori sofort sympathisierte, war nochmal ein frischer Wind. Denn Akiho war wirklich nicht das, was man von ihr erwartet hatte. Am Anfang denkt man sich, sie ist halt Hiyoris neue Freundin, das passt schon. Aber sie wurde nach und nach immer gruseliger und war eigentlich nur ursprünglich in Kisaki verliebt, die aber mittlerweile nicht mehr da ist und wollte einfach nur, das diese mit Yushin glücklich wird (halt irgendwie eine Yandere, die aber genauso noch ein Gewissen hat). Das ganze eskaliert so hart, das sie versucht sich umzubringen, was zu dem Punkt echt finster wurde. Damit hatte ich einfach nicht gerechnet und später kam sie dann einfach zu kurz. Es war irgendwie schade, dass sie zum Ende nicht so wirklich glücklich wurde, aber das lag dann eher an der verbleibenden Bandanzahl. Der Rest der Reihe beschäftigt sich dann nur noch mit dem, was alle später machen wollen und das war ganz in Ordnung. Ein gutes Ende, mit dem man gut leben kann.

Die Zeichnungen von Hiyokoi sind ähnlich wie die Reihe selbst – nichts zu besonderes, aber auch nicht schlecht. Moe Yukimura macht aber nach und nach was draus und es schaut auch recht gut aus. Klar, die Cover waren immer alle nach dem selben Prinzip und ohne Hintergründ, stellten aber gut die Beziehung zwischen Hiyori und Yushin da. Das kleine Küken haben sie allerdings etwas überfüttert, das ist von Cover zu Cover immer ein bisschen dicker geworden, ein sehr schönes und nettes Detail. In den Randkommentaren erfährt man hier und da noch etwas von der Zeichnerin, die früher Assistentin von Mayu Sakai war und vom Land immer nach Tokyo fährt, um ihre Manuskripte abzugeben. Sie ist schon sympathisch, ähnlich wie ihr Manga selbst ja auch. Durch die Beliebtheit von Hiyokoi gab es auch gern mal ein paar Extras zur Reihe, die ich aber nur vereinzelt hatte. Mir blieb nur ein Poster und nun beim letzten Band eine Dankeskarte an die deutschen Fans, aber damit kann ich leben. Der Manga war nun mal sehr beliebt, aber das wie ich finde auch zu Recht.

Hiyokoi erfindet das Shoujo-Genre nicht völlig neu, das ist sicher. Die Reihe weiß wo sie steht und übertreibt nicht, bleibt einfach sich selbst treu, stets lustig und hat sein eigenes, lockeres Tempo. Überraschungen mit seinem gelegentlichen Drama gab es nicht allzu viele, aber das brauchte es auch nicht. Mir erschien vieles sogar fast ein wenig zu unschuldig, anscheinend hat kein einziger Charakter in dieser Serie wirklich auch nur einmal einen versauten Gedanken gehabt. Ist aber nicht tragisch, wer eine schöne und ordentlich erzählte Romanze mit netter Comedy genießen möchte ist definitiv richtig.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Verlag: Tokyopop – 14 Bände (abgeschlossen)

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2 Gedanken zu “Hiyokoi – Review

  1. Komische Bewertung, die ganze Zeit liest man „ja nix neu aber ok“ das klang für mich eher immer durchschnittlich, aber vielleicht bin ich da auch immer strenger weil ich immer neue Ideen und Plotts brauche und bekanntes wirklich nicht so prickelnd finde. Guter bericht ansonsten, auch wenn wie du es angedeutet hast doch etwas Spoilerlastig war x3

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