Fetish Berry – Review


Wenn eine nette Idee einfach vergessen wird und dann kaum aufgefasst wird.

Warum ich mir Fetish Berry gekauft habe, ist eigentlich ganz simpel. Die Cover sahen niedlich aus und es waren fünf Bände, die bei meinem Händler des Vertrauens alle verfügbar waren. Mich hat schon gereizt, warum dieser Manga den genau was mit Fetish im Titel hat und irgendwie war das allein schon interessant genug. Ja, was soll ich sagen, so fünf Bände später … ich habe mich sehr gequält und hatte zeitweilen Lust die Reihe abzubrechen, aber dazu kommen wir jetzt erst mal.

Hiyori hat einen Fetisch für Hände, Stimmen und eigentlich so ziemlich alles an einem Jungen. Bisher ist ihr Geheimnis sicher bei ihrem Sandkastenkumpel Takaomi, der jedoch eigene Gefühle für Hiyori hegt. Doch dann trifft sie den umwerfend süßen Naohisa und findet ihn ‒ im wahrsten Sinne ‒ zum Anbeißen! Damit er sie nicht verrät, muss sie ihm von nun an jeden Wunsch von den Augen ablesen. Eine Leidensgenossin findet sie in Ritsuka, die in ihrer blühenden Boys-Love-Fantasie aus den beiden Rivalen Takaomi und Naohisa gleich mal ein Liebespaar macht!

Ich denke, diese Reihe scheitert an vielen Dingen. Wo soll ich anfangen? Die Idee mit den Fetischen war gut, aber nicht sehr konsequent durchgesetzt. Als Naohisa den merkwürdigen Tick von Hiyori mitbekommt, nennt er sie erst mal nur pervers und tyrannisiert sie ein wenig. Wobei Erpressung eher zutreffen würde, aber die ganze Umsetzung ist sehr fragwürdig. So schnell wie das nämlich in Fahrt gebracht wird, vergisst die Autorin dass auch wieder und bringt es nie wieder so richtig zur Sprache. Stattdessen wird neben Hiyori, Naohisa und Hiyoris Kindheitsfreund Takaomi noch eine Boys-Love Liebhaberin namens Ritsuka reingebracht. Eine gute Idee? Nope. Hiyori ist dumm wie Brot, checkt nichts (anfangs nicht mal, das Ritsuka BL mag), Naohisa ist eine Art Tyrann der dann als ach so armes Würstchen dargestellt wird und Takaomi der Kindheitsfreund, der tatsächlich normal ist. Takaomi tut mir völlig leid, er ist der einzige mit Verstand in dieser Reihe und leidet so unter seiner dummen Kindheitsfreundin, die nicht rafft das er auf sie steht. Der Junge ist hier der einzige Charakter mit funktionierendem Hirn, zwar gelegentlich launisch, aber ein netter Kerl. Was hat der hier zu suchen? Warum hat er das verdient? Die Charaktere bringen diese Serie voran und Ritsuka schiebt das in eine sehr merkwürdige Richtung.

Ihre Liebe für Boys Love geht so weit, dass sie Fiktion von der Realität nicht mehr auseinander halten kann. Deswegen sieht sie in Freundschaft von echten Menschen schon mehr, als da ist. Sprich – sie sieht Takaomi und Naohisa als perfektes Pärchen und kritzelt das in ihre Hefte. Sorry, wie soll ich das ausdrücken? Man kann ja fiktive Charaktere shippen, aber … echte Mitschüler? Ist das nicht ein klein wenig bescheuert und übertrieben? Ich mein, wenn sie das wenigstens allein daheim gemacht hätte. Aber im Manga wird sehr schnell klar, wie Fujoshis (weibliche Boys Love Liebhaber, übersetzt heißt es schmutziges Mädchen) ticken. Weil hetero Geschichten zu langweilig sind, werden Mädchen in solchen Boys Love Geschichten völlig geleugnet und die zwei Kerle in die Höhe gehoben. Einer ist dominant, der andere nicht. Ist an sich auch nicht kompliziert, aber das sehe ich eher als Obsession – schon als Fetisch, aber das Mädel hat eher eine fette Obsession. Ist zumindest meine Meinung. Sonst ist sie ja nur schüchtern und abweisend, aber in dem Sinne keine Tsundere (eher eine Kuudere). Wäre das nicht zu viel, kommt später auch noch Sowako dazu. Diese wird von ihren Mitschülern wie eine heilige verehrt und ist … sehr akward. Sie gibt sich erst als Boys Love Liebhaberin aus und ist doch nur hinter Naohisa her. Sie wirkte wirklich wie eine gute Antagonistin, aber meiner Meinung nach später einfach nur noch lächerlich … so wie dieser Manga allgemein.

In diesem wirren Slice Of Life-Romance Werk mit seinen „Problemen“ dachte ich: „Hey, Hiyori wählt aber trotzdem bestimmt nicht diesen dummen Naohisa. Takaomi ist viel netter und er gesteht ihr noch seine Liebe. Der Kerl ist der einzige intelligente Charakter hier, warum sollte sie nein sagen.“, aber vergesst, was ich gesagt habe. Genau das ist nicht passiert und wäre es passiert, hätte ich ertragen können … das dieses nette Thema zu einem dummen Shoujo-Manga wie jeder andere auch wurde. Außerdem frage ich mich noch immer, warum im Titel ein Berry ist. Was hat das zu bedeuten? Das checke ich bis jetzt nicht und ich habe jede Seite dieses Manga gelesen. Auch, wenn ich mehrere Male einfach nur aufhören wollte.

Neben den schwachen Charakteren und der Story, der eigentlichen Idee die vergessen wurde – was gibt es noch gutes an diesem Manga? Die Cover und die Zeichnungen sind nicht völlig übel. Aber das war es auch schon. Die Zeichnungen sind eigentlich nichts, was ich jetzt besonders hervorheben würde. Ich wüsste auch nicht wirklich, wie ich diese verbessern würde. Wenn diese Geschichte einfach nur niedlich und stumpf gewesen wäre, hätte der Stil gepasst. Aber so wurde es einfach nur irgendwas – nur nicht seinem Thema entsprechend. Ich weiß nicht, ob die Autorin das selbst wollte oder vielleicht einer ihrer Redakteure. Vielleicht lief diese Serie auch auf dünnem Eis und war kurz vor dem Abbruch. Nur, sollte man da vielleicht etwas anderes auffahren als das. Das eigentliche Thema der Serie zu vergessen ist in etwa so, als würde ich einen Shounen Manga zeichnen, der um Glücksspiele handelt. Aber dann fällt mir ein, dass ich dort doch jede Menge Action einpacken könnte und dann vertiefe ich mich so sehr … das ich nicht mehr weiß, was ich eigentlich gezeichnet habe. Genrewechsel sind meiner Meinung nach gar nicht übel, wenn eine Serie langweilig wird. Ich denke da nur an Medaka Box, dass ursprünglich auch auf Slice of Life aufbaute und dann zu einem Fighting Shounen wurde. Hat es der Serie geschadet? Nein, es hat sogar die Beliebtheit höher geschraubt und die Serie auf 21 Bände gebracht. Aber was haben wir hier mit Fetish Berry? Einen Manga, der eine nette Idee anbringt und sie dann vergisst. Nicht mal über den Haufen wirft, es wird einfach vergessen. Wie kann so etwas passieren?


Was lernen wir daraus? Manga sind nicht unbedingt gut, wenn die Cover süß aussehen. Habe ich natürlich vorher gewusst, aber ich habe nicht so einen Manga erwartet. Diese Reihe hat mich so wütend gemacht, dass ich sie eigentlich nicht mal behalten will. Das Boys Love Thema wurde gut behandelt … wenn auch teilweise beunruhigend gut. Allerdings hat die Reihe auch sonst nicht viel zu bieten. Eine strohdoofe Protagonistin die sich von einer dramatischen Backstory irgend eines Typen blenden lässt und dabei ihren Kindheitsfreund auf der Strecke lässt. Ist das echt, was man toll nennen kann? Mir fallen wesentlich bessere Shoujo-Manga ein, die man stattdessen lesen könnte. Mir fallen jetzt nicht viele fünfbändige Reihen ein, außer An deiner Seite. Aber wisst ihr was? Lernt einfach aus meinem Fehler, dieser Manga ist meiner Meinung nicht mal netter Trash. Es ist einfach nur furchtbar.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

Verlag: Tokyopop – Fünf Bände (abgeschlossen)

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Ein Gedanke zu „Fetish Berry – Review

  1. Manchmal macht so ein Genrewechsel einfach nur müde. Blood Lad startete z.B. auch als Shounen Parodie und wurde am ende auch nur schlicht „ein Shounen“ also ein 08/165 Kampf-Gegen-das-Böse Werk wie alle anderen. Ich selber finde die Fetish Berry Cover auch ziemlich klasse, alleine die Farbgebung ist wundervoll, auch wenn nichts erzählt wird. Gibt aber leider wohl auch nicht viel zu erzählen, schade ^^

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