Lady Oscar – Review

Willkommen zum Review des vermutlich ältesten Anime, den ich bisher reviewt habe.

Als Lady Oscar in Japan erschien, sind die meisten Leute die das hier lesen vermutlich noch nicht mal geboren worden. 1979 ist schon eine Weile her, ich werde dieses Review also nicht so aufbauen wie sonst, sondern einfach frei erzählen, versuche aber dennoch eine gewisse Struktur drinzubehalten. Das erste Mal im deutschen Fernsehen lief Lady Oscar übrigens im März 1995, wurde dann 1996 und 1997 wiederholt, lief aber laut den Angaben die ich gefunden habe nicht nochmal. Ich selbst war im März 1995 aber noch zu beschäftigt noch nicht am Leben zu sein, weil ich erst im Juli auf die Welt kam – aber ich hab die Serie jetzt nachholen können und hab mit 27 vielleicht nochmal einen anderen Blick auf das ganze als ein Kind. Ich werde hier ohne Ende spoilern, die Serie ist 43 Jahre alt, da gibt es aus meiner Sicht auch keinen Grund zu heulen.

„Lady Oscar“ erzählt die Geschichte des Mädchen Oscar Francois de Jarjayes. Als sechste Tochter eines angesehen Generals, wird sie als Junge erzogen um später einmal in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Andre, der als Dienstjunge für Oscars Vater arbeitet, ist ihr Freund, Vertrauter und Begleiter in allen Gefahren. Mit 14 Jahren tritt sie in den Dienst der Armee ein und erhält den Auftrag die zukünftige Königin von Frankreich, Marie-Antoinette von Österreich zu geleiten. Oscar kann die junge Prinzessin knapp vor einem Anschlag bewahren und wird zu ihrer Freundin und Leibwächterin. Doch im Inneren kämpft Oscar mit sich selber, ist es richtig weiter den Befehlen ihres Vaters zu folgen oder ihrem eigenem Herzen? Im französischen Volk brodelt es. Eine Revolution droht auszubrechen und die Stunde der Entscheidung naht. (Inhaltsbeschreibung von fernsehserien.de)

Ich glaube, viel mehr muss ich dazu nicht sagen. Mein Geschichtsunterricht beinhaltete tatsächlich nicht die französische Revolution, ein bisschen Allgemeinwissen hatte ich aber dennoch und von Königin Marie Antoinette hat man zumindest irgendwo mal gehört. Die ersten Folgen ziehen sich ein bisschen, weil man scheinbar versucht hat Marie Antoinette zur Protagonistin zu machen. So richtig hat das aber nicht funktioniert, auch wenn der Versuch relativ stark da war. Natürlich ist sie nicht unwichtig und immer ein wichtiger Charakter, aber Oscar übernimmt eigentlich recht schnell den Mittelpunkt der Serie. Neben all den Festlichkeiten, Konflikten im Königshause und immer mal neuen Charakteren bekommen wir dann mit wie schlecht es den Bürgern in Frankreich geht. Der Anime scheut sich nicht davor Mord und verderben zu zeigen, was aber bei weitem noch nicht so extrem realistisch dargestellt ist wie heutzutage. Es war einfach eine andere Zeit, aber ich bin erstaunt das so etwas ohne Probleme in einem Shoujo-Magazin laufen konnte. Liegt vermutlich auch sehr am zeitlichen, weswegen es vielleicht erlaubt war, es ist letztlich ja doch irgendwo Geschichte. Die meisten Figuren haben auch historische Vorbilder und haben wirklich existiert, was ich doch sehr gut gemacht empfinde. Extrem mitgefühlt habe ich nie, also das ich hätte weinen müssen, aber gerade die Charakterisierung von Oscar ist extrem gut dargestellt. Wenn man es genau nimmt, spoilert das deutsche Opening so ziemlich den gesamten Plot, was mir dann erst später aufgefallen ist. Zur deutschen Vertonung komme ich später aber noch, ich will erstmal inhaltich alles durch haben.

Völlig perfekt fand ich die Serie inhaltlich auch nicht immer, es sind halt hier und da etwas offensichtliche Filler drin, die aber auch für die ganzen Nebencharaktere nötig sind – es sind also keine völlig unnötigen Filler. Als Oscar dann aber bei der Söldner-Gruppe ist schwächelt die Serie für mich etwas, die Folgen fand ich nicht so gut, einfach weil mir das Wort „Mannsweib“ nicht gefällt und wie da der Umgangston der Soldaten war. Ich verstehe ja auch warum das so sein sollte, aber puh, es war anstrengend. Auch das sich Oscars Vater dann später doch nochmal umentscheidet Oscar lieber eine Frau sein zu lassen, sie zu verheiraten und dergleichen, kam mir doch etwas … dämlich vor. Braucht man echt so lang als Eltern zu begreifen, das man einen Fehler gemacht hat? Oscars Mutter war so eine liebe, aber ihren Vater hab ich wirklich nicht leiden können. Null Sympathie, da war selbst die Geliebte vom König am Anfang sympathischer als er und die war durchtrieben wie sonst was. Der Nebenplot mit Rosalie und ihrer Schwester Jeanne konnte sich prinzipiell sehen lassen, allerdings hatte ich ab einem gewissen Punkt das Gefühl das man Rosalie kurz nach dem Plot mit ihrer richtigen Mutter völlig vergessen hat und dann bemerkt hat – halt, scheiße, die existiert ja auch noch. Für mich war auch Jeannes Motivation, endlich nicht mehr arm zu sein, verständlich – aber das ging halt alles komplett schief und am Ende hat sie die Suizid-Route genommen. Gerade was dieses Thema angeht nimmt sich die Serie nicht zurück, das kann schon mal hart werden, aber es ist durchaus realitisch. Die männlichen Charaktere dagegen sind ein bisschen wie eine Wundertüte – Andre ist grundsätzlich in Ordnung, wenn man die versuchte Vergewaltigung ignoriert, aber der norwegische Graf Hans Axel von Fersen ist so ein typischer Schönling der halt grundsätzlich nur für Liebesdrama da ist und der eigentliche Ehemann von Marie Antoinette hat nicht mal wirklich Bock König zu sein, man vergisst teils wirklich das er existiert. Ich hab mich an einem bestimmten Punkt gefragt, wie Marie Antoinette irgendwann wirklich mit ihm Kinder gehabt hat, wenn sie eigentlich diese Affaire am Laufen hatte. Historisch hatte sie soweit ich weiß vier Kinder, auch wenn nur eins wirklich lang gelebt hat. Hier sieht man soweit ich weiß zwei, maximal drei.

Auf Marie Antoinette wollte ich aber noch mal gesondert eingehen, ich verstehe absolut warum sie damals so problematisch war. Am Anfang ist sie noch so jung und kindlich, aber eigentlich ist sie nur an ihrem eigenen Vergnügen interessiert – wirklich sympathisch war sie wirklich selten. Marie Antoinette wie sie in Fate/Grand Order dargestellt wurde ist auf einmal richtig, richtig sympathisch (ja, ich FGO einmal erwähnt, das muss sein). Gefühlt ist sie auch ziemlich langsam gealtert, wobei das mit den Zeitsprüngen vielleicht auch etwas langsam wirken kann und gar nicht so extrem ist. Ich hätte tatsächlich lieber mehr Zeit mit der älteren Marie Antoinette gehabt als mit der so jungen Version von ihr, sie war auch so verdammt einfach beeinflussbar. So viele Intrigen in einem eigentlich Shoujo orientierten Werk ist etwas viel, aber das war eben so – ich kann mich hier jetzt nicht mal besonders beschweren. Am Ende hat mich die Serie aber doch überrascht – mir war klar, das wir Oscar sterben sehen würden, aber nicht vor Marie Antoinette. Auch ein bisschen als Frau glücklich sein war halt zu schön, das war ihr nicht gegönnt. Tut der Serie aber nicht weh, ich werde gern überrascht.

Die deutsche Umsetzung, darauf wollte ich noch zurück. Eine so alte Serie schaue ich nicht untertitelt, wenn ich die Möglichkeit auf eine Synchronisation habe. Auch die Anime-Syncros in den 90ern waren anders als heute, aber hier gibt es viel gutes zu berichten. Klar, die Aussprache mancher Namen ist wirklich nicht einfach, aber alle Sprecher wirkten immer sehr motiviert und gut besetzt. Oscars Sprecherin macht ihren Job extrem gut, bei Schmerzen klingt sie zwar oft nicht unbedingt danach das sie verletzt wird, sondern eher etwas zu sehr stöhnt – aber das ist vielleicht auch nicht so einfach darstellbar, war natürlich auch nicht immer so. Einzig und allein Marie Antoinette fand ich etwas … langweilig. Sie hatte eine gute Besetzung, aber die Sprecherin spricht die Rolle wirklich immer sehr gleich. Gerade als sie dann älter war hätte ich mir gewünscht, sie hätte ihre Stimme noch etwas erwachsener verstellt. Bei Rosalies Schwester Jeanne hat man das zum Beispiel sehr gut hören können, sie klang als sie älter war fast wie eine andere Sprecherin (oder vielleicht war es auch eine andere, aber laut der Besetzungsliste die ich gesehen habe, ist es dieselbe Sprecherin). Bei den Herren kann ich mich auch nicht wirklich beschweren, aber eine Sache fand ich doch etwas doof. Ja, das Opening ist schon etwas ikonisch, aber ich find es eigentlich nicht besonders gut. Grad die Stelle mit dem „wie ein Mann kann sie fighten“ lässt mich sehr hart cringen, ja es reimt sich mit der nächsten Zeile, aber das hat schon etwas gewurmt. Vor allem das ganze dann nochmal im Abspann hören zu müssen war dann doch nervig.

Am Aussehen der Serie werde ich aber nicht rumkritisieren, keine Sorge. Eine so alte Serie ist nicht vergleichbar mit den Serien heute und deswegen werde ich dazu nun wirklich kein Wort verlieren. Für das was es war, ist es nicht schlecht und ich hab auch bei weitem nicht genug Serien aus der Zeit gesehen um das vergleichen zu können. Es gefällt mir optisch aber auf jeden Fall mehr als Mila Superstar, aber auch da sind wieder zehn Jahre Unterschied.


Wenn man geschichtlich nicht absolut desinteressiert ist oder das ganze Thema eh nicht in der Schule hatte, kann man sich Lady Oscar durchaus geben. Mit 40 Folgen geht es für mich auch als angenehme Länge durch, es war definitiv die Zeit wert. Klar, perfekt ist dieser Anime für mich nicht, aber Oscar ist ziemlich gut dargestellt und Marie Antoinette ist mir auch nicht krampfhaft zu „lieb, schön und unschuldig“ dargestellt. Solltet ihr also auch damals zu jung gewesen sein oder vielleicht auch noch nicht existiert haben, dann ist auf jeden Fall dennoch die Zeit diesen Anime noch nachzuholen. Ich finde es sogar schon fast schade, dass Toei nicht doch noch einen neuen Anime hierzu produziert hat. Es war wohl mal irgendwas geplant, aber abgebrochene Projekte hat Toei halt viele. Auf jeden Fall einer der besseren Anime, die Mitte der 90er auf RTL2 gelaufen sind.

Bewertung

7 von 10 Punkten

3 Gedanken zu „Lady Oscar – Review

  1. Ich liebe das Intro, aber ja „fighten“ war natürlich ein grausiger Reim XD Die Spanier sagen ja immer noch sie haben das beste Intro (melodisch dasselbe, die deutschen haben nur den Text geändert) Eine schöne Review, bitte schau mal DIE SCHATZINSEL, das war MEIN Liebling aus der zeitära XD

    Ich erinnere mich nicht mehr an viel, aber es gab schon denkwürdige Szenen: Oscars Pistolenduell gegen einen fiesen Adeligen der sie mit Sonnenlicht blenden will, doer auch Rosalie die scheu den (vermeindlichen) Oscar fragt ob er sie für eine nacht kaufe… und Oscar loslacht XD Ich mochte die Serie, und ich viele Figuren außer Oscar haben ja auch existiert, wie nah alle der historie sind darüber wird man sich natürlich ewig streiten, doch der Anime hat schon seine 7 Punkte verdient, da bin ich bei dir

  2. Haha hatte damals als Jugendlicher Lady Oscar auch geschaut. Die Serie ist genauso alt wie ich.Konnte sogar die Titelmusik singen 😂 . Aber der größte Zufall ist, ich hatte gestern noch die erste Folge geschaut, einfach so mal 😅👍..Ein anderer geiler Anime-Film aus dem Jahr ’79 ist übrigens Taro ,der Drachenjunge

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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