Doki Doki Literature Club – Visual Novel Review

Wenn der pure Horror hinter deinem süßen Schminkschränkchen sitzt. (+Shimas Senf)

Ich spiele wirklich selten Visual Novels. Meistens hört man mal von diversen, beliebten Titeln auf die Anime basieren. Aber sonst? Dieses Thema ist für mich interessant, aber ich beschäftige mich in der Regel gar nicht so sehr damit. So kamen diverse Leute mit Doki Doki Literature Club um die Ecke, unter anderem auch Shima. Der Grund dafür war mir am Anfang noch gar nicht so bewusst. Das Spiel ist völlig kostenlos und wurde von Team Salvato entwickelt. Wer glaubt, dieses Spiel sei ein netter Dating-Simulator … oh nein, dass ist es ganz sicher nicht. Die Warnung vor verstörenden Inhalten in diesem Spiel kommt nicht umsonst beim Start des Spiels. (ich werde in diesem Review ohne Rücksicht spoilern, also macht euch bereit)

Story

Doki Doki Literature Club beginnt an einem ziemlich, gewöhnlichen Schulmorgen in dem wir als Protagonist unterwegs zur Schule sind. Allein sind wir nicht, denn Sayori ist auch bei uns. Sie ist unsere Kindheitsfreundin und begleitet uns erst einmal durch den ersten Tag. Sie will uns nämlich mit in den Literatur-Club schleifen und uns zum Beitritt dieses Clubs bringen. Wir sind aber ein ziemlich fauler Haufen und wollen eigentlich lieber in aller Ruhe Anime schauen. Die Verwunderung ist allerdings groß, als wir im Club ankommen. Dort treffen wir auf drei weitere Mädchen, die ziemlich niedlich sind. Monika als die super beliebte und talentierte Präsidentin des Clubs, Yuri als schüchterner Bücherwurm und Natsuki … eine Cupcake backende Tsundere, die gern Manga ließt.

Man gerät in den Alltag dieser Mädchen, redet mit ihnen und schreibt tagtäglich Gedichte. Wie man Gedichte in diesem Spiel schreibt? Man wählt einzelne Wörter aus und sieht schon die kleinen Chibis der Mädchen, die sie über diese freuen. Danach zeigt man sein Gedicht am besten Monika, die gleich weiß wem es wohl am besten gefallen wird. Dann folgt ein Austausch von Gedichten, in denen man den Schreibstil der Mädchen kennenlernt und merkt wie sie ticken. Klingt bis jetzt, wie ein stinkgewöhnliches Visual Novel, oder? Doch der ganze Spaß beginnt erst, als die Vorbereitungen für das Schulfestival beginnen. Während man mit Yuri oder Natsuki gerade daheim war, sieht Sayori genau das und benimmt sich auf einmal eigenartig. Das ganze geht dann schließlich so weit, das Sayori uns von ihrer Depression erzählt und dann auch noch ihre Liebe gesteht. Das ganze wird auch nicht einfacher, als man sich zwischen „ich liebe dich“ und „du wirst immer mein wichtigster Freund sein“ entscheiden muss.

Als der Tag des Schulfestivals also näher rückt und Sayoris Gedichte von bittersüß langsam morbide und sich dazu zwingt, ihre Gedanken allmählich sein zu lassen. Später antwortet diese nicht einmal mehr auf unsere Nachrichten und verkriecht sich nach Hause, wo wir sie nun aufsuchen. Spätestens ab da an merkt man doch, dass es sich hier nicht um ein nettes Spielchen handelt. Wir finden Sayoris erhängte Leiche in ihrem Zimmer auf und das Spiel fängt an zu glitchen, während wir uns Vorwürfe machen und na ja … wir landen im Menü und müssen das Spiel neustarten. Dort wirkt alles anfangs wie immer, doch Sayoris Zeilen sind durch unleserlichen Text ersetzt worden und sämtliche Referenzen zu ihr werden gelöscht oder durch geglitchte Inhalte ersetzt. Stattdessen wird diese dann auch noch von Monika ersetzt und ab da an wird es langsam unangenehm. So spult das Spiel auch auf einmal selbst zurück, als wir Yuri bei ihren Selbstverletzungen erwischen und Natsuki verhält sich auch eigenartig.

Ich will auch gar nicht weiter spoilern, das Spiel wird ab hier absolut abgefuckt. Das jemand diese Mädchen manipuliert hat, ist ganz klar. Wie oft die vierte Wand dann noch gebrochen wird und von wem, macht es dann eigentlich noch umso klarer. Der Twist der dann kommt, ist zum den noch genauso abgefuckt. Ich denke, dass kann man auch gar nicht so in eine Beschreibung packen. Das Spiel setzt nicht auf den typischen japanischen Horror, sondern gibt einem eher gern ein ungutes Gefühl und erschreckt einen dann auch ganz gern. Allerdings ist das nicht so extrem aufgesetzter Horror, wie man es von anderen Medien kennt. Man merkt sehr, wie hier gegen das Klischee der normalen Visual Novels gezerrt wird und dann schließlich das ganze Konzept derer eingekracht wird. Außerdem muss ich den Umgang mit Depressionen in diesem Spiel sehr loben – es wird sehr realistisch und ehrlich dargestellt, was das Spiel noch etwas authentischer macht. Wie man aus so einer, eigentlich völlig banalen Geschichte etwas so gegensätzliches machen kann, ist sehr beeindruckend und die Twists waren sind verdammt gut gemacht.

Sayori, Natsuki, Yuri und Monika.

Charaktere

Hier haben wir ja eigentlich nur die vier Mädchen und den Protagonisten. Angefangen mit Sayori haben wir hier eigentlich die typische Sandkastenfreundin, die super glücklich, verpeilt und drollig süß wirkt. Ihre Gedichte sind bittersüß und mit viel Herz geschrieben. Auch kommt sie jeden Morgen fast nicht aus dem Bett, aber das hat eben einen anderen Grund als erwartet. Das dieses Mädchen tatsächlich eine Depression hat und deswegen nicht frühs auf die Beine kommt, hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Die überglückliche Fassade ist dementsprechend auch nur dafür da um niemanden Sorge zu bereiten.

Als nächstes hätten wir da Natsuki. Ich weiß, ich hab sie schon als Tsundere bezeichnet und das war auch ein bisschen fies. Allerdings umschreibt sie das für den ersten Moment ziemlich gut. Sie wird oftmals sehr schnell wütend und lässt sich doch sehr schnell für etwas begeistern. Sie macht für den Club gern Cupcakes und ließt sehr gern Mangas. Der Hauptkonflikt besteht eben darauf, dass sie alle wegen den Manga kindisch finden und sie deshalb auch meiden. Es ist zumindest nachvollziehbar, dass sie deswegen sehr schnell pissig reagieren kann. Ich mag sie trotzdem nicht, auch wenn ich mit der Zeit etwas Mitleid mit dem Mädel hatte.

Yuri ist Vergleich zu Sayori und Natsuki noch etwas schüchterner und wesentlich einfacher in Verlegenheit zu bringen. Sie ist von allen wohl diejenige, die am allerliebsten Gedichte schreibt. Während Natsukis Gedichte eher simpler gehalten sind, schmeißt sie einem gern ganze Brocken hin und diese sind auch ziemlich gut geschrieben. Es wird wohl vor allem daran liegen, dass sie so viele Bücher ließt und wirklich so viel schreibt. Als ihre eher versteckte obsessive Art dann ab einem gewissen Punkt verstärkt wird, kann man aber nicht mehr wirklich vom selben Charakter sprechen. Sie macht einem richtig Angst, von ihren Selbstverletzungen und ihren Blicken mal zu schweigen.

Von den Mädchen als letztes hätten wir dann nur noch Monika. Sie ist das beliebteste, talentierteste Schülerin an der Schule und wird als athletisch beschrieben. Sie hätte eigentlich jedem Schulklub beitreten können, aber sie zog es vor den Literaturclub zu gründen, da sie es liebt zu schreiben und zu lesen. Ihre Art ist wirklich sehr höflich und liebenswert, aber ihre Dialoge wirken von Anfang an etwas merkwürdig. Sie gibt einem Hinweise, bricht die vierte Wand ziemlich oft und der Twist am Ende mit ihr ist sowieso abgefuckt. (Achtung, hier kommt der große Spoiler) Monika ist diejenige, die alle Mädchen verändert hat und sich die ganze Zeit ihrer Existenz in einem Spiel bewusst war. Sie merkt sogar wenn man das Spiel schließt und ist fähig alle anderen Charaktere zu löschen. So wirklich böse ist sie aber auch nicht … etwas berechnend schon, aber im Grunde ist sie eigentlich ziemlich nett. Die „Just Monika“-Memes versteht man wohl am besten, wenn man das Spiel selbst gespielt hat.

Der Protagonist selbst ein vorhandenes Hirn, auch wenn er ziemlich lustlos und faul erscheint. Gegenüber Sayori ist er meist stumpf und etwas gemein, Natsuki ärgert er gern, zu Yuri ist er sehr nett und bei Monika wirkt er etwas zurückhaltender. Auf ihm liegt wenig Fokus, aber das ist okay. Insgesamt wirken alle Charaktere wirklich sehr stimmig, was das ganze schon an Persönlichkeiten sehr interessant macht.

Shimas Senf

Da wie oben beschrieben, die gute Hotaru wenig Erfahrungen mit Visual Novels hat und von dem ganzen technischen Mumbo Jumbo so gar keinen Plan hat wurde mir a̶̶u̶̶f̶̶g̶̶e̶̶z̶̶w̶̶u̶̶n̶̶g̶̶e̶̶n̶  die Ehre zuteil über genau das zu schreiben. Außerdem schreib ich auch gleich noch über das Spiel im Spiel, aber erstmal zum technischen und zur Musik.

Gemacht wurde das ganze mit RenPy einer auf Python basierenden VN-Engine, gezeichnet wurde das ganze von Satchel, einem recht bekannten Zeichner auf Deviantart und YouTube. Und der gute Dan Salvato hat wirklich alles aus der Engine rausgekitzelt, er tarnt sogar ein komplettes Spiel in Doki Doki Literature Club, schaut man sich nämlich den Characters Ordner an so wird einem schnell klar, das .chr Dateien nicht von RenPy gelesen werden (Diese gehören u.A. zur Cyengine), was einige fündige Redditor – mit viel zu viel Freizeit – dazu gebracht hat herauszufinden, was wirklich hinter den Files steckt.

Fangen wir mit der einfachsten an „yuri.chr“. Benennt man diese in „yuri.txt“ um so erhält man einfach nur ein Easter Egg in Form einer Creepy Pasta, die Dan einmal geschrieben hat. Der Spaßige Teil ist in den anderen drei Dateien. Machen wir weiter mit „natsuki.chr“, diese Datei ist in Wirklichkeit eine invertierte Textur für eine zylindrische Pyramide, die, wenn man von oben drauf schaut ein Mädchen ohne Pupillen und mit schneeweißen Augen zeigt. Wer dieses Mädchen ist? Dafür müssen wir aus „sayori.chr“ eine OGG Datei machen, diese in ein Spektrogramm pfeifen, in ein Bild packen, zusammenschieben und dann mit einem QR Code Scanner scannen, dann bekommt man einen link zu projectlibitina.com, eine Seite in der über ein seltsames Projekt geschrieben wird, das irgendwas mit Experimenten mit dem Dritten Auge zu tun hat … etwas das auch in DDLC selbst eine Rolle spielt, nämlich in Form eines Buches, das Yuri (Akt 2) liest, ich könnte jetzt noch weiter darauf eingehen, aber ich bin nicht MatPat …
Als letzte Datei bleibt uns nur noch „monika.chr“ die, wenn man sie zu einer .png macht ein Bild mit weißen und schwarzen Pixeln zeigt, anfangs wurde vermutet, es sei ein weiterer QR Code, aber in Wirklichkeit ist es eine in Binär verfasste Nachricht von Monika an den Spieler, das man 2018 in irgendeinem anderen Spiel mit ihr zusammen der, ich zitiere, „verfickte Held“ sein wird und die Mädchen retten soll.

Auch im Spiel selbst sind viele versteckte Dinge, die meisten kommen einfach nur Zufällig und wieder andere sind in Base64 verschlüsselt, doch diese sollte man besser selbst sehen.

Die Musik ist gut – Nein wirklich, dafür das es nur eine kleine Hand voll Lieder gibt bleiben die dafür im Kopf … sehr lange … (es sind ziemliche Ohrwürmer)


Doki Doki Literature Club ist der Beweis dafür, dass man School-Romance Visual Novels auch mit leichten Klischees zu etwas außergewöhnlichem machen kann. Hier wird sehr mit allen Tropes gespielt und so funktioniert es ziemlich gut, gerade mit den bedrückenden und auch erschreckenden Momenten. Man vermutet eigentlich gar nicht, wie sehr man hier an der Nase herumgeführt wird und wie intelligent das alles gemacht ist. Ich bin nach wie vor sehr positiv überrascht, klare Empfehlung.

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2 Gedanken zu „Doki Doki Literature Club – Visual Novel Review

  1. Man munkelt ja das die Macher ziemlich pfiffig sind da man deren nächest Werk wohl kaufen muss und da ein Zusammenhang besteht. Ich mag eigentlich Visual Novels mit etwas entscheidungsfreiheit, Katawa Shojo war (abgesehen vom erotik Part) eine nette Geschichte über Behinderungen z.b., etwas das leider sehr selten ein Thema in Animes ist. leider werden diese werke seeeehr selten deutsch übersetzt also muss ich meistens aussetzen, doch Doki Doki hat immerhin eine Lustige Fassade für ein schön verstörendes Spiel, interessante Review von euch ^^

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