Kakegurui Twin: eine echte Enttäuschung

Die Anime-Adaption zu Kakegurui Twin ist nun auf Netflix zu sehen und ich muss sagen – das was ich gesehen habe ist eine pure Enttäuschung. (Spoilergefahr)

Für einen sechs Folgen Anime lohnt sich aus meiner Sicht kein richtiges Review, deshalb rede ich einfach ganz frei darüber und erkläre alles so gut es geht. Kakegurui Twin ist ein Prequel zu Kakegurui, wobei ich mir ehrlich unsicher bin ob es vielleicht nicht doch in einer alternativen Timeline spielen könnte, aber Kakegurui selbst ist in dieser Serie noch nicht wirklich relevant. Die Manga-Vorlage ist mitterweile auch schon ein paar Bände länger und ist auch noch aktuell am laufen. Hier geht es thematisch um das was Mary ein Jahr vorher als Erstklässlerin erlebt hat, bevor Yumeko auf diese Schule kam. Es gibt einige neue Charaktere, einen etwas anderen Konflikt und eben nicht immer nur die zockverrückte Yumeko bei der man eigentlich weiß, dass sie gewinnen wird. Mary ist hier noch etwas menschlicher dargestellt, auch wenn sie hin und wieder genauso gemein daher redet wie dann später auch. Ich will aber gar nicht zu viel vorweg nehmen, man hat sich also vor einigen Monaten dazu entschieden dieses „Prequel“ zu adaptieren und nun ist es fertig. Sechs Folgen wurden am Stück veröffentlicht, so wie man es von Netflix meist auch kennt und naja … bei diesen sechs Folgen bleibt es auch erstmal. Es gibt keine Ankündigung für neue Folgen, es wurde zwar geschickt offen gelassen wie es weiter geht, aber mehr ist da aktuell nicht.

Twin wurde direkt als ONA veröffentlicht, was bedeutet, es ist als erstes nur online verfügbar ist und wird nicht im japanischen Fernsehen gezeigt. Ob eine ONA jetzt mehr Budget als eine TV-Serie hat lässt sich nicht ganz beantworten, bei Sailor Moon Crystal war es so, aber das Twin „schlechter“ aussieht kann auch an anderen Leuten liegen die hier dran hingen. Der Qualitätsunterschied ist nicht super extrem, aber man erkennt es halt doch und es auf sechs Folgen runterzukürzen war halt auch leider keine gute Idee. Bei Kakegurui war es mit den zwölf Folgen zum Beispiel so, das die letzten Folgen meist Anime-Original waren. Bei Twin hat man sich dazu entschieden das erste Spiel komplett zu skipppen und nur grob runterzurattern, während man ein paar ausgewählte Kapitel adaptiert, aber mindestens eins davon auch als Zweitteiler. Wenn man wenig Folgen zur Verfügung hat ist das schon extrem nachteilig und so ist es schwierig zu sagen ob man sich dann überhaupt auf kommendes freuen kann. Ich habe den Manga gelesen, ich weiß wie weit er noch gehen kann. Aber als Zuschauer der diese Reihe noch gar nicht kennt, wirkt das ganze zwar interessant (vor allem wenn man Kakegurui mit Yumeko eher weniger mochte), aber halt zu kurz um wirklich ein befriedigendes Ergebnis zu bekommen.

Ich habe zwischenzeitlich mal in den Bänden gecheckt wie viel man hier eigentlich inhaltlich umgesetzt hat – es sind insgesamt drei Bände. In Deutschland existieren derzeit zehn Bände, davon hätte man genauso gut auch noch drei Bände in weitere Episoden stecken können und dann meinetwegen wieder warten können. Genau das wird ja gefühlt auch mit der Hauptreihe gemacht, die auf dem aktuellen Status aber auch nicht viel weiter ist als zum Release von Staffel 2. Darum dreht sich dieser Artikel nicht, ich will ja noch weiter auf Twin eingehen. Mit MAry ist es zum Beispiel gelungen, sie menschlicher darzustellen, aber genauso auch ihre leicht bitchigen Züge zu zeigen. Die meisten neuen Charaktere sind dann eher so durchschnittlich bis in Ordnung. Tsuzura ist dieses total schüchterne Mädel, das am Anfang noch ein Haustier ist und durch Mary aus diesem Status rauskommt. Sie sieht Mary als Prinzen und ist irgendwie dieser blasse Sidekick, im Manga war sie aber auch noch nicht sonderlich nützlich, also ist sie glaubhaft umgesetzt. Das Trio komplettiert Yukimi, die ursprünglich ein Mitglied des Literaturclubs war, eine Brille trägt und auch … eher so mitgeschleift wird, beim Casino besitzen und dergleichen. Dann gibt es da noch die Leiterin des Diszplinarkomitees, die eine extreme Sadistin ist, ein Haustier mit sich schleppt und generell zu viel Fun hat. Sie wird im Manga gemeinsam mit ihrem Haustier nochmal interessanter, aber da der Anime sie nur ganz grob anschneidet, sehen die Zuschauer von ihrem Charakter eigentlich nur ein paar manipulative Dinge – mehr auch nicht. Wirklich interessant sind dann auch nur noch Aoi und Sakura, ersterer ist zwar ein interessanter männlicher Charakter, spielt aber eh ein komisches Spiel mit seiner Blütenklasse. Ja, ich seh ein das er den Schülerrat stürzen will, aber er ist dennoch nicht sympathisch. Und Sakura ist halt einfach seine Verlobte, die er wegschmeißt wenn er Bock hat, was man hier ja auch schon gesehen hat. Andere Charaktere aus Kakegurui sind weniger relevant, sei es der originale Schülerrat der auch agiert oder Midari, die hier noch kein Teil davon ist, aber auch nur einen kurzen Auftritt als „Casino-Troll“ hat.

Wie diese Serie so aussieht habe ich schon oben etwas beschrieben, am meisten wurmt mich aber das völlig runtergekürzte Opening was auch nur Hintergründe hat, ein bisschen BGM und das nicht mal lange. Verglichen ist das einfach nichts, wenn man sich die Openings der Hauptserie anschaut, die vor Kreativität nur so explodieren. Das Ending ist da zwar besser, aber es ist auch eher bunt, hat einen Idol-Song der eigentlich nicht mal wirklich passt und klingt eher nur so halb ok. Die Enttäuschung hört hier also nicht auf. Bei den japanischen Sprechern hört man das übliche, Mary ist ja immer noch gleich besetzt sowie alle anderen wiederkehrenden Rollen auch. Bei den neuen Sprechern glänzt tatsächlich das Haustier von Sachiko sehr – Sado (was sehr ironisch ist, sie ist total Maso aber heißt Sado) wird von Aoi Koga gesprochen, die man ja auch als Kaguya-sama kennt. Sie bringt perfekt das sowohl emotionslose als auch sarkastische dieser Rolle sehr gut hervor, ich mag das sehr. Da wir sogar eine Folge auf Deutsch geschaut haben, weil die Netflix-Untertitel echt kotze waren und wir mal eine Folge Pause braucht, kann ich dazu auch kurz was sagen. Ich will hier keinen Sprecher angreifen, aber ich frage mich ernsthaft wer dieses Casting teils so durchgewunken hat. Gut, ich habe Kakegurui schon nicht auf Deutsch geschaut, aber Mary klingt ziemlich falsch besetzt, manche Szenen bringt sie zwar gut rüber – aber konstant ist die Leistung leider nicht. Die ganzen neuen Charaktere klingen in Ordnung, aber gerade als ich Runa gehört habe dachte ich fast, meine Ohren bluten gleich. Sie klingt auf japanisch auch nicht „schön“, aber es verursacht bei mir zumindest keine Schmerzen. Tut mir an der Stelle nicht leid, ich bin ehrlich. Ich bin froh, in dem Falle die deutschen Synchronisation hier nicht schauen zu müssen.


Ob es mit Twin weitergeht, bleibt abzuwarten. Ein wenig mehr Mühe für ein Spin-Off, das mittlerweile fast genauso lang wie die Hauptreihe ist, wäre dennoch schön gewesen. Ich weiß, Studio Mappa ist absolut überarbeitet, nimmt zu viele Projekte an und hat generell viele Probleme. Aber dann wäre ein TV-Format eben doch besser gewesen, wenn man mich fragt. Sollten sie Twin in dieser Form wirklich fortführen, wäre das zwar etwas mühsam, aber vielleicht würde eine „zweite“ Staffel auch mehr Folgen bekommen. So ein Format hätte vielleicht für das Spin Off mit Midari Sinn gemacht (was ich übrigens nicht gelesen habe), aber nicht für Twin das eben schon bald Kakegurui einholen könnte. Wer Kakegurui wirklich sehr mag, wird vermutlich viel Begeisterung auch finden, aber sicher dennoch enttäuscht werden. Die Prämise ist extrem interessant, wird aber durch so ein Format sehr im Keim erstickt. Schade.

Ein Gedanke zu „Kakegurui Twin: eine echte Enttäuschung

  1. Was haben denn Kakegurui immer mit den Yuri-Vibes? Hier auch? Etwas störend, aber vielleicht ist das ein Fetisch der/des Mangaka. Ich kenne nur Kakegurui und fand die deutsche Synchro eigentlich ok (wenn auch nicht überragend) aber wichtig: Yumeko gewann in der Serie nicht immer, das denke ich ist doch nochmal zu erwähnen, denn das mochte ich immer, und sie kümmerte es auch nicht direkt ob sie gewann, der Nervenkitzel war für sie ja immer viel wichtiger. Dennoch kann ich mit Prequels wenig anfangen und Mary interessiert mich offen gesagt als Figur so garnicht, da ist Yumeko mir interessanter, danker aber für die Review ^^

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