Meine Probleme mit dem deutschen Manga-Markt

So ein wenig ehrlich muss man ja auch mal sein.

Wenn man viel Zug fährt, kauft man eine Menge Manga um sich die Zeit zu vertreiben. Ich kaufe zwar zum Teil auch englische Reihen, aber der große Teil an Reihen ist bei mir auch deutsch. Heute mag ich mich mal ein wenig darüber auslassen, was mich am deutschen Markt trotz seiner mittlerweile recht beständigen Größe doch ein wenig ankotzt.

Zum großen Teil nur Shojo-Titel

Ja, Mädels lesen gern Shojo-Manga. Sicher nicht alle, aber ich bin da keine Ausnahme – fragt mich jetzt nur nicht, wie viele Shojo-Manga ich habe. Der Verlag mit der mittlerweile größten Aufmerksamkeit darauf müsse wohl Tokyopop sein – immerhin haben sie dieser Zielgruppe auch ein ganzes Vorschaumagazin gewidmet. Die anderen Verläge haben ja irgendwo noch ein wenig Balance drin, auch wenn da bestimmt auch genug Shojo-Titel vorhanden sind. Was das ganze aber so unglaublich öde macht ist einfach: die ausgewählten Titel sind alle oftmals sehr ähnlich. Mir fällt es mittlerweile schwer manche Shojo-Titel zu reviewen, ohne mich beim Schreiben nicht zu langweilen. Bei lesen ist es noch ganz okay, aber die Reviews dazu schreiben sich einfach immer gleich. Oftmals werden auch ältere Titel von Mangaka gekauft, die sich bei einer bestimmten Reihen gut verkauft haben oder eben irgendwelche One Shots (was aber noch halbwegs abwechslungsreich sein kann). Dennoch gibt es nach wie vor Ausnahmen, die nicht völlig diesem Muster folgen. Titel wie Haus der Sonne, Anonymous Noise oder selbst Hiyokoi können sich neben den immer recht gleichen Titel noch hervorheben. Natürlich sind das jetzt erstmal nur Titel, die ich gern mag und etwas anders finde. Aber gerade Haus der Sonne hätte so viel mehr Aufmerksamkeit verdient, das ist echt traurig. Von Tokyopop würde ich mir generell wieder etwas Abwechslung wünschen, Egmont kommt auch noch nahe an diesen Trend ran, aber die anderen Verläge sind noch recht sauber.

Wenige Seinen- und Josei-Titel

Manga ist schon lang nichts mehr nur für Teenager. Es gibt so viele ältere Leser, die auch mal ein paar reifere Geschichten lesen wollen. Leider hat sich das noch nicht so durchgesetzt und das bemängele ich so ein wenig. Ein paar Titel schaffen es wegen Beliebtheit zwar immer wieder, aber so richtig viel in der Richtung gibt es nicht. Und wenn, dann sind es mehr Seinen als Josei-Titel. Natürlich ist mir völlig klar, dass man sich auch hauptsächliche Zielgruppe richten will und die ist eben meist zwischen 12-25. Wenn man danach sucht, findet man solche Titel bestimmt – aber sie sind eben nicht so stark vorhanden. Ob sich da noch was tut, keine Ahnung. Es wäre natürlich zu begrüßen, aber wer weiß. Vielleicht sind manche das ja irgendwann müde, man kann nie wissen.

Yaoi > Yuri

Homoerotische Töne sind ja keine Sache, über die wir hier großartig reden müssen. Ich habe gegen beide Genres nichts, aber die Fanbases sind auf ihre Art oftmals Krebs oder nervig. Wenn man ein Genre nach Shojo am meisten vertreten ist, dann ist es Yaoi. Ich finde es prinzipiell ja okay, wenn man irgendwelche Kerle miteinander shippt (wenn man es nicht maßlos übertreibt) – aber Yaoi? Ich besitze keinen einzigen Band in der Richtung und werde das wahrscheinlich nicht ändern wollen. Und sein wir mal ehrlich – richtig harte Yaoi-Fans verschmähen jedes unnötige weibliche Wesen in ihren Manga (obwohl sie meist selbst welche sind) und lesen im Klischee auch nichts mit zu vielen Mädchen, eben nur alles wo Kerle sich gegenseitig … ne? Auch hier ist es ähnlich wie Shojo. Alles fühlt sich mit der Zeit gleich und träge an. Meist kann man gerade Yaoi in einem Band abarbeiten, man braucht auch keine längeren Serien in der Richtung zu produzieren. Das passt dann schon irgendwie. Und mit Yuri ist es eben so, dass es noch relativ unterschätzt wird. In Deutschland war das Thema Girls Love nie so ein großes Thema, aber mittlerweile schaffen es mehr und mehr Titel auch nach Deutschland. Wenn Yaoi und Yuri wenigstens ein bisschen mehr in Balance existieren würden, wäre das gar kein Thema. Aber bis wir da ankommen, wird es wohl noch etwas dauern, schätze ich.

Schwankende Preise

Die Zeit, in der Manga fünf Euro gekostet haben sind leider schon lange vorbei. Es fing an, als die ersten Bände richtig sechs Euro gingen, sich auf 6,50 € steigerten und nun sind wir eben bei sieben Euro. Ich werde mich allerdings nie zu sehr über teure Preise beschweren, weil das für mich ein sehr ungeliebtes Thema ist – ich mag darüber einfach ungern diskutieren. Trotzdem schwanken viele Preise schon extrem, wenn man sich die Verlege untereinander anschaut. Mir ist schon klar, dass ein Großformat-Manga oder ein Doppelband mehr kostet als ein einzelner Band. Carlsen erscheint mir eigentlich noch am angenehmsten, was Preise angeht. Würde ich 12 Jahre weitersammeln, bliebe der Preis der einzelnen Bände auch erstmal bei 5,95 €. Natürlich gibt es da auch einige Bände über dem Preis, aber ich hab mich da noch nie wirklich veräppelt gefühlt. Die einzige Ausnahme war für viele wohl Highschool of the Dead mit den später erschienenen Farb-Versionen, aber … die Reihe wird wahrscheinlich eh nicht mehr weitergeführt, also passt das schon. Von Egmont kaufe ich derweil zu wenig um beurteilen zu können … was irgendwie auch traurig ist, bei deren Programm. Wo ich es aber kann, ist Tokyopop. Gerade bei Haus der Sonne hatte ich kleine Schreikrämpfe – entweder stimmten die Preise in der Vorschau nicht (und blieben dennoch bei 6,50) oder sie haben mein absolutes No-Go gedroppt – Booklets. Heißt, bei einem Band war ein zusätzliches Heft mit Bonusgeschichten drin. Es war damit zwei Euro teurer, obwohl das als Inhalt in den Band gehört … einfach nein. Die übrigen Verlage sind da nicht zu auffällig – von Panini kaufe ich fast nichts, Kazé ist auch in Ordnung und Altraverse ja noch nicht lang genug dabei. Kann man natürlich weiterhin beobachten, aber so ein wenig Gleichmäßigkeit und weniger Extras – das wäre doch mal cool.

Viele kurze Reihen, aber wenige längere Reihen

Ich bin kein Fan von Manga-Reihen mit fünfzig Bänden oder noch mehr. Wenn der Inhalt stimmt, meinetwegen. Aber die deutschen Verlage haben mittlerweile viel zu viel Angst vor längeren Reihen und bringen dann lieber kürzere Reihen raus. Natürlich ist das nicht so schlimm und auch sicherer – aber auf Dauer ist es auch keine wirkliche Lösung. Es gibt so viele längere Reihen, die abgeschlossen sind und recht gut sind. Ich rede von Reihen, die sich so im zwanziger bis vierziger Bereich bewegen. Oder eben ältere Reihen, aber die Verlage riskieren eben nur noch wenig und holen sich oft nur das was beliebt ist. Oder eben einfach nur das, was sie in die Hände bekommen – richtigen Mut habe ich schon länger nicht mehr gesehen. Wie lang laufende Reihen gehen werden kann man ja nie sagen, aber man merkt oft wenn eine Reihe beim Verlag wackelt. Siehe das Nachdruck-Problem mit Egmont, dass sie neulich hatten. Schwieriges Thema, aber früher schienen die Verlage da doch etwas mutiger oder hatten mehr Selbstvertrauen. Wer weiß.

Wenig Abwechslung

Man erkennt schon, worauf ich hinaus will, oder? Viele Titel die nach Deutschland kommen sind oft einfach nur gleich oder ähnlich zu anderen Titeln. Vor allem, wenn Titel gekauft werden, nur um sie einfach nur mitnehmen zu können. Es gibt wenig Abwechslung oder Titel, bei denen man denkt: „Boar, das ist mal was anderes.“ Eben, weil die Verlage nicht viel riskieren wollen. Der Markt wird mit Neuzugängen zwar größer, aber wirklich viel ändert sich eigentlich nicht. Mittlerweile schaffen es auch ein paar Light Novels nach Deutschland, aber das sind meist Titel zu denen es genauso schon bekannte Anime hierzulande gibt. Hier gibt es bestimmt auch Ausnahmen, aber das sind nicht merklich viele. Aber das hängt dann wohl eher vom Geschmack der Leser und dem was die Verlage einkaufen.


Ich plane mit meinen Manga-Reihen mittlerweile etwas intelligenter, was ich will und was nicht. Warum? Weil man nicht alles braucht und wirklich nur das holen sollte, was man braucht. Hier fehlen sicher noch einige Dinge, die mich aufregen. Aber das sind alle wichtigen, die mir direkt eingefallen sind. Wahrscheinlich hätte ich auch noch eine Menge zum schlechten Nachdruckverhalten der Publisher erzählen können, aber dabei können wir es erstmal belassen. Wenn ihr eine Meinung dazu habt, gern in die Kommentare damit.

Keins der Bilder hier passt, also das auch nicht. xD

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Ein Gedanke zu „Meine Probleme mit dem deutschen Manga-Markt

  1. Im großen und ganzen stimme ich dem was du sagst durchaus zu. Ich kaufe mittlerweile auch deutlich weniger Mangas. Am meisten ärgere ich mich über die Flut an Boys Love Mangas. Das ist schon bemerkenswert wie viele davon in Deutschland rauskommen. Die Arten von Mangas, die ich gerne lesen würde kommen hierzulande nur sehr selten raus. Das finde ich ziemlich schade.

    Ob längere Serien wirklich kaum noch zu uns kommen sei mal dahingestellt. Momentan beobachte ich, dass eher Manga-Reihen rauskommen, die nicht mal ansatzweise abgeschlossen sind und aktuell noch nicht so viele Bände haben. Die könnten durchaus noch zu längeren Serien um die 30-40 Bänden heranwachsen.
    An die höheren Preise hab ich mich schon gewöhnt und verbuche es einfach unter Inflation. Da zahlt man im Schnitt so zwischen 7-9€ pro Band, je nach Ausstattung und Gestaltung. In anderen Ländern wie in den USA muss man für Mangas mehr zahlen das nur so am Rande.

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