Anonymous Noise – Review (Manga)

Diese Reihe ist nun leider auch vorbei, ich glaub ich werde Nino ein bisschen vermissen.

Bevor wir loslegen, ich habe ein Review zur Anime-Serie geschrieben, aber dieses Review behandelt den kompletten Manga, der mittlerweile auch hierzulande vollständig erschienen ist. Es wäre also von Vorteil das Review zum Anime gelesen zu haben, da ich den Inhalt hier nur zusammenfasse und nicht nochmal komplett erkläre. Folgt dafür einfach dem Link, dann kommt ihr zum Review. (ich spoilere hier aber, lest bitte nur weiter, wenn ihr damit klar kommt)

Die Frage kommt sicherlich auf, deswegen beantworte ich sie zum Anfang gleich mal: der Anime deckt ungefähr sieben bis acht Bände ab, vielleicht auch ein bisschen mehr, aber es ist nicht ganz die Hälfte – soweit wie ich mich erinnere. Inhaltlich wurde es gerade spannend im Anime, aber man musste eben nach zwölf Folgen aufhören. Was hat es also nun mit Momos Mutter auf sich? Das kann man an sich relativ gut beantworten, aber ich musste selbst ein wenig schmunzeln als mir auffiel, das sowohl Yuzu als auch Momo Probleme speziell mit ihrer Mutter haben. Während es bei Yuzu quasi eine um den Vater trauernde Mutter ist, hat Momo noch was beschisseneres – eine Mutter mit Schulden und er muss den Kram auch noch abstottern. Wobei, er arbeitet das eher bei der Plattenfirma ab, die Schulden selbst wurden von dieser beglichen. Momos Mutter sitzt also daheim und macht nichts – lässt ihren Sohn für sich arbeiten. Die Schulden waren damals auch der Grund, warum sie aus dem Haus neben Nino weg gezogen sind. Dementsprechend kann man sagen, das Momo schon aus vielen Gründen so ist, wie er ist. Tatsächlich ist „sein“ Problem dann aber etwas einfacher aus der Welt geschafft, als das von Yuzu. Seine Mutter ist so dermaßen traumatisiert, dass es lang braucht bis Yuzu tatsächlich diese erreichen kann und seine Probleme bewältigen kann. Nino dagegen hat immer wieder Probleme mit ihrer Stimme, ihren Gefühlen und vor allem mit Momo und gegen Ende auch mit Yuzu. Im Verlauf werden In No Hurry to Shout bekannter, die Band von Momo auch und eigentlich sind sie später gar keine so heftigen Rivalen, wie es am Anfang gewirkt hat. Irgendwie wirkt Nino am Ende sogar wie der unkomplizierteste Charakter hier, während sie von Leuten die ich kenne gern mal Mary Sue genannt wird. Warum, frage ich mich dann daraufhin? Nino ist nicht perfekt, sie kann halt gut singen, aber sie ist teilweise völlig aus dem Konzept zu bringen, unberechenbar und – vielleicht etwas langweilig im Vergleich zu anderen Figuren aus anderen Anime, aber keine Mary Sue. Ich verstehe nicht, wie Leute jedes Mal diesen Begriff nutzen, wenn es ein Liebesdreieck gibt. Da gibt es zwei Jungs die sie mögen, mehr auch nicht. Aber na ja, kommen wir zurück zu den Charakteren.

Die Nebencharaktere fand ich hier ehrlich gesagt schon immer meh. Miou ist halt dauerernst und mag Yuzu, Yuzu mag sie aber nicht und dann fängt sie halt im B-Plot was mit Bassist Haruno an. Schlagzeuger Kurose wirkt dagegen nicht interessanter, aber seine Charakterarc fühlte sich natürlicher an. Er bekam von einem Mädchen einen Korb und ist eine Weile etwas nebensächlich, bis ein neues Mädchen dem Bandklub beitritt und sie sich langsam näher kommen. Ihre kleinen Nebengeschichten waren angenehmer zu lesen, als der ganze Hick-Hack mit Miou und Haruno – was aber vermehrt an Miou liegt, die ich halt nicht wirklich mag. Sie ist einfach so uninteressant, keine Ahnung. An sich hängt sich der Manga auch auf dem Weg nicht inhaltlich zu sehr auf, es gibt immer noch eine kleine Side-Story zu erzählen, wenn gerade nichts mit Nino und Momo oder Yuzu ist. Gegen Band 15 und 16 hat es aber zumindest etwas gestrauchelt, weil man merkte – die Entscheidung, das Finale kommt – aber es ist noch nicht ganz so weit. Tatsächlich habe ich nicht geahnt, für wenn sich Nino am Ende entscheiden würde. Einfach, weil sie sowohl mit Yuzu als auch mit Momo eine enge Bindung aufgebaut hat. Sie war zwischenzeitlich mit Momo zusammen, aber irgendwie hat das nicht ganz funktioniert und dann kamen eben die Probleme mit Yuzus Mutter dazu. Letztlich wurden diese Probleme aber sehr abschließend und ordentlich gelöst, halt etwas dramatisch, aber aus meiner Sicht war das nicht zu viel oder zu wenig drauf eingegangen. Gerade Trauer ist ein schwieriges Thema, aber Yuzus Mutter hat irgendwann verstanden, dass sie ihren Sohn nicht für immer von seinen Träumen abhalten kann. Am Ende hat es Yuzu endlich geschafft, mit seiner eigenen Stimme zu singen und das war schon ein emotionaler Moment für ihn. Nino hat ihn aber auch unglaublich damit aufgezogen, dass er sogar ein bisschen wie ein Mädchen klingt. Es war einfach schön zu sehen, wie sich die Charaktere weiterentwickeln, ihren Weg gehen und am Ende am Ziel ankommen. Am Ende trifft Nino aber die Entscheidung, zwar für immer Yuzus Songs zu singen, aber ihre eigentliche Liebe Momo zu widmen. Das erschien mir persönlich am logischsten und als sie von der Bühne ging und Yuzu das mitgeteilt hat, war das tatsächlich eine gut gemachte Szene. Yuzu macht auch kein besonders großes Drama daraus, er akzeptiert es einfach und das ist auch recht realistisch in meinen Augen.

Die Konzert-Sachen waren natürlich auch immer toll gemacht, aber am Ende war ich sehr zufrieden mit diesem Ende. Nach Ninos erneuten Geständnis (ich glaube, es war ein weiteres, ja?) wird ein wenig gezeigt was die Charaktere weiterhin so machen und dann kommt ein kleiner Timeskip. Nino trägt den Mundschutz nicht mehr und trifft sich mit Yuzu, der bald im Ausland für ein Jahr studieren will. Es gibt auch hier kein Drama, die beiden sind einfach nur … wirklich gute Freunde. Es hat sich am Ende nichts wirklich geändert und sie leben ihr Leben weiter, laufen noch ein wenig am Strand und damit endet die Geschichte. Klingt simpel, aber das ist hier gar nicht so schlecht. Auch wenn ein paar Bände etwas schwächer waren, hat die Reihe dennoch ein ordentliches Ende bekommen und wurde nicht das Geldes wegen unglaublich in die Länge gezogen. Die Zeichnungen im Manga finde ich etwas markanter als die vom Anime, aber animierte Dinge sind eben öfters etwas glatter als die Vorlagen. Ansonsten wurde sich sehr stark an den Manga gehalten, auch wenn er nicht zu Ende adaptiert wurde. Mich hat auch teils etwas verwirrt, das die Bände am Anfang alle zwei Monate erschienen und dann wieder alle drei bis vier Monate. Man könnte jetzt sagen, das Carlsen einfach aufgeholt hatte. Das wir auf dem japanischen Stand waren – aber die Reihe endete in Japan halt schon Anfang 2019 und der amerikanische Release war uns immer ein bis zwei Bände voraus. Auf Corona kann man das aus meiner Sicht nicht wirklich schieben, aber vielleicht hat man sich bei Carlsen damals einfach verplant. Wer weiß das schon. Wenn ich ansonsten noch etwas zu den Covern verlieren kann – man sah hier generell immer einen Charakter, hin und wieder spielte einer auch mal Gitarre oder nahm die Maske ab – aber es ging der Zeichnerin wohl eher darum, jeden Charakter mal auf dem Cover zu haben. Zumindest hat es auf mich so gewirkt, die Kapitelbilder dagegen haben mir immer sehr gefallen. Viele davon waren auch sehr genau schattiert, also denke ich, das auch sehr viele davon eigentlich coloriert waren. So ein kleines Artbook zu der Reihe hätte ich deswegen schon noch gern, aber ob das jetzt noch im Nachhinein kommt … keine Ahnung. Ist denk eher unwahrscheinlich, aber vielleicht importiere ich mir dann irgendwann einfach das japanische Artbook, mal schauen.


Ich habe nicht alle Manga gelesen, die hier in Deutschland erschienen sind. Es gibt sicher erfahrenere und ältere Leser als ich, die mehr lesen und deutlich höhere Erwartungen haben als ich. Worin ich aber Erfahrung habe, ist mit Shoujo-Manga und meine Bindung zu Charakteren ist oftmals als die von anderen Lesern. Mich muss nicht immer zwingend der Plot oder die Zeichnungen überzeugen, weil für mich einfach alles im ganzen funktionieren muss und interessant sein soll. Das kann von den Charakteren abhängig sein oder eben doch einem Drama, das dennoch gut gemacht ist. Was ich damit sagen will, ja, Anonymous Noise ist ein perfekter Titel für Leute, die gerade anfangen Manga zu lesen. Wenn man auch nicht zu viel erwartet und locker ran geht, ist die Reihe auch mindestens ein überdurchschnittlich guter Shoujo-Manga. Sicherlich gibt es Reihen, die besser sind, aber ich mochte die wichtigsten Charaktere sehr gerne. Die Designs der Bühnenoutfits waren immer schön anzusehen und ich hätte tatsächlich noch gern eine zweite Staffel zu Anonymous Noise – einfach weil Manga um Musik besser rüberkommen, wenn dann auch tatsächlich gesungen wird. Ob man die kleinen Witze aus der Reihe nun mag, oder doch lieber den Drama-Part mag – zum Ende hin wird es realistischer, aber es ähnelt auch irgendwie der wirklichen Jugend. Als Teenager nimmt man vieles extremer war als es ist, im Kopf ist vieles durcheinander – aber später ist es möglich, ein ruhigeres und ordentliches Leben zu führen. Meine Bewertung erscheint jetzt vielleicht auch etwas hoch, aber ich mochte Anonymous Noise eben auch sehr. Normalerweise verkaufe ich Manga, die ich gar nicht so mochte auch recht schnell wieder, aber die hier darf bleiben. Dafür hab ich Nino doch ein bisschen zu lieb.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Verlag: Carlsen Manga – 18 Bände (abgeschlossen)

Ein Gedanke zu „Anonymous Noise – Review (Manga)

  1. Ich kenne nur den Anime, den fand ich privat aber deutlich zu kitschig, vielleicht muss man da auch mehr im Feel solcher Serien sein, ich fand nur alles doppelt so melodramatisch wie es sein müsste. Das Ende klingt hier aber auch eher „nett“ ich mag lieber ganz definitive enden wo es eine Hochzeit gibt oder was auch immer, aber es soll ja dir gefallen und danach klingt es, was will man denn mehr? ^^

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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