Avril Lavigne – Head Above Water (CD-Review)

Mensch, hat sie mich lange warten lassen.

Jeder der mich länger kennt als ein paar Monate weiß, wie sehr ich Avril Lavigne liebe. Sie ist eine Sängerin, die mich während meiner Kindheit begleitet hat. Ich bin mit ihr, wenn man will, erwachsen geworden und habe gerade auf dieses Album sehnlichst gewartet. Seit dem letzten Album sind sechs Jahre vergangen und das hat dieses Mal auch einen Grund – Avril litt unter einer erst nicht erkannten Borreliose, war mehrere Monate an das Bett gefesselt und kein Arzt wusste so richtig was mit ihr los war. Doch nach dem Besuch bei einem Spezial-Arzt in diesem Gebiet konnte sie nach mehreren Monaten Behandlung wieder gesund werden und fand sich allmählich ins Leben zurück. Vor einigen Monaten erschien schon die Vorab-Single Head Above Water, die sich durch seinen Text sogar in christlichen Charts platzieren konnte. Also, schauen wir uns das mal genauer an.

Das Album beginnt direkt mit dem Titel Head Above Water. Das Lied habe ich über mehrere Monate hoch und runtergespielt und es ist auch mit einer der besten Songs auf diesem Album. Die Emotionen kommen super herüber und das Lied handelt davon wie Avril durch ihre Krankheit zu leiden hat. Es gibt auch ein paar Worte dem großen Herren gegenüber, aber daran denkt man wahrscheinlich wenn man das Gefühl hat bald nicht mehr zu sein. Wahrscheinlich kann ich mir bei weitem nicht vorstellen, wie schlimm diese Krankheit eigentlich war, die sie hatte. Aber als erster Song für dieses Album ist er wirklich besser gesetzt, als ich es erwartet hätte. Doch ich hatte auch das Gefühl, durch diesen Song würden noch mehr Erwartungen aufkommen als eh schon. Meiner Meinung nach, ist dieser Song als erste Single schon sehr gut gewählt. Aber direkt am Anfang des Albums, das macht sich besser als erwartet. Die Japaner haben auch noch eine Bonus-Version mit Travis Clark auf dem Album, aber die ist jetzt nicht so massiv anders.

An zweiter Stelle kommt der Song Birdie, zu dem ich keine wirklichen Erwartungen hatte. Mir wird hier schon am Anfang des Tracks bewusst, dass auf diesem Album wesentlich mehr Piano-Klänge zu hören sein werden als beim Vorgänger. Das kurze Stück am Anfang ist wirklich schön und dann geht es auch direkt los. So einen, ich bin wie in einem Käfig gefangen, Song habe ich von Avril jetzt vielleicht nicht erwartet. Aber der Gesang klingt wirklich sehr schön in diesem Song und der Text ist auch sehr schön geschrieben. Ich kann verstehen, warum gerade dieser Song bei so vielen Fans so gut ankommt. Ich hatte keine Erwartungen, aber mir gefällt das Lied ziemlich gut.

Bei I Fell In Love With The Devil wusste ich erst mal nicht, was da auf mich wartet. Aber einen so dramatischen Song von Avril, ich weiß nicht. Irgendwie erinnere ich mich an nichts vergleichbares von ihr. Gerade diese Poprichtung klingt ziemlich gut mit ihrer Stimme und die steht auch hier wieder sehr im Vordergrund. Ich frage mich, in wen sich Avril da wohl verliebt hat. Unter den zwölf Titeln ist dieser auch der längste, was mit vier Minuten irgendwie etwas bedenklich ist. Ist meiner Meinung leider sehr schnell vorbei, aber auch ein starker Song nach Birdie.

Ein Highlight für mich kommt an vierter Stelle: Tell Me It’s Over, die zweite Single des Albums ist weitaus souliger als ich es erwartet habe. Diese Musikrichtung ist an Avril wirklich sehr ungewohnt und das gefällt mir sehr gut. Ich mag vor allem die Gitarre im Hintergrund und das ganze Zusammenspiel. Die Damen, die manchmal im Hintergrund singen und den Aufschwung zum Refrain. Es klingt wie eine sehr frische und hübsche Seite von ihr, es ist einfach mal etwas neues. Als ich den Song das erste Mal hörte, dachte ich: „Ja, das ist mal was wirklich cooles.“ Nun gut, der Rest des Album ist eben nicht exakt wie das hier bis auf eine Nummer die dann noch kommt. Aber solche Songs von Avril, das wäre für die Zukunft schon mal nicht schlecht. Ich weiß nicht wie unterschätzt dieser Song ist, aber unter den Songs ist dieser einer meiner absoluten Lieblinge.

Dumb Blonde, was will man dazu sagen? Ja, das schwarze Schaf auf dem Album. Es ist ein bisschen so, als wäre Girlfriend auf einer Spritztour mit seinem Auto gewesen und hätte Hello Kitty getroffen. Entweder mit dem Auto selbst in den Magen oder sie haben ein Kind gezeugt, als sie sich begegnet sind. Ich verstehe auf jeden Fall was die Leute meinen, wenn gesagt, diese Nummer erinnert sehr an Hollaback Girls von Gwen Stefani. Die Message hinter dem Song ist allerdings, sich als Blondchen nicht in einen dummen Stereotyp drängen zu lassen und sein Ding zu machen. Finde ich, gar keine schlechte Idee, aber es gefällt eben nicht jedem. Es hat ein paar Anläufe für mich gebraucht, um mit diesem Song so richtig klar zu kommen. Nach Tell Me It’s Over kommt dieser Song auch ein wenig plötzlich, das hier ist immerhin auch die einzige, richtig schnelle Nummer auf dem Album. Ich hab mich mittlerweile daran gewöhnt und ich finde den Song sogar richtig catchy. Aber na ja, der eine mag diesen Song und der andere nicht so. Ich bevorzuge aber die Solo Version von Avril, die man auf der CD hat. Im Netz gibt es die Version mit Nicki Minaj, die ist okay, aber ohne sie mag ich es doch lieber. Ich hoffe aber noch, dass ein richtiges Video dazu kommt. Mit einem Lyric Video allein will ich mich nicht zufrieden geben, sorry.

Hach ja, It Was In Me … der Wechsel war doch etwas entspannter als erwartet. Als ich das Snippet zu diesem Song gehört habe, wusste ich nicht so richtig was ich damit anfangen soll. Ein bisschen erinnert dieser Song schon an Adele, so wie der Gesang am Anfang ist. Aber spätestens ab hier wurde mir ziemlich klar, dass es vom Gesang her nur noch nach oben weiter gehen kann. Die Entwicklung die man hier hört ist fantastisch, im Vergleich zu vor einigen Jahren. Das ach so gefeierte zweite Album (Under My Skin) war nicht halb so nah an diesen Tönen dran. Da hat man noch richtig schiefe Töne gehört, aber hier ist gesanglich einfach alles perfekt. Eben noch eine weitere Ballade auf diesem Album, aber das ist eben das Augenmerk dieses Album. Trotzdem, kein schlechter Song. Ganz im Gegenteil, was man hier hört ist wirklich schön.

Mit Souvenir bekommt man schon ein paar Vibes von älteren Alben, die Avril ganz am Anfang ihrer Karriere hingelegt hat. Die Gitarren am Anfang, so wie der Song aufgebaut ist – doch der Song ist dennoch gut gesetzt. Man kann dazu ziemlich gut abschalten und er könnte ein schöner Sommerhit werden, wenn sich das Label von Avril was damit traut. Muss natürlich auch funktionieren, aber in meiner Vorstellung funktioniert das ganz gut. Klar, dieser Song bewegt die Welt jetzt nicht unglaublich weiter. Aber die Songs sind gut gesetzt, von der Stimmung her. Ich erkenne leider keine Storyline in den Songs, aber vielleicht liegt das auch nur an meinen mangelnden Informationen. Das werde ich nach mehrerem Hören vielleicht noch rauskriegen.

Wie soll ich es bei Crush ausdrücken? Dieser Song ähnelt Tell Me It’s Over von der Instrumenten und dem Aufbau sehr, aber wirklich übel kann ich es dem Song auch nicht nehmen. Allerdings gefällt er mir dann doch nicht so gut wie Tell Me It’s Over. Auf der anderen Seite bin ich aber auch froh, dass auf diesem Album nicht nur solche Songs sind und nur zwei Stück in der Richtung. Das macht es noch etwas abwechslungsreicher und auch hier kriegt man gesanglich genug zu hören um sich nebenbei zurückzulehnen. Bei Crush habe ich allerdings andere Dinge erwartet, ich dachte wirklich, das hier ist ein Pop-Rock Song. Aber na ja, es ist schon in Ordnung, so wie es ist.

Ein bisschen Kritik findet sich in diesem Review aber auch, glaubt es mir. Denn Goddess gefällt mir leider nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Die Bananas und Pyjamas-Stelle fuckt mich immer noch ab, egal wie oft ich darüber nachdenke. Das Songwriting hier ist eben nicht so toll, aber na ja. Ansonsten kann ich diesem Song nicht unglaublich viel vorwerfen, aber der Text sagt mir halt nicht sonderlich zu. Ich würde diesen Song so gern mehr mögen, aber wahrscheinlich werde ich ihn jedes Mal skippen – sollte ich ihn unterwegs hören. Daheim höre ich jede CD durch, aber so wahrscheinlich nicht. Schade, eigentlich.

Nach der Enttäuschung mit Goddess, kommt mit Bigger Wow kein unglaublich geiler Song. Textlich finde ich diesen Song auch nicht so besonders, aber er hat eine positive Ausstrahlung. Er ist sympathisch, das muss man ihm einfach so lassen. Ich weiß nur gerade nicht, ob dieser Song der war, der so mit Taylor Swift-Songs verglichen wurde. Im Grunde ist es auch egal, aber ich mag ihn tatsächlich trotz seinen kleinen Fehlerchen.

Love Me Insane finde ich doch ein bisschen … langweilig. Nicht total im negativen Sinne, ich mag wie es aufgebaut ist. Aber würde ich das vor dem Schlafen hören, wäre ich wahrscheinlich schon eingeschlafen. Die Bridge finde ich ziemlich schön, aber ansonsten ist mir dieser Song ein bisschen zu simpel. Nicht so langweilig wie manche Nummern auf Goodbye Lullaby damals, aber ansonsten ganz in Ordnung. Wir sind ja im Grunde schon fast durch, jetzt kommt ja nur noch ein Song.

Hm, was sage ich zu Warrior? Ich mochte die Songs auf Goodbye Lullaby nicht so gern, die sie selbst produziert hat. Goodbye war einschläfernd und eher so lala und auch die anderen beiden Songs, wenn ich mich richtig erinnere. Aber hinter Warrior steckt doch ein bisschen mehr Arbeit und das merkt man auch. Ich denke, dieser Song ist neben Head Above Water einer der persönlichsten auf diesen Album und das merkt man auch. Emotional fühle ich ihn auch mehr, als manch andere Ballade auf diesem Album und als Abschluss ist er mindestens genauso gut gesetzt wie Head Above Water als erstes Lied. Man hat vor etwa zwei oder drei Jahren schon mal Textstellen aus diesem Song gesehen und sie sind wirklich gut umgesetzt worden. Bei diesem Lied habe ich das Gefühl, es wird immer besser umso öfter ich es höre. Wahrscheinlich werde ich es auch gezielter hören, in nächster Zeit. Zumindest ist das so eine Vermutung, ich hab einen kleinen Narren daran gefressen.


Kommen wir zum endgültigen Fazit dieses Album. Ich war überrascht, wie dieses Album in meinen Händen lag. Die Aufmachung der CD ist ein bisschen anders als sonst, weil es hauptsächlich aus Pappe und ein bisschen Plastik besteht. Ist eben simpler, aber ich finde das gar nicht mal so schlimm. Head Above Water ist nun nach all den Jahren das neue Album geworden und ich wusste anfangs noch nicht so richtig, wie ich es für mich selbst zusammenfassen sollte. Als Fan hat man ja immer eine andere Sichtweise, als die anderen Hörer die sie nur nebenbei verfolgen. Gesanglich schlägt dieses Album eigentlich nichts, bis auf ein paar einzelne Stücke aus der Vergangenheit. Ich bin in der Regel kein Mensch, der zu viele Vergleiche machen will. Doch weil es positive Vergleiche für dieses Album sind, mache ich das mal. Avril hat sich weiterentwickelt, macht nicht mehr exakt das selbe wie vor siebzehn Jahren mit Let Go und das begrüße ich wirklich. Es gibt so viele Künstler die ewig das selbe machen und ich bin froh, dass sie hier mal etwas anderes geschaffen hat. Im Vergleich zum letzten Album ist Head Above Water wirklich besser produziert, wenn nicht manchmal sogar schon ein bisschen überproduziert. Ich habe nie Reviews zu den anderen Alben geschrieben, aber meine Wertungen wären für Let Go 6/10 Punkten, Under My Skin erhält 9/10 Punkten, The Best Damn Thing 8/10 Punkten, Goodbye Lullaby 6-7/10 Punkten und Avril Lavigne (selbst benanntes Album halt) ebenfalls 7/10 Punkten. Wenn ich mir also so meine Bewertungen anschaue, gibt es hier zwar auch einige durchschnittliche Songs und zwei Ausreißer – ABER, es ist als Gesamtwerk trotzdem sehr gelungen und für ihre lange Pause gut geworden. Ich bin gespannt, was uns hier noch erwartet – ob nun auf diese Head Above Water-Ära gesehen oder auf das nächste Album.

Bewertung:  8 von 10 Punkten

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