Manga im Doppelband-Format – Segen und Fluch zu gleich

Die englischen 3in1-Ausgaben von Yu-Gi-Oh!

Beschäftigen wir uns heute mit den Vor- und Nachteilen von zu dicken Mangas. :’D
Doppelformat-Bände sind heutzutage gar nicht mehr so unhäufig, als in der Zeit als ich anfing Manga zu sammeln. Vor zehn Jahren gab es sie sicher schon, aber bei weitem nicht so wie sie heute zu Teil erscheinen. Meine Meinung zu diesen katalogartigen-Dingern ist sehr gespalten. Da ich auch Manga aus dem Ausland besitze, macht sich das mit meiner Meinung nicht mal unbedingt besser. Ich werde hier nicht nur 2in1-Bände behandeln, sondern auch 3in1-Bände.


2in1-Bände


Vorteile


  • Deutsche Verläge wie Tokyopop neigen bei lang abgeschlossenen Reihen eher dazu ein Doppelformat erscheinen zu lassen, als ein Einzelformat. Das kann schon dafür sorgen, dass eine Reihe schneller abgeschlossen wird.
  • Erscheint eine Reihe nach vielen Jahren wieder in einem neuen Format in Deutschland, neigen die Verläge eher dazu sich für so ein Format zu entscheiden. Die meisten Shounen-Reihen eignen sich hierfür auch sehr gut.
  • Man hat natürlich mehr zu lesen und hängt nicht immer an einem Cliffhänger fest. Doppelbände werden meist auch schneller released, wenn die Reihe schon abgeschlossen ist.
  • Völlig neue Cover, wenn eine Serie schon älter ist und neu aufgelegt wird. Sicherlich wollen viele ihre alten Cover gern behalten, aber ich find neue Cover immer etwas schöner.
  • Lohnt sich vor allem bei Reihen von 20-24 Bänden. Man hat durch das Doppelformat genau 10-12 Bände, die sind dann im Regal einfach dicker als die normalen Bände.

Nachteile


  • Die Preise eines Doppelbandes können extrem hierzulande schwanken – es gibt günstige Beispiele, aber auch recht teuere Beispiele. Ich hatte Doppelbände mit einem günstigen Einstiegspreis (5 bis 10 Euro), die dann aber später teuerer wurden. Manche Reihen waren aber auch durchweg teuer – Elfen Lied kostete immer 14 Euro pro Band und es gibt auch Doppelband-Reihen die gern mal für 20+ Euro plus angeboten werden.
  • Ab 400 Seiten kann ein Manga schon sehr dick werden, was dafür sorgt das man beim greifen nicht so bequem (einfach unhandlich) lesen kann wie mit einem Band um die 200 Seiten. Wenn er dann auch noch ungünstigerweise ein großes Format gewählt wird, ist das ganze sogar noch schlimmer.
  • Auch bei Manga im normalen Format können 400+ Seiten sehr unbequem werden. Ein Beispiel für mich waren da die Fate/stay night-Bände von Tokyopop, die auch teils sehr durchschnittlich gedruckt waren und über die Zeit sehr abgegriffen waren. Die Druckqualität schwankt hier einfach extrem.
  • Wenn man Manga allgemein gern unterwegs liest, wird es im Doppelformat eh schwieriger mehrere Bände dabei zu haben. Hat man nicht gerade einen großen Koffer dabei, wird es eher schwieriger mehr als zwei Bände unterwegs zu lesen.
  • Es fallen Cover weg, die selten extra als Farbseiten enthalten sind. Wer allgemein auf Farbseiten steht, muss hier teilweise auch verzichten, wenn diese nicht mehr für den Verlag verfügbar waren oder auch in der japanischen Vorlage nicht vorhanden waren.
  • Sind neue Cover bei einem Re-Release enthalten, erweckt das eventuell falsche Erwartungen an den Zeichenstil, wenn die Cover sich zu stark vom Inhalt unterscheiden. Ich nehme hier gern für mich selbst den Fruits Basket Manga als Beispiel – die neuen Cover sind wunderschön, aber der alte Zeichenstil ist teils etwas… na ja.

Kenshin als 3in1-Ausgabe – der letzte Band ist sogar 4in1.


3in1-Bände (oder mehr)


Vorteile


  • Mittlerweile trauen sich auch mehr deutsche Verlage dazu, 3in1-Bände erscheinen zu lassen. Die Qualität hier ist teilweise auch wesentlich besser, als die der amerikanischen Ausgaben (auch wenn diese günstiger sind). Während bei den Amerikanern gern mal Klopapier-ähnliches Papier verwendet wird um solche Bände zu drucken, ist die Druckqualität in Deutschland noch um einiges besser).
  • Gerade bei den Luxury-Editions kann man schon wesentlich günstiger kommen, als es bei den Doppelbänden der Fall ist und diese haben auch gern mal ein Hardcoverformat. Sammler haben wahrscheinlich den meisten Spaß an diesen Releases.
  • Lohnt sich vor allem bei Reihen über 25 Bänden und mehr. Wenn die Gesamtanzahl der Bände dann allgemein durch drei teilbar ist, hat man die perfekte Ausgangsposition.

Nachteile


  • Werden meist sogar noch teuerer als die Doppelbände. Die Massiv-Bände von Carlsen sind preislich meist noch angemessen, aber die anderen Verlage hauen da noch mal ordentlich drauf.
  • Mit 600+ Seiten noch unhandlicher zu lesen als Doppelbände eh schon sind. Hier kann man dann auf Reisen wirklich nur noch einen Band mitnehmen.
  • Kann aufgrund der Unhandlichkeit schon eher zu Knicken am Rücken sorgen, als beiden Doppelbänden.
  • Hier bekommen eher ältere Reihen oder sehr beliebte ein neues Format, als wirklich neue Reihen. Wenn wir ehrlich sind, lohnt sich ein 3in1 Band aber auch nicht, wenn eine Reihe auch nur drei Bände hat. Dann hat man wirklich einen Wälzer daheim, der vielleicht nett aussieht, aber als Einzelband trotzdem griffer wäre. Sprich – die Luxury-Editionen sind zwar nett, aber eigentlich lohnen sie sich nicht für Reihen die noch einzeln nachgedruckt werden.

Pseudo-Doppelbände

Hier nenne ich keine Vor- und Nachteile. Warum? Eigentlich sind diese Pseudo-Doppelbände auch nur selten wirklich Doppelbände, wenn man es genau nimmt. Wenn man in der Beschreibung eines Bandes zwar Doppelband ließt und der Band trotzdem nur 300 Seiten dick ist, handelt es sich meist eher um Sammlerausgaben die Japan speziell ausgewählt hat und als Neuauflage gelten – aber nicht wirklich als Doppelband. Natürlich schwanken die Seitenanzahlen bei Manga extrem, aber wenn ich weiß das ein JoJo-Band ähnlich wie alle anderen Jump Reihen um die 180-200 Seiten hat, sind 300 Seiten halt kein Doppelband. Aber gut, JoJo erscheint nun nach dreißig Jahren zum allerersten Mal in Deutschland, da kann man so etwas schon mal verschmerzen. Manga Cult ist ja auch eher auf Sammler spezialisiert.

Wo ich einen „Doppelband“ dann aber schon wieder absolut absurd finde, sind so Fälle wie Sailor Moon. Ursprünglich mit 18 Bänden erschienen in den 90ern erschienen, hatte ein Band damals wahrscheinlich um die 160 bis 180 Seiten. Dann kommt noch hinzu, dass viele Bände Kurzgeschichten beinhaltet haben und einen ganzen Band den Inhalt des Films „Prinzessin Kaguya“ (übrigens der einzige Film, der im Manga Relevanz hat). So hatte die Neuauflage dann später „nur“ noch 12 Bände, mit um die 230 Seiten. Ich sehe ein, das ein so beliebter Manga neu aufgelegt wird, ich hab ihn ja auch gekauft. Preislich waren die sechs Euro damals völlig in Ordnung und die Short Story Bände hatten dann später einiges an Inhalt, dass ursprünglich im ersten Release auch enthalten war. Wenn man die Neuauflage von 2011 als Doppelband bezeichnet, ist das leicht fail, aber noch in Ordnung. Was ich dann nicht mehr einsehe, ist die Eternal Edition für 25 Euro mit 300 Seiten. Ob man das als Doppelband zählen will, kann ich nicht einschätzen – man findet die genaue Seitenzahl der 18 Originalbände nicht mehr, aber selbst als Sammler fühle ich mich mit dieser Edition schon etwas abgezogen. Ein bisschen größeres Format, Fotopapier, Glitzerfolie und Hardcover machen in meinen Augen keine Sammlerausgabe aus. Die späteren Bände steigen sogar noch auf 28 Euro, selbst wenn man das hier als Doppelband zählt, würde ein einzelner Band dann 12,50 kosten, wenn wir von den 25 Euro ausgehen. Auf einmal ist Chobits mit dreißig Euro für vier Bände in der Luxury Edition (720 Seiten) gar nicht mehr so absurd teuer.

Natürlich entscheiden die japanischen Verlage selbst, wie sie Reihen erscheinen lassen. Ob sie nun einen Band in 2in1, 3in1 oder nur geringfügig mehr Inhalt machen wollen, ist ja immer noch ihre Entscheidung. Ob die deutschen Verlage das aber jedes Mal mit machen müssen und nicht lieber die alten Bände nachdrucken, sollte man sich da vielleicht gut überlegen. Es gibt viele beliebte Reihen, die Jahre alt sind und nach wie vor keine Neuauflagen bekommen. Immer nur die beliebten Reihen zu fördern, obwohl sie eventuell gerade mal vor ein paar Jahren erschienen sind, ist manchmal doch etwas ernüchternd. Ich schaue da sehr gern in die Richtung des Your Name. Luxury Band.


Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich gern Doppelbände kaufe. Ich kaufe sogar sehr aktuell welche, zum Beispiel Aku no Hana diesen Monat (auch wenn dieser elf Bände hat, der erste Band ein 3in1 Band ist und fünf Euro teurer als die anderen Bände) oder eben die JoJo-Bände, auch wenn ich da gerade einen Band hinterher hänge. 3in1-Bände waren für mich immer eine Alternative, wenn ich Bände hierzulande nicht mehr bekomme – aber tatsächlich besitze ich keinen deutschen 3in1-Band, weil sie mich oft gar nicht so interessieren. Natürlich habe ich Kenshin und Yu-Gi-Oh! als Klopapier-Edition hier, aber Kuroko no Basket als Doppelbandformat von VIZ-Media ist wieder total in Ordnung. Man kann bei diesen Formaten sehr schwer pauschalisieren, ich kann euch nicht mal sagen wie gut die Arina Tanemura-Neuauflagen sind. Ich besitze all ihre Manga als Einzelbände, habe maximal Box-Releases gekauft. Ob man sich am Ende für Doppelbände entscheidet, ist natürlich so ein Ding, aber ich würde nie wieder einen Luxury-Band von Egmont kaufen. Das Hardcover tröstet mich da nie wirklich darüber hinweg, dass diese Bücher einfach zu dick sind und ob 3in1-Bände immer genau drei Bände bekommen und die Reihe nicht doch so endet, dass der letzte Band einen Band mehr oder weniger hat – man weiß es nie 100 %, wenn es noch nicht von Anfang an festgelegt ist.

Die Yu-Gi-Oh! Neuauflage mit neuen Covern, die einfach zu geil für Amerika und Deutschland sind.

Ein Gedanke zu „Manga im Doppelband-Format – Segen und Fluch zu gleich

  1. Ich denke unterm strich ist mir ein Megaband liebe, alleine aus Zeitgründen. 20th century Boys und Battle Royale habe ich in dem Format und bin dankbar weil sie dadurch auch schneller zu sammeln waren, da kann ich den preis verschmerzen. Es nervt wie du sagst natürlich wenn wegen seltsamen gründen solche neuauflagen kommen, ich entsinne mich da an KÖNIG der Dornen, wo der Manga 2 Wochen nach dem Filmrelease nochmal kam, oder Banana Fish direkt nach der anime adaption.

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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