Kakegurui – Review

Wenn man mit guten Erwartungen heran geht und dann doch bemerkt: „Na, hast vielleicht doch etwas zu viel erwartet.“

Ich bin schon seit längerer Zeit kein aktiver Season-Schauer mehr. Entweder ich warte, bis eine Serie die mich interessiert abgeschlossen ist, oder lese später Eindrücke über die ersten Folgen. In dem Fall bin ich sicher nicht die Einzige, aber manchmal schaut man eben doch in die Season-Übersicht und denkt sich: „Hm, das könnte man sich doch mal anschauen.“ Über Kakegurui wusste ich anfangs auch nicht viel und gerade mit Glücksspielen bin ich auch nicht so bewandert. Aber das soll einen ja nicht aufhalten, oder? Die Serie ist in den letzten Wochen zumindest hier und da immer mal wieder aufgetaucht und das juckt einen dann eben doch. Den Manga hab ich übrigens nicht gelesen (also keine Ahnung, ob der besser ist), aber um den geht es hier auch gar nicht.

In der Mitte: die Schülersprecherin, daneben Yumeko und der Junge Mann neben ihr ist der „Protagonist“. Recht unten sieht man Mary, alles andere sprengt den Rahmen.

Story

An der Hyakkaou-Privatakademie für privilegierte Söhne und Töchter bestimmt ein eigenartiger Lehrplan das Leben. Die Reichen unter den Reichen zeichnen sich nämlich nicht durch Muskelkraft oder Intelligenz aus ‒ nein, ihre Karriere steht und fällt damit, wer sein Gegenüber besser einschätzen und manipulieren kann. Warum also nicht den ganzen Unterrichtsstoff auf Glücksspiele auslegen? Während die Gewinner an der Hyakkaou-Privatakademie also ein Leben wie Könige führen, werden die Verlierer kräftig in die Mangel genommen. Yumeko Jabami, als Neue an der Schule, hat es sich allerdings zum Ziel gesetzt, den Möchtegern-Bossen zu zeigen, was es wirklich bedeutet, hoch zu pokern. (Quelle: anisearch, ich bin halt faul, ihr kennt mich doch)

Die ersten Folgen dieses Anime waren nicht schlecht und vermittelten einen ziemlich coolen Eindruck. Bei mir machte sich so ein wenig der Eindruck breit, dass man hier ein wenig den Yu-Gi-Oh! Season Zero-Weg gehen wollte … nur eben mit richtigen Glücksspielen und mit einer weiblichen Protagonistin. Gerade die erste Folge, in der Yumeko gegen Mary spielt (die am Anfang noch extrem arrogant ist, was sich auch nicht völlig ändert, aber sie wirkt halt später humaner) war ziemlich gut gemacht und auch vom optischen sehr gut in Szene gesetzt. Das Konzept mit den Glücksspielen wirkte auch nicht völlig doof und es war auch klar, das Yumeko sich nach und nach zum Schülerrat hochspielen würde. Nur … verliert dies nach und nach immer mehr an Reiz. Sie gewinnt auch nicht immer (am Anfang natürlich schon, aber ein verlorenes Spiel musste eben kommen, zum Glück gabs kein Geheule und so), aber es wird mit der Zeit sehr vorhersehbar. Das in diesem Anime jeder eine an der Klatsche hat war auch irgendwie klar, nur wird es nach dem vierten Charakter langweilig, wenn einer mal wieder böse schaut oder durchdreht. Für einen Anime mit der Thematik Glücksspiele ist es eben sehr von Nachteil, wenn man so ziemlich alles voraus sehen kann. Da wäre aber auch die Sache, dass so etwas ja irgendwo immer vorhanden ist – aber bei Kakegurui ist es eben extrem. Gerade als es mit den Mitgliedern des Schülerrats losgeht, wird es immer extremer damit. Auch erklärt der Anime nicht viele Dinge wirklich, wenn gerade mal ein Plottwist an der Reihe ist. So geht es mit der Qualität der Story und dem guten Eindruck ab der Hälfte den Bach runter und das zieht es schon ordentlich runter.

Charaktere

Es gibt mit dem Schülerrat einige Charaktere in diesem Anime, aber ich gehe erst mal auf die wichtigen Charaktere ein. Angefangen mit Yumeko haben wir eine generell naiv wirkende Protagonistin, die völlig besessen von Glücksspielen ist und dafür auch echt alles riskiert. Mary, die später dazu kommt, ist dagegen eine eigentlich ziemlich miese Zicke und tut eigentlich das meiste nur für sich selbst. Komischerweise haben sich die Beiden aber doch hin und wieder ergänzen können, gerade als es um ihr gemeinsames Match ging, dass sie in einem Team machen mussten. Der eigentliche Protagonist Ryouta kommt dagegen so überhaupt nicht zur Geltung und steht eigentlich den großen Teil der Zeit nur daneben und ist nutzlos. Manchmal spricht er ein paar Lines, aber das war es dann auch schon. Zumindest ist er mit einer der normalsten Charaktere in diesem Anime, denn an dieser Schule ist jeder so ziemlich total bescheuert in der Birne.

Ob das die völlig bekloppte Midari vom Schülerrat ist, die aus allem gern russisch Roulette macht und mit einer Knarre durch die Gegend latscht oder selbst die Schulsprecherin, die irgendwie fast alles langweilig findet. Diese Schule hat keine normalen Menschen und die Charaktere verhalten sich auch alle nach dem selben Verhaltensmuster. Wenn jemand durchdreht, wütend ist, glücklich wirkt … es wirkt meist recht ähnlich und eigentlich nur Yumeko und vielleicht noch ein paar Nebencharaktere verhalten sich hin und wieder etwas anders, aber das war es auch schon.

Zeichnungen & Animationen

Hier kann man dem Anime tatsächlich nichts vormachen. So wie die Serie animiert ist, kann man es fast nicht besser machen. Die Gesichtszüge der Charaktere kommen ziemlich gut rüber und es ist schon erstaunlich, wie viel Arbeit da wohl drin gesteckt haben muss. Das Opening und Ending sehen verdammt gut aus und wurden ziemlich genial in Szene gesetzt. Wenn der Anime hier und da ein paar Übersichten über Zahlen in den Spielen zeigte, waren diese auch meist sehr übersichtlich. Was man von Mappa allerdings erwarten kann, will ich auch gar nicht in Frage stellen. Mir ist auch ziemlich Banane, dass es das selbe Studio wie Yuri on Ice ist. Ich hab zwar nie ganz verstanden, warum der Anime gelegentlich mit CGI und halb realistischen Darstellungen gearbeitet hat, aber nun ja. Das Budget ging wohl zum großen Teil auch in die Idolfolge mit dem einzelnen Song darin, aber das ist natürlich nur Geschwätz von mir. Warum dieser Anime überhaupt ein Idol brauchte ist mir eh ein Rätsel.

Musik & Synchronisation

Hier verhält es sich sehr ähnlich, wie mit den Zeichnungen. Die Musik in diesem Anime ist schon ein echter Hammer und geht mit den Animationen Hand in Hand, darüber kann man echt nicht schimpfen. Ich kann mich auch bis jetzt nicht wirklich entscheiden, ob ich das Opening oder Ending mehr mag. Aber das kann mir eigentlich auch egal sein, da beides recht gut ist. Zur Synchronisation kann ich dementsprechend auch nicht viele Worte verlieren – auch wenn ich viele Dinge gern nicht gehört hätte, aber das ist eher eine Sache des Inhalts und nicht auf die Leistung der Sprecher zurückzuführen. Wer den Anime gesehen hat, wird das wohl recht gut verstehen können.

Kakegurui ist unterm Strich sicherlich einer der Anime, über den in dieser Season am meisten diskutiert wurde. Die Gründe dafür, sind auch nicht ganz unbegründet. Der Anime hat einen guten Start, doch es wird nach und nach immer vorhersehbar. In Code Geass zum Beispiel ging es zum Beispiel nicht darum, ob Lelouch sein Ziel erreicht. Es ging mehr darum, wie sein Ziel erreicht. Mir fällt es eher schwer, so etwas über Yumeko zu behaupten. Der Anime hat so gesehen auch ein Ende für sich, aber ich kann die Enttäuschung vieler Zuschauer schon nachvollziehen. Dennoch kann man meiner Meinung nach durchaus Spaß mit diesem Anime haben, aber ein Meisterwerk ist das hier ganz sicher nicht. Nur weil etwas gut aussieht, ist es eben nicht auch gleich gut. Meine Bewertung sieht dementsprechend auch recht hoch aus, aber ich beziehe eben auch die Begeisterung aus den ersten Folgen mit ein, die ich so hatte. Ein Must-Watch ist Kakegurui also sicher nicht, aber vielleicht gefällt es dem einen oder anderen ja doch.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

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5 Gedanken zu “Kakegurui – Review

  1. Habe nach den ersten 3 oder 4 Folgen aufgehört es zu gucken, das Konzept war zwar ganz nett, aber alles war viel zu repetetiv, und die Zusammenbrüche waren noch schlimmer als die Orgasmen in Food Wars. Aber ich habe gehört, dass der Anime ein Originales Ende hat, und da die Serie nächstes Jahr auf Netflix kommt, schaue ich mal rein.

  2. Vielleicht wäre Kaiji etwas für dich. Das setzt die „Glücksspiele“ (wenn man es so bezeichnen will) mehr wie strategische Denkduelle um und ist überaus spannend gestaltet, vor allem Staffel 1. Da das alles ausgedachte Spiele sind, braucht man auch nicht die Regeln zu kennen. Ich wollte schon ewig Akagi schauen, was vom selben Autor ist, aber das Werk wiederum setzt Kenntnisse in Mahjong voraus. Sein Zeichenstil mag auf dem ersten Blick sehr ungewohnt und regelrecht abschreckend erscheinen, aber man gewöhnt sich schon dran. Nur deswegen sollte man etwas nicht meiden, was ich schon lernen durfte. Sonst wären mir schließlich einige Perlen entgangen.

    Zu Kakegurui habe ich vielerorts von Leuten, auf deren Meinungen ich vertrauen kann, leider nur negative Stimmen gehört – wie hier eben. Daher habe ich mich davon direkt ferngehalten. Mir gefällt jedoch das stilvolle Opening von Sayo Yamamoto. Wenig überraschend, aber immerhin etwas.

    Ich weiß nicht, ob das hier reinpasst, aber hast du Tsurezure Children aus der vergangenen Season geschaut? Das ist eine wirklich feine Kurzserie mit sehr amüsanten Situationen und sympathischen Paaren.

    • Ich hab auf Youtube auch schon gesehen, dass Kaji in dem Themenfeld wohl einfach besser ist. Mit den genannten Dingen hast du schon Recht, aber vielleicht schaue ich mal rein.

      Wie im Review erwähnt, ich schaue in der Regel nicht sehr viele Season Anime. Zum Teil, wenn ich mal Interesse hab, aber meist erst wenn die Serien fertig sind und ein halbes Jahr alt sind (oder so). Sprich – wenn ich Lust ab, aber Tsurezure Children klingt gar nicht mal schlecht, hm.

  3. Die Review hatte mich insofern interessiert da ein anderer User auch sehr vom Anime schwärmte, doch letztendlich erinnert mich das an diverse „Deadly Game“ animes oder eben YGO ohne Karten. Es ist halt die Frage wie die Spiele sind, sind sie logisch, sind sie interessant, kann man mitfiebern (Kann man bei No Game No Life z.B. fast nie finde ich)

    Ansonsten liest sich ein Satz sehr komisch

    „Ob das die völlig bekloppte Midari vom Schülerrat ist, die aus allem gern russisch Roulette macht und mit einer Knarre durch die Gegend ist“ <–

    Werde ich mir vielleicht mal gedubbed ansehen, aber ich werde meine Erwartungen auch erstmal senken ^^

    • Na ja. Die Spiele und Regeln sind teilweise sehr … bescheuert und es ist oft Schummlerei im Spiel. Richtig mitfiebern kann man eigentlich auch nicht, aber da musst du dich einfach überraschen lassen, schätze ich mal.

      Satz korrigiert, danke für den Hinweis. ^^

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