Alice in Murderland – Review

Der erste Band soll vor vier Jahren erschienen sein? Nein, das kann nicht sein … (doch, es ist so)

Diese Reihe war ein heilloses Durcheinander, vor allem wenn die Bände teilweise mit einem Abstand von sechs Monaten erschienen sind. Am Anfang waren die Abstände noch geringer, aber später wurden diese immer größer – was aber auch auf die japanischen Ausgaben zurückzuführen ist. Kurz vor dem Ende dieser Reihe, hat Alice in Murderland auch noch das Magazin gewechselt – weswegen ich etwas panisch wurde. Aber hat am Ende alles geklappt und der letzte Band ist nun erschienen. Könnte Spoiler enthalten.

Jeden Monat treffen sich die Mitglieder der superreichen und extrem einflussreichen Familie Kuonji zu ihrer »Mad Tea Party« – die einzige bewährte Familientradition. Auf einem jener Treffen teilt die Mutter Olga Kuonji ihren neun Kindern eine völlig unerwartete und schreckliche Nachricht mit: Die Geschwister müssen solange gegen einander kämpfen, bis nur noch einer von ihnen lebt und so zum neuen Oberhaupt des Clans wird…

Wer eine ordentlich actionreiche und blutige Reihe lesen mag, ist hier eigentlich richtig. Nun gut, Splatterniveau hat es aber noch nicht. Bei diesen ganzen Charakteren durchzusehen war aber nicht ganz einfach, wenn man bedenkt das Stella mit Alice noch eine zweite Persönlichkeit hat. Stella würde ich als ziemlich normal beschreiben und dagegen ist das andere Ich halt total brutal. Die ersten Bände hat mich diese Reihe auch nicht überrascht, von der Erzählweise geht das alles ganz fix. Gelegentlich gibt es mal Rückblenden zu dem gerade aktuellen Geschwisterchen, gegen das Stella kämpfen muss. Der ganze Plot um ihren Bruder Zeno impliziert einen sehr starken Bruderkomplex, aber das wird später durch Tsukiko noch komplizierter. Wie welcher Charakter zu wem steht, hatte ich irgendwann nicht mehr so ganz auf dem Schirm. Das liegt aber eher an der Menge der Charaktere, deswegen war es trotzdem interessant zu lesen. Allzu lang eiert diese Story auf jeden Fall nicht herum, gerade wenn es um Mutter Olga geht, ist es immer weitergegangen. Tatsächlich wird aber gar nicht so viel über die Welt in der Alice in Murderland spielt gesprochen. Es ist die Rede von bestimmten Kräften und Einflüssen durch Mächte und Regierungen. Mit Namen wird ohne Ende geworfen, aber von einem Geschehen außerhalb dieses Hauses bekommt man wirklich fast gar nichts mit.

Auch dauert es, bis sich bestimmte Twists entfalten. Das hat zum einen den Vorteil, dass diese Story nicht so vorhersehbar ist. Umgehauen hat mich das meiste nicht, aber gerade der Twist um das leibliche Kind von Mutter Olga war sehr interessant. Ich mochte das Familienbild am Ende der Bände, wo jedes Mal der nächste verstorbene Charakter weg gestrichen wurde. Dementsprechend war eigentlich klar, das hier in nahezu jedem Band ein Charakter sterben muss. Eine besondere Bindung habe ich zu diesen Charakteren deshalb auch nicht wirklich, weil man nicht viel Zeit mit diesen hat. Aber gut, das hier ist auch kein Slice of Life Manga. Ob es allerdings so nötig ist, seine Geschichte so verworren zu machen, ist fraglich. So einen ähnlichen Fall hatte ich vor Jahren schon mit Vampire Knight – mit dem Unterschied, das VK mehr Romance war und das hier mehr Action. Ein Pluspunkt ist hier auch, dass es keinen sinnlosen Love Interest gibt. Hier und da gab es zwar Andeutungen zu sowas, die aber ins nichts verlaufen sind. In dem Fall hier – zum Glück. Kaori Yuki soll für so etwas ja bekannt sein, aber ich habe auch nicht wirklich Manga von ihr gelesen. In dem Fall vielleicht auch gut so, weil ich dadurch nicht voreingenommen an die Sache gehe. Aber so als Anime wär diese Serie bestimmt cool.

Ach ja, die Zeichnungen. Generell sehr detailliert, gerade in den Actionszenen, Rüschen und anderen kleinen Details. Ein Kritikpunkt von mir sind aber die teils relativ unspektakulären Augen, die zwar nicht leer wirken, aber auch nicht besonders auffällig sind. Haare kann die gute auch sehr schön zeichnen, aber an Hintergründen sieht man hier oft nicht besonders viel. Manchmal wirken die Zeichnungen so detailliert, dass es schon wieder fast ein wenig strichig wirkt. Die Cover sind alle relativ simpel gehalten, sehen aber nicht langweilig aus – von den Farben her gibt es aber wenig Schattierungen zu sehen, was aber in dem Fall sicher als Stilmittel gedacht ist. Auf allen Covern ist Alice zu sehen, maximal mit einer anderen Figur. Ich vertrau der Zeichnerin hier aber, die scheint genau zu wissen was sie macht. Zur deutschen Umsetzung kann ich nicht zu viel verlieren. Übersetzung und Schriftart sind soweit in Ordnung, preislich bewegen sich alle Bände bei 7,95 €. Damit sind unsere Bände aber immer noch günstiger als die englischen von Yen Press – die verlangen keinen einheitlichen Preis, aber meistens ist der bei 10€+. Die Bände sind nur leicht größer als die generische Taschenbuchgröße von Carlsen, die sie zum Beispiel für Vampire Knight und die Schokohexe verwenden – wobei zweitere von 5,95 € auf 6,50 € angehoben wurde. Da die Hintergründe der Cover immer einfarbig sind, hat man sich außerdem dazu entschieden die einzelne Figur auf dem Cover noch mit einer Glanzfolie zu bekleben. Wirklich nur Glanz, keine Glitzerkacke oder so. Brauch ich nicht unbedingt, ist aber ok. Kann man als gute Umsetzung gelten lassen.


Hätte ich Alice in Murderland komplett im Paket gekauft, hätte ich es wohl am Stück gelesen. Diese Serie gehört zu den Titeln, die man besser nicht alle paar Monate ließt, sondern eher am Stück lesen sollte. Einfach, weil man so die Zusammenhänge und die Verbindungen zwischen den Charakteren besser versteht. Da ich romantische Shoujo-Manga ein bisschen satt habe, kam Alice in Murderland wie gerufen für mich. Wahrscheinlich lese ich es wirklich irgendwann nochmal am Stück, damit ich alles verstehe. Diese Reihe ist nicht mal besonders komplex, aber über elf Bände kann man schon mal was vergessen, wenn man eine Reihe vier Jahre lang ließt. Ob das hier wirklich für jeden was ist, findet man am besten mit ein bis zwei Bänden raus. Ich war erst nicht sicher ob ich Alice in Murderland weiterkaufen würde, aber ich bin froh es am Ende doch getan zu haben. Es hatte nicht mal so viele Anspielungen auf Alice in Wonderland, das ist das kuriose. Hier und da mal eine, aber ansonsten war das hier wirklich was eigenes. Würde ich spontan als lesenswert einschätzen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Verlag: Carlsen Manga – in elf Bänden abgeschlossen

2 Gedanken zu „Alice in Murderland – Review

  1. Ja manche Serien und Geschichten scheitern einfach auch daran das man 6-7-8 Monate zwischen den letzten Bänden hat und man erstmal überlegen muss wo man in der Geschichte stehen geblieben ist. Ich liebe Alice im Wunderland und mag die Referenzen die Japan gerne nutzt, gab es in dieser Serie auch viele?
    Das hätte mich noch interessiert, ob nun der Verrückte Hutmacher oder eine Herzkönigin-Variante auftaucht, ansonsten klingt es solide, wenn auch nicht nach dem besten Manga aller Zeiten, schöne Review allemal ^^

    • Teilweise kommen sie schon vor, ich kann dir jetzt aber keine genauen Beispiele nennen. Es ist meistens ein bisschen tricky drin, aber es ist da. Die Mutter soll ein wenig die Königin darstellen und ein Hase ist auch drin – aber das wars schon. Ansonsten ist Alice da die allergrößte Referenz von allen.
      Dankö~

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