Tokyo Ghoul – Review

Wenn man sich mehrere Jahre die Ohren und Augen zuhält, kriegt man den Hype fast nicht mit. Aber nur fast.

Ich habe mich bewusst Jahre lang von dieser Reihe ferngehalten. Warum? Weil man den Hype auch mit zugehaltenen Augen und Ohren mitbekommen hat. Wobei ich eher das Gefühl habe, dass es nicht überall so ist. Sprich – es ist ein halbwegs erträglicher Hype gewesen. Tokyo Ghoul war die erste Manga-Reihe, die sich mein Cousin gekauft hat (der, bei dem ich mir auch schon Bakuman. geliehen habe). Offensichtlich hat sich das Ding auch massiv gut verkauft, da diese Reihe in innerhalb eines Jahres mindestens sieben Mal neugedruckt werden musste. Der Chef von Carlsen hat in Ninos Interview nicht umsonst gesagt, dass der Erfolg da ziemlich krass war und er sich selbst in den Arsch beißt diese Reihe NICHT geholt zu haben. So hat Kazé einen großen, erfolgreichen Titel bekommen und der Erfolg ähnelt schon dem von Tokyopops Death Note. Ich war relativ unvoreingenommen, bis auf ein paar Sachen die mir schon gespoilert wurden. Den Anime habe ich nicht gesehen, weil mir sehr bewusst davon abgeraten hat.

Dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen, erwacht Oberschüler Ken als Ghul wieder. Zuerst ist alles normal. Doch dann beginnt er, Appetit auf Menschen zu entwickeln ‒ was einige moralische Fragen aufwirft. Ken würde sich lieber umbringen, als Menschen zu fressen. So weit kommt es aber gar nicht, denn offenbar gibt es noch andere wie ihn. Eine geheime Gesellschaft der Ghule lebt längst unter uns. (Quelle: anisearch.de)

Mein erster Eindruck war – boar, ist das alles edgy. Mir wurde sehr schnell klar, warum diese Reihe bei Jugendlichen so beliebt ist. Ich habe mich nicht in meine Jugend zurückversetzt gefühlt, aber na ja. Ich bin auch nur drei Jahre älter als mein Cousin, in meiner Generation war ein beliebter Seinen-Titel wohl keiner, über den man lange nachdenken muss: Elfen Lied. Ich habe so viele Vibes beim Lesen bekommen, die mich an Elfen Lied erinnert haben. Dieses „guckt uns an, wir sind anders“, „ich muss töten, wäh“ und die typischen Moralsachen für zwischendurch. Allerdings gibt es zu Elfen Lied genug Unterschiede, Tokyo Ghoul steht schon sehr für sich allein. Vergleiche zu Death Note kann ich auch verstehen, aber na ja. Begeistert war ich am Anfang trotzdem nicht so ganz, wie es wahrscheinlich andere waren.

Aber warum? Die Ghule selbst sind ja eigentlich ganz nett und ihre Fähigkeiten sind tatsächlich gut durchdacht. Nur braucht es am Anfang wirklich etwas Zeit, um rein zukommen. Die Action-Szenen sind okay, auch wenn mir der Zeichenstil am Anfang überhaupt nicht gefallen hat. Vielleicht lag es auch daran, dass der Mangaka am Anfang kaum Assistenten hatte. Für mich sahen die Cover am Anfang leider am besten aus, obwohl die Hintergründe von diesen sehr simpel waren. Ishida hat allerdings einen sehr interessanten Stil zu colorieren, der war von Anfang an recht gut. Tatsächlich wird alles relativ gut beleuchtet, ich war sehr überrascht. Allerdings hatte ich keinen Lieblingscharakter, auch wenn ich die weibliche Protagonistin Toka tatsächlich leiden kann (später sogar Rize/Liz, die war recht interessant, wenn von ihr die Rede war). Sie ist zeit weilen eine echt doofe Tsundere, aber sie hat doch etwas Tiefe und das mag ich an ihr. Beim Rest … hm, Ken ist in Ordnung, aber ich hab jetzt niemanden den ich rauspicken will. Das liegt eben am größten Problem des Manga – zu viele Charaktere. Selbst für einen Manga, der im Grunde nur vierzehn Bände lang ist, war es schwierig sich alle Namen zu merken.

Glaubt mir, mit Namen habe ich in der Regel keine Probleme. Mindestens den Vornamen eines Charakters kann ich mir meistens merken, manchmal auch nur den Nachnamen. Aber mit der Übersetzung dieses Manga stimmt eh was nicht, da man hier manchmal Namen willkürlich nutzt und man sich denkt: „Hä, wenn meint der/die denn jetzt?“ Allerdings finde ich an dieser Serie gut, dass man hier nicht zu sehr aufgedrückt bekommt wer böse ist und wer gut. Das geht mir in vielen Serien ja wirklich sehr auf den Sack und hier war es zum Glück nicht so. Wer unterm Strich aber überhaupt was richtig macht und was nicht – das hat man mir hier aber auch nicht wirklich sagen wollen. Menschen sind halt da, Ghule sind Monster. So einfach ist das. Zumindest ist der Grund nicht wirklich erkennbar, möchte ich meinen. Da wo in dieser Geschichte etwas Tiefe sein sollte, befindet sich eben oft keine oder nicht genug Erklärungen. Die Psyche von Ken ist zwar auch für diese Geschichte passend, aber mit der Zeit fand ich ihn als Charakter mehr und mehr langweilig. Für mich ist er nachvollziehbar, aber kein so guter Protagonist wie ich es mir wünschen würde. Gegen Ende hatte er noch ein paar Momente, aber so richtig gemocht habe ich ihn nie. Wie er von diesem Sadisten gequält wurde fand ich dann doch etwas ekelig, nicht heftig, sondern nur widerwärtig. Außerdem war diese ganze Folter so in die Länge gezogen, dass es einfach nur unnötig war. Gerade, weil das starke Auswirkungen auf später hat und na ja. Es gab einige Szenen mit viel Gewalt und Blut, die mir auch nicht gefallen haben. Gegen Ende haben die Kämpfe mehr Sinn für mich gemacht, aber am Anfang war es eigentlich nur Gemetzel ohne so richtigen Sinn.

Was ich hier besser gemacht hätte, könnte ich auch nicht so richtig sagen. Mehr Bände hätten es in die Länge gezogen und wahrscheinlich wäre es mit der Zeit noch etwas wirrer geworden. Diese ganze Masse an Charakteren war einfach zu viel, ich hätte es wahrscheinlich auch anders erzählt. Ich verstehe auch, was man mir hier erzählen will und auch die ganze Idee ist wirklich nicht schlecht. Nur mit der Umsetzung wollte es einfach nicht so richtig funktionieren, so durchdacht gerade die Fähigkeiten der Ghule oder des CCG gewesen waren – das gleicht eben nicht alles aus. Auch hier haben wir wieder einen typischen Fall von Potenzial – aber ich weiß natürlich bis jetzt nicht, wie die Fortsetzung Tokyo Ghoul:Re ist. Vielleicht ist die viel besser, vielleicht auch nicht. Aber die hier reinzupacken wäre dann wirklich etwas zu viel geworden.


Für mich ist Tokyo Ghoul dieser andere Splatter-Titel, der mich an Elfen Lied erinnert und sogar einige Sachen besser als die Geschichte um die Diclonii macht. In einigen Punkten kann ich die Fans dieser Serie auch irgendwo nachvollziehen, aber diese Reihe ist deswegen nicht eine der Stärksten die es gibt. So, wie bei jedem Hype eben. Weniger Charaktere, mehr Erklärungen und gelegentlich etwas genauere Zeichnungen – dann wäre ich wahrscheinlich bei einer sehr hohen Wertung angekommen. So sind wir etwas höher als der Durchschnitt, eben weil auch das Ende dieser Reihe recht gut war. Alle offenen Fragen (und das sind eine Menge) werden wahrscheinlich im Nachfolger geklärt – vielleicht aber auch nicht. Diese Reihe hatte starke Momente, aber warum gerade sie ein Bestseller ist – das verstehe ich auch noch nicht so ganz. Aber man kann es lesen, das kann ich sagen. Lesen würde ich es nicht noch einmal (eher weiter, aber nicht zwei- oder dreimal), da bin ich mir sicher. Aber hier gehen Geschmäcker sicher auch auseinander, das kann man schon so behaupten.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Verlag: Kazé – in vierzehn Bänden abgeschlossen

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2 Gedanken zu „Tokyo Ghoul – Review

  1. „Diese Reihe hatte starke Momente, aber warum gerade sie ein Bestseller ist – das verstehe ich auch noch nicht so ganz.“

    TG ist Noobbait für die ganzen 14jährigen die zwischen fünf bis zehn Mangas/Animes kennen und Gore/Splatter mit Qualität verwechseln. Das ist auch alles. Alleine das sich sowas hierzulande gut verkauft ist auf mehreren Ebenen besorgniserregend.

  2. Oh man ich weiß nur es ist die Typische Reihe wo JEDER der den Manga gelsen hat schaum spuckt und schreit wie scheiße der Anime sei ^^; Ich habe nur dne Anime gesehen und dachte „jo…nett…. was schau ich dannach schönes?“ Es gab nette Ideen wie du schon sagst und nette Figuren aber es ist wahr: Unterm Strich ist da irgendwo substanz verloren gegangen glaube ich, sonst wäre das Ding heute relevanter als damals, denn heute ist der Manga eher so eine fußnote, aber kein „ewiger klassiker“ wie andere Werke

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