Yu-Gi-Oh! (Manga) – Review

Manchmal brauche ich eben doch etwas länger, schätze ich mal.

Es war eine Qual, kann ich nur sagen. Um an diese Bände zu kommen, hat es genau zwei Jahre gedauert. Warum? Na ja … das lag vor allem daran, weil die deutsche Ausgabe schon ziemlich vergriffen war und manche Bände teils nur eine Erstauflage bekommen haben. Bei Privat-Verkäufen sah es auch finster aus und so ließ ich die zwei bis drei deutschen Bände in meinem Schrank erst mal stehen. Als dann die Ankündigung von VIZ-Media kam, war ich stutzig. Mit so einem 3-in-1 Format wollte ich mich erst gar nicht anfreunden und skeptisch wegen der Übersetzung war ich auch. Wenn ich so an Yu-Gi-Oh! 5D’s Übersetzung zurück denke, will ich eigentlich gleich alles wieder vergessen. Aber ich habe den ersten Band schließlich doch gekauft und im April erschien jetzt auch der letzte Band um die Reihe abzuschließen. Für meine bisher längste Reihe hab ich auf jeden Fall ordentlich gespart, die Bände haben teils nur zwischen 9-13 € gekostet. Spoilerwarnung, übrigens. Wüsste nicht, warum ich hier nicht spoilern sollte, der Manga ist mittlerweile über zwanzig Jahre alt.

Inhaltlich muss ich sicher auch nicht so viel erzählen. Ich glaube, jeder der auf dieses Review geklickt hat, kennt die Story von Yu-Gi-Oh! schon. Deshalb lasse ich eine Inhaltsangabe dieses Mal weg. Yu-Gi-Oh! war übrigens nicht das erste Werk von Kazuki Takahashi, aber er hat sich mit dem Manga zeichnen eher schwer getan. Er hat möglichst versucht, Anschluss zu fassen aber es nützte nichts – über Jahre hat er es bei vielen Verlägen versucht und wurde ständig abgelehnt. Viele Geschichten wurden abgelehnt, bis er zur Shounen Jump kam und dort einen Wrestling-Manga veröffentlicht hat. Ja, Wrestling … ich hab auch ähnlich verwirrt drein geschaut. Allerdings wurde diese Serie nach einem halben Jahr beendet und so dauerte es vier Jahre bis zum Start von Yu-GI-Oh! 1996 (da hab ich sogar schon existiert, wow) erschien das erste Kapitel und so blieb Yu-Gi-Oh! etwa acht Jahre Teil der Jump. Wer mir jetzt aber kommen will mit Dingen wie: „Ja, der Manga ist doch eh nicht viel anders.“, der irrt sich. Nicht gewaltig, aber die Aussage ist schon ziemlich falsch.

Die englische Ausgabe unterteilt den Manga in drei Teile – Yu-Gi-Oh! (die School Arc, auf die Season Zero aufbaut), Yu-Gi-Oh! Duelist (Duelist Kingdom & Battle City) und Yu-Gi-Oh! Millennium World. Wer jetzt also die Cyber Arc oder die Orichalcos Arc sucht, wird enttäuscht werden. Diese beiden Arcs existieren im Anime nur, um den Manga nicht zu überholen. Battle City wurde laut Takahashi auch schon etwas gestreckt, aber das ist erst mal nebensächlich. Ich würde von ihm schon behaupten, dass er als Schreiber nicht sonderlich zimperlich ist. Er ist zwar teilweise etwas faul (und das hat man auch in seinen Tagesabläufen gesehen, die er manchmal in den Autorenkommentaren geschrieben hat … seine Assistenten mussten ihm manchmal wirklich hinterher telefonieren, damit er weiterarbeitet), aber er zieht trotzdem alles durch. Gerade die School Arc ist im Vergleich zu Season Zero noch ein Stück brutaler und das ist wirklich nicht untertrieben. Duelist Kingdom startet recht ähnlich zu den Dingen, die wir aus dem Anime kennen – allerdings gab es da auch im Anime viel Füllmaterial zwischendurch. Das Duell zwischen Mai und Anzu zum Beispiel und das ach so ikonische Duell zwischen Jonouchi und Yugi existiert nicht. Ja, das mit dem epischen Insert Song. Ich fand die Reaktion von Pegasus so geil. „Ja, im Finale sind Jonouchi und Yugi. Das führt aber zu echt gar nichts, beweg deinen Arsch hoch, Yugi. Wir skippen das und du duellierst dich direkt gegen mich.“ Ich saß lachend da, echt jetzt. Außerdem sterben hier Charaktere schneller, als ihr glaubt. Wenn Takahashi keine Verwendung mehr für einen Charakter sieht, wird er eben umgebracht. Siehe Bandit Keith oder eben auch Pegasus. Der Schock saß aber teils nur kurz, will ich meinen.

Dungen Dice Monsters hatte zum Beispiel auch nur eine minimale Rolle. Dafür war der Charakter Ryuji Otogi (Duke Devlin) hier doch etwas interessanter. Man hat hier im Anime zum Beispiel völlig unterschlagen, dass sein Vater wohl irgendwann mal was mit Yugis Opa zutun hatte und er seit ihrem „Duell“ ordentlich entstellt war. Deswegen hatte sein Vater es auch auf Yugis Milleniumspuzzle abgesehen – daher entstammt auch eigentlich diese brutale Folge, in der Keith Yugis Puzzle zerstört und ihn im Feuer zurück lässt (meine Erinnerungen sind vage, aber da Keith hier schon tot ist, macht das natürlich mit einem anderen Charakter weit mehr Sinn). Ryuji war schließlich derjenige, der Yugi retten musste und eigentlich gar nichts dafür konnte. Man hat diesen Charakter zwar tatsächlich nie wieder verwendet, aber es hat irgendwie eher Sinn gemacht, das er von seinem Vater so unter Druck gesetzt wurde als sich wie ein verzogener Bengel zu benehmen. Ich sag es ja nur, ne? Battle City verlief dann recht ähnlich wie im Anime und Yugi wurde mir tatsächlich mal nicht zu perfekt dargestellt und Kaiba auch nicht zu arrogant. Ich mochte den Vergleich, den sie gezogen hat – der Pharao schaut stets zurück und will mehr darüber wissen und Kaiba sieht nur nach vorn in die Zukunft. Das war doch mal eine interessante Ansichtsweise. Und na ja, Marik … seine Duelle waren zum Teil wirklich etwas brutaler, als im Anime. Wie er Jonouchi einer Gehirnwäsche unterzogen hat, fand ich auch ganz cool und hier wurde er tatsächlich am Ende des Duells von Kaiba gerettet – im Anime sprang seine ach so kranke Schwester ins Meer und rettete ihn. Sehr glaubhaft, im Manga also etwas glaubhafter. Ich verstehe aber dennoch nicht, warum Marik so beliebt ist. Mal ehrlich, selbst Bakura ist cooler. Seine Familie die unter seinem Terror leiden musste, tat mir ehrlich leid. Aber für den Kerl hatte ich nichts übrig, mal ehrlich. Als Jonouchi sein Duell gegen ihn verloren hatte, war das auch echt traurig. Nur schade, dass sie es ein paar Kapitel gleich wieder ruiniert haben. Yugi, der gegen Kaiba kämpfen muss und eigentlich gerade keinen Nerv dafür hat, weil sein Freund gerade im sterben liegt – das war so krass. Aber wie wurde es ruiniert? Honda (Tristan) zieht Jonouchi vom Bett weg und will ihm das Duell zeigen. Was passiert? Er wacht natürlich auf, natürlich. Absolut ruiniert, komisch das so was nicht bei Mai funktionierte. Die wurde von Marik so gequält, das ist im Anime vergleichsweise ein reiner Witz dagegen.

Und was fehlt noch? Die Betonung, das Marik super stark ist. Angeblich wären die Chancen gegen ihn zu gewinnen unter 20 % gewesen (laut Kaiba). Hat ja trotzdem geklappt, also warum so betonen? Mariks eigentliches Ich hat den Kampf ja sogar aufgegeben und ich fand das auch in Ordnung. Nur war ich froh, als er weg war. Der Kerl ging mir ehrlich so auf den Sack, einmal und nie wieder. Statt dummen Fillerarcs wie im Anime kommt der Manga nun zum wichtigen Teil – der Pharao soll seine Erinnerungen wiederbekommen und sich an seinen Namen erinnern. Fand ich damals im Anime stinkend langweilig, aber hier ging es merkwürdigerweise. Lag vielleicht aber auch an der Länge, das entsprach hier etwa vier oder fünf Bänden. Völlig ohne Logikfehler war diese Arc aber auch nicht. Das Zorc die Kraft hatte, die Zeit zurückzudrehen war etwas … na ja. Die Hintergrundgeschichte des Pharaos und auch seiner Familie war nicht völlig uninteressant, hat mich aber nicht so mitgenommen. Seto hatte so seinen Moment, als er auf Kisara traf die ja den weißen Drachen in sich hatte. Ich kann verstehen, das Takahashi auch ein wenig bereut hat, wie er das mit den beiden abgeschlossen hat. Da hätte ich persönlich vielleicht ein bisschen mehr romantische Hiebe gesehen, immerhin liebt Kaiba seine weißen Drachen ja sehr. Kisara war eben wirklich etwas blass als Charakter, auch wenn sie interessant war. Leider gab es anscheinend keine richtige Gelegenheit sie einzubauen und das lag ja auch daran, dass der Drache nur erschien wenn sie schlief. Und na ja … sie ist eben auch auf super dramatische Weise gestorben und Kaiba war ja irgendwie sogar mit dem Pharao verwandt (sie sind Cousins, hat mich sehr überrascht). Ich hab mir unter der Arc weit mehr vorgestellt, aber in gewisser Weise kann ich schon verstehen, warum die Leute diese Arc mochten. Aki aus 5D’s sieht auch im Gesicht sehr aus wie Kisara, so viele weibliche Gesichter kann Takahashi anscheinend doch nicht. Aber seine weiblichen Charaktere sind eben immer sehr unterwürfig – von Mai mal abgesehen, aber die kam nach Battle City gar nicht mehr vor. Das abschließende Duell zwischen Yugi und dem Pharao war dann irgendwie ganz schön kurz geraten, aber keine Ahnung woran das lag. Das ist aber schon in Ordnung so, hätte wahrscheinlich auf Dauer auch etwas langweilig werden können.

Zu den Zeichnungen muss ich aber sicher auch nicht viel verlieren, die sind eben sehr eigen und man erkennt diesen Stil echt immer wieder – selbst wenn er in den Nachfolgerserien nur imitiert wird (und mittlerweile noch femininer geworden ist, als eh schon). Es ist schon sehr schade, dass Takahashi außer Yu-Gi-Oh! nie eine andere Serie ergreifen konnte und seit dem nur Charakterdesigns für neue Serien aus seinem Yu-Gi-Oh! Universum macht oder eben hier und da mal ein kleines Projekt. Die Übersetzung von VIZ Media war überraschenderweise ganz gut – es wurde meines Wissens nur Pegasus Name geändert beibehalten (statt Pegasus J. Crawford halt Maximilian Pegasus, aber na ja) und einige Schimpfwörter zensiert. Sprich statt Scheiße, S§$%&. Sah immer sehr eigenartig aus, aber keine Ahnung wie das in der Jump selbst aussah. Bandit Keith hat damit nicht viele klare Wörter gehabt, da er viel flucht, aber na ja. Wer damit leben kann, dass die 3-in-1 Version sehr dünne Seiten hat und an sich auch nicht so stabil mit seinem Paperback ist, sollte ruhig zu schlagen. In dem Format werde ich sicher noch einige Shounen Reihen kaufen, wenn sie mir gefallen.


Ja, Yu-Gi-Oh! hat auch für mich viel mit Nostalgie zu tun, keine Frage. Ich bezweifle aber, dass diese Serie heute noch so funktioniert hätte. Diese Serie war in seiner Zeit ein Phänomen für sich und das wird meiner Meinung nach keine solche Serie in der Jump noch mal wiederholen können. Und wenn, dann sicher nicht so. Man merkt diesem Manga sein Alter an, aber hier wurden tatsächlich viele gute Dinge vermittelt. Manche Dinge wurden etwas faul beleuchtet, aber das ist in den heutigen Yu-Gi-Oh! Serien auch nicht anders. Bis auf die Logikfehler kann ich dieser Serie nur noch ein paar schwächere Kapitel anmerken, aber sonst hab ich hier alles was ein guter Shounen braucht. Eben etwas veraltet, aber sonst – sehr nice.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Verlag: Carlsen (jedoch weitestgehend vergriffen, ich rate daher zur englischen 3-in-1 Variante von VIZ Media) – in 38 Bänden abgeschlossen


In gefühlt 10 Jahren kommt dann das Manga-Review zu Rurouni Kenshin, versprochen.

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Ein Gedanke zu „Yu-Gi-Oh! (Manga) – Review

  1. Ja als ich damals die Banzai kaufte war dieser Manga ziemlich verwirrend für mich. Er war erstaunlich düster und da ich als der Anime lief keine TV Zeit hatte (Wehrdienst!) kam ich erst seeeehr viel später dazu den anime mal komplett zus ehen und war verwirrt über die ganzen änderungen, vor allem eben das alles sehr viel kinderfreundlicher war. Wenn ich bedenke wie Mokuba Joey und Yugi fergiften wollten und Kaiba mal eben nen Leatherface Killer auf Yugi hetzte… interessant was du über den Mangaka berichtet hast, ich schätze der wird dank Konami und dem Kartenspiel ein vermögen gemacht haben und es nicht mehr nötig haben groß zu zeichnen, ich gönne es ihm aber, YuGiOh war der erste größer „Game or Die“ Manga seiner zeit, während es die heutzutage gefühlt jeden tag gibt.,

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