Shirobako – Review

Es ist gefühlt Bakuman, nur das die hier Anime statt Manga produziert wird.

Shirobako geistert bei mir schon Jahre lang auf der Liste rum. 2014, als der Anime mal in Japan lief, hab ich das ganze angefangen und dann für einige Jahre auf pausiert gestellt. Irgendwann in diesem Jahr hab ich dann mal wieder angefangen weiterzuschauen und bin endlich fertig geworden. Ich hab diese Serie sogar mit Dub weitergeschaut, weil ich sie einfach nur noch von meiner Liste runterhaben wollte. Aber fangen wir doch mal an genauer zu erklären.


Story


In ihrer High-School-Zeit bildeten die fünf Mädchen Aoi, Ema, Midori, Misa und Shizuka den Animationsklub ihrer Schule und produzierten bereits gemeinsam ihren ersten Anime. Sie alle teilten sich den Traum ihre Leidenschaft später einmal zum Beruf zu machen und als Profis schließlich auch wieder gemeinsam an einem Projekt beteiligt zu sein. Jetzt, über zwei Jahre später, haben es die Mädchen wirklich in die verschiedenen Bereiche der Anime-Industrie geschafft, müssen sich jetzt aber auch deren anstrengendem Alltag und den diversen Herausforderungen bei der Produktion eines Anime stellen.

Man kann quasi sagen, jede der Mädels ist in einem bestimmten Bereich gelandet – eine sitzt im Managment, eine zeichnet Key-Frames, eine schreibt Storys, eine macht quasi CGI/3D-Kram und die letzte ist Synchronsprecherin. Der Anime teilt sich aus meiner Sicht auch in genau zwei Teile – im ersten wird ein Original-Anime produziert und in der zweiten Hälfte ein Manga adaptiert. Grundsätzlich unterscheiden sich beide Teile nicht so krass, nur das im zweiten Teil neue Figuren dabei sind und einige nicht mehr so oft auftauchen. Im ersten Teil sind die Mädels noch sehr unerfahren und am Anfang, im zweiten Teil dann schon etwas erfahrener, haben aber trotzdem noch mit vielen Schwierigkeiten zu tun. Der erste positive Punkt den ich sagen kann, ist das der Wechsel zwischen verschiedenen Plotlines nicht so drastisch ist. Bei vielen Figuren gibt es viele einzelne Dinge zu erzählen, da kann es schon mal unübersichtlich werden. Ich finde auch, dass die Fachbegriffe sehr gut erklärt wurden, was bei einem so technischen Thema ja doch sehr schwer werden kann. Viele Sachen sind aber auch halbwegs logisch, deswegen kommt man da auch relativ gut ran. Manche Konflikte fand ich teils etwas zu simpel gelöst, ich hab jetzt keine Beispiele, aber am Ende ist irgendwie doch meistens alles glatt gelaufen – auch wenn auf dem Weg dahin viel schief gelaufen ist. Ich weiß eben, das sowas alles noch relativ Glückssache ist – in echten Studien geht noch viel, viel mehr schief als das. Aber der Einblick in die Anime-Branche ist hier eben nur auf ein bis zwei Studios gegeben – natürlich gab es auch richtig heftige Situationen zu sehen, aber da hat niemals jemand von „komplett abbrechen“ oder „absägen“ gesprochen. Hier lief alles noch halbwegs ideal, was es nicht unrealistisch macht, aber auch zeigt das Musani (ich hoffe, das ist richtig geschrieben) irgendwo ein halbwegs stabiles Studio ist. Da schien mir nie was zu suspekt zu sein, wenn man mich fragt.

Eine andere Sache die mich stört, ist mal wieder die Länge der Serie. Erstmal war diese Serie auf 50 Folgen geplant, am Ende wurden es 24. Das hätte prinzipiell aufgehen können, allerdings finde ich das Ziel der Mädels noch gar nicht wirklich erreicht. Natürlich waren in dieser Serie auch echt lustige Szenen mit dem Regisseur, ein paar herzerwärmende Szenen und allgemein nette Sachen zu sehen. Aber die Mädels wollten doch eigentlich mal ihren „eigenen“ Anime machen, nicht eine Manga-Adaption von irgendwas. Im Enddefekt haben sie zwar alle zusammen an einem Projekt gearbeitet, aber das ist aus meiner Sicht noch nicht ihr wirkliches Ziel gewesen. Ich hole jetzt wieder Bakuman raus, ja, aber die Jungs haben ihr Ziel tatsächlich nach 75 Folgen erreicht. Dort wurde aber eben das Thema Anime sehr oberflächlich behandelt, in Shirobako waren die Leute vom Manga-Team sogar eher ein bisschen die „Bösen“, wenn man es so sehen will. Inhaltlich war ansonsten aber alles schlüssig, wenn auch eher unproblematisch aus meiner Sicht. Es hätte dort noch viel mehr schief gehen können, als das was wir gesehen haben.


Charaktere


Ich bin beim Anime schauen eine sehr charakterfixierte Zuschauerin. In der Vergangenheit habe ich schon Serien gedroppt, einfach weil mir die Charaktere nicht zugesagt haben, obwohl alle über die Story oder eben diese Charaktere geschwärmt haben. Bei Shirobako habe ich öfter darüber nachgedacht, aber es am Ende doch nicht getan. Gerade die fünf Mädels sind nämlich sehr langweilig und sehr stereotypisch. Aoi ist sehr energiegeladen, Ema eher zurückhaltend … ja, da hörts mit den Namen auch schon auf, sorry. Natürlich entwickeln sich die Mädels auch weiter, aber Shirobako spielt auch „nur“ in einem Zeitfenster von etwa zwei Jahren. Ich hol jetzt wieder Bakuman raus, aber dort vergehen noch ein paar Jahre mehr und selbst ohne wirkliche optische Entwicklung, verändern sich die Charaktere dort wesentlich mehr als es hier der Fall ist. Auch die Ziele bei Bakuman find ich sehr besser gestellt, als es bei Shirobako der Fall ist – hier wissen die Mädels teils noch gar nicht was sie irgendwann mal machen wollen. Die meisten Nebencharaktere sind zum Teil 100 mal interessanter, als es die Hauptcharaktere sind. Der alte Mann der immer neben Ema saß war mir irgendwie sympathisch, er war so freundlich und hilfsbereit. Solche Menschen wünscht man sich im echten Leben, ich war immer glücklich wenn er grad da war und was erklärt hat.

Ja, ich weiß auch das viele Charaktere zum Teil auch auf echten Leuten basieren. Die wirklich erwachsenen Figuren mochte ich auch, aber was mir wohl am wenigsten gefallen hat, waren diese beiden Plüschfiguren, die gezeigt haben was in Aois Kopf vorgeht. Das ist eine nette Idee, hat mir aber sehr oft den Ernst der Lage in einer Situation die gerade fällig war kaputt gemacht. Wahrscheinlich waren diese Figuren dafür da, auch den jüngeren Zuschauern etwas genauer zu erklären, aber … das war für mich eine der größeren Schwächen dieser Serie. Bei einem so großen Cast an Figuren kann ich aber auch verstehen, dass man Schwierigkeiten hat alles gut rüberzubringen.


Zeichnungen & Animationen


Dieser Anime ist nicht mein erster von P.A. Works. Another, Charlotte, Angel Beats!, Hanasaku Iroha … ich habe auch einige andere Serien angefangen, aber das sind so die Serien die am meisten im Kopf geblieben sind. Was haben diese Serien aber am meisten gemeinsam? Nahezu alle sind Original-Animes, aber die großen Augen und der moelike Stil ist immer ähnlich. Es gibt leider nur sehr wenige P.A. Works Anime, die etwas anders aussehen oder sich generell optisch mehr von anderen Anime unterscheiden lassen können. Shirobako stellt sich dabei leider in die Reihe der Serien, die für P.A. typisch sind – große Augen, vor allem bei den jungen Figuren. Hier wird zwar ein deutlicher Unterschied zwischen Figuren gemacht die etwas älter sind, aber für mich passt dieser Zeichenstil einfach nicht zu solch einer Serie. Heißt nicht, das ich hier auf einen realistischen Zeichenstil bestanden hätte. Aber man hätte einfach deutlichere Unterschiede zwischen dem Zeichenstil vom Anime und den Anime die in der Serie produziert werden machen müssen. Für mich sah das alles etwas zu ähnlich aus. Bei den Animationen beschwere ich mich an der Stelle mal auch nicht. Die waren in Ordnung und es muss ja auch alles zusammenpassen. Aber mir ist es sehr schwer gefallen, einen Anime übers Anime machen mit so einem Zeichenstil ernst zu nehmen. Klingt hart, ist aber leider so.


Musik & Synchronisation


Das gute als erstes – die Musik von Shirobako fand ich gut. Ich erinnere mich null an irgendeinen der Hintergrundtitel, aber die Openings dudelten nett dahin. Aber das zweite war mein Liebling, was aber auch daran liegt das Masami Okui von JAM Project kommt und deren Musik immer noch etwas besser produziert ist, als die neuen Gruppen heutzutage. Ich hab sie auch lang nicht mehr gehört, hab mich die ersten Folgen gefragt: „FUCK, die kenn ich“, bis ich sah – ja, die kenne ich wirklich. Zum Thema Synchronisation habe ich auch noch meinen Teil beizusteuern, immerhin kommt dieser Dub doch von meinen „Freunden“ KSM. Ja, ich habe schon eine leichte Abneigung gegen Vereine, die sich mit Synchros brüsten wollen, aber nicht viel bessere Qualität abliefern als andere. Zu Dubtiteln in der Subfassung sage ich an der Stelle mal nix, aber ich bin hier mal vollkommen ehrlich: auch hier erlebe ich die selbe durchwachsene Synchronsation wie in anderen Titeln. Angeblich sind deutsche Synchronisationen so viel besser geworden, aber bei den meisten weiblichen Sprechern höre ich auch nur das Level eines Fandubs. Vielleicht kommen die meisten Mädels auch von Fandubs zur Synchronisation, was nicht schlimm wäre. Aber nahezu alle Mädels haben mir einfach nicht gefallen, das wirkte alles so unglaublich random besetzt. Die Synchronsprecherdame kam noch gut weg, aber gerade als ich Rieke Werner schon wieder in einer Nebenrolle hören musste, hab ich innerlich schon wieder kotzen müssen. Das Mädel hat nicht mal eine so schlechte Stimme, aber sie spricht alles nahezugleich. Es gab einen Take, wo sie mal anders klang – aber das wars! Ich würde sie so gern loben, aber ich kann es einfach nicht. Vielleicht sollte ich mal einen ganzen Beitrag darüber schreiben, keine Ahnung. Aber das kotzt mich schon echt an, die meisten jungen Sprecherinnen sind einfach fast immer meh, da hab ich mit den älteren wenig Probleme gehabt. Die männlichen Sprecher waren fast alle gut, bis auf diesen Taro. Aber sonst? KSM hat mit seinen Dubs echt große Klappe, dafür das sie hier so durchwachsene Leistung bringen. Die Sprecher können nix dafür, aber einzelne Teile der Übersetzung waren teils auch sehr hölzern, gerade am Anfang. Mit diesem Verein werde ich leider nicht warm, ich überlege immer schon zweimal ob ich was von denen schaue.


Shirobako hat einige gute Stellen, das will ich gar nicht bestreiten. Aber für mich war es dann doch etwas zu seicht, mir haben da noch ein paar knallharte Stellen gefehlt. Ja, meine Vergleiche mit Bakuman nerven euch sicher. Aber dort gab es wesentlich mehr Misserfolge, an denen die Figuren wachsen mussten. Hier wirkte dagegen alles ein bisschen Friede-Freude-Eierkuchen, wenn man mich fragt. Natürlich steckt hier viel Wahrheit drin, aber ich hätte gern noch mehr aus der Anime-Branche gesehen – also von noch anderen Studios bei denen es richtig schief läuft oder halt der „wirkliche“ Anime an den die Mädels arbeiten wollten. Eine zweite Staffel, wenn sie auch kürzer wäre, fände ich hier gut. Aber dieses Jahr erschien in Japan ein Film, den ich mir aber sicher nicht anschauen werde. Dafür hat mich diese Serie dann doch nicht genug gefesselt. Wenn euch das eigentliche Machen von Anime interessiert, schaut hier ruhig rein. Stellt aber bloß keine zu hohen Anforderungen, die könnten enttäuscht werden.


Bewertung

6 von 10 Punkten


Ein Gedanke zu „Shirobako – Review

  1. Klingt als müsste ich irgendwann mal Bakuman sehen XD Nein ich mochte shirobako, schlicht weil ich als naiver Zuschauer mir über so wenig Gedanken machte, wie z.b. Geräusche, von wegen „nein nicht nur durch das Wasser gehen, du musst FRÖHLICH durch das Wasser gehen damit es zum charakter passt“ oder diverse Argumente wer denn nun die ideale synchronsprecherin ist. privat war ich auch imponiert wie umständlich ein anime produziert wird, da latschen die Studioleute zu 10 verschiedenen Zeichnern damit die jede woche ne handvoll Bilder zusammensammeln? aber so ist das Buisness scheinbar ^^ ja die charaktere waren flach und eindimensional, aber es war definitiv schlicht kein „Charakter“ anime sondern eher ein blick in das genre ^^

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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