Fate/Apocrypha – Review

Jeanne, Sieg und Astolfo.

Wenn man sich ernsthaft fragt, was da schief gelaufen ist.

Fate/Apocrypha hat eine sehr kuriose Entstehungsgeschichte. Der Schreiber der Light Novel schrieb diese Geschichte ursprünglich für ein Fate-Onlinespiel, das aber nicht produziert wurde und dann ging er damit anscheinend zu Type Moon und da hat Nasu wohl nur gesagt: „Joar, klar. Mach.“ Ein paar Jahre später kam dann dieser 25 Folgen Anime dazu raus und ich saß sehr oft verzweifelt da. Spin Offs müssen ja grundsätzlich nichts schlechtes sein, hier hat man den dritten Gralkrieg vor Zero genutzt und so gibt es keinen korrupten Gral. Wie gut die Adaption jetzt genau ist, mir egal. Aber das was es im gesamten ist, wirft schon so einige Fragen auf. Spoilerwarnung, nur zur Sicherheit.

Story

Fate/Aporypha spielt in der Stadt Fuyuki (und manchmal auch an anderen Orten), in der es einmal einen Krieg um den Heiligen Gral gab, der von sieben Magiern und ihren Heroic Spirits geführt wurde. Eine bestimmte Person nutze jedoch das Chaos des zweiten Weltkrieges aus und stahl den Gral. Einige Jahrzehnte vergingen und die Familie Yggdmillennia, die den Heiligen Gral als ihr Symbol ansah, spaltete sich von der Magiervereinigung ab und erklärte ihre Unabhängigkeit. Die Organisation Furious schickte daraufhin ihre Truppen zur Familie, um mit ihnen eine Einigung zu erreichen, doch sie scheiterten und wurden von den beschworenen Servants besiegt. Mit einer Änderung im System des Krieges um den Heiligen Gral brach ein neuer Krieg aus, der mit einem Kampf ‒ sieben gegen sieben ‒ eine neue Größenordnung erreicht.

Wenn man sich diesen Anime mal oberflächlich anschaut, hätte man ja alles richtig machen können. 25 Folgen, zwei Seiten die beide weder gut noch böse sind und einige spannende Kämpfe. Natürlich hab ich mich hier nicht wirklich vorher mit den Charakteren auseinander gesetzt, weil es echt verdammt viele sind. Jeanne als Ruler übernimmt quasi den Job der Aufsicht, den eigentlich Kirei übernimmt. Es gibt zwar diesen anderen Ruler der von den Einzberns vor vielen Jahren beschworen wurde, aber der ist eben auch ein Master für viele Servants der roten Seite. Schwarz und rot sind quasi die Farben der jeweiligen Seiten, aber ich habe mir während der Serie echt kaum Kopf gemacht wer wie mit wem zusammenhängt. Es gibt zwar hier und da Erklärungen, aber meistens wird halt doch gekämpft. Ich fand es aber doch sehr schwer, diese Serie wirklich am Stück zu schauen. Es ist zwar eine Fate-Serie, aber so die richtigen Feels dafür sind irgendwie nicht da. Man spürt halt, das es irgendwie anders ist und es versucht nur stellenweise etwas tiefgründiger zu sein (zum Beispiel im Bezug auf Jeanne, selbst Gil de Rais kommt mal vor). Diese Serie stützt sich nicht zu sehr auf die vorhandenen Dinge aus dem Fate-Universum, auch wenn hier und da bekannte Figuren auftauchen (Saber Arthuria in Flashbacks, Waver als Lehrer im Uhrenturm … so was halt) – aber mich hat das nicht zu sehr gestört. Es war eine Genugtuung zu sehen, das der Opa der Matous im Krieg zuvor gestorben ist. Es gibt sogar Informationen, was aus dem Charakteren aus Fate/stay night in diesem Universum wurde, aber das ist jetzt erstmal egal.

Was mich inhaltlich hier wirklich stört, ist das es kaum ruhige Momente gibt. Viele Dinge machen kaum Sinn, oder nur geringfügig. Man hat das Gefühl, die Serie macht sich über seine 25 Folgen selbst kaputt und das auch nicht zu knapp. Ich schieb die Schuld nicht mal auf die Adaption oder die Charaktere, aber ich hab während der Serie nur sehr selten einen richtigen roten Faden entdecken können. Viele Infos musste ich im nachhinein sogar selbst nachlesen, hier wurde quasi der dritte und vierte Gralskrieg übersprungen und ins Jahr 2004 gesetzt, nach dem die Nazis (alles klar) den Gral geklaut haben und viele kleine Gralkriege auf der Welt stattfanden (deshalb ist Waver auch Lord El-Melloi II). Ich mein, sie hatten ja sogar schon 25 Folgen. Es fühlt sich kaum wie eine Fate-Serie an, sondern eher wie eine eigenständige, mittelmäßige Fantasy-Shounen-Serie an. Die Regeln des Gralskrieg wurden auch eher selten erklärt, deswegen macht es ohne die anderen Fate-Serien auch kaum Sinn. Irgendwie wirkt es wie ein großes Durcheinander und warum Demi-Servants hier drin sind, fragt mich auch nicht. Der Protagonist brauchte wohl noch irgendwas cooles.

Ich hab mir die Mühe gemacht, alle Servants zusammen zu fügen. (Jeanne und der andere Ruler sind nicht drauf, aber fuck it)

Charaktere

14 Servants ist vielleicht doch ein bisschen viel, sein wir mal ehrlich. Wobei, die Master werden nicht alle gezeigt, aber trotzdem. Unser Protagonist ist ein Hommuncollus aus dem Reagenzglas wie viele ähnliche auch, was sein Blick auf die Welt automatisch anders macht als eines normalen Menschen. Solche Wesen haben ja nicht lang zu leben und er hätte auch nicht mehr als ein paar Jahre gehabt – bis der schwarze Saber sich opferte und ihm sein Drachenherz gab. Nett, aber er kam dann trotzdem wieder, da der Protagonist (der sich Sieg nannte, Saber hieß eigentlich Siegfried) dadurch ein Demi-Servant wurde (von einem Servant quasi besessen, einfach gesagt). Das hatte natürlich nicht nur Vorteile, aber das spoilere ich euch jetzt nicht. Auch das Jeanne einer war und den Körper einer französischen Dame besaß, hat nicht gestört. Auch nicht ihre Gefühle, die langsam für Sieg aufkamen. Aber der Rest der Charaktere … na ja.

Wir diskutieren jetzt bitte nicht über Astolfos (schwarzer Rider) Geschlecht, er ist ein Junge. Fertig. Er war eine Mischung aus süß und nervig, aber das hat mich nicht mal gestört. Wir hatten Jack the Ripper als Assassin (super creepy), Frankensteins Monsters (Berserker, schon irgendwie süß das Geschrei), Achilles als den anderen Rider, Shakespear als Caster (wirklich sehr lustig, leider viel zu spät genutzt), Atalanta als Archer (die leider durchdrehte, so schade um sie, eine junge Dame die für das Recht der Kinder kämpfte) und noch ganz viele mehr. Es sprengt den Rahmen wirklich alle Servants zu nennen, aber ich mochte Mordred als Saber – bekannterweise Arthur Pendragons Sohn. Die Vaterkomplexe waren nicht zu übertrieben, ihr Master war eine coole Socke und sie musste leider sehr unspektakulär gegen Semiramis (der andere Assassin) gehen.

Es war selbst für mich zu viel des Guten, mit diesen Charakteren hätte man sogar noch ein paar Folgen mehr machen können. 50 sind zu viel, aber vielleicht 10 Folgen mehr wären gut gewesen um allen genug Rampenlicht zu geben. Die Charaktere hier sind wirklich nicht schlecht oder blöd gewählt – aber man verliert einfach zu schnell die Übersicht.

Zeichnungen & Animationen

Eigentlich nichts wirklich besonderes, aber ich bin auch kein großer Fan von A1-Pictures. Bis auf Folge 22, die vollkommen von Neulingen animiert wurde, konnte man zeichnerisch und auch mit den meisten Animationen relativ Qualität halten. Ich mag auch viele Designs der Serie und sie stützen sich eben auf viele vorhandenen Dinge. Selbst Gil De Rais musste unbedingt noch ein paar Momente haben, in denen er so krank drein schaut wie in Zero, obwohl er ganz klar in seiner normalen Form gezeigt wurde. Auf der einen Seite bin ich zwar froh, dass diese Serie optisch nicht zu düster ist. Auf der anderen Seite ist das hier nun echt nichts besonderes, ich nehme Ufotable nur selten in Schutz, aber selbst deren Arbeit gefällt mir optisch hundert mal mehr als das was ich hier gesehen habe.

Synchronisation & Musik

Netflix hat sich hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sie haben sich zwar sehr offensichtlich ein Studio in München gebucht, das früher mal RTL 2 Anime gemacht hat, aber wenn wir jetzt mal über die Qualität damaliger Synchronisationen nachdenken … waren die doch nicht alle so gut. Bei dieser Masse an Charakteren braucht man zwar auch viele Sprecher, aber die Qualität schwankt schon von akzeptabel bis völlig abgelesen. Auch an der Übersetzung mangelt es extrem – während in allen anderen Dubs Begriffe wie Nobel Phatasm und Reality Marbel nicht übersetzt wurden, hat man das hier gemacht. Nobles Phatasma und Realitäts Murmel … euer Ernst jetzt? Servants und Master durften aber bleiben, sonst hätte ich wohl echt abgeschalten. Die Sprecher haben sich zwar meist hörbar Mühe gegeben, aber der Dialogregie war das meiste wohl völlig scheißegal. Solang man fertig wird, ist alles gut und so hört sich das auch an. Außerdem bezeichnet sich Astolfo die ganze Zeit als sie (und andere auch), bis er irgendwann Jeanne nackt über den Weg läuft und diese aufschreit. Ab dem Punkt war Astolfo auf einmal wieder ein Kerl in Mädchenkleidung, sehr eigenartig.

Musikalisch ist die Serie jedoch absolut nichts besonderes. Es gibt wirklich kein Musikstück, welches mir im Gedächtnis geblieben ist. Kein Hintergrundstück, kein Opening und auch kein Ending. Da ist einfach nichts, was ich mir gemerkt habe. Sehr enttäuschend.


Sein wir ganz ehrlich – auch wenn ich Fate/Zero persönlich nicht mochte, ist es theoretisch als Fate-Anime immer noch besser als das hier. Da ich aber trotzdem gelegentlich Spaß hatte, kriegt Apocrypha zumindest einen Punkt mehr – so richtig für seine Fehler kann es ja auch nichts. Die Idee eines größeren Krieges ist nichts worauf ich selbst gekommen wäre, aber die Ruler-Klasse als Aufsicht für den Krieg ist eigentlich nicht übel. Aber irgendwann hat die Story den Faden verloren und macht irgendwas, solang es einfach weiter geht. Man könnte Apocrypha sogar ohne alle anderen Fate-Serien schauen, weil es nahezu für sich allein steht. Aber ohne die Regeln richtig erklärt bekommen zu haben? Das ist schwer. Aber diese Serie ist eben auch nicht die beste, also ist es vielleicht sogar fast egal was man darüber denkt.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Ein Gedanke zu „Fate/Apocrypha – Review

  1. Klingt irgendwie nach Fanservice für die Franchise-Liebhaber. Ich meine ich kann verstehen wenn Animes mit 12 Episoden Mängel haben….fein. Aber wenn du 24 Episoden Hats sollte dein Plott Schlüssig und spannend sein, wenn er verworren ist hast du bei der Strukturierung deiner Geschichte was falsch gemacht, bzw es dem Zuschauer nicht richtig vermittelt.

    Vielleicht wollte man auch zu Stur die Game-Vorlage nutzen und stopfte alles mit guten UND schlechten ideen voll statt notwendige Cuts an manchen ecken/Figuren zu machen. Es erinnert mich an die Amazon Serie „The Boys“ dessen Story gut ist, aber dessen vorlage erstaunlich schlecht ist. Mit diversen „vereinfachungen“ hat man eine doppelt so gute Geschichte geschaffen, ich wünschte das wäre auch der Ansatz hier gewesen.

    Wobei ich manchmal auch den Eindruck habe Japaner WOLLEN einen bewusst kryptischen, sperrigen und überkomplexen Plott/Konzepte haben, das ist für mich schon fast das Markenzeichen von Final Fantasy, die aus PRINZIP schon immer alles pro Serie ändern, egal wie sinnvoll es ist.

    Nette Review, auch wenn 1-2 Bilder vielleicht noch gepasst hätten ^^

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