Lilim Kiss – Review

Wenn ein Spontankauf die frustvollen Tränen auch nicht ganz trocknen kann. (Gott, klingt das dramatisch)

Ich habe mit den Werken von Mizuki Kawashita schon einiges durch. Vielleicht bin ich in der falschen Zeit aufgewachsen oder hätte einfach viel eher auf die Idee kommen sollen, bei ihr zuzuschlagen. Nun fruste ich mich damit herum an 100 % Strawberry heranzukommen, wo mir jeweils Band 12 bis 15 fehlen. Da Tokyopop die Rechte auch auslaufen lassen hat, werden da auch keine Neuauflagen kommen und ich bin wahrscheinlich auf die hohen Sammlerwerte angewiesen (wenn sich nichts anderes ergibt). So kam es, dass ich gemeinsam mit Freunden an diesem einen Samstag in der anderen Filiale meines Comic-Händlers in Dresden war und einen Spontanfund gemacht hatte. Ich habe allgemein schon öfter ein paar seltenere Manga dort gefunden, aber Lilim Kiss stand einfach so da und ich dachte: „wenn ich vorerst keine Erdbeeren haben kann, dann wenigstens das.“ Denn auch Lilim Kiss ist mittlerweile nicht mehr erhältlich, stand aber mit seinen zwei Bänden komplett im Regal. Ich gebe aber zu, dass ich beide Bände lang ungelesen bei mir daheim liegen lassen habe.

Das Leben von Saiki Takaya könnte so schön sein, als er eines Tages eine Flasche findet, in der sich der ebenso attraktive wie aufreizende Sukkubus Lilim verbirgt, hätte die Dämonenlady nicht eine schlechte Angewohnheit: Sie raubt ihren Partnern mit nur einem Kuss die Lebensenergie! Eine gefährliche Liebschaft, zumal Lilim in die Offensive geht und kurzerhand bei ihrem Auserwählten einzieht. Wird Saeki der Versuchung widerstehen können oder den Reizen des Sukkubus erliegen?

Klingt irgendwie halberotisch dafür, dass es ein Shounen Jump-Titel ist. An sich ist die Reihe auch schon ein wenig älter und stammt aus den frühen 2000ern, erschien bei uns etwa acht Jahre später. Auch scheint es Kawashitas erstes Werk zu sein, was man meiner Meinung nach auch merkt. Saiki ist so ein Stereotyp des ach so schlimmen Schlägers, der aber eigentlich nur seine Ruhe haben will und wesentlich netter ist als er wirkt. Wobei ich zumindest sagen muss, dass so was besser ist als der typische Loser den man sonst so in Serien zu sehen bekommt. Lilim ist während der Serie aber nie zu weit gegangen und war super naiv, selbst wenn sie bei irgendwelchen Jungen Energie gesaugt hat (und dann schließlich nur noch bei ihm). Naive Charaktere können ja sehr niedlich wirken, weil sie dann auch mal etwas dümmlich oder langsam rüberkommen. So war Lilim aber meist nur etwas zu vorschnell, ständig eingeschnappt oder halt anstrengend. Sprich – wie ein kleines Kind, das man eigentlich die ganze Zeit im Auge behalten sollte. Am Anfang war sie deswegen auch ultra nervig, aber dann wurde es mir als Leserin allmählich egal. Mich hat es nur echt gewundert, dass sie so einfach in eine Jungenschule spazieren kann ohne erwischt zu werden. Gerade ab dem Punkt wo sie Saiki einfach so das Essen bringen kann frage ich mich, ob nicht ein Lehrer durchs Haus geht und mal nachfragt: „Ey, was machst du hier eigentlich?“

Logik zu beachten ist hier aber auch falsch am Platz. Es ist zumindest ganz unterhaltsam, wie Lilim jederzeit Mist anstellen könnte und das hält einen auch erst mal bei Laune weiterzulesen. Die Kerle an Saikis Schule sabbert vorerst nur Lilim hinterher, was eben irgendwie ihre ganze Persönlichkeit darstellt – ein Dämon mit großen Möpsen, auf den jeder abfährt. (selbst der Protagonist am Ende) Außerdem kommt dann noch ein weiblicher Rivale für Lilim dazu, in Form von Miu. Sie war ursprünglich der große Schwarm von allen Kerlen und fährt nun auf den Protagonisten ab, der sie vor einem Dieb gerettet hat … weil ihre Tasche fast geklaut wurde. Ab dem Punkt an ist Miu absolut verschossen in Saiki und will Lilim loswerden. Sie macht nicht mal Halt davor, als sie davon erfährt was Lilim ist. Eigentlich war sie sogar ganz interessant. Sie redet zwar ständig von sich selbst in der dritten Person, aber der Wechsel zwischen süß und bösartig berechnend war ganz nett. Wirklich ernst zunehmen war sie aber nicht, weil sie auch nicht wirklich viel erreicht hat. Saiki hat zwar mal mitbekommen, dass Miu ihn mag aber ein wirklicher Kommentar kam dazu gar nicht. Hier waren schon Ansätze für eine gute Romance-Komödie da, aber dass ganze wirkte alles noch ein wenig unbeholfen. Von den eigentlichen Ecchi-Szenen mal abgesehen – man sieht zwar viel Haut, aber mehr im Grunde auch nicht (wirkt sicher so, als würde ich nur Nippel sehen wollen). Soll vielleicht die Fantasie der jungen Leser anregen, aber im Grunde ist es einfach nur Fanservice und nichts aussagend.

Wo man aber nichts gegen einwenden kann, sind die Zeichnungen. Die haben mir von Anfang an gefallen und sind meiner Meinung nach auch eher typisch für einen Shoujo-Manga. Ich mag diese Mischung ganz gern – typischer Inhalt den man eigentlich von Shounen-Manga gewohnt ist und dann dieser eher weibliche Zeichenstil. Lilim schaut zwar echt ein wenig aus wie Aya aus 100 % Strawberry, aber man kommt bei Ähnlichkeiten zwischen Charakteren von einem Mangaka wohl kaum weg. Bei ihr und Aya sind halt echt selbst die Haare gleich lang, aber das geht jetzt nicht zu sehr in die Wertung ein. Für mich holt sich Lilim Kiss an der Stelle noch ein paar positive Punkte wieder raus, auch wenn da diese Ähnlichkeiten sein mögen. Für die Jump typisch, sind die Kapitel eben immer auf 20 Seiten gehalten und so gleichen sich die Abläufe der Kapitel auch nach einer Zeit ziemlich. Mit 24 Kapitel lief die Geschichte auch fast ein halbes Jahr, da ist dann irgendwann auch mal die Luft raus. Allerdings wirkte das auch nicht zu lang gezogen – es fand sein Ende allmählich, was man als Leser auch merkt. Mit dem Ende kann man zufrieden sein, aber ich verstehe in der Hinsicht auch unzufriedene Meinungen. Ich werde jetzt nicht wirklich spoilern, aber Lilim wurde quasi mehr oder weniger wieder zurückgesetzt und es fühlt sich an wie am Anfang. Es macht keinen großen Sprung in seiner Entwicklung und bringt auch nichts wirklich voran. Aber es ist ein Ende, dass ich akzeptieren kann.


Lilim Kiss ist kein Meilenstein des Romance-Comedy Genres, aber zumindest kein absolut schlechtes erstes Werk von Mizuki Kawashita. Klar, es hätte wesentlich besser sein können. Aber ich würde es weder als richtig schlecht, noch als wirklich gut bezeichnen. Es trifft im Grunde genau die Mitte und so ist es für mich auch in Ordnung. Ist dementsprechend keine Empfehlung von mir, aber so für zwischendurch und mit wenig Erwartungen kann man mit den zwei Bänden sicherlich Spaß haben.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Verlag: Tokyopop – 2 Bände (abgeschlossen)

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2 Gedanken zu „Lilim Kiss – Review

  1. Klingt ein wenig Positiver als die Wertung vermuten lässt, aber bei zwei Bänden kann man natürlich drüber streiten wieviel entwicklung die Figuren und die Geschichte bekommen kann. Vielleicht wurde auch die Reihe bewusst früher abgebrochen, denn die Prämisse klingt leider nun wirklich alles andere als neu, es könnte aber auch schlicht um die ersten gehversuche des mangakas sein, wie du schon andeutest.

    Gute Review allemal

    • Die Sache mit dem Abbruch könnte gut möglich sein. Schaut man sich die genaue Anzahl der Kapitel an, kommt man ja eigentlich nur auf 24 Kapitel. Damit lief die Serie ein halbes Jahr, aber das empfinde ich eigentlich als gar nicht so schlimm. Auf viel mehr Inhalt wäre man mit einem dritten oder vierten Band auch nicht gekommen. Höchstens Miu hätte vielleicht etwas mehr Rampenlicht bekommen, aber daran zweifle ich auch. Die Mangaka scheint es ja auch nicht in Erwägung gezogen zu haben eine ernsthafte Rivalin aus ihr zu machen, wenn sie es nicht mal wirklich versucht. Hoffe auf jeden Fall, das 100 % Strawberry diese Lücken steigern kann.

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