Wenn ein massiver Skandal auf einen deiner Lieblingsmanga trifft – Rurouni Kenshin (Rant)

Aufgrund vorgefallener Ereignisse möchte ich dann doch nicht schweigen. Abschweifungen inklusive.

Bevor wir anfangen, möchte ich kurz etwas klar stellen. Ich sehe mich selbst nicht als News oder Klatschblog, der irgendwelche Dinge breit treten muss und seine Leute diesbezüglich informieren möchte. Ich zitiere zwar gern Trivia und schreibe gelegentlich etwas wissenswertes in meine Posts, aber das ist sehr minimal gehalten. Ich möchte deshalb kurz eine kleine Zusammenfassung machen, bevor wir mir dem eigentlichen Thema beginnen. Der eigentliche Grund für diesen Post sind die Ereignisse der letzten Woche (20.11 bis 26.11.2017, wir haben mittlerweile Dezember), die ich als treuer Kenshin-Fan nicht so stehen lassen möchte.

Nobuhiro Watsuki (sein richtiger Name ist Nobuhiro Nishiwaki) ist ein recht bekannter Mangaka, unter anderem für Rurouni Kenshin bekannt. Die Reihe lief 1994 bis 1999 in der Shounen Jump und ist bis heute seine erfolgreichste Reihe mit einigen Anime-Adaptionen, mehreren Live-Action Filmen und vielen Side-Stories (welche ebenfalls in Manga-Form erschienen sind). Neben Kenshin zeichnete er auch noch einige Manga wie Busou Renkin oder Gun Blaze West. Jedoch kam keine so wirklich an Kenshin heran. So zeichnete er auch noch bis vor ein paar Wochen an einer Kenshin Side-Story Arc, die regelmäßig in der Jump SQ (ein monatlicher Ableger der Jump) erscheint. Auch seine Frau Kaoru Kurosaki arbeitete an dem Werk mit, hauptsächlich an der Story. Nun wachte ich an diesem einen Morgen auf und sah die News auf Twitter, geteilt von Anime News Network und dachte mir: „Na, hast dich bestimmt verlesen“. Habe ich zu meinem Erschrecken nicht und dann kam auch noch Shima, der mir die News schickte. Ich konnte es nicht weiter abstreiten und lass dann noch einmal ganz genau – Watsuki wurde aufgrund des Besitzes von kinderpornografischen DVDs festgenommen. Er soll hunderte davon besessen haben, wahrscheinlich noch nahe seines Arbeitsplatzes. Die dargestellten Kinder waren meist im Alter von 11-15 Jahren, so laut den Newsseiten. Wir reden hier also nicht von gezeichneten Hentai-Werken – gemeint sind echte, minderjährige Mädchen. So ein Skandal ist natürlich massiv und trifft auch den Verlag Shueisha, der jahrelang hinter Watsuki stand. Welche Strafe noch auf ihn warten wird, ist also erst mal abzuwarten. Ob nun ein Jahr in Haft oder eine extrem hohe Geldstrafe (vielleicht auch beides), diese Sache kam wie aus dem Nichts. Shueisha kündigte vorerst eine Pausierung für die aktuelle Kenshin Arc an und überlegt selbst noch, was sie mit den bereits gedruckten Taschenbänden machen sollen. Die Sache wird dort noch sehr diskutiert und das ist auch nachvollziehbar.

Ich möchte auch nicht weiter direkt auf diese Sache eingehen. Natürlich stehe ich nicht hinter solchen Dingen und kann die Enttäuschung vieler Fans sehr gut nachvollziehen. Ich selbst hätte, wie viele andere auch, niemals mit so etwas gerechnet. Kenshin hat weder Fanservice noch irgendwelche Dinge, die in diese Richtung gehen könnten. Das wird sicher auch auf seine späteren Werke zutreffen, da bin ich mir eigentlich sehr sicher. Rurouni Kenshin stand eigentlich immer für ein sehr lustiges, actionreiches und historisches Setting, dass aber auch seine finsteren Seiten hatte. Ich bezweifle also auch, dass Watsuki selbst solche Ansätze und Interessen in den damaligen 90ern hatte. Viel mehr vermute ich, dass diese über die Jahre entstanden sind, als er nicht mehr so erfolgreich war. Die meisten DVDs stammen wohl aus dem Jahr 2015, was sehr weit von dem Erscheinungszeitraum Kenshins ist. Nun ratet mal, was zahlreiche User in Foren (vor allem auf MAL) schreiben?

„Wenn du seine Werke unterstützt, bist du selbst pädophil.“, „Gut, dass ich sein Zeug nicht schaut oder gelesen habe, was ein Pedo.“ oder einfach nur stumpfe Vergleiche, die absolut bescheuert sind. Ich schätze mal, die meisten User denken auch nicht nach, während sie solche Posts schreiben. Nein, man ist nicht pädophil, nur weil man Kenshin oder andere Werke von Watsuki ließt. Wie kann man nur so behämmert sein und so etwas behaupten? Ich verstehe sehr gut, dass viele seiner Leser sehr enttäuscht von ihm sind. Aber auch wenn er sich bereits entschuldigt hat, wird dies nicht so viel ändern. Eine Strafe wird er auf jeden Fall bekommen und es ist meiner Meinung nach ein Wunder, dass sein aktueller Manga nur pausiert wurde. Ein ähnlicher Fall war wohl auch mit Toriko Mangaka Mitsutoshi Shimabukuro im Gange, als dieser im Jahre 2002 wegen Kinderprostitution angeklagt war und sogar inhaftiert wurde. Aufgrund dieses Vorfalls wurde seine damalige Reihe komplett abgebrochen, allerdings wurde Shimabukuro nach zwei Tagen wieder raus gelassen. Wie das mit Watsuki noch enden wird, ist also eine ganz andere Frage.

Aber was bedeutet das für mich persönlich? Ich will diese angesprochenen Themen nicht verherrlichen oder im falschen Licht darstellen. Es sind Themen, die sehr heftig sind und von mir nicht ausdiskutiert werden. All diese Taten sind Straftaten und es hat durchaus seinen Sinn, dass diese verurteilt werden. Trotzdem wird das für mich nichts an Kenshin ändern. Nur weil die Person dahinter etwas bösartiges und falsches getan hat, wird für mich das Werk selbst nicht auf einmal schlechter. Wahrscheinlich haben einige japanische Fans ihre Kenshin Manga bereits entsorgt, aber ich würde so etwas niemals tun. Und schon gar nicht aus diesem Grund – Kenshin ist für mich einer meiner Lieblingsmanga und auch Anime. Jeder, der Watsukis Manga nun wegen diesem Skandal ablehnt, braucht eigentlich kein Wort mehr mit mir reden. Für mich ist das absolut dämlich und bescheuert, so etwas kann ich einfach nicht ernst nehmen. Man kann einen falschen Eindruck von einem Manga vermitteln bekommen – sei es von den Fans selbst oder einem massiven Hype an sich. Irgendwie erwische ich solche Werke immer – Yu-Gi-Oh! ist den meisten aufgrund der Dialoge zu kindisch, Kuroko no Basket wird als Shounen Ai-Serie verschrien oder Aku no Hana, das wegen der Rotoskopie im Anime gar nicht erst ernst genommen wird. Nur das sind Gründe, die hiermit nicht zu vergleichen sind. Kenshin ist eine wirklich gute Reihe und sie deswegen abzulehnen, ist meiner Meinung nach absolut bescheuert.

Was will ich letztlich eigentlich sagen? Ganz einfach. Nur weil ein Mangaka etwas schlechtes getan hat, muss man dass nicht auf seine Werke übertragen. Es ist Fiktion, hat nichts mit der Realität zu tun. Selbst im genannten Toriko-Fall juckt es doch auch keinen, das der Mann wegen so etwas im Knast saß. Egal was im Falle von Kenshin in den nächsten Monaten passieren wird – ich stehe weiterhin hinter dieser Reihe. Ich weiß auch, dass dieses Thema nicht einfach ist. Mir tut vor allem seine Frau leid, die von allen wohl jetzt die schwerste Zeit durchmacht. Nur denkt eben wirklich daran – seine Werke haben nichts mit dem zu tun, was Watsuki selbst getan hat.

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Ein Gedanke zu „Wenn ein massiver Skandal auf einen deiner Lieblingsmanga trifft – Rurouni Kenshin (Rant)

  1. Es ist leider wirklich manchmal heikel ein Werk von seinem Künstler zu trennen. So ging es mit mit Akif Princi dessen Felidae Romane ich wirklich gerne gelesen habe und dessen politische Meinung nahe der Geisteskrankheit rangiert (zumindets meiner Ansicht nach). Ich habe auch leider immer ein zerissenes Gefühl wenn ich „die nackte Kanone Filme“ mit O.J. SImpson sehe, aber letztendlich hast du natürlich recht: Das Werk steht für sich, und es ist objektiv gut, vollkommen egal wie die Person hinter dem Produkt ist. Man denke an Microsoft und Apple und deren teilweise schwierigen Schöpfer, letztendlich muss man da differenzieren und ein Werk oder dessen Leser alleine wegen den privaten verfehlungen des Künstlers zu verurteilen ist natürlich kompletter Kuhmist, wie du schon sagst

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