Life Lessons with Uramichi-Oniisan – Review

Erwachsen zu sein ist wirklich … schwierig~

Ich bin spät dran, Uramichi lief tatsächlich schon im Sommer und wurde püntklich zur Herbseason fertig … aber es war irgendwie nicht ganz möglich, diesen Titel jede Woche zu schauen. Shima und ich haben ihn dann etwas später aufgeholt, nach dem wir die ersten Folgen geschaut haben, als schon vier oder fünf Folgen draußen waren. Ja, der Manga erscheint hier in Deutschland auch, aber für mich war es doch nochmal wichtig zu sehen, ob das was für mich ist – also warum nicht mal reinschauen? Die Beschreibung des Manga klingt tatsächlich etwas extremer, als es tatsächlich ist. Zumindest der Part mit dem Alkohol, wie ich finde. Aber ich rede hier schon wieder sehr um den heißen Brei, ich sollte mal starten und erzählen was die Show hier so … zu bieten hat.


Story


Die Kindersendung »Together with Maman« verspricht Spiel und Spaß für die kleinen Racker. Die Gastgeber dieser Sendung machen jedoch nur ihren Job, und wie das im Arbeitsalltag so ist, setzt man ab und zu ein freundliches Lächeln auf, auch wenn die Laune gerade am Tiefpunkt ist oder man nicht jeden Blödsinn mitmachen möchte. Vor allem Uramichi Omota, ein ehemaliger Turner, der seine Fähigkeiten nun in der Kindersendung unter Beweis stellt, tut sich etwas schwer damit, seine wahren Emotionen unter Verschluss zu halten. Zumindest vor seinen Arbeitskollegen macht er keinen Hehl daraus, nicht immer in allerbester Stimmung zu sein. Während Uramichi der »Turnonkel« unter den Gastgebern ist, ist Utano Tadano die »Liedertante« und Iketeru Daga der »Liederonkel«. Tobikichi Usahara und Mitsuo Kumatani, die bei ihren Auftritten in ein Hasen- bzw. ein Bärenkostüm schlüpfen, sind von Uramichi etwas eingeschüchtert und können zumindest den Augenkontakt mit ihm vermeiden, wenn sie ihre Kostüme anhaben – auch abseits der Sendung. »Life Lessons with Uramichi Oniisan« ist ein Anime voll mit schwarzem Humor!

Eigentlich hätte man diese Serie auch „Erwachsen sein ist scheiße“ nennen können. Ich mag zwar keine Untertitel für Serien, aber hier wäre das mehr als passend gewesen. Man kann eigentlich fast jeden Screenshoot aus der Serie in irgendeiner Form nutzen und ohne Kontext posten. Klar, ich verstehe wahrscheinlich wenig, wie man sich … als jemand in einer Kinderserie fühlt. Aber gerade manche Fragen der Kinder tun auch dem erwachsenen Zuschauer weh. Allein diese „warum hast du noch keine Kinder“-Frage ist doch ein bisschen belastend, aber diesen Kindern im Anime kann man wirklich nicht vormachen. Kinder verstehen teils viel mehr, als wir Erwachsenen vielleicht glauben – auch wenn sie vielleicht später so tun, als hätten sie etwas nicht verstanden. Diese Serie ist nicht „nur“ eine Anreihung an unangenehmen Situationen, aber es sind schon unglaublich viele, über manche kann man lachen, über andere dann eher weniger. Das Konzept kann sehr finster und doch sehr realitätsnah sein, aber es passiert tatsächlich nichts zu unerwartendes. Es ist halt immer noch eine Slice of Life-Serie, da kann man halt nicht Dinge erwarten, die etwas viel verlangt wären. Zum Teil, vor allem in den letzteren Folgen, waren auch die Arbeitsumstände der Together with Maman-Mitarbeiter absolut unerträglich. Erst nehmen sie einen Song in der Kälte auf, der eine heitere sommerliche Stimmung erzeugen soll und dann machen sie es nochmal umgekehrt: im Sommer einen Wintersong aufnehmen. Ich weiß nicht ob die Japaner alle so arbeiten, aber das ist nicht sehr hilfreich? Es war auch schön zu sehen, dass diese Charaktere ihren Job nicht vollkommen hassen, aber teils absolut gestresst sind. So witzig und gut das alles inhaltlich alles ist – manchmal fühlt es sich einfach zu unangenehm echt an. Das ist wahrscheinlich das einzige, was ich hier „auszusetzen“ habe.


Charaktere


Es gibt einige Figuren in Uramichi, ich möchte mich aber lieber erstmal auf die wichtigsten Charaktere konzentrieren: Uramichi, Iketeru, Kumatani, Usahara und Tadano (Utano). Angefangen mit Uramichi haben wir einen Protagonisten, der wirklich völlig gestresst und gefickt vom Leben ist, aber es gibt klare Momente in denen er seinen Job nicht nur hasst. Allein die ganzen Erklärungen die er den Kindern macht, sind manchmal ausführlicher als sie sein sollten … aber das ist vielleicht nur meine Sicht des ganzen. Ich kann mir vorstellen, das Uramichi im Manga noch viel komplexere oder zumindest noch mehr Szenen hat, bei denen man mit ihm sympathisieren kann oder ihn versteht. Dieser Anime hat wahrscheinlich nur einen kleinen Bruchteil davon einfangen können, ganz sicher bin ich mir zwar nicht, aber es kommt mir schon so vor als könnte da noch mehr sein als ich hier gesehen habe. Sei es, wenn er über seine Familie spricht (in einer Folge sprach er über seinen strengen Vater), eine Mutter mit Kind ihm im Supermarkt mit Alkohol gesehen hat und ihrem Kind eingeredet hat das sei nicht er oder wenn er halt einfach nur mit seinen Kollegen abhängt. Hier gibt es noch vieles, was man erzählen könnte, aber ich glaub der Junge ist doch ziemlich deep. Ein Protagonist mit dem sicher viele Erwachsene relaten kann. Dagegen wirkt Iketeru, der den Titelsong der Sendung singt, so richtig flach. Lacht unkontrolliert penetrant über Sex-Jokes und alles was zweideutig ist, kann einige Situationen nicht einschätzen und Uhren kann er erst Recht nicht lesen. Er lebt mit seiner Schwester zusammen, hat einen Hund und im allgemeinen ist er halt wirklich sehr unauffällig, weswegen es eine gute Idee ist, das er nicht der Protagonist der Serie ist. Utano, die tatsächlich schon das „Lied“ im Namen hat, ist die einzige Dame die wirklich relevant ist und die meiste Zeit auch singt. Sie war ursprünglich ein Idol und auch mal eine Enka-Sängerin (Enka ist quasi japanischer Schlager), hat viel Unglück, schlechtes Timing, lebt mit ihrem Freund schon sechs Jahre zusammen und ist penetrant frustriert wegen ihm. Allerdings glaube ich trotzdem, dass sie aus meiner Sicht das trotzdem noch normalste Leben hat und das es ihr eigentlich gar nicht so schlecht geht. Usahara ist dann eher der selbst ernannte Weiberheld aber trotzdem ein Loser bei Frauen und Kumatani ist dieser Typ der total ruhig und gelassen ist – aber provozier ihn einmal und er bringt dich fast um. Die wichtigeren Charaktere find ich eigentlich alle sehr gut gemacht, für das was die Serie ist. Die Nebencharaktere sind dann alle grundsätzlich bescheuert, aber das muss bei so einer Sendung die da produziert wird auch vermutlich so sein. In Erinnerung blieb keiner von diesen, aber die wichtigeren fünf waren auf jeden Fall gut. Keiner war wirklich extrem nervig von ihnen, was man über die anderen Charaktere leider nicht so sagen kann.


Zeichnungen & Animationen


Hm, mit den Zeichnungen bin ich am Anfang gar nicht so warm geworden. Ich finde diesen Zeichenstil grundsätzlich nicht schlecht, aber am Anfang wirkte es irgendwie nicht „besonders“. Die Zeichnungen sind extrem nah am Manga, weswegen es für mich erst wirklich nur ein „animierter“ Manga war, aber mit der Zeit hab ich mich daran gewöhnt. Ich weiß nicht, was ich daran so seltsam fand, aber mit der Zeit hab ich mich daran auch gewöhnen können. Studio Blanc hat natürlich auch noch nicht so viel eigene Serien animiert, vielleicht sehen wir ja noch irgendwann mehr von ihnen. Diese Serie bietet aber jetzt nicht so viele Möglichkeiten, super kreative Sachen zu bieten – außer man sieht diese Kindersendung als was krass besonderes, aber hier ist eben kein Fantasy-Setting zu sehen. Ich bin halt kein krasser Fan dieses Zeichenstils, aber schlecht ist weder dieser noch das was das Studio hier animiert hat.


Musik & Synchronisation


Tontechnisch ist diese Serie wirklich Bombe, sei es bei der Musik oder bei den Sprechern, hier passt tatsächlich wirklich alles. Die Sprecher von Iketeru und Utano singen das Opening, auch wenn Uramichi am Anfang des Openings kurz nach den Kindern/Leuten ruft und da eben nicht sein Sprecher, sondern Iketeru zu hören ist. Das hat mich zeitweilen etwas fertig gemacht, aber es ist halt nur ein Opening. Vielleicht war der Song schon fertig, bevor die Aufnahmen anfingen oder man fand den Uramichi-Sprecher nicht „gut genug“ um den Part zu singen oder so. Keine Ahnung, aber Kamiya Hiroshi kann extrem depressive und sarkastische Charaktere mittlerweile so gut sprechen, das Uramichi im Grunde wie für ihn gemacht ist. Er kann dieses liebe „Brüderchen“, aber er kann auch super diese „Downphase“ von Uramichi sprechen und das mag ich sehr an seiner Stimme. Er verkörpert Uramichi sehr gut, er war hier der best gecastete Sprecher. Iketeru der von Mamoru Miyano gesprochen wird ist natürlich auch gut und singt auch schön, aber er ist eben keine so präsente Figur. Usahara und Kumatani die von Tomokazu Sugita und YUichi Nakamura gesprochen werden sind auch eher gewöhnlich und sprechen halt sehr normal ihre Rollen, haben aber doch vergleichsweise die tiefsten Stimmen hier unter den Charakteren. Mit Utano haben sie sich aber wirklich die einzig richtige Sache einfallen lassen. Eine Sprecherin, die Enka-Musik gesungen hat und ein Idol war – der Mangaka muss Nana Mizuki doch pratisch schon beim Zeichnen gehört haben, niemand anders hätte das so gut rüber bringen könenn wie sie. Mal davon abgesehen, das Nana Mizuki zeitweilen die dritterfolgreichste Sängerin Japans und nach wie vor die erfolgreichste Seiyu-Sängerin ist (Sprecherin und Sängerin in einem halt), hat man sich sogar ihr verdammtes Label mit rangeholt um die Musik hier ordentlich rüber zu bringen. Das wirkt teils schon fast zu viel Arbeit für so eine Serie, aber es war durchaus cool anzuhören.


Ich mochte diesen Anime tatsächlich sehr gern, es ist aber nichts was ich zwingend ein zweites Mal schauen würde. Die Gründe dafür sind einfach sehr simpel, es ist manchmal schon so nah an der Realität als Erwachsener, das es wehtut. Natürlich, wenn ein paar Jahre vergangen sind, man einiges vergessen hat und das okay geht, kann man eine solche Serie dann schon mal schauen. Und der schwarze Humor ist wirklich hervorragend, keine Frage. Den Manga würde ich mir jetzt aber doch nicht zulegen, das ist mir dann doch ein bisschen zu viel Depression am Stück. Eine zweite Staffel würde ich aber schon schauen, das wäre tatsächlich in Ordnung. Das Ende wirkte jetzt nicht offen, man könnte es auch noch problemlos weiterführen, aber vielleicht ist dieser Serie eh nur Werbung für den Manga und eine zweite Staffel ist erstmal ausgeschlossen. Wer weiß schon, ob es noch weitergeht, aber diese dreizehn Folgen waren aber in Ordnung und auch sehr unterhaltsam.


Bewertung

7 von 10 Punkten

Ein Gedanke zu „Life Lessons with Uramichi-Oniisan – Review

  1. Ich lese bisher den Manga (Band 1+2 derzeit) und dieser schwarze Humor ist genau meine Kragenweite, das hatte mir schon bei „Welcome to the NHK“ sehr gefallen. Manchmal schwankt Uramichi in manchen Szenen zwischen Amokläufer und Selbstmordopfer, aber ja, die „realen“ Züge mancher Sorgen und Ängste sind verdammt echt, immer könnte ich mir solche Serien auch nie geben. Bin gespannt wie sich die Geschichte noch entwickelt.

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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