Violet Evergarden – Review

Manchmal lohnt sich das Warten eben doch.

Ich mag Kyoto Animation. Das kann ich wirklich behaupten, auch wenn ich sicher noch nicht ganz alles von ihnen gesehen habe. Zu meinen Lieblingsanime zählen unter anderem K-On!, Haruhi Suzumiya und Hyouka – aber ich mag auch die meisten anderen Serien. Ich fand Clannad etwas langsam, aber doch traurig. Chuunibyou war lustig lächerlich, aber doch romantisch und auch etwas dramatisch. Kyoukai no Kanata hatte eine nette Serie und einen sehr schönen Film, der als Fortsetzung diente. Ob nun A Silent Voice, Lucky Star, Nichijou, Amagi Brilliant Park oder meinetwegen auch Nichijou. Ich fand alle KyoAni Serien mindestens sehr gut bis mittelmäßig und das kann ich nicht über jedes Studio behaupten. Nur der Free! Starting Days Film hat mich abgefuckt, aber das hat eher mit meinen Erwartungen zu tun. Ich dachte, das wäre ein niedlicher Film mit Mittelschülern und nicht die Sexualisierung von ein paar kleinen Lappen, die mit 12 ganz sicher noch keinen Basston in der Stimme haben sollten (ich sehe zu dir, Makoto). Aber darum geht es auch gar nicht – wir kümmern uns heute um Violet Evergarden. Die Serie wurde in Zusammenarbeit mit Netflix produziert und hat dort auch einen deutschen Simuldub erhalten. Ich habe die Serie allerdings wie immer auf OmU geschaut, deshalb gibt es von mir keine Einschätzung des Dubs. Außerdem habe ich in den letzten Tagen viele Meinungen zu dieser Serie gelesen – manche würde ich unterschreiben, manche aber auch nicht. Achtung, Spoiler.

Story

Violet Evergarden erzählt die Geschichte von Violet, die auf dem Schlachtfeld Worte hörte, die sie nicht vergessen kann. Diese Worte, deren Bedeutung sie noch nicht kennt, stammten von jemandem, den sie sehr liebte. Einige Zeit verging auf dem Kontinent Telesis und der große Krieg, der diesen in eine Nord- und Südhälfte teilte, endete, während die Menschen eine neue Ära begrüßen können. Nun, nachdem die Wunden der jungen Violet, die früher als „Waffe“ bezeichnet wurde, verheilt sind, fängt sie ein neues Leben im CH Postal Service an. Dort stößt sie auf den Beruf „Autonome Korrespondenz-Assistentin“ (oder auch Auto Memoir Doll, wie es im Original genannt wird) und verspürt den Wunsch, selbst eine solche zu werden. Durch diese Arbeit erhofft sie sich, eines Tages die Worte verstehen zu können, die sie einst hörte.

Wenn man an Anime von KyoAni denkt, kommt einem denk eines in den Sinn – Slice of Life. Dieses Genre hat man in all ihren Serien und ist hier auch bei Violet gelistet. Dabei empfinde ich es gar nicht mal als solches – für mich ist diese Serie ein Drama, in der ein Mädchen ohne Emotionen diese durch ihre Arbeit kennen lernt und auch zu verstehen. So etwas empfinde ich nicht als Alltag, vor allem nicht bei einem Mädchen ohne Emotionen. Wobei das auch nicht ganz stimmt, sie versteht diese eben nicht. Die ersten Folgen wirken etwas langatmig, das gebe ich auch gern zu. Für mich stellten sich viele Fragen – wieso war dieses Mädchen im Krieg und wer ist dieser Major Gilbert, der dort anscheinend fiel (derjenige, der sie liebte) und wovon sie nichts wirklich weiß. Man bemerkt, dass sie eben noch ganz ein Soldatin ist. Ihre Schreibweise in Briefen ähnelt eher Berichten aus dem Krieg, die sehr kurz sind wie diese eben waren. Doch sie lernt Schritt für Schritt viele Dinge zu verstehen, die anderen Dolls im Postal Service die ihr auch etwas helfen und ich fand die Folge in der sie zur Schreibschule musste wirklich drollig. Mit ihrer Emotionslosigkeit wirkt Violet eben wirklich wie eine Puppe und das unterstreicht ihre Berufsbezeichnung auch noch einmal sehr gut.

Aber wie soll man hier groß durchhalten, wenn die ersten drei Folgen etwas öde wirken? Es gehört dazu, möchte ich meinen. Ohne diese, hätten viele danach einfach nicht funktioniert. Nach dem Violet nach der Schule eine echte Doll geworden ist, lernt sie bei den vielen Klienten nach und nach Gefühle zu verstehen und was sie bedeuten können. Doch es fühlt sich auch bitter an, da sie zum Teil auch Briefe für die schreiben muss, die Verwandte im Krieg verloren haben (deren Leben sie auch teilweise genommen hat). Dies realisiert sie ebenfalls nach und nach, auch wenn ich nie ganz verstanden haben in was für einer Welt dieser Anime spielt. Die Schrift sieht aus wie Mondrunen und die Orte haben teils deutsche Namen. Vielleicht, weil es auch besser zu lokalisieren ist. Aber das ist ein anderes Thema. Nach der Hälfte des Animes erfahren wir dann auch, was es mit Violet und Gilbert auf sich hat. Der Major hat Violet einst als Waisenkind im Krieg gefunden und dann zu sich genommen. Sie konnte bis dahin nicht reden und ist eben aus vielen Gründen ebenfalls ein wichtiger Mensch für Violet. Deswegen war es ihr immer sehr wichtig Befehle von ihm zu erhalten, aber dieser sah sie eben nicht als Waffe sondern als Mensch. Die Dialoge dieser Serie wirken ziemlich gut und sind sehr schön geschrieben. Nach dem Rückblick zu Violet Gilbert gibt es dann noch zwei Folgen, die mindestens genauso traurig waren. Sie hießen „Jemand den du liebst, wird immer über dich wachen“ und „Ich möchte nicht so sterben wie alle anderen auch“. Natürlich waren die Folgen danach auch gut, aber diese beiden waren mit die besten. Nur Folge 12 in der Violet und andere Charaktere aus dem Postservice mit Gilberts Bruder Dietfried auf Reisen sind und dort ein paar unschöne Dinge passieren, hat mir nicht gefallen. Nicht, weil sie Action hatten. Sie hat für mich einfach nicht so richtig gepasst, das ist alles.

Aber zu den beiden genannten Folgen – in der ersten kommt Violet zu einer kranken Frau und deren Kind, mit der sie einige Briefe schreiben soll. Das Kind kann Violet erstmal nicht ab, weil sie so puppenhaft wirkt und nicht zum Spielen da ist. Sie versteht auch nicht, warum ihre Mutter so vielen Leuten Briefe schreiben will, da dieses Mädchen ihre Mutter für sich allein haben will. Man musste doch etwas schlucken, als sie sagte, dass ihre Mutter eh niemandem schreiben muss, weil sich niemand für sie interessiert und ihre Mutter doch eh sterben wird. Und na ja … die Auflösung des ganzen ist sehr traurig. (extremer Spoiler folgt) Die Mutter schrieb über all die Zeit Briefe für ihr Kind, die sie an ihren Geburtstagen bekommen sollte. Für jeden Geburtstag sollte ihr Kind einen Brief von ihr erhalten, obwohl sie schon nicht mehr war. Nur die Folge danach war schlimmer – Violet rettete einem angeschossenen Soldaten, der allerdings dennoch im Sterben liegt und von ihr in Sicherheit gebracht wird. Dieser bat sie deswegen darum, einen Brief an seine Eltern und seiner Kindheitsfreundin zu schreiben. Violet Evergarden handelt auch nicht einfach nur davon, das Violet Emotionen kennenlernt (und sich dadurch weiterentwickelt) – sie lernt auch den Sinn ihres Lebens und wofür sie weiterleben möchte. Seit langem eine wirklich schöne Geschichte, die mich von KyoAni wirklich berührt hat.

Eine Ähnlichkeit zu Fate/Stay Nights Saber ist doch vorhanden.

Charaktere

Diese Emotionslosigkeit von Violet hat mich von Anfang an interessiert. Ja, sie sieht ziemlich aus wie Saber aus Fate/Stay Night. Aber das interessiert mich nicht, ganz ehrlich. Diese Arme haben mich auch interessiert, weil mich eben auch interessiert hat, wie sie ihre echten verloren hat. Wann habe ich das letzte mal überhaupt so viel Characterdevelopment in einem Anime gesehen? Für 13 Folgen ist das wirklich bemerkenswert, sonst braucht es mehr um mich zu fesseln. Die anderen Charaktere sind unter anderem der Major und die Leute von dem Post Service. Über ersteren will ich jetzt gar nicht so viel sagen – viel lieber mag ich über Hodgins reden, dem rothaarigen Besitzer des Post Service. Er war ein ehemaliger Armee-Kommandant und ist meiner Meinung nach ein sehr freundlicher und warmherziger Mann. Wie er sich um Violet gekümmert hat fand ich sehr rührend, aber auch die führende Doll Cattleya fand ich ganz nett – wenn auch etwas blass und sehr spärlich beleuchtet. Die anderen beiden Dolls betrifft das auch – da ist eine die viel von sich hält und eine mit Brille, die sehr schüchtern ist. Keine völligen Klischee-Charaktere, wirklich nicht. Aber eben einfach zu spärlich beleuchtet.

Selbst die einzelnen Klienten von Violet werden in dem Anime später noch einmal relevant und das mochte ich als Detail doch sehr. Aber der Fokus der Serie lang eben sehr auf Violet, immerhin ist die Serie auch nach ihr benannt. Hätte die Serie noch mehr Folgen gehabt, wäre man wahrscheinlich auf andere und weitere Charaktere eingegangen. Aber so ist es schon okay.

Zeichnungen & Animationen

Selbst wenn die Story eines KyoAni Animes nicht so gut ist, sind die Animationen wirklich immer mindestens besser als nur durchschnittlich. Ich hab hier nicht eine Sache gefunden, die ich komisch gezeichnet fand oder hässlich fand. Irgendwie wurden hier alle bisher genutzten Zeichenstile von Kyoto Animationen gemischt, so habe ich das Gefühl. Die Mädels sahen zum großen Teil mit ihren Gesichtern aus wie in den aktuelleren Serien von KyoAni und die Männer eben … schon ein wenig wie in Free, aber größtenteils männlicher und besser.

Selbst die Schreibmaschinen hatten auch hier wieder jedes kleine Detail und die Tränen waren nicht so riesig, wie in manchen anderen Serien von Kyoto Animation. Ist euch das auch aufgefallen? So riesige Tränen heult niemand, auch wenn die Szene noch so traurig ist. Da waren die Animationen und Zeichnungen in Violet Evergarden doch realistischer, trotz Fantasy-Elementen.

Musik & Synchronisation

Über den OST brauche ich nicht viel reden, dieser war großartig. Das Opening von True (die auch alle Openings zu Hibike Euphonium gesungen hat) ist ein wirklich kraftvolles und schönes Lied. Von ihr kein Wunder, aber für einen eigentlich ruhigeren Song hat das Lied wirklich viel Power. Das Ending ist da noch etwas ruhiger, Minori Chihara (sie hat unter anderem das Opening Kyokai no Kanata gesungen) hat jetzt auch oft nicht so schnelle Songs. Es war ein ruhiger Ausklang für jede Folge, ein sehr schönes Lied auf jeden Fall.

Wie schon erwähnt, zur deutschen Synchronisation kann ich nichts sagen. Netflix bietet die Serie auch in deutscher Synchronisation an und es bleibt immerhin jedem offen, wie man die Serie schauen mag. Ich mochte mal wieder die Lines, in denen deutsche Wörter vorkamen. Das Deutsch war natürlich etwas merkwürdig, aber nicht grauenhaft. Ob nun Leidenschaftlich oder Mächtig – das waren so meine kleinen Lacher in dieser recht ernsten Serie. Ich mochte vor allem Violets monotone Stimme, die trotzdem noch sehr putzig war. Ist aber eher meine eigene Sicht, möchte ich meinen. Immerhin ist sie ja eigentlich erst 15-16.


Nach den letzten KyoAni-Werken war ich nicht gelangweilt, aber ein wenig müde von ihren ganzen Slice of Life Szenen. Das betrifft hier eben sehr die Serien die sie machen und ich bin froh, das Violet Evergarden keine super niedliche Geschichte über irgendwas alltägliches ist. Hier sieht man eine dramatische, meiner Meinung nach gut geschriebene Geschichte und ich war sehr zufrieden damit. Nur diese eine Folge und die ein paar blasse Charaktere sorgen dafür, dass ich hier keine volle Wertung geben kann. So großzügig wäre ich gerne gewesen, aber es sollte eben nicht sein. Die ersten Folgen empfand ich auch nicht als so langweilig wie manch anderer und es hilft hier einfach durchzuhalten. Es lohnt sich auf jeden Fall und ich bin eindeutig kein Neuling in Anime, der sich von allem überzeugen lässt. Da könnt ihr euch sicher sein.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

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2 Gedanken zu „Violet Evergarden – Review

  1. Hmm, also sollte ich die Serie doch noch weitergucken. Ich habe gefühlt alle Serien der letzten Season gedroppt, bis auf Darling in the FranXX obwohl ich das nichtmal so gut finde. Aber Violet Evergarden hat mich gut unterhalten die ersten paar Folgen, vielleicht nehme ich mir ja mal ein Wochenende zum schauen.

  2. Ja der aktuelle Hype-Titel der Saison, aber schön das hier ein Hype berechtigt scheint, Klingt mit der „Nach-Kriegs“-Thematik entfernt sogar nach Pumpkin Scissors, aber stimmt schon, die Heldin sieht wie Saber aus, ist aber auch Wurst, irgendwann blenden alle Figuren mal ineinander. Solider Bericht denke ich

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