Ein Herz für Eve – Review

Wie lang ist das letzte Einzelband-Review her? Ich guck jetzt nicht nach, zu faul dazu.

Ja, glaubt mir – ich habe von diesem Einzelband gar nichts erwartet. Ich war sogar vorbelastet, weil eine Freundin (fühl dich angesprochen) meinte: „Ja, eigentlich war der es nicht wert.“ Und wisst ihr was? Ich war tatsächlich überrascht, kein Scheiß. Denn manchmal bin ich doch erstaunt – wäre ja komisch, wenn man eine Überraschung berechnen könnte.

Kokomi liebt nichts mehr als Bärchen und sammelt alles, was mit den süßen Tieren verziert ist. Das absolute Highlight ihrer Sammlung ist allerdings ihr Stoffteddy Eve, den sie von ihrem Vater geschenkt bekommen hat, der ständig auf Reisen ist. Eve ist Kokomis engster Vertrauter, mit dem sie sich täglich unterhält und dem sie all ihre Geheimnisse anvertraut. Als ihre Mitschüler mitbekommen, dass das Stofftier sogar jede Nacht in Kokomis Bett schläft, hänseln sie das Mädchen und machen sich über sie lustig. Kokomi hofft, dass zumindest ihr neuer Schwarm Haruki ihre Zuneigung für Eve akzeptiert …

Klingt nach ziemlichen Bullshit, oder? Jetzt kommt aber das, warum der Manga sehr unterhaltsam wird. Eve fängt nämlich an zu reden, weil sie kein normaler Teddy ist. Eigentlich kommt sie aus einem Laden aus England, den Kokomis Vater damals besucht hat. Der Laden war aber doch nicht so normal und Eve hat einfach all die Jahre den Mund gehalten. Reden konnte sie schon immer und sie ist bei weitem nicht so, wie sich Kokomi die Persönlichkeit ihres Teddys vorgestellt hat. Ein kleiner, weiblicher und etwas eingebildeter Teddy spricht nun mit ihr und macht ihr das Leben nicht unbedingt einfach. Über Jahre hinweg musste sich Eve all die Geschichten anhören, die Kokomi ihr zu erzählen hatte. Das Eve davon vielleicht ein bisschen genervt war, ist irgendwie verständlich – reden wollte sie damals aber auch nicht, weil sie Kokomi damit Angst hätte machen können. Somit ergibt dann aber auch Sinn, wer im Haus oft manche Dinge wegfrisst oder einfach so Dinge benutzt. Dies war zuvor immer auf die Verpeiltheit von Kokomis Mutter geschoben worden, die mit ihrem Kind ja hauptsächlich allein ist. Immer diese arbeitenden Väter, ey.

Während Eve also ziemlich witzig daher watschelt, schleicht sie sich manchmal in Kokomis Tasche und kann dann einfach so raus. Ganz zu schweigen davon, dass sie ziemlich viel Unsinn anstellt. So steht Kokomi eines Tages vor dem Fenster im Schulhaus und Eve schreit ihrem Schwarm „ich liebe dich“ hinterher, obwohl sie gar nichts sagen wollte. Das kommt dementsprechend nicht so gut bei Haruki an, weil der dann damit von seinen Freunden aufgezogen wird. Seine konstante Genervtheit konnte ich wirklich nachvollziehen. Gibt dem Jungen doch mal Ruhe ey, hab ich mir sehr oft gedacht. Eve tobt das alles aber noch, in dem sie nicht nur die Telefonnummer von Haruki raus findet, sondern ihm auch noch Nachrichten schickt und sich dafür sogar loben lassen will. Das ganze eskaliert dann mehr oder weniger und Kotomi ist bei Haruki unten durch. Da folgt dann sogar noch ein bisschen Drama, aber ich fand dieses aufgezwungene von Eve schon sehr witzig. Sie scheint sich absolut keiner Schuld bewusst zu sein und macht einfach worauf sie Bock hat. Sie hat dann gelegentlich einen Fächer bei, hat die Nase aber nicht zu weit oben und ist eben sehr witzig. Ein Herz für Eve nimmt dann auch tatsächlich mehr oder weniger ein gutes Ende, auch wenn Eve die beiden Jugendlichen noch nicht ganz zusammengebracht hat. Aber sie hat das ganze schon mal vorangetrieben und ich musste so lachen, als Kotomi zu ihr sagte: „Ist das dein Ernst, gibt mir meine Tränen zurück?“, als da schon was ziemlich dramatisches passiert ist. Klar, es ist nur ein verdammter Teddy. Aber selbst dafür war diese Geschichte nicht schlecht geschrieben, ich bin ehrlich. So neue und unverbrauchte Mangaka, die ihre Schreibkünste noch nicht in überdramatische Dinge zerren sind sehr gut. Drama ist natürlich ganz nett, aber hier stimmte meiner Meinung auch der Comedy-Anteil.

Neben der namensgebenden Geschichte gibt es hier noch eine andere Kurzgeschichte: Happy Love Again. Ich dachte mir schon im ersten Moment, was das sein soll. Hier dreht es sich um eine Oberschülerin, dessen Freund für eine andere mit ihr Schluss gemacht hat und nun ziemlich traurig darüber ist. So rennt sie einem Frisör in die Arme und wird gefragt ob sie denn nicht vielleicht ein Haarmodel für ihn sein will. Recht schnell schüttet sie ihm sein Herz aus und verliebt sich in den Kerl – allerdings gibt es da ein Problem. Der junge Mann hat nämlich schon ein Kind, dessen Mutter verstorben ist. Zwar bemüht sich das Mädel sehr um seine Tochter die sie erst nicht leiden konnte, aber irgendwie will es nicht so richtig klappen. Allerdings hat auch diese Geschichte ein Happy End, aber es war schon etwas ungewohnt. So eine Oberschülerin, die ein Kleinkind wie eine Mutter vom Kindergarten abholt? Es ist ja nicht ihr eigenes Kind, das verdeutlicht ja noch mal die Ungewöhnlichkeit hier. Ich fand diese Geschichte auf jeden Fall nicht schlecht für eine ältere Geschichte dieser Mangaka. Ihre Geschichten sind inhaltlich frisch und nicht voller Klischees, das mag ich. Das mag ich persönlich einfach ganz gern an diesem Band.

Was die Zeichnungen angeht, kann ich mich tatsächlich nicht beschweren. Natürlich gibt es bessere Zeichner, gar keine Frage. Die Augen sind für einen Shoujo-Manga sehr typisch groß, aber Eve war zum Beispiel recht niedlich gezeichnet und der Junge sah jetzt auch nicht zu weiblich aus. Das ist ja gern so ein Problem von mir, bei Shoujo-Manga – viel zu viele Bishounen-Charaktere. Bei Happy Love Again sind die Zeichnungen dann nicht so weltbewegend, eben weil diese Geschichte schon älter ist. Aber jeder fängt mal an, das ist eben so. Gestört hat es mich aber nicht zu sehr, ist also okay.


Ich hab bei diesem Manga sonst für welchen generischen Kram erwartet und erlebte dann doch etwas sehr frisches. Atsuko Yakushiji ist bei uns ja noch eine sehr neue Zeichnerin und veröffentlicht mit diesem Band ja ihren ersten Manga hierzulande. Keine Ahnung was diese Zeichnerin noch gezeichnet hat, aber so eine kurze Serie von ihr fände ich nicht schlecht. Da bin gespannt, was uns erwartet. Natürlich kann man hier keine Neuerfindung des Shoujo-Genres erwartet, aber für das was es ist bleibt es ein netter Einzelband.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Verlag: Einzelband – Tokyopop

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu „Ein Herz für Eve – Review

  1. Ich finde gerade „kleine Geschichten“ inzwischen öfters mal erfrischender. Es muss nicht immer das Schicksal der Welt auf den Spiel stehen, manche Träume müssen nicht in erfüllung gehen und nicht jeder das Wunsch Happy End bekommen, ein wenig mehr „bodenständigkeit“ (ist der falsche begriff aber egal) wirkt bei vielen Serien ganz vorteilhaft. Hikaro No Go kann z.B. einen Game-Wettkampf Manga machen OHNE das etwas „echtes“ auf dem Spiel steht, denn es lebt von den Charaktreren, sie machen eine noch so „seichte“ Geschichte lesenswert. Schöne Review ^^

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s