Chobits – Review

Von menschlichen Computern und tiefgründigen Kindergeschichten.

Clamp-Werke bekommt man irgendwie immer mal zu sehen oder kennt sie zumindest vom Hören. Chobits war da ein recht ähnlicher Fall – ich wollte es irgendwann mal lesen, aber es war lange nicht wichtig genug um es dann auch zu kaufen. Schließlich grinste mich die komplette Reihe im Schuber dann in einem Dresdner Comicladen an und ich konnte nicht mehr widerstehen. Dezente Spoiler sind enthalten, also Vorsicht.

Der Student Hideki Motosuwa verbringt seine Freizeit damit, von der Sache zu träumen, die ihm seiner Meinung nach in seinem Leben noch fehlt: ein Persocom, also ein Hightech-Computer in Form einer hübschen Androidin. Leider ist dieser, aufgrund seines sehr knapp bemessenen Budgets, nicht mehr als ein Wunschtraum. Umso glücklicher schätzt er sich jedoch, als er eines Tages, ausgerechnet im Müll, einen Persocom findet, und einen besonders niedlichen noch dazu. Nachdem er ihn mit einigen Mühen in seine Wohnung verfrachtet und aktiviert hat, stellt sich jedoch schnell heraus, dass sein neuer, von ihm auf Chi getaufter Besitz, doch so gar nicht den Erwartungen entspricht, die man normalerweise an einen Computer stellen würde. Als seine neue Mitbewohnerin bringt die kindlich-naive Chi nun Hidekis bisheriges Leben ordentlich durcheinander.

Neben der kindlichen Naivität seitens Chi und den gelegentlich dreckigen Anmerkungen ist Chobits eigentlich anständiger, als erwartet. Na klar, man sieht Chi gelegentlich mal nackig oder Unterwäsche, aber deswegen kann ich diesen Manga tatsächlich nicht wegen seinem Fanservice jagen. Diese Elemente gab es hier eher passend der Unterhaltung wegen und sonst geht Chobits eher reifere Wege. Auf den ersten Blick erscheint es einem nicht ganz so, weil es hier immerhin um menschlich aussehende Computer geht. Doch nach und nach bemerkt man hier viele mysteriös wirkende Dinge. Die Welt in diesem Manga erscheint schon so, als hätten Menschen keinen Bezug zueinander und würden sich nur noch mit ihren Computern abgeben, die Menschen somit ersetzen können. Diese Sache ist schon ein großes Thema in diesem Manga, gerade auch in der Bildergeschichte die Chi ließt. So tiefgründige Dinge erwartet man hier eigentlich nicht, doch sie sind vorhanden und ziemlich überraschend. Die Dialoge können von Zeit zu Zeit sehr tiefgründig sein und auch Beziehungen zu Menschen werden hier beleuchtet.

Ich dachte zum Beispiel, dass der Protagonist eine völlig verblödete Null wäre. Ehrlich, ich hatte keine Erwartungen an ihn. Mein Gedanke war: „ach, der ist sicher nur hinter ihrem Hintern her.“, aber so einfach war es dann auch wieder nicht. Wie sich herausstellte, hat er tatsächlich ein funktionierendes Hirn und sieht Chi nicht einfach nur als irgendeinen Computer für persönlichen Gebrauch. Diese Sache ist eben so ein springender Punkt in diesem Manga. Ist es richtig einen Computer zu lieben, der aussieht wie ein Mensch? Natürlich sind nicht alle Menschen in diesem Manga besessen von ihren Computern und schon gar nicht die, die wir hauptsächlich beleuchtet bekommen. Hidekis Nachbar Shinbo ist so zum Beispiel eher jemand, der seinen Computer so wie ein normaler Mensch nutzt, was aber auch sicher an deren Größe liegt. Sein Persocom ist zum Beispiel nicht so groß wie ein normaler Mensch, sondern vergleichsweise sehr klein. Dann gibt es auch noch den typisch einsamen Jungen, der mehrere Computer wie Dienstmädchen hält und dem Protagonisten helfen will, mehr über Chii zu erfahren. So wollte er ursprünglich keine Freundin in dem Sinne durch seine Computer erhalten, sondern eher einen Ersatz für seine verstorbene Schwester. Doch auch hier wird mehr und mehr klar, dass diese seine Schwester nicht ersetzen kann. Nicht einmal dann, wenn diese sich wie seine Schwester verhält und so programmiert wurde. Denn hier ist der Unterschied – die Computer tun alles, was ihre Besitzer wollen. Sie haben keinen eigenen Willen und werden immer nur das tun, wonach sie programmiert wurden.

Neben diesen Charakteren gibt es auch noch weitere Nebencharaktere, die gute und schlechte Erfahrungen mit Computern gemacht haben. So lernen wir auch Yumi kennen, die wohl schlechte Erfahrungen mit diesen gemacht hat und den Protagonisten fragt, ob sein Computer den so toll wäre. Dies hängt unter anderem auch noch mit einem anderen Charakter zusammen, aber das wäre nun tatsächlich schon ein echt krasser Spoiler. Ich empfand diese Geschichte allerdings als ziemlich gut gemacht und auch realistisch. Hier kommt es aber darauf an, ob man Yumis Problem verstehen kann oder nicht. Durch einen Computer quasi ersetzt zu werden und keinen Partner zu finden, ist in dieser Welt keine seltene Sache. Zum anderen hängt auch die eigentlich eher unscheinbare Vermieterin von Hideki weit mehr in dieser Geschichte, als man selbst bemerkt. Sie hat vor allem viel mit Chii zu tun und auch ihrer Vergangenheit. Ich werde auch hier nicht total spoilern, keine Sorge. Aber es ist schon eine sehr traurige Hintergrundgeschichte, die wir hier mitbekommen. Zum anderen wird auch noch ein anderer Charakter aus Angelic Layer genannt, der zur Geschichte der Persocoms viel beizutragen hat. Ich empfand diese Sache schon als sehr bewegend und auch die Frage, die Hidekis Vermieterin ihm am Ende stellt hat mir zu denken gegeben. Alle Charaktere ergänzen sich wirklich wunderbar und runden das Ganze sehr gut ab. Von meiner Seite kann ich diesen Manga wirklich nicht wegen seines Inhalts kritisieren.

Mit acht Bänden bietet Chobits wirklich alles, was man von Clamp erwartet. Eine verworrene und mysteriöse Geschichte mit süßen Charakterdesigns und einem eigenen Stil, bekommt man hier auf jeden Fall zu sehen. Das einzig unlogische ist meiner Meinung nach der Ort, an dem sich Chiis Anschalter befindet. Aber das darf man gern auf die damalige Naivität schieben – heutzutage würde man einen solchen Computer sicher mit Stimmen-Erkennung anschalten. Wenn man dies auslässt, war der Manga auf jeden Fall seiner Zeit weit voraus. Die Zeichnungen sind dementsprechend wie immer top, wenn man sich nicht an sehr langen Beinen und Armen stören mag. Der Manga hat sein eigenes Tempo und lässt sich mit seinen Informationen viel Zeit, was einen vielleicht auf aufregen könnte. Jüngere Leser werden Chobits vielleicht noch nicht ganz so verstehen, wie es ältere Leser tun. Die Bände und Kapitel wirken auch immer ein wenig kurz für seinen Inhalt (würde ich einen solchen Manga schreiben, hätten die Kapitel bei mir 40 Seiten, weil mehr Inhalt), was aber an dem damals wöchentlichen Zyklus lag. Trotzdem wirkt der Manga nicht in die Länge gezogen und so wie er ist, sehr gut abgeschlossen. Alle Fragen werden eigentlich sehr gut beantwortet und mich hat dieser Manga auch sehr zum nachdenken gebracht, nach dem ich ihn beendet hatte. Natürlich bin ich kein harter Clamp-Fan, aber ich mag ihre Werke doch sehr. Card Captor Sakura wirkt gegen diesen Manga wie ein zarter Kindergartenbesuch und Kobato wie ein zuckersüßer Traum, aus dem ich nicht aufwachen will. Clamps Werke sind beeindruckend miteinander verbunden, was auch auf ihre Gruppe zurückzuführen ist. Vier Zeichner können eben mehr Manga produzieren, als nur ein einziger.

Wer hier eine versaute Geschichte mit Computern erwartet, wird enttäuscht sein. Clamp liefert mit Chobits eine tiefgründige Geschichte, die weiß wo sie hin will und wirklich typisch für die Gruppe ist. Es gibt sicher viele Geschichten die in eine ähnliche Richtung gehen, seien es nun Roboter-Mädchen oder einfach nichtmenschliche Wesen. Von meiner Seite aus würde ich Chobits sogar als das wesentlich intelligentere Elfen Lied bezeichnen, auch wenn das gefundene Mädchen hier keine Killermaschine ist. In dieser Richtung und Thematik also auf jeden Fall eine sehr gute Geschichte (auch in Richtung Romance meist sehr unschuldig) und auf jeden Fall ein Klassiker.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Verlag: Egmont Manga – 8 Bände (abgeschlossen)
Die Reihe ist jedoch größtenteils vergriffen. Wie die Preise hierfür mittlerweile aussehen, kann ich nicht sicher sagen. Schau euch einfach bei Möglichkeit um, ich hab den Manga immerhin auch gebraucht gefunden. Ob die englischen Ausgaben eine gute Alternative sein können, ist eine andere Frage.

 

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4 Gedanken zu “Chobits – Review

  1. Ich hatte damals den ersten Band (ca?) in der Mangapower gelesen, und ja, er hatte zumindets charme, ich mochte auch die Märchenbuch Referenzen von Chi mit dem Werk „die stadt ohne mich“ oder so, das etwas mystisches hatte. Natürlich gibt es viel Kitsch und Comedy, war aber sehr froh das CLAMP mal etwas anderes versuchte als das übliche ihrer Formeln ^^

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