Verlobt mit Atsumori-kun – Review

Ich war ein Weilchen krank, aber heute gibt es endlich wieder ein Review von mir.

Mangaka Taamo hat von mir schon das ein oder andere Review mit ihren Mangas spendiert bekommen. Ihr Manga Haus der Sonne ist mittlerweile eine meiner Favoriten und Wo die Liebe anfängt war eine andere nette Reihe von ihr, die aber sehr im Schatten von Haus der Sonne steht. Dementsprechend war es für mich fast selbstverständlich auch Verlobt mit Atsumori-kun zu kaufen, auch wenn ich den Release fast verpennt habe. Irgendwie hab ich die Ankündigung für diesen Titel nicht mitbekommen, erst als ich nochmal genauer geschaut hab ist mir aufgefallen – warte mal, den Zeichenstil kennst du doch. Verlobt mit Atsumori-kun hat auch genau einen Band mehr als die letzte Reihe von Taamo die bei uns erschienen ist, was ich aber davon halte … ist ein gemischtes Etwas, das ich jetzt mal so langsam auseinander nehme.


Nishiki ist ein sehr ehrgeiziges Mädchen und lebt mit ihrer Familie auf dem Land. Wie oft sie sich schon danach gesehnt hat, in die Großstadt zu ziehen, um dort ein Studium anzufangen! Ihr Traum scheint jedoch außer Reichweite zu sein, denn ihr Vater hat bereits einen Verlobten für sie ausgeguckt: der Sohn seines besten Freundes. Als Nishiki eines Tages Atsumori aus Tokyo kennenlernt und sich die beiden über ihre Zukunftspläne unterhalten, fasst sie einen Entschluss: Sie will ihre Eltern davon überzeugen, dass es langsam Zeit für sie wird, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen …

Das Thema Verlobung habe ich tatsächlich schon immer etwas schwierig betrachtet. Mal von Paaren, die ewig und drei Tage verlobt sind abgesehen, sind Zwangsehen für die eigenen Kinder absolut nicht mehr zeitgemäß und sollten aus meiner Sicht eigentlich nicht mehr existieren. Ja gut, das hier ist ein Manga, aber ein Trope in Manga ist es halt immer mal wieder mal. Nicht so oft wie es vielleicht noch vor ein paar Jahren der Fall war – aber es kommt halt vor. Taamo ist so eine Zeichnerin, mit der ich kein gerushtes Storyerlebnis entwickle. In Haus der Sonne hat sie sich viel Zeit für die Entwicklung der Geschichte, der Verbindung zwischen den Charakteren und der Weiterentwicklung von Mao genommen. Das war etwas was ich sehr mochte, was bei der letzten Reihe Wo die Liebe anfängt auch noch relativ gut umgesetzt war, obwohl diese Reihe nur fünf Bände lang war. Zwar war genannte Reihe nicht unbedingt neu mit dem was es inhaltlich so angebracht hat, aber es war völlig in Ordnung. Bei dieser Reihe ist der Anfang noch genau in diesem Tempo erzählt, das ich kenne. Nishiki ist frustriert, man bekommt ein wenig mit was bei ihr daheim los ist und dann trifft sie das erste Mal auf Atsumori-kun. Danach beschließt sie eben nach Tokyo zu gehen, was auch noch vom Tempo recht normal wirkt, aber die Beziehung zwischen ihr und Atsumori wirkt doch ein wenig schneller als die Vorgängerreihen von Taamo mit sowas umgegangen wären. Nicht drastisch schneller, aber sie nimmt sich leider nicht so viel Zeit mit Nishiki, wie man es sich wünschen würde. Mao war da für mich einfach nachvollziehbarer, die keinen richtigen Ort hatte an den sie gehörte und auch Mahiru war mit ihren Komplexen für mich wesentlich besser. Das heißt nicht, das Nishiki ein schlechter Charakter ist. Sie hat nur bei weitem nicht die Probleme wie ihre Vorgänger, ihre Probleme sind irgendwie etwas einfacher.

Leser die männliche Tsundere-Charaktere lieben, werden Atsumori als Charakter lieben. Ich empfand ihn zwar eher als eine Kudere, aber es bewegt sich da immer irgendwo in der Mitte und irgendwie stimmt das mit der Tsundere schon – aber auch irgendwie mit der Kudere, er ist halt einfach so. Den auf der einen Seite stimmt er der Verlobung zu, auf der anderen Seite ist er aber immer noch abweisend und sehr kalt. Seine Familie hat mich zum großen Teil eher genervt, sein Bruder war immer so nervig ehrlich ohne Nachzudenken was er sagt, die Mutter will gefühlt nicht so wirklich dazu gehören und scheint nur wegen dem Geld des Vater da zu sein und Atsumoris Vater – na ja. Er ist am Ende der große Konfliktpunkt, weswegen das alles ein wenig anfängt zu kippeln und er ist Arzt, hat aber einen weichen Kern. Man könnte jetzt sagen, der Apfel fällt nicht weit vom Birnenbaum, aber nicht mal Atsumori-kun ist so stur wie es sein Vater zum Teil war. Nishikis Familie dagegen ist sehr normal, der Vater ist halt einfach nur überbesorgt mit dieser ganzen Verlobungskacke umgegangen, aber die Mutter ist eigentlich ziemlich chillig, wenn man es so ausdrücken will. Ansonsten fallen mir nur zwei Charaktere ein – der Kerl, der Nishiki eigentlich heiraten sollte und mit ihr Verlobt war, sowie Nishikis beste Freundin die in dem Vorort geblieben ist in dem sie ursprünglich lebte. Zwischen diesen beiden Charakteren, deren Namen ich absolut vergessen habe (aber das Mädel sieht aus wie Mao), entsteht tatsächlich mal für eine kurze Zeit eine freundschaftliche Verbindung, bis das Mädel sich in ihn verliebt, am Ende der Reihe gesteht und abgewiesen wird. Was ich an dieser Sache mochte war, das dieses Mädchen zwar am Boden zerstört war, dennoch wieder aufgestanden ist und es ihr besser ging. Ich kann mich grad nicht erinnern, ob noch ein neuer Love Interest für sie angeteast wurde, aber es wurde wenigstens nicht solang drauf gekloppt bis man ihr einen Love Interest in den Rachen geschoben hat und das wirkte einfach natürlich. Das ist sicher nicht der beste Nebenplot ever, aber es ist realitischer das dieser Junge sie abweist als auf einmal auf sie zu stehen, wo sie sich doch noch gar nicht so lang gekannt haben. Ohne diesen Nebenplot würde das hier inhaltlich vermutlich gar nicht so gut mit der Bewertung weg kommen, aber das hat es mir am Ende tatsächlich auch ein wenig gerettet. Das Ende ist nichts besonderes, es gibt einen Timeskip wie die Charaktere in ein paar Jahren leben und dann ist es halt mit der Hochzeit vorbei. Happy End halt, ne?

Zeichnerisch hat Taamo in den acht Jahren die zwischen Haus der Sonne und Verlobt mit Atsumori-kun vergangen sind keinen extrem großen Fortschritt mit ihrer zeichnerischen Entwicklung gemacht, hat ihren Stil aber sehr gefestigt und man erkennt nun viele Dinge viel genauer als es noch in Haus der Sonne der Fall war. Ihre Zeichnungen waren für mich immer etwas ungewöhnlich oder anders als der große Shoujo-Mainstream, aber sie hat sich hier auch nicht sonderlich angepasst. Natürlich kann ich auch nicht alle ihre Reihen abchecken, da ich nur diese Reihen hierzulande gelesen habe und die anderen Reihen auch bei einem anderen japanischen Verlag erschienen sind (alle hier erschienen Reihen kamen bei Kodansha raus, die anderen laufen bei Shougakugan). Was mir aber aufgefallen ist, kann man schon fast als normal betrachten: die Charaktere ähneln sich optisch sehr stark untereinander, was sowohl die weiblichen als auch die männlichen Charaktere betrifft. Nebencharaktere haben meist noch ein relativ individuelles Design, aber die wichtigen, männlichen Charaktere sehen sich leider doch sehr krass ähnlich. Bei den Mädels kommt es dann sehr auf die Frisur an, Mahiru und Mao ähnelten sich schon stark von den Gesichtern und der Haarfarbe, aber Nishiki hat heller Haare und lange Haare, meistens als Pferdeschwanz zusammengebunden. Vom Gesicht her ist es jetzt schwieriger zu betrachten, weil da der Zeichenstil eben etwas detailreicher geworden ist, aber so weit will ich jetzt auch nicht gehen das zu vergleichen. Mich stört es bei Shoujo-Manga aber gar nicht so sehr, wenn Charaktere sich mal bei einer Zeichnerin ähnlich sehen, solang es nicht zu ähnlich ist und die Persönlichkeiten der Charaktere wenigstens stark unterschiedlich. Wenn ich da zu einer gewissen Arina Tanemura schaue hat sie es mir vergleichsweise nicht immer so einfach gemacht, aber ich will hier auch gar nicht so nachtragend sein. Taamo geht ihren Weg – sowohl mit ihren Zeichnungen als auch mit ihren Geschichten und ich finde ihre Inhalte auch sehr unkritisch, bis auf die Tatsache das ich Zwangsverlobungen schon immer extrem blödsinnig fand.


Verlobt mit Atsumori-kun gefällt mir tatsächlich von Taamos Reihen am wenigsten, was aber nicht bedeutet das diese Reihe deswegen schlecht ist. Ich mag das Thema einfach nicht so gern und die Protagonistin ist mir nicht so sympathisch, aber es gibt sicher Shoujo-Leserinnen die das hier dennoch mögen. Ich kann mich nicht mal beschweren das diese Reihe gerusht wirkt, mit sechs Bänden hat man hier alles inhaltlich gebracht was für mich vorstellbar war und der letzte Band ist auch etwas dicker als die anderen Bände. Es ist für mich eher Meckern auf hohem Niveau, das ich hier unten genannte Wertung gebe, aber bei Shoujo-Mangaka mit mehreren Reihen ist halt immer mal eine dabei, die nicht so gut ist wie die anderen. Im direkten Vergleich ist diese hier halt schwächer, aber vielleicht gefällt das hier auch ganz neuen Shoujo-Lesern, wer weiß. Ich vermute, Fans von Taamo sind eher nüchtern zurückgelassen bei dieser Reihe, aber das kann sich je nach Thema im nächsten Manga wieder völlig ändern.


Bewertung: 6 von 10 Punkten

Verlag: Tokyopop – in sechs Bänden abgeschlossen

Ein Gedanke zu „Verlobt mit Atsumori-kun – Review

  1. „Leser die männliche Tsundere-Charaktere lieben, werden Atsumori als Charakter lieben.“
    Klingt gut aber ich gebe zu es ist nicht der beste Satz den du je geschrieben hast XD Ansonsten eine schöne Review, eine Liste/Bild von allen Werken von Taamo wäre noch okay gewesen, aber dazu gibts ja Google. Die Serie klingt okay, wobei mich immer dieser „Rivalen“ Trope stört: Eine Manga-Lovestory hat dann immer 1-2 Konkurrenten um die Helden die eh leer ausgehen, das nervt mich privat halt, aber das soll ja nicht für das Werk stehen

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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