The Huntress – Review

Nicht schlecht, aber ein bisschen Kritik hab ich. (auch wenn es dabei hauptsächlich um die deutsche Umsetzung geht)

Hiro Kiyohara ist ein bekannter Name im Programm des Egmont-Verlags. Er ist bekannt für Serien wie Another und hat einige One Shot wie Can you hear me?, Kizu, Goth und Tsumitsuki. Ich hab tatsächlich nicht alles gelesen (Kizu und Goth zum Beispiel nicht), aber das ist aus meiner Sicht auch gar nicht nötig. Kiyohara ist ein Mangaka, der hauptsächlich nur zeichnet. Die Geschichten kommen meistens von anderen Leuten, auch wenn er bei zwei Manga für die Story selbst verantwortlich war. In diesem Fall ist auch hier wieder ein Autor verantwortlich, wobei er hier wohl einen Roman einfach als Manga umgesetzt hat (ähnlich wie bei Another).

Rena Sasaki ist eine schöne Frau mit ausgezeichnetem Gedächtnis und einem erstaunlichen Intellekt. Sie wird Privatdetektivin und riskiert ihr Leben, um andere böse Detektive zu jagen, weil ihre jüngere Schwester von einem Stalker ermordet wurde. Derjenige, der dem Stalker Informationen über den Aufenthaltsort ihrer Schwester gab, war ebenfalls ein Privatdetektiv … außerdem bekommt sie noch eine neue Kollegin am Anfang der Geschichte zugeteilt, aber die wird hier in der offiziellen Inhaltsangabe nicht genannt. Was traurig ist.

Inhaltlich ist dieser Band nicht schlecht. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass diese Story als Roman wahrscheinlich etwas besser funktioniert. Viele Dinge passieren hier einfach sehr schnell, bei denen ich normalerweise etwas mehr Zeit bräuchte um die Charaktere dieser Geschichte kennen zulernen. Wir reden hier nicht von einer zehnbändigen Reihe, aber ein paar Kapitel hätte ich tatsächlich mehr gebraucht um nicht von dem Tempo hier erschlagen zu werden. Alles passiert Schlag auf Schlag, auch wenn das vielleicht die Spannung hochhält. Reina wirkt wie eine sehr kühle und ernste junge Dame – hat aber doch ein Herz und doch ihre Gründe für das was sie tut. Irgendwie ist das aber auch wieder so ein Klischee, das ich schon öfter und überall gesehen habe. Es ist nicht schlecht, aber einfach nichts sonderlich besonderes mehr. Bei Renas Kollegin kann ich charakterlich jetzt auch nicht hervorheben. Die ist da, weil sie eben Bock hat und ich musste gerade ernsthaft nachschauen wie sie heißt. Kotoha, na das fängt für die Charaktere schon mal gar nicht gut an, oder?

Im Original heißt der Manga eigentlich Detektiv gegen Detektiv. Hier wurde sich aber beim deutschen Titel auf das Jagen selbst bezogen, daher auch The Huntress. Ist jetzt nicht schlecht, aber ich selbst musste schon überlegen – was meinen die jetzt? Die Ernsthaftigkeit der Geschichte verstand ich schon durchaus, Rena ist auch ein cooler Charakter. Aber mehr hat sie auch nicht, um jetzt sonderlich was besonderes zu sein. Der dramatische Hintergrund hilft zwar sie zu verstehen, aber ansonsten ist sie jetzt nicht herausragend für mich. Allerdings macht diese Reihe zumindest etwas besser, woran Reihen wie Death Note doch gescheitert sind. Diese Reihe lief wöchentlich und boomt jetzt nicht völlig vor Dialog. Das muss man dem ganzen doch gut anmerken. Übersichtliche Panels brachten mich doch dazu, immer weiter zu lesen und wirkten nicht überflüssig platziert oder mit zu viel Text ausgestattet. Es gab inhaltlich einige Twists, aber keiner stach jetzt besonders heraus. Es waren typische Elemente für so eine Geschichte vorhanden und die empfand ich jetzt als nicht übel. Der böse Antagonist ist irgendwie mit der Zeit recht klar und Rena ist am Ende keine große Heldin, wie man sie sich vielleicht vorstellen würde.

Auch wenn ich gut beim Lesen vorangekommen bin und es spannend war – irgendwas hat mich mit der Zeit eben doch gestört. Unter anderem das fixe Tempo, in dem sich hier fortbewegt wird. Die Antagonisten fand ich ziemlich gut, aber wirklich durchgezogen haben die nichts. Kotoha war neben Rena eigentlich zu nichts nütze, außer das sie einmal in die Mangel genommen wurde und man sie entführt hat. Der ganze Nutzen dieses Charakters war einfach nur, irgendwie an Rena ranzukommen und das hätte man tatsächlich auch besser machen können. Selbst wenn Rena einen männlichen Kollegen gehabt hätte, wäre da eigentlich kaum ein Unterschied gewesen. Ein Mann wäre in ihrem Falle vielleicht sogar ganz nützlich gewesen, aber hier wollte ich ehrlicherweise auch keine dumme Romanze sehen. Ich kann eben auch absolut gar nichts zur Vorlage sagen, aber manche Dinge laufen da bestimmt anders und auch mit einem besseren Tempo. Das ist keine fette Kritik an dem Manga, der ja an sich funktioniert. Aber so etwas in einem wöchentlichen Format würde ich für gewöhnlich nicht lesen wollen. Zwanzig Seiten sind da inhaltlich für ein Kapitel einfach zu wenig.

Die Zeichnungen sind wie erwartet sehr gut, ich wäre enttäuscht gewesen wenn es bei diesem Mangaka nicht so gewesen wäre. Kiyohara hat trotz einem leicht realistischen Stil noch sehr gut eine Waage gefunden, dass es für den typischen Manga-Leser eben immer noch ansprechend aussieht. Das schafft aus meiner Sicht eben nicht jeder Mangaka, entweder ist mir manches zu realistisch oder eben nicht und in Ordnung. Zeichnerisch weiterentwickelt hat er sich in Richtung Details, aber sonst sehe ich da nicht so eine derartig große Entwicklung. Ist aber auch nicht dramatisch, weil die Zeichnungen ohnehin schon gut sind. Man muss ja auf Krampf nicht ändern, was nicht auch so bleiben kann.

Zur deutschen Umsetzung möchte ich aber auch noch ein bisschen meckern. Übersetzung und die passende Schriftsetzung zum Manga sind an und für sich in Ordnung. Selbst mit dem geänderten Titel kann ich mich irgendwo anfreunden. Ich verstehe sogar, dass diese zweibändige Reihe in einem dickeren Einzelband rauskommt. Das macht Sinn und ist für mich auch absolut nachvollziehbar. Mir stellt sich nur diese eine Frage – warum Hardcover? Für mich ist diese Reihe keine, die eine besondere Ausgabe gebraucht hätte. Ja, Kiyoharas Manga sind ganz cool. Aber direkt eine Hardcoverausgabe ist das in meinen Augen nicht wert. Das Doppelbandformat ist aber nachvollziehbar, nur halt diese „Veredelung“ nicht. Man kann davon halten was man will, aber ich sehe es einfach nicht berechtigt.


The Huntress war ein interessanter Doppelband. Es hat viele gute Ansätze, setzt aber vieles in den Sand durch seine Kapitellängen. Ein oder zwei Bände mehr und die Geschichte hätte sich wesentlich besser entfalten können, als sie es letztlich getan hat. Für Kiyohara-Fans ist es aber wahrscheinlich durchaus ein Muss, auch wenn man bei ihm keinen besten Titel nennen kann (da er selbst zu selten Storys selbst schreibt und schon mit vielen unterschiedlichen Leuten zusammengearbeitet hat). Die Hardcoverausgabe hätte ein klassischer Titel in einer Neuauflage verdient und nein, ich rede nicht von Sailor Moon. Kann man sich zulegen, aber die Welt dreht sich auch weiter wenn man es nicht tut.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

Verlag: Einzelband – Egmont Manga (Hardcover, 20 €)

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3 Gedanken zu „The Huntress – Review

  1. Ich mag Hardcover lieber. Bei Manga ist das nicht so vertreten, deswegen ist es ungewohnt… Und der Preis ist nicht sehr attraktiv, aber ich würde mich immer für Hardcover entscheiden, wenn mir die Wahl gelassen wird.

    Btw, die Serie hört sich nicht schlecht an!

    • Ich habe vom Prinzip auch nichts gegen Hardcover. Die Amis bringen ja auch gern klassische Reihen im Doppelpack raus. Allerdings muss man meiner Meinung nach schauen ob sich das lohnt. Eine generischen Ecchi-Serie würde ich auch keinen Hardcover-Release geben (oder irgendwelchen Yaoi-Manga). Aber wenn es was lohnenswertes ist, warum nicht. Kann dich da schon verstehen. ^^ Wenn du magst, kannst du es ja um Silvester lesen oder bei mir ausleihen.

  2. Warum man 20€ für einen „ja nett“ Manga ausgeben soll ist wirklich schwer nachzuvollziehen. Es ist auch echt bedauerlich wenn ein Mangaka einen Plott nicht so geschickt strukturieren kann das es nicht gehetzt oder gedehnt wird, es gibt ja auch duzende ihen die auf „endlos“ ausgelegt sind, dann verkaufstechnisch schwächeln und plötzlich „ge-axt“ werden, aber vielleicht hätte man hier auf einen dritten band arbeiten sollen um etwas mehr Zeit aufzubauen.

    Schöne Review, hatte auch mal mit der Idee gespielt den Manga zu kaufen aber für den Preis und diese „durchschnittliche“ Geschichte muss es wohl nicht sein, zumindest nicht zum vollpreis ^^

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