Nana – Review

Selten so ein schlechtes Pacing gesehen, dass muss ich schon sagen.

Nana ist einer dieser Anime, den man überall empfohlen bekommt. Nun ja, zumindest wenn man von erfahreneren bis älteren Zuschauern spricht, die nicht jeden gehypten Anime in die Luft heben und dann nach zwei Jahren wieder vergessen. Immerhin ist diese Serie auch schon zehn Jahre alt. Als romantisches Drama im Shojo-Bereich wird die Serie gern für seine realistischen Charaktere gelobt und eben für seine reifen Themen. Außerdem natürlich auch für seine Musik und die Tatsache, dass es kein runtergeschraubter zwölf Folgen Anime ist. Die 47 Folgen habe ich leider nicht am Stück geschaut, sondern habe tatsächlich über ein Jahr dafür gebraucht. Mir sei verziehen, möchte ich meinen.

Story

Nana Komatsu (später auch Hachi von der anderen Nana genannt) fährt nach Tokio, um ihren Freund Shoji zu treffen. Im Zug passiert es, dass sie neben Nana Osaki sitzt, die auch nach Tokio will, um ihren Traum als Musikerin wahr werden zu lassen. Sie ist die Frontsängerin ihrer Punkband „Blast“ und versucht in Japan erfolgreich zu werden, wo ihr Freund Ren als Gitarrist bei der Band „Trapnest“ spielt. Beide haben den gleichen Namen und beide bauen schnell eine Freundschaft zueinander auf. Auf der Suche nach einer Wohnung in Tokio kreuzen sich ihre Wege erneut. Schließlich entscheiden sie sich zusammen zu wohnen, was das Band zwischen den beiden „Nanas“, die jetzt zusammen durch ihre Lieben, Leben und Karrieren schreiten, stärkt.

Ich habe ja wirklich gedacht, dass bei so einer Episodenanzahl echt viel in dieser Serie passieren muss. Als ich aber dann die ersten Folgen gesehen habe und das Tempo der Erzählung mitbekommen habe, ist mir eines sehr klar geworden – Pacing ist nicht gerade die Stärke dieser Serie. Die ersten Folgen behandeln sowohl Hachis Geschichte (Hachi bedeutet übrigens Hund, weil diese Nana so treudoof, naiv und dämlich mit dem Schwanz wedelt) als auch die von Nana (ich nenne sie auch gern Punk-Nana oder Blacky, je nach dem). So eine Einführung für beide Charaktere ist ja nicht schlecht, gar keine Frage. Ich verstehe auch den Hintergrundgedanken dahinter. Aber hier wird echt jedes Detail ausgewrungen und gezeigt. Das war mit diesem langsamen Tempo am Anfang teils unerträglich zu schauen, weil es sich eben so elendig zieht. Der Stil dieses Anime ist also klar gesetzt. Man bezieht sich hier auf typische Dramen aus dem Fernsehen, J-Dramas natürlich gemeint. Hier fickt natürlich nicht jeder jeden, aber es werden schon plausibel und erwachsen Geschichten von erwachsener Liebe erzählt. Mir geht auch gar nicht in den Kopf, wie solcher Inhalt in einer Shojo-Zeitschrift spielen konnte. Dieser Inhalt ist meiner Meinung nach klar das Genre Josei und wäre sicherlich einer seiner Spitzenvertreter, wenn es richtig untergeordnet wäre. Man kann dieser Serie zumindest nicht nachsagen, sie gehe nicht gewissenvoll mit seinem Inhalt um.

Über den längeren Lauf dieser Serie bekommt man einiges mit, nicht nur über Hachi und Nana. Zumindest Inhalt kann ich dieser Serie nichts vorwerfen, auch wenn manche Beziehungen teils sehr verworren und komisch dargestellt wurden – was nach der Zeit Sinn ergeben hat, aber leicht zu schauen ist das hier trotzdem nicht. Witze gibt es selten, aber wenn sie da waren, konnte man ziemlich gut darüber lachen. Ich erinnere mich nur an den Ladenbesitzer, bei dem Hachi gearbeitet hat. Es sah kurz alles nach einem Geständnis aus und dann meint er nur: „Lol, der Laden läuft nicht, ich mach zu und heirate meine Kindheitsfreundin.“ Leider viel zu selten benutzt, aber der Anime will ja auch ernst rüberkommen.

Charaktere

Ja, das ist wohl das größte Leid mit dieser Serie. Hachi ist ein absolut naives, verpeiltes und einfaches Mädchen, dass sich zu schnell verliebt und verarschen lässt. Das zeigt sie in dieser Serie sehr oft, ohne groß zu spoilern. Natürlich hatte sie nicht einen Kerl nach den anderen, aber später hatte sie mal kurzzeitig zwei an der Strippe und musste den einen verlassen – aus ziemlich offensichtlichen Gründen. Sie rafft zum Teil auch nicht wirklich, wenn sie liebt und bei genanntem auch nicht wen genau. Sie ist auch zu sehr nachdenklichen Phasen fähig, aber so richtig Tiefe gibt ihr das nicht. Zumindest für mich nicht, die sie auf Dauer eben nicht mehr wirklich leiden kann. Der erste Teil der Serie wird auch hauptsächlich von ihren Monologen begleitet, was einen Einstieg in die Serie oft einfacher gemacht hat.

Auf der anderen Seite haben wir Punk-Nana, die düsterer nicht rüber kommen könnte. Sie ist sehr stolz, besitzergreifend aber doch fähig zu positiven und lebhaften Charakterzügen. Jedes Mal wenn sie ’ne Kippe anmacht, sollte man einen Shot trinken. Davon wird man sehr schnell betrunken, bei allen Kippen im Anime stirbt man allerdings am traurigen Alkohol-Tod. Trotz ihrer merkwürdigen Art, ist sie mir eigentlich recht sympathisch gewesen. So ziemlich als einzige in dieser Serie und das will was heißen. Ich meine, die Charaktere in dieser Serie sind sehr glaubhaft und haben nicht ein dummes, unrealistisches Klischee an sich. So sind echte Menschen wirklich, weil hier viele Seiten der Charaktere gezeigt werden. Macht es aber nicht viel einfacher, sie alle zu mögen. (soll man aber wahrscheinlich auch nicht)

Ansonsten wären dann noch die Mitglieder von Blast und Trapnest. Angefangen mit Blast (welche ausgeschrieben eigentlich Black Stones heißen, was auch Kippen sind), haben wir hier eben Punk-Nana, einen zu gutmütigen und netten Gitaristen, einen 15-jährigen Bassisten der auch noch ein Stricher ist und sarkastischer nicht sein könnte und einen glatzköpfigen Schlagzeuger (der als einziger nen recht normalen Job hat – er ist Anwalt). Es ist eine sehr komische Mischung, aber das funktioniert irgendwie ganz gut. Ja, und dann wäre da noch Trapnest. Da hätten wir Sängerin Reira, die laut eigener Aussage nichts außer singen kann, den gut aussehenden Bassisten Takumi, der gern auf nett tut und das mit größte Arschloch auf Erden (Hanamiya UND Haizaki aus Kuroko no Basket sind mir auf einmal sehr sympathisch) ist, der verpeilte Gitarist Naoki und zu guter letzt Ren – Punk Nanas Freund, der sie für seine Karriere mit Trapnest verlassen hat. Primär ist es Trapnest, welche die ganze Story ab der Hälfte vorantreiben. Sie sind zu Blast sehr starke Rivalen und Nana ist auch sehr neidisch auf Reira, was ich verstehen kann. Reira ist so die einzige, die wirklich hübsch aussieht in dieser Serie. Zu einem guten Charakter macht sie das nicht, aber na ja.

Wir haben hier wirklich von allem etwas, aber das war zum Teil auch etwas viel für mich. Ich hab nur grob alles angeritzt, aber das passt so. Man kann das meiste in dieser Serie nachvollziehen, gerade was die Charaktere angeht. So realistisch bekommt man es fast nirgends, aber ich mag Klischees dann teils doch etwas mehr.

Zeichnungen & Animationen

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, der wohl wirklich Geschmackssache ist. Der Zeichenstil dieser Serie ist sehr eigen und schaut auch sehr wie die Mangavorlage aus. Normalerweise mag ich Zeichenstile, die man gut wiedererkennen kann. Hier bei Nana hat man einen solchen Stil, aber ich mag ihn leider gar nicht. Rein optisch hat mir an diesem Anime wenig gefallen, höchstens vielleicht Reiras Haare, aber sonst? Heutzutage droppt jeder gern Anime, weil ihm Zeichenstile nicht gefallen oder etwas doof aussieht. Ich wollte mich davon aber nicht beirren lassen und habe drauf geschissen, egal ob es mir nicht gefallen hat. Auch mit dem modischen Aspekt kann ich rein gar nichts anfangen. Ob das ganze nun Punk sein soll oder an andere modische Stile, ist mir dabei ziemlich Banane. Es sieht anders aus als in manch anderen Serien, aber mögen werde ich es deswegen trotzdem nicht. Von den Animationen bekleckert man sich in der Serie auch nicht wirklich. Alle schreien immer, wie geil Madhouse animiert. Ganz ehrlich, hier sehe ich rein gar nichts davon. Für mich sah diese Serie weder besonders gut, noch schlecht aus. Kann aber auch an der echt langen Laufzeit von fast einem Jahr liegen, aber zufrieden kann ich mich mit diesem Bewertungspunkt nun wirklich nicht stimmen.

Musik & Synchronisation

Ein Anime mit Bands und Showgeschäft sollte doch gute Musik haben, nicht wahr? Bis auf die Tatsache, dass die Songs nicht wirklich Punk oder Punkt Rock sind, mochte ich die Musik sehr. Es ist meiner Meinung nach mehr Rock und Pop, aber das hat nicht viel zu sagen. Die Songs werden nicht von den eigentlichen Seiyuus (also Romi Park als Nana und Aya Hirano als Reira) gesungen, aber das ist tatsächlich gar nicht so übel. Nana hat eine passende tiefe und kratzige Stimme als Gesangsstimme erhalten und Reira eine klare und schöne Stimme. Nur die Stimmlage bei Reira passt irgendwie nicht so ganz, wo Aya Hirano doch für quietschiges bekannt ist.

Eine deutsche Synchronisation ist noch nicht vorhanden, was mich tatsächlich etwas enttäuscht. Eine Serie wie Nana hätte vor einigen Jahren bestimmt eher in das Programm der deutschen Lizenzgeber gepasst, als manche Titel heutzutage. Wahrscheinlich ist es mittlerweile zu spät dafür, aber ich habe auch so einen guten Sub zur Serie gefunden. Dank Freeboter Anime kann man viele ältere Anime noch gesubbt auf deren Seite finden. Ich bin diesen echt dankbar, Nana auf Englisch hätte sich aus meiner Sichtweise echt nicht gelohnt. So kann ich nur sagen, dass die japanische Synchronisation gut gepasst hat, aber sonst? Viel bleibt mir doch nicht zu sagen, schätze ich mal.


Zerbrochene Beziehungen, komplizierte Beziehungen und auch Freundschaften gibt es in Nana genügend. Gerade ältere Zuschauer werden hier wesentlich mehr Spaß haben, als jüngere Zuschauer. Wer eine reife, dramatische Liebesgeschichte sucht, wird hier definitiv fündig werden. Allerdings habe ich sehr mit dem Tempo der Serie zu kämpfen gehabt und auch mit anderen Macken dieser Serie leidet meine Wertung am Ende doch. Für mich fühlt sie sich auch nicht wie eine Serie aus den 2000ern an, sondern eher wie eine aus den 90ern. Außerdem bemerkt man am Ende nun wirklich, dass der Manga noch nicht abgeschlossen ist. Das Ende wirkt sehr offen, auch wenn man es mit einem Zeitsprung am Ende der letzten Folge versucht hat. Ob der Anime jedoch weitergeführt wird, ist sehr unwahrscheinlich. Die Manga-Vorlage pausiert ja aktuell schon seit längerer Zeit, aufgrund der Erkrankung der Autorin. Lesen werde ich ihn deswegen wahrscheinlich nicht, aber vielleicht lese ich noch nach wie es endet. Ich kann aber zumindest teilweise verstehen, warum diese Reihe unter älteren Lesern beliebt ist. Ein Re-Watch wäre es mir nicht wert, aber Schauen kann man es durchaus.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

(wer den Witz der Bewertung rafft, hat definitiv was zu lachen)

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2 Gedanken zu „Nana – Review

  1. Klingt sperrig aber immerhin ist es mal ein Anime der ohne Mechas, Dämonen, irre Charaktere oder ähnliches auskommt und eher „realistisches“ Lebensdrama/Seifenoper bringen möchte, das gibt es heutzutage ja leider selten. Auch 40 Episoden sind mal wirklich etwas gutes, ich bin das 12 Episoden Format auch etwas Leid auf dauer ^^ Nur sinnvoll pacen sollte man das schon…

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