Durarara! – Review

Man erwartet den Himmel für ein Fangirl – aber das ist auch okay.

Mein Ersteindruck zu Durarara war ein wenig eigen. Ich habe hier und da immer mal etwas über die Serie gelesen und dachte: „schau ich halt irgendwann mal“. Die Fangirls der Serie schrien gern Izaya oder Shizuo, dabei hat diese Serie doch eigentlich mehr Charaktere als die beiden. So kam bei mir wohl der Eindruck rüber, diese Serie wäre in irgendeiner Weise Shounen Ai. Im Nachhinein fühle ich mich selbst dämlich, so etwas gedacht zu haben. Aber kommen wir doch zur Serie, die habe ich nämlich komplett gesehen – sprich, die erste Staffel und die zweite mit ihrer dreiteiligen Aufteilung. Ich spoilere leicht, aber nicht zu sehr. Dieses Mal passe ich auf.

Story

Mikado Ryuugamine ist ein Junge, der sich nach dem aufregenden Stadtleben sehnt. Auf Einladung seines Kindheitsfreundes Masaomi Kida wechselt er auf eine Schule in Ikebukuro. Masaomi warnt ihn vor einigen Leuten, denen er dort besser nicht begegnet: Shizuo Heiwajima – „The strongest Man in Ikebukuro“, dem mysteriösen Izaya Orihara und den vielen Straßengangs von denen besonders die „Dollars“ gefährlich sind. Mikado wird gleich am ersten Tag Zeuge einer urbanen Legende, der kopflosen Reiterin auf dem schwarzen Motorrad, Celty Sturluson, die Verbrechern in Ikebukuro das Fürchten lehrt. Eine Vielzahl schicksalhafter Ereignisse und geheimnisvoller Charaktere treffen nun in kurzer Zeit aufeinander und bringen das sonst normale Leben von Mikado und Masaomi durcheinander.

Durarara! war am Anfang verdammt verworren und merkwürdig. Es war nicht wirklich klar, worauf der Anime hinaus wollte. Wenn man seine Gehirnzellen allerdings anstrengt und einmal darüber nachdenkt, weiß man worauf der Anime hinaus will. Die Geschichte hat keinen wirklichen Protagonisten – der Protagonist ist Ikebukuro selbst. In welcher Verbindung die Charaktere miteinander stehen, bekommt man mit der Zeit recht schnell mit. Die Serie ist ziemlich intelligent zusammengestrickt und in vier Teile geteilt worden. Das ganze verläuft nach dem Kishotenketsu Prinzip, das beim nachlesen dann doch etwas mehr Sinn ergeben hat. Ich war erst ziemlich überfragt, warum man die zweite Staffel in drei Teile geteilt hat. Nach kurzer Recherche hat es dann aber doch Sinn gemacht. Die erste Staffel stellt die Einleitung in die Geschichte dar – sie hat mir persönlich auch am meisten gefallen. Der erste Teil der zweiten Staffel heißt Sho, stellt quasi die Weiterführung und Entwicklung der Einleitung dar. Hier scheiden sich aber die Geister, wie gut dieses Prinzip wirklich ist. Ab Staffel zwei fand ein Studio-Wechsel statt, der wohl auf verlorene Rechte von Brain Base oder vergleichbares zurückzuführen ist. Eigentlich sind auch komplett alle Leute von der alten Serie dabei, aber die Serie fühlt sich ab da an einfach anders an. Es wurde auf die erzählerische Weise der ersten Staffel größtenteils verzichtet und ein wenig durchgerusht, permanent kamen neue Charaktere dazu. Daran musste man sich erst einmal gewöhnen, aber dies ging mit der Zeit. Der zweite Teil von Staffel zwei heißt Ten und ist wirklich sehr gut in dieses Erzählerprinzip angepasst worden. Ten stellt den Wendepunkt der Geschichte da und kommt mit einigen Überraschungen um die Ecke, bringt einige neue Themen ein und dreht sich primär um Mikados Veränderung und den Konflikt zwischen den Blue Squares und den Dollars. Ketsu, der dritte und letzte Teil ist dementsprechend als Zusammenführung aller Elemente zu sehen. Hier kracht es noch mal ordentlich und alles kommt sinnvoll zusammen. Zum Ende und auch am Ende des zweiten Teils findet Durarara auch zu seinen Wurzeln zurück, dem alten Erzählerstil wofür ich es sehr mochte. Klar fühlt es sich nicht mehr wie die Serie an, die man in der Einleitung gesehen hat. Doch gerade die Überraschungen in Ten waren sehr nett und cool gemacht.

Als völliger Einsteiger und als erster Anime ist diese Serie allerdings nicht zu empfehlen, es sei denn man mag komplexere Geschichten die nicht ganz klar sind. Ich persönlich fühle mich ja gelangweilt von Geschichten, die von vorn herein klar sind und mich mit keiner Frage da stehen lassen. Das packt mich einfach nicht – dementsprechend war Durarara einfach eine intelligentere Alternative zu den oft vorhersehbaren und durchschnittlichen Serien, die man eben hin und wieder sieht. Leider ist der Stilbruch durch das neue Studio deutlich spürbar und hat Durarara von meiner Seite einen ordentlichen Punkteabzug beschert, was aber nicht heißt das ich es nicht mag. Ich empfinde diese Sache ja selbst als schade, aber ich konnte mich bis Ende nicht so richtig damit anfreunden. Dieses dreiteilige Prinzip ist nicht schlecht, aber es war eben etwas heikel und zum Anfang zu schnell umgesetzt. Ursprünglich wurden ganz am Anfang immer ein Charakter pro Episode vorgestellt und die zweite Staffel wirft das ordentlich über Board. So richtig verziehen hab ich dem neuen Studio das nicht, aber na ja. Rein vom Inhalt kann ich verstehen, was die Leute so an Durarara mögen.

Charaktere

Hier gibt es eine ganze Menge, also fasse ich das ganze erst mal nur zusammen. Mikado war für mich am Anfang ein völlig langweiliger Charaktere, ich bin ganz ehrlich. Er wurde für mich erst interessant, als er sich wegen der Blue Squares so verändert hat. Schließlich war er nur noch ziemlich broken und das konnte ich auch nachvollziehen. Seinen Kumpel Masaomi empfand ich schon immer als nervigen Trottel, das hat er nie ablegen können. Ich war so froh, als er eine Zeit lang mit seiner Freundin weg war und natürlich ein klein wenig pissig, als er wieder da war. Seine Freundin war aber ganz nett, nur konnte ich mir ihren Namen nicht merken. Anri war natürlich auch eine Überraschung, mit ihrer Geschichte um Saika. Das kranke Mädel Haruna, dass damit zusammenhing kam später überraschenderweise auch noch mal vor und das war alles schon ziemlich abgefuckt. Später kam in dieser Richtung sogar noch ein Charakter von den ganzen neuen Charakteren dazu, aber das war echt kompliziert und ist schwer zu erklären. Ich mochte aber vor allem den Konflikt zwischen Shizou und Izaya. Shizous Wutanfälle waren immer sehr unterhaltend und Izayas Sprüche in Richtung Menschenliebe ergeben Sinn, wenn man weiß als was er Shizou sieht. Am Ende wurde noch einmal richtig klar, dass er Shizou nicht als Menschen sieht und damit ergab es schließlich Sinn warum er so hinter ihm her war und ihn tot sehen wollte. Neben dieser Sache mochte ich natürlich auch noch Celty und Shinras Beziehung. Die beiden waren auf seltsame Art sehr süß zusammen und am Ende war es fast herzreißend, wie Shinra sie wieder für sich „gewinnen“ konnte. Ja, der verdammte Kopf ist schon eine blöde Sache, wenn Celty damit alle Erinnerungen flöten gehen. Doch sie war immer das verbindende Glied zwischen allem und das mochte ich sehr an ihr. Klingt schon fast so, als wäre sie tot, obwohl sie das gar nicht ist.

Mit den neuen Charakteren hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten. Ob das Mikados jüngerer Mitschüler Aoba von den Blue Squares ist oder das komische Idol, mit dem Shizous berühmter Bruder immer rumhängt. Es war alles so wirr, dass ich mich am Ende nur noch an zwei neue Charaktere erinnere – Varona und der Typ mit dem Hut. Varona ist zum einen eine russische Auftragskillerin, die in die Geschichte eingeführt wurde und am Anfang als Antagonistin dienen sollte. Recht schnell wurde sie allerdings eine gute Bekannte von Shizuo und bezeichnet diesen auch gern als ihren Senpai. Passend, dass sie auch blond ist. Ja, der Typ mit dem Hut … den habe ich mir wohl nur gemerkt, weil er ständig den Hut beim prügeln aufhebt und ihn echt immer aufhebt. Außerdem war er voll der Weiberheld und hat gern auf Macho getan. Sein Name ist eigentlich Chikage, ich nannte ihn immer nur Yuuki Ono (weil das sein Seiyuu ist und er mein Lieblingssprecher ist). Keine Ahnung, so lässige Kerle bleiben mir gelegentlich auch mal im Kopf. Mir ist mit den Charakteren dieser Serie echt nie langweilig geworden, nur die Konfusion ab Staffel zwei hätte mir gern erspart bleiben können.

Zeichnungen & Animationen

Zugegeben, die Charakter-Designs in Durarara sind wirklich ziemlich simpel. Dennoch mag ich sie, gerade deswegen. Mir all diese Charaktere mit komplizierten Designs zu merken, wäre echt schwierig gewesen. Da hat das meiner Meinung nach schon gepasst. Das neue Studio Shuka gab ab Staffel zwei mehr Tiefe und Details in die Designs, was zumindest künstlerisch für sie spricht. Man muss aber auch sagen, dass zwischen Staffel eins und zwei ganze fünf Jahre liegen. Da erwartet man schon etwas sinnvollere Änderungen. Die Animationen waren eigentlich immer ganz nett, ich hab zumindest nichts gesehen, was mir irgendwie nicht gefallen hat. Da kann ich zumindest in keiner Art Beschwerde einreichen.

Musik & Synchronisation

Musikalisch mochte ich Durarara eigentlich immer. Die Openings der ersten Staffel sind absolute Ohrwürmer für mich, sowohl das erste als auch das zweite. Unterschiedlicher als sie sind könnten sie zwar auch kaum sein, aber das ist noch eine andere Geschichte. Bei der zweiten Staffel gibt es zwar auch ein paar gute Songs, aber die sind nicht so der Hammer. Von den Endings zu schweigen, die mochte ich eigentlich noch nie. Zur deutschen Synchronisation kann ich übrigens nichts sagen, da ich sie nicht gesehen habe. Ich wollte mich gar nicht erst daran gewöhnen, also hab ich direkt alles mit O-Ton geschaut. Shizuos Wutanfälle sind eigentlich ganz cool und ich hab auch nicht das Verlangen, den deutschen Ton nochmal abzuchecken. Am besten war aber immer noch Celtys Sprecherin, die mag ich besonders gern. Dies wäre wahrscheinlich anders, hätte mir Staffel zwei besser gefallen. Aber so – nope, tut mir leid. Wer seine Eindrücke zum Dub in den Kommentaren posten mag, gern her damit.

Dafür, dass ein Hauptteil von Durarara um kriminelle Machenschaften und Straßengangs geht, ist es sehr komplex und intelligent. Bestimmt kommt mir jetzt jemand mit Baccano, aber das interessiert mich im Moment auch nicht wirklich (auch wenn es vom selben Autoren stammt). Wäre die Umsetzung der zweiten Staffel nicht so wie sie ist, hätte es Durarara sicher zu einem meiner absoluten Lieblingsanime geschafft. Das Potenzial hatte es dafür, keine Frage. Leider bleibt es so etwas hinter seinem eigentlichen Potenzial und meine Bewertung sieht damit nicht ganz so hoch aus, wie ich sie ursprünglich erwartet habe. Einen Blick in den Anime kann man aber durchaus riskieren, wenn man gelangweilt von absolut generischem Kram ist, der einfach zu durchschauen ist. Lohnt sich auf jeden Fall.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

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4 Gedanken zu “Durarara! – Review

  1. Achja, Durarara … nachdem ich die erste Staffel recht schnell gebinget habe, ist es schon fast zwei Jahre her, seit ich Staffel 2.1 gesehen habe, und ich weiß nicht, ich konnte mich nie dazu bringen weiterzuschauen, obwohl die Serie einer meiner Favoriten ist.

    • 2.1 war eben ziemlich komisch. Ich habe ja auch länger gebraucht, weiter zu schauen. Vielleicht aber auch, weil ich es allein geschaut habe. Normalerweise schaue ich das ja gemeinsam mit Shima, aber dem gefiel es ab da an überhaupt nicht mehr. Es ist ein wenig eigenartig, aber es lohnt sich auf jeden Fall. ^^

  2. Ja, gut zusammengefasst, Leichte Kost ist dieser Anime nicht aber auch mal erfrischend anders, der Mangaka hatte ja eine recht ähnliche Serie mit denm Namen Baccano! kreiert die ähnlich ambitioniert war… und als Anime leider floppte 😦 Manchmal ist Mainstream halt einfach sicherer, aber wer will denn schon bitte Sicherheiten?

    Das Kishotenketsu Prinzip sagt mir leider nichts, ist das kompliziert zu erklären? Das würde mich noch interessieren, ansonsten halte ich die wertung für Ideal

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