100% Strawberry – Review

Lange gekratzt und doch irgendwie zusammen bekommen.

Mit 100 % Strawberry hatte ich ordentlich zu kämpfen. Nicht, wegen dem Inhalt. Das Problem war eher, an die Bände zu gelangen. Der Comic-Laden in dem ich immer in Dresden einkaufen gehe hatte einige Bände der Reihe noch da, meiner Erinnerung nach noch die ersten vier Bände, Band 7, 8, 9, 11, 16 ,17 und 19. Als ich den ersten Band gekauft habe, war mir noch nicht bewusst wie vergriffen diese Reihe ist. Die Lizenzrechte von Tokyopop sind dafür schon lange ausgelaufen und einzelne Bände waren wirklich teuer. Der teuerste Band (Band 15) war 15 € teuer und da bin ich schon relativ günstig weg gekommen. Besagter Band hat zeitweise sogar fast 40 € gekostet und darauf hatte ich einfach keine Lust. So kam ich dann endlich an die Bände und habe die Reihe auch nach und nach gelesen. Von Mizuki Kawashita habe ich selbst auch Lilim Kiss reviewt, was sogar gar nicht so lang her ist. Spoiler sind nur leicht vorhanden.

Satsuki, Yui, Aya und Tsukasa.

Der Schüler Junpei Manaka träumt davon, ein großer Filmemacher zu werden. Als er sich mal wieder auf das Dach der Schule verzieht, fällt aus heiterem Himmel ein Mädchen vor seine Füße… Kaum hat sich das hübsche Mädchen wieder aufgerappelt, macht sie sich sofort aus dem Staub. Beeindruckt von dieser Schönheit schwelgt Junpei schon in vielen tollen Filmszenen – doch wer war dieses himmlische Geschöpf? Wie heißt sie und viel wichtiger: Wo kann er sie wieder finden? Junpei hat sich verliebt. Aber das Einzige, woran er sich erinnern kann, ist sehr brisant: Das Mädchen trug eine Unterhose mit kleinen Erdbeeren drauf, die beim Sturz sichtbar wurde! Junpei erlebt eine Reihe lustiger sowie äußerst peinlicher Missverständnisse auf der turbulenten Suche nach seinem „Erdbeermädchen“! (Quelle: aniSearch.de)

Shounen-Manga mit Harem- und Ecchi-Elementen gibt es zur Genüge. Die meisten davon haben heutzutage Fantasy-Elemente mit irgendwelchen Aliens, Vampiren, Dämonen, Monster-Mädchen oder sonst was. Das ist wirklich optional und meistens sind solche Serien dann auch mit Comedy gespickt – ob gutes Comedy drin vorkommt mal von abgesehen. 100 % Strawberry will aber kein lustiger, gute Laune Harem-Manga zum abschalten sein. Klar, die Situationen in denen der Protagonist mal wieder ein Perverser da steht und ein Pantsu zu sehen kriegt sind unrealistisch und ich glaube kaum, dass mehrere Mädchen so auf einen Kerl abfahren können. Unterm Strich meinten es nur drei wirklich ernst damit und das war unter den Umständen auch absolut in Ordnung – alles andere wäre absolut unrealistisch gewesen. Natürlich gibt es in den neunzehn Bänden lustige Szenen, aber man vergisst nie dass sich hier Charaktere aus der Oberschule unterhalten. Die Schule existiert neben dem später recht belebten Filmforschungsclub (was haben die in Anime/Manga nur immer mit diesem Forschungsclub im Clubnamen?) und sie machen da tatsächlich auch was. Ich kann mich nicht erinnern, je eine solche Harem-Geschichte gelesen zu haben und vorhandenes Charakter-Development mitbekommen zu haben. Wirkt sich zwar ausschließlich auf die Mädchen und den Protagonisten aus (und nur teilweise auf Randcharaktere), aber das finde ich gar nicht mal so schlimm. Hier wird nicht einfach nur ein Kapitel des Fanservice wegen produziert, in dem die Handlung nicht vorankommt. Man hat zwar teilweise das Gefühl, dass es so ist, aber die Serie kommt mit der Zeit trotzdem voran. Neben all den eher artig geratenen Ecchi-Szenen (weil Shounen Jump) ist dieser Manga auch eher ein Romance-Manga – nur dass es keine weibliche Protagonistin ist, sondern ein männlicher Protagonist. Wären die Ecchi-Szenen und die Comedy-Szenen nicht drin gewesen, hätte diese Serie allein durch den Zeichenstil als Shoujo-Manga durchgehen können. Ich mochte die Balance zwischen den Genres in dieser Reihe und wie der Manga nicht in eins völlig abkippt. Ja, Manaka ist ein unentschlossener Depp der bei so vielen Mädchen nicht weiß, wenn er wirklich liebt. Aber eigentlich ist er mir beim Lesen völlig egal gewesen – ich wollte nur, dass seine Entscheidung am Ende nicht völliger Durchfall wird und es hat mich tatsächlich sehr überrascht.

Die Charaktere sind teilweise aber doch mit ein paar gängigen Klischees ausgestattet. Bei den Mädchen ist es aber irgendwie gar nicht so schlimm, wie ich erwartet habe. Das Erdbeermädel Aya ist ein schüchternes, ziemlich intelligentes Mädchen und hat ein Talent für das Schreiben – aber sie ist ein Mauerblümchen am Anfang der Geschichte und auch ein hässliches Entchen. Aber als sie einen Tag auf einmal mit offenen Haaren rumläuft und ohne Brille – bäm, alle stehen auf einmal auf sie und finden sie super schön. Tsukasa hatte das Problem dann eher nicht – sie ist zwar blond und beliebt, aber nicht blöd im Kopf. Sie ist charakterlich wesentlich stärker, lässt sich nicht alles gefallen und ist trotzdem im Grunde sehr gutmütig. So arbeitet sie auch hart für ihre Träume und kommt in der Geschichte doch öfter vor, dafür dass sie eigentlich auf eine andere Schule geht (aber den Grund werde ich jetzt nicht völlig erläutern, weil Spoiler). Desweiteren wäre da noch Satsuki, die mit den großen Huppen, nicht sonderlich klug ist und sich doch schon auf ihr Aussehen was einbildet. Mit ihrem ganzen Verhalten war sie so aufdringlich und selbst für das Genki Girl-Stereotyp sehr peinlich nervig. Von den wichtigen Charakteren wäre dann eigentlich nur noch Yui, die Manakas Kindheitsfreundin ist und ihr erster Auftritt war schon sehr witzig – sie schlief einfach so nackt in seinem Bett. Was zur Hölle, selbst wenn sie ein Jahr jünger war. Ob sie nun auf Manaka wirklich stand – keine Ahnung. Sie war irgendwie mehr ein Maskottchen und ein etwas wichtigerer Side-Charakter, weil der Protagonist auch tatsächlich mal irgendwann ein Problem von ihr lösen musste. Aber daran erinnere ich mich irgendwie kaum mehr, muss ich gestehen. Alle weiteren Charaktere standen dann irgendwann nur mal kurz auf ihn oder waren halt da – aber nicht sonderlich wichtig. Deswegen beschränke ich mich bei den Mädels mal auf das wichtigste. Aber unser Protagonist ist wohl der langweiligste Kerl überhaupt. Er hat zwar seine Liebe für Filme, aber sonst nichts was ihn ausmachen würde. Ja, er kann nett sein, das war es aber auch schon. Bei den meisten Shounen-Manga hat man ja immer das Gefühl, dass die männlichen Charaktere in die Höhe gehoben werden und die weiblichen daneben stehen (weil Fanservice). Aber hier ist es genau umgekehrt – die Mädels sind die weit stärkere Fraktion und die Jungs sind sehr, sehr blass und vorhersehbar. Manaka hat die komischsten Freunde ever – zeit weilen ein komischer Schönling, der hinter Tsukasa her war, der typische Idiot der alles nehmen würde (Koyama) und Sotomura der eine Seite voll mit hübschen Mädchen füllt und meiner Meinung nach perverser ist als alle Jungs hier zusammen. Der Plot brachte sogar zeit weilen mit Amachi einen echten Rivalen ins Spiel, der Manaka das Leben schwieriger machen sollte und auf Aya stand (weil dieses Mädel in zwei Clubs ist und sich nicht für einen entscheiden kann … oder überhaupt irgendeine Entscheidung herausbringt, etwa Geständnisse oder so). Aber Amachi wurde zum Ende selbst von Aya weg geschoben und konnte nicht wirklich sein Glück finden … ja, er war ein ziemlicher, arroganter Arsch. Ich mochte ihn nie, aber er war kein so schlechter Kerl, dass man ihm wirklich gar nichts gönnen konnte. Selbst Koyama hat am Ende eine Freundin ab bekommen, also warum auch nicht er?

Die Zeichnungen mochte ich an dieser Serie neben den Charakteren wohl am meisten. Sie sind nicht so typisch für einen Shounen-Manga und passen eben eher in einen Shoujo-Manga. Aber das finde ich gar nicht so schlimm, weil man hier doch deutlich bemerkt: „Das ist anders als die anderen Shounen. Oh, ein Frauenname.“ Klar, Kawashitas Charakterdesigns sind nicht absolut vielfältig oder kreativ. Die Jungs sehen sogar irgendwie recht gleich aus, wenn man sie mit der Lupe auseinander nimmt. Aber durch die Persönlichkeiten war das eben gar nicht mal so schlimm. Im Vergleich zu Lilim Kiss hat sie sich als Zeichnerin ordentlich weiter entwickelt und hat sich auch einige Sachen getraut, die man so in einem Shounen-Werk nicht erwarten würde. Gerade wegen den Zeichnungen würde ich auf jeden Fall noch ein Werk von ihr lesen, aber leider gibt es in Deutschland eben nichts weiter außer dieser Serie und Lilim Kiss von ihr. Die deutsche Umsetzung des Manga fand ich sogar sehr gut, im Vergleich zu heutigen Tokyopop-Standards. Klar, fehlerfrei sind Übersetzungen nie. Aber man hat hier noch viel mit Übersetzernotizen (bei japanischen Begriffen und Anreden halt) gearbeitet und konnte sogar noch was lernen, weil eben nicht alles stumpf übersetzt wurde und man sich gefragt hat: „Hä, was ist das?“ Hier ist eine Übersetzer-Qualität zu lesen gewesen, die man leider heutzutage nicht mehr überall so sieht und das finde ich echt schade. Da hat auf jeden Fall viel Arbeit drin gesteckt.


Alles in allem kann ich mich aber gar nicht so über diesen Manga beschweren. Für eine Mischung aus Harem-Comedy und einer ernsten Romanze ist das hier wirklich das Beste, was man draus machen konnte. Perfekt ist es bei weitem aber nicht, manchmal waren mir die Panels etwas zu klein und für solche Manga war es sogar ziemlich viel Text, wenn ich so darüber nachdenke. Einmal waren die Mädels nicht einfach nur da und standen rum – das hat einfach gut getan zu lesen (und zu sehen). Hier sind mit der Zeit Charaktere erwachsen geworden und haben sich weiterentwickelt, der Protagonist hat eine nachvollziehbare Entscheidung getroffen (was die Mädels angeht und es war nicht vorhersehbar, ich dachte wirklich – der wählt Aya) und die Serie wurde auch nicht völlig künstlich in die Länge gezogen. Klar, einige Stellen waren auch irgendwie zäh, was die alltäglichen Situationen anging. Aber für eine solche Geschichte ohne irgendwelche Fantasy-Elemente war das wirklich kein schlechter Manga. Ich bereue es nicht, ein paar Euro mehr für ein paar Bände ausgegeben zu haben und werde die Reihe bestimmt irgendwann mal wieder lesen. Mit einer solchen Serie ist die Latte für Nisekoi (was ich bald richtig lesen werde, weil der Anime ja nicht sehr vollständig ist, meines Wissens) höchstwahrscheinlich recht hoch setzen, aber das ist mir egal. Für seine Zeit ist 100 % Strawberry wirklich nicht übel, große Überraschung für mich auf jeden Fall.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Verlag: Tokyopop – in 19 Bänden abgeschlossen (jedoch vergriffen, auf englisch wurde er abgebrochen, bevor jemand anfängt zu suchen)

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2 Gedanken zu „100% Strawberry – Review

  1. Ich wusste ehrlich gesagt nicht das eine Dame dieses Werk gezeichnet hat, wo konzipieren denn weibliche Mangaka Werke die mit einem Pantyshot beginnen? Klar, eine Million mal in Manga von HERREN gesehen, aber vielleicht ist das hier mal ein Vorteil: Ein frischer Ansatz zum fürchterlich altbackenem Harem-Plott der sich seit Love Hina scheinbar nicht mehr wirklich entwickelt hat. Ich selber habe z.B. letztens den Anime Trinity Seven angesehen und der war einfach nur SCHMERZHAFT: Nackte Haut Nackte Haut, Dumme Witze, Action Nackte Haut Nackte Haut, Nackte Haut Charakterentwicklung Nackte Haut Ende!

    Ich finde es besser wenn sich ein Anime/Manga mehr um die Charaktere als um sowas dreht, die Figuren, ihre Probleme und ihre Eigenheiten machen eine gute Geschichte, NICHT 5 Stereotypen die nen 08/15 Typen anhimmeln weil der alle 100 Seiten mal eine banale Nettigkeit von sich gibt.

    Das hier klingt wenigstens mal besser, gibts die Serie nicht sogar als Anime? Gute Review allemal

    • Einen Anime gibt es, aber der ist mit 12 Folgen nur so eine sehr grobe Adaption und die OVAs sind auch nur Fanservice. Würde ich nicht empfehlen, auch wenn ich noch nicht alles davon gesehen habe.

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