Monster – Review

Wenn du Untertitel ließt, aber sämtliche Zeitungen, Schilder und Locations lesen und erkennen kannst. Sehr strange, wenn man immer Subs schaut.

Mir ist schon länger bekannt, das es einige sehr treue Monster-Fans gibt und auch sehr gute Reviews zu diesem Anime existieren. Ich hab diese Serie aber immer ein wenig weg geschoben, weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht so das Interesse daran hatte. Als dann aber die Perfect-Edition für den Manga hierzulande erschienen ist, wollte ich dann doch mal reinschauen. Neue Manga mag ich aktuell eher nicht anfangen und Monster sollte, laut Aussagen diverser Personen, ja auch eine gute Anime-Adaption haben. Warum also alle Bände kaufen, wenn ich den Anime schauen kann? Von der Länge war ich erst etwas abgeschreckt, aber ich bin ganz gut durch die Serie durchgekommen – immerhin hab ich sie sogar allein geschaut, Shima war das halt echt zu lang. (Achtung, Spoiler zu einem sechszehn Jahre alten Anime, ich wiederhole. Sechzehn Jahre alter Anime. Schaut ihn selbst, aber heult bei mir nicht weil ich ohne Ende spoilere)

Story

Deutschland, 1986. Dr. Kenzo Tenma ist Neurochirurg in einer Düsseldorfer Klinik. Eigentlich ist es der perfekte Job für einen Arzt wie ihn, wenn es da nicht seine Vorgesetzen gäbe. Mehrfach muss er einflussreiche Patienten bei der medizinischen Versorgung vorziehen. Eines Tages werden zwei Geschwister in die Klinik eingeliefert, die am Schauplatz eines Verbrechens aufgefunden wurden. Der Junge, Johann, schwebt in Lebensgefahr, doch Tenma soll stattdessen einen bekannten Politiker operieren. Er widersetzt sich den Anweisungen seines Oberarztes und operiert das Kind. Ein verhängnisvoller Fehler, den er später bereuen wird, denn Johann ist kein normaler Junge. Kurze Zeit später werden Tenmas Vorgesetzte ermordet und die Kinder, Johann und Anna, sind spurlos verschwunden. Neun Jahre später werden erneut Morde begangen, die den damaligen Ereignissen sehr ähneln. Durch Zufall gerät auch Tenma in die Ermittlungen und er erkennt schnell, dass in Wahrheit Johann für die Morde verantwortlich ist. Bald darauf begegnet er Johann und dieser offenbart sein monströses Wesen. Er begeht vor seinen Augen einen Mord und dankt ihm gleichzeitig, dass er ihn damals gerettet hat. Deswegen lässt er Tenma am Leben, doch der ist jetzt selbst ins Visier der Polizei geraten. Damit beginnt für ihn ein Leben auf der Flucht und eine Reise quer durch Deutschland, denn er will nicht nur Anna wiederfinden, sondern auch das Morden stoppen.

Die ersten paar Folgen waren schon etwas anstrengend, weil diese Geschichte nicht so schnell erzählt wird wie es mit heutigen Serien dieser Art der Fall wäre. Wenn man sich aber einmal daran gewöhnt hat, kommt man aber relativ gut voran. Zeitsprünge passieren hier teilweise ohne richtige Hinweise darauf, aber das wird einem dann meist schon klar wenn die Figuren älter geworden sind. Zumindest war es beim ersten Sprung zu 1995 so und tatsächlich sind sehr viele Dinge nicht so vorhersehbar wie bei anderen Serien dieser Art – was aber teilweise an mangelnden Infos liegt. Gerade überraschende Plottwists kommen dann, wenn man gerade etwas neues erfahren hat oder noch gar nicht so viel über einen Charakter weiß. In den ersten dreißig Folgen klappt das auch ganz gut. Allerdings hatte ich manchmal auch das Gefühl, durch die vielen Charaktere die oft nur ein paar Folgen vorkommen, streckt sich das ganze sehr oft heraus und ein Tenma kommt Johann nicht wirklich näher. Versteht mich nicht falsch, gerade das selbst Randfiguren besser beleuchtet werden die man teilweise nie wieder sieht, ist sehr gut gemacht Immerhin hängen diese Figuren immer irgendwie in Verbindung mit Temna, Nina oder Johann. Selbst Inspektor Runge und Eva bekommen ihre eigenen Episoden und das war auch wirklich gut gemacht. Die ganze Handlung ist sehr gut gestrickt und ergibt bis zum Ende wirklich viel Sinn und das offene Ende ist zwar frustrierend als Zuschauer, aber für diese Serie extrem passend. Gerade die letzten zehn Folgen um das Experiment und die Entstehung der Zwillinge waren wirklich sehr interessant. Ich habe inhaltlich nie besonders viele Probleme mit dieser Serie gehabt, aber bei manchen Charakteren musste ich mir dann doch an die Stirn greifen.

Charaktere

Dr. Tenma ist ein Protagonist, der über die Zeit dieser Serie ordentlich was einstecken muss. Teilweise muss er Dinge tun, die extrem schwierig für ihn sind und ich respektiere ihn auch. Nur manchmal saß ich da und dachte mir: „Du wirst als Mörder gesucht, ja du bist unschuldig, aber du kannst nicht einfach so in eine Bar gehen und nach Eva fragen. Halt dich bedeckter, im Ernst jetzt!“ Aber das war relativ selten der Fall und im Kern ist er immer derselbe geblieben, bis zum Ende. Mit Johann hatte ich aber dann doch einige Probleme, er ist ein wirklich guter Antagonist, aber manchmal musste ich bei ihm trotzdem die Stirn runzeln. Seine manipulative Seite ist interessant, sein Auftreten ist meist selten und recht horrormäßig, oft legt er nicht mal selbst Hand an manche Leute die ihm ein Dorn im Auge sind. Aber der blinde alte Mann (Schubert) hatte mit einem Satz ziemlich Recht – er ist zu perfekt. Manchmal weiß er Dinge, bei denen ich mich frage wie er das wissen kann. Ja, Recherche kann das oft sein. Aber es wirkt nicht mal so, als würde er sich dabei wirklich anstrengen. Er ist für mich sowohl eine Stärke, als auch eine Schwäche dieser Serie. Ich würde ihn nicht als Gary Sue oder Villian Sue bezeichnen, aber ich habe an ihm wirklich wenige wirkliche Schwächen erkennen können. Allein diese ganze Crossdresser-Geschichte in Prag war teilweise so gruselig, der tschechische Detektiv hat ja nicht mal gemerkt das er eigentlich ein Junge war. Das Gespräch am Ende mit Tenma fand ich aber sehr interessant und das er eigentlich gar nicht an dem Experiment beteiligt war. Seine Schwester Nina/Anna fand ich da schon etwas durchdachter. Die ganzen verdrängten Erinnerungen, die Ängste, alles um sie ist so zerrüttet und unsicher. In meinen Augen war sie einfach interessanter als Johann, ist einfach so. Aber vielleicht gehe ich mal so allmählich auf die anderen Charaktere ein.

Mit Inspektor Runge hatte ich es auch nicht so einfach, weil er immer so versessen auf seine eigenen Ansichten war. Seine penetrante Behauptung, Johann sei die zweite Persönlichkeit von Tenma, war doch sehr komisch und allgemein war seine ganze Persönlichkeit manchmal echt schwer nachzuvollziehen, auch wenn seine Hintergrundgeschichte auch nicht die idealste für ihn war. Aber es ist schon logisch – wer viel arbeitet, wird von seiner Familie verlassen. Mit der Zeit wurde er aber sympathischer und das auch schneller, als es bei Eva der Fall war. Verwöhntes Gör wär bei ihr noch gescherzt, wobei ich es sogar unterhaltsam fand als sie ihren Garten und Haus abgebrannt hat. Ansonsten war sie immer problematisch, unerträglich und hat glaub nur einmal einen richtig guten Moment in der Serie gehabt. Irgendwie hab ich mir bei ihr etwas mehr erhofft, aber es sollte wohl nicht sein.

Randfiguren gibt es in Monster ohne Ende. Figuren wie Dr. Reichwein oder Dieter sind halt da, ganz nett, aber auf die Dauer eben nur als Unterstützung zu sehen. Charaktere wie der blinde Schubert (und sein Sohn Karl), Martin, Franz Bonarparta oder die Mutter der Zwillinge sind da doch etwas interessanter. Bin ich eigentlich die einzige die es irgendwie ironisch findet, das Bonarparta merkwürdige Kinderbüche zeichnet/schreibt, Experimente durchführt, Leute dabei tötet und dann als alter Mann ein Hotel führt, sowie einen Jungen hilft irgendwie zurecht zu kommen? Mein Lieblingscharakter war übrigens, wer hätte es erwartet, Grimmer. Tragische Figuren sind einfach meins, seine ganze Hintergrundgeschichte mit Kinderheim 511 war recht interessant und ich frage mich nur eins – wie konnten der und Roberto als Kinder beste Freunde sein? Das sind ja nun wirklich Unterschiede wie Tag und Nacht, die beiden. Ich hab bei seiner Todesszene nicht geweint, aber sie war doch sehr gut inszeniert. Leider gab es da mehr als nur eine Death Flag, allein als er sich von Tenma verabschiedet hat und dann noch mal, als Runge ihn auf ein Bier eingeladen hat. Das war tatsächlich etwas offensichtlich, aber verschmerzbar.

Zeichnungen & Animationen

Ich bin kein besonders großer Mad House-Fan, auch wenn ich Death Note gefeiert hab – heißt, zu realistische Zeichenstile sind eigentlich gar nicht mein Ding. Hier würde ich aber nicht mal von extrem realistisch ausgehen, das hier hat schon noch die Anime-/Manga-Optik. Aber wie soll man das beschreiben, es hat was eigenes und stellt die meist deutschen Figuren dennoch sehr realistisch dar. Rein optisch war ich erst überhaupt nicht überzeugt und so richtig gewöhnen konnte ich mich auch nie daran. Alle wichtigen Figuren sind halt meist sehr schlank oder gut aussehend dargestellt, während die restlichen Figuren oft alt, etwas knollig oder breit dargestellt werden. Mir ist auch klar, dass dies oft am Alter der Figuren liegt, aber trotzdem. Dafür gibts hier ja wenigstens inhaltlich gute Dinge, die Animationen sind für 2004/2005 Verhältnisse auch soweit in Ordnung. Allerdings bin ich froh, wenn die nächste Serie die ich schaue mal wieder 16:9 Verhältnisse hat. Das alte 4:3 Format von früher ist doch etwas anstrengend.

Außerdem sind die Hintergründe sehr akkurat gehalten worden. Man sagte mir ja das der Mangaka mal in Deutschland gelebt hat, aber alle Orte sind wirklich sehr haargenau übernommen worden. Ich hab es allein an der Folge gesehen, in der Tenma nach Dresden gefahren ist. Der Hauptbahnhof und die Prager Straße haben sich etwas verändert, aber es ist wirklich 1:1 sonst so wie es in der Realität aussieht.

Musik & Synchronisation

Der Mensch der hier am Ton saß, hat durchaus Anerkennung verdient. Das Instrumental-Opening ist spitze und die beiden Endings sind wirklich schön. Lustigerweise war das Ending mal so dumm gelegt, das Johann am Ende der Folge sagt: „Schieß mir in die Stirn“ und dann setzt das Opening mit „YES“ ein. Das war ungewollt lustig, kein Scherz. Die Hintergrundmusik fand ich auch sehr gut, aber sie haben auch sehr viel auf Atmosphäre und dergleichen geachtet. Wirklich gut gemacht, so von der Musik her.

Irgendwie war es aber etwas seltsam, das alles auf japanisch zu hören. Es gibt zwar eine englische Synchro, aber ich wollte die schön schlechte deutsche Aussprache hören – die aber oft besser war, als erwartet. Macht aber bitte kein Trickspiel, jedes Mal wenn Dr. Tenma gesagt wird. Ihr sterbt, kein Witz. Die Sprecher waren alle sehr gut gewählt, gerade Nina hat mit Mamiko Noto eine Sprecherin bekommen, die noch heute sehr gut „kaputte“ Charaktere spricht. Runge war noch sehr markant, aber ich kannte ansonsten gar nicht so viele Sprecher. Ist aber denk normal, bei dem Alter dieses Animes. Eine deutsche Synchronisation wäre denk sogar sehr easy, aber wird vielleicht nie passieren.


Monster ist aus meiner Sicht nicht der beste Anime den es gibt. Er gehört aber für mich zu einem der besten Thriller-Mystery-Serien die ich bisher gesehen hab. Als Ossi war es manchmal seltsam, das ein oder andere zu sehen. Aber Deutschland wird hier eben mal nicht super klischeehaftig dargestellt und das ist doch mal was gutes. Auch wenn ich manchmal Schwierigkeiten hatte weiterzuschauen, finde ich das es sich sehr gelohnt hat. Klar habe ich hier und da was zu kritisieren, aber für eine Seinen-Serie macht Monster schon einen guten Job. Nur die Tod durch Kugelschreiber-Szene hätte ich mir wirklich gern erspart, die gab es im Death Note-Anime leider auch. Insgesamt finde ich aber, das Monster sehr sehenswert war und durchaus etwas bekannter werden könnte. Wer weiß, vielleicht erbarmt sich irgendwann ein Publisher ihn auf DVD zu holen, den Manga lese ich aber nicht. 74 Folgen sind nämlich auch nicht ohne, entweder ihr schaut den Anime oder lest den Manga – viel verpasst habe ich beim Anime denk nicht, vermute ich mal.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Ein Gedanke zu „Monster – Review

  1. „Monster ist aus meiner Sicht nicht der beste Anime den es gibt.“<–? WIE KANNST DU ES WAGEN! ÒÓ Nein natürlich ein Scherz, jedem seine Meinung und ich gebe zu ich mochte den Manga mehr, in schwarz weiß wirkt die Geschichte und viele szenen doppelt so bedrohlich und schaurig. Der "Look" erklärt man so: Realistische Körper und Köpfe, aber "cartoonige" Gesichter, bzw ausdrucksstarke und überaniomierte, das macht einen sehr "eigenen" Look, und eigene Looks liebe ich immer mehr als poliertes, langweilige Animationen.

    Natürlich hat der Plott Schwächen, fragwürdige Szenen und einige Figuren sind nun nicht vollkommen nahe der Realität. Aber ich liebe den Manga vor allem: Er kommt ohne Übernatürliches aus. Keine Dämonen, keine Magie, es bleibt "real" und das macht alles drei ecken packender für mich ^^ Bin aber froh das immerhin eine 8 von 10 rauskam, schöne und faire Review ^^

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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