Angelic Layer – Review


Wenn man sich fragt, ob ein Anime schon einmal so vorhersehbar war.

Bisher hatte ich die Künstlergruppe Clamp eigentlich immer in sehr guter Erinnerung. Ihre Manga haben mir immer sehr gefallen (hab ja ein paar gelesen) und auch die dazugehörigen Anime-Adaptionen waren eigentlich nie wirklich schlecht oder total Grütze (korrigiert mich ruhig, wenn ich falsch liege, aber ihre Charakterdesigns in anderen Aanime mag ich zum Beispiel auch recht gern). Über Angelic Layer wusste ich allerdings nur flüchtig etwas, weil ich damals in jungen Jahren Yukiko-Leserin war. Dort wurde die Serie damals beworben, als sie in Deutschland erschien. Ich fand das als Kind total interessant, aber geschaut habe ich es dann erst jetzt. Außerdem habe ich keine Ahnung was im Manga der Fall war, um es gleich zu sagen. Aber kommen wir erst einmal zum Inhalt.

Story

Die Sechstklässlerin Misaki Suzuhara ist gerade nach Tokyo umgezogen, um bei ihrer Tante zu leben. Sie stolpert dort über ein Spiel namens Angelic Layer, eine Werbeveranstaltung für technisierte Puppen, die jeder selbst umgestalten kann. Sobald dies geschehen ist, können sie durch eine neuartige Technologie miteinander verbunden werden und sich in einem Bereich, Layer genannt, bewegen: in diesen Layern werden Kämpfe ausgetragen, um die Besten zu finden. Misaki trifft Icchan, einen seltsamen Mann, der sie in das Spiel einführt. Aus welchen Gründen auch immer glaubt er, dass Misaki das Potential hat, zu den besten Spielern aller Zeiten zu gehören…

Das Ganbatte-Genre hat ja so einige Vertreter und Clamp wollte halt auch ein Stück von dem Kuchen haben. Wirklich geübt wirkt der Anime darin allerdings nicht, das muss man jedoch sagen. Die Regeln wirken nicht sehr durchdacht. Wenn ein Angel vom Layer fällt, gewinnt der andere Angel. Außerdem gibt es eine Zeitbegrenzung für die Kämpfe und später auch optische Gestaltung für das Feld des Layers. Alles andere ist dann eher ein paar Anzeigen überlassen, aber darüber habe ich mir dann auch keine Gedanken gemacht. Wirklich überraschen konnten die Kämpfe leider selten. Es gab vielleicht ein oder zwei Kämpfe, die etwas spannend oder gut waren. Alle anderen waren sehr vorhersehbar, weil die Protagonistin eben immer gewinnen muss. Gewisse Inhalte und Dramen sind so vorhersehbar und mit Klischees bestückt, dass man diese nicht mal in emotionalen Momenten wirklich ernst nehmen kann. Wir bekommen eigentlich jede Folge einen Kampf zu sehen, bis auf ein paar wenige Folgen. Diese kommen allerdings eher am Ende, tragen aber nicht sonderlich viel zum Inhalt bei – wenn wir das Drama jetzt einfach mal weglassen. Die Story dieses Anime haut einen jetzt nicht sonderlich vom Hammer, auch nicht Misakis familiäre Situation die viel dazu beträgt oder der witzige Icchan. Gerade was alle Dramen angeht, kann man eigentlich alles sehr schnell voraus sehen.

Charaktere

Auch hier bekleckert sich Angelic Layer nicht unbedingt mit Ruhm. Misaki ist so eine Inspiration für andere, dass ihre Gegner nach dem Kampf immer mit einem Lächeln davon dackeln. Laut den anderen Charakteren ist sie ja süß und toll, wenn nicht sogar ein pures Naturtalent. Das war wohl eine der Sachen, die mich am meisten gestört haben. Misaki hat wahrscheinlich so ziemlich alles gewonnen, was vorhanden war. Es gab echt nur einen Kampf, denn sie verloren hat und das war soweit am Anfang, dass man es in der Zwischenzeit eigentlich schon wieder vergessen hat. Ein so junger Charakter kann ja gern naiv und dergleichen sein, aber dann auch noch mit Zügen einer Mary Sue? Ich schmeiße generell ungern mit solchen Behauptungen um mich, aber Misaki scheint ja echt unfehlbar. Nur eine Sache bringt sie gelegentlich durcheinander – ihre Mutter, die sie immer allein gelassen hat. So vorhersehbar ist es auch, dass man eigentlich recht zeitig weiß, wer diese ist. Ich sagte beim Schauen sehr oft: „Ich frage mich ja, wer die Frau im Rollstuhl ist.“

Die anderen Charaktere sind dabei auch nicht viel besser. Da wären ihre Mitschüler, die dauerlaute Tamayo und Kotarou, der wegen eingeklemmter Eier seine Liebe zu Misaki nicht gestehen kann. Dieser hat außerdem eine kleine Schwester, die gerade mal fünf ist und eben die besagte Person ist, die Misaki am Anfang weggeboxt hat. Eigentlich hatte sie auch einen recht guten Charakter, verliert ihn aber nach und nach wegen Misaki immer mehr. Beim beginnenden Turnier wird es aber auch nicht besser. Dort treffen wir unter anderem die gutmütige Brillenträgerin Kaede, die bewusst einen Bug ihres Angels ausnutzt und eine versteckte Fähigkeit bewusst ausnutzt (und ihre Backstory hab ich auch nicht verstanden). Sehr praktisch, ein altes Modell zu haben und diese Information dann auch noch später an die kalte Sai weiterzugeben. Diese war eigentlich ziemlich interessant, auch von ihrer Persönlichkeit her. Ihr wisst ja sicher, dass ich so kalte und gefühlsarme Charaktere gern mag. Der Beiname Eismaschine war irgendwie bescheuert, weil ich mir das wieder bildlich vorgestellt habe, aber na ja. Ich dachte mir, ja, die hat bestimmt einen sehr guten Grund für alles was sie tut. Dann kam ich mit dem dämlichen Vorschlag: „Die spielt das bestimmt wegen ihrer toten Schwester.“ Ratet mal, wer Recht hatte. Dieses Werk ist wirklich nicht gerade überraschend und einfach zu durchschauen.

Die Spitze des Eisberges toppt dann nur noch Ohjiro, der irgendwie einzige männliche Spieler in diesem Anime. Es gab zwar gelegentlich mal männliche Spieler zu sehen, aber er beherrschte das Spiel irgendwie als einziger wirklich gut. Auch er hatte wieder eine seltsame Hintergrundgeschichte und stand in der Vergangenheit auf Misakis Mutter, was mich absolut verwirrt hat. Clamp macht mit seinen Romanzen echt vor keinem Alter halt und das erkannte ich auch hier wieder. Misakis Mutter, die also der Champ ist, steht am Ende ihrer Tochter gegenüber – obwohl diese genau das meiden wollte und wie ein Feigling immer wieder davor weg läuft. Einzig und allein die Entstehungsgeschichte von Angelic Layer gemeinsam mit Icchan berechtigt sie irgendwo für mich, aber sonst ist sie nur für das Drama der Serie da. Ein wenig arm ist das schon, aber nun ja. Mit den Charakteren ist hier einfach ziemlich merkwürdig umgegangen.

Zeichnungen & Animationen

Bei einer Adaption eines Clamp Manga erwartet man irgendwie sehr schnell lange Beine und nette Zeichnungen. Angelic Layer entspricht diesem aber noch nicht so ganz. Vielleicht liegt es am Alter des Werks selbst, aber gerade die Zeichnungen im Anime sind nicht so besonders. Hier saß aber auch nicht das für viele Clamp-Adaptionen verantwortliche Studio Madhouse dahinter, sondern eben ein völlig anderes Studio. Bones lässt den Anime nicht immer dynamisch aussehen und hat wenig an den Charakterdesigns geändert, die man ruhig etwas abwandeln hätte können. Das haben die Kollegen von Madhouse besser gemacht und besonders hervorheben kann man diese Adaption auch nicht. Natürlich kann ich allgemein nicht sagen, ob dieser Anime nah am Manga ist. Aber rein von den Zeichnungen ist dies nicht der Fall und die meisten Charaktere schauen auch so aus, als hätten sie niemals eine Überarbeitung der Characterdesigner erhalten. Dementsprechend sieht dieser Anime selbst für seine Zeit einfach nur durchschnittlich aus. Hier kann man kein künstlerisches Meisterwerk erwarten, wobei es sicher als klassisch für die damalige Zeit durchgeht. Also relativ akzeptabel, wenn man so will.

Musik & Synchronisation

Mir fällt wirklich kein Song aus dem BGM mehr ein, aber das Opening war verdammt catchy. Leider wurde dieses bis zum Ende gespielt und war dann doch nicht mehr so toll, weil es eben zu lang lief. Während man sich komischerweise zwei Endings leisten konnte (die aber dafür nicht so besonders waren), hätte man einfach noch ein zweites Opening animieren können. So ging das zwanzigste Be my own angel dann nur noch auf die Nerven, aber dafür kann ja das Lied selbst nichts.

Die deutsche Synchronisation kann man eher als gemischtes Erlebnis bezeichnen. Die Übersetzung ist nun auch nicht immer so ideal, aber die Sprecher wirkten teilweise schon etwas komisch besetzt. Die Protagonistin Misaki klang für ihr Alter typisch naiv und irgendwie recht ähnlich der Sprecherin von Sakura, was nun nicht so verkehrt ist. Alle jüngeren Charaktere waren ganz nett besetzt, aber gerade was Sai oder einige andere Nebencharaktere anging kam nicht wirklich gute Sprecherleistung rüber. Es klang einfach nicht gut, aber es war für mich auch nicht mies genug um auf O-Ton zu wechseln. Eigentlich schon schade, aber vielleicht liegt das auch an dem damaligen Verleger ADV, wobei es da auch gute Synchronisationen gab.

Angelic Layer ist sicher nicht das beste Werk von Clamp, aber sicher auch nicht das miesesten. Vielleicht liegt es an der Adaption, aber wirklich spannend war dieser Anime sehr selten. Die Idee ist meiner Meinung nach nur halb so gut umgesetzt, wie sie hätte sein können. Die Episodenanzahl bot eigentlich genug um die Geschichte gut rüber zubringen. So ist es zwar unterhaltsam, aber eben auch kein Anime den ich nochmal schauen würde. Schon schade, aber zumindest kein völliger Reinfall.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

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Ein Gedanke zu “Angelic Layer – Review

  1. Das ist irgendwie aber immer der Vorteil von Clamp: Es ist eine gruppe, und 5 Leute mischen dann eben halt mal ihre Ideen zusammen und so kommen oft ganz unterschiedliche Sachen raus: Wir haben Roboter-Romantik in Chobits, Magical Girl Kitsch mit Card Captor oder eben mal einen Gangbatte! Die Wettkampf-Serien haben für mich auch gefühlt wieder Konjunktur, und ja: Es IST langweilig und fade wenn ein Protagonist IMMER siegt, gute Serien schaffen da einen glaubwürdigen Spagat, mein lieblingsbeispiel ist da Hikaru No Go, wo der Sieg oder eine Niederlage NICHT das Universum oder eine Ideologie beinflussen, die Persönlichkeiten sind da, die Stimmungen sind da, das Spiel und das Ergebnis selbst sind da fast nur noch eine Randnotiz

    Immerhin kann man wie du schon sagst Clamp nachsagen das sie definitiv immer etwas anderes ausprobieren, selbst wenn es mal eher durchschnittliche Ergebnisse bringt ^^ Schöne Review

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