Bibi & Miyu – Review

Der Versuch, eine deutsche Zeichentrickfilmfigur in einen Manga zu platzieren ist … seltsam und mit viel Mühe verbunden.

Die dreibändige Reihe Bibi & Miyu ist eine Zusammenarbeit zwischen Tokyopop und Kiddinx, die sich die japanische Zeichnerin Hirara Natsume nach Deutschland geholt haben um einen hübsch gezeichneten Manga zu bekommen. Sie hat unter anderem schon für den japanischen Verlag Shueisha Shoujo-Manga gezeichnet und hat durchaus Erfahrungen im Manga zeichnen. Die Story schrieb hier Olivia Vieweg und diesen Manga entstehen zu lassen war eine ziemlich große Arbeit und ich werde während des Reviews noch erklären, warum dieser Manga ziemlich aufwendig zu produzieren war. Ich selbst habe als Kind die ein oder andere Bibi Blocksberg Kassette während dem Playstation spielen abspielen lassen, hatte damals die ein oder andere VHS-Kassette der Serie und mag heute tatsächlich noch die Live Action-Filme. Sicherlich bin ich auch kein Mega-Fan und auch nicht unbedingt die Zielgruppe dieser Reihe, aber … irgendwie wirkte das hier interessant und ich musste es mir mal ansehen.

Bibi Blocksberg in Manga-Form! Bibi streitet sich eines Tages am frühen Morgen mit ihrem Vater Bernard und bekommt natürlich ein Hexverbot aufgedrückt. In der Schule angekommen, lernt sie eine neue Mitschülerin kennen. Miyu kommt aus Japan und freundet sich schnell mit allen anderen Mitschülern an. Aber was ist mit Bibi? Miyu verbirgt ein Geheimnis, weshalb sie sich Bibi nicht annähert! Das kann Bibi nicht auf sich sitzen lassen! Sie geht der Sache auf den Grund. Ihre Reise führt sie direkt nach Japan – ein aufregendes Land mit neuen Regeln und Zauberwesen. Schnell wird klar: Bibi und Miyu können beste Freundinnen werden!

Klingt unglaublich tiefgründig, oder? Es ist halt Bibi Blocksberg, da darf man nicht zu viel erwarten.

Miyu jagt im Grunde eigentlich Yokai und Bibi hilft ihr dann im Laufe der Reihe dabei. Soweit ich mich erinnern kann, ist Bibi auch eigentlich nicht direkt in Japan gelandet, aber die Handlung verlagert sich sehr schnell dahin. In Band 1 werden sie gute Freunde, in Band 2 sind die beiden dann an einer japanischen Schule und in Band 3 fahren sie auf eine Klassenreise nach Okinawa. Das ganze läuft recht unbeschwert und einfach, ohne Überraschungen und ist für den anspruchsvollen Manga-Leser rein inhaltlich ziemlich langweilig. Die Wartezeit für die Bände war natürlich auch sehr lang, Band 1 erschien 2019, Band 2 dann 2020 und der letzte dann diesen Sommer 2022. Was man tatsächlich loben kann ist, wie Miyu in Deutschland ankommt und erstmal auf unsere „Kultur“ klar kommen muss, aber ansonsten ist vieles hier und da sehr fragwürdig. Ich weiß, Bibi ist eine Hexe und ihre Eltern vertrauen ihr – aber ein 13 bis 14-jähriges Kind allein nach Japan gehen zu lassen find ich dann doch etwas schwierig. Es existiert halt kein genaues Ziel, erst dachte ich die Mädels müssen einen bestimmten Yokai fangen oder irgendwas hinbekommen – aber die Reihe endet auch nur damit, wie sie einen kleinen Yokai auf der Insel treffen und dann darüber fasseln „wie toll diese Reise war und das sie für immer Freunde sein werden“. Dieses Ende fühlt sich einfach nach nichts an, das ist irgendwie kein richtiges Ende. Natürlich heißt das nicht, dass man die Reihe nicht auf Zwang weiterführen hätte müssen, aber … wenigstens ein richtiges Problem oder Ziel, einfach ein echtes Ende wäre gut gewesen.

Die Zeichnungen sind aber sehr nett anzusehen und vermutlich sind es auch die, wegen dem man den Manga eigentlich kauft. An Bibis Design durfte nicht wirklich viel verändert werden, außer das sie mal eine Schuluniform anhat. Es ist halt optisch ein ganz normaler Shoujo-Manga mit ein bisschen Magie, gehext wird im letzten Band aber tatsächlich fast gar nicht. Die Kapitelbilder waren immer schön, die Cover sind ganz nett und na ja … es sieht halt in Ordnung aus. Einer japanischen Zeichnerin aber deutschen Text einfach vorzusetzen funktioniert jedoch nicht, das musste erst für sie übersetzt werden. Dann gab es am Anfang die Designs, das muss von Kiddinx abgesegnet werden, wenn es abgelehnt wird müssen die Anweisungen an Natsume übersetzt werden und so geht das hin und her. Allein wegen diesem sehr aufwendigen Prozess kann ich mir vorstellen, dass sie die Bände von Anfang an begrenzt haben um das nicht zu sehr in die Länge zu ziehen. Ob Tokyopop sich das so vorgestellt hat, keine Ahnung, aber solche Versuche mit Japanern zusammenzuarbeiten wird es wohl aus diesen aufwendigen Übersetzergründen wahrscheinlich nicht nochmal geben. Mit deutschen Mangaka zu arbeiten ist wahrscheinlich einfacher, als so eine Sache zu machen – oder man übersetzt einfach weiterhin japanische Reihen ins Deutsche, also macht alles genau wie immer.

Wie zufrieden wahre Bibi Blocksberg-Fans mit dieser Reihe sind weiß ich nicht, aber es wird wahrscheinlich einen ähnlichen „Meh“-Effekt hinterlassen, wie bei mir. Wenn man allerdings nicht viel erwartet, kann man aber sicher nicht enttäuscht werden. Ich hab jetzt echt überlegt, wie ich zu dieser Reihe noch etwas besonderes schreibe, aber es ist halt okay für seine drei Bände. Hätte länger sein können, aber vermutlich nicht so lang das es zweistellig wird.


Sehr junge Manga-Fans werden wahrscheinlich den meisten Spaß mit dieser Reihe haben. Leute die süße Zeichnungen gern haben werden hier optisch Spaß haben, aber ich kann verstehen das ich weder besondere Kritik zu der Reihe im Netz lese, noch besonders positive Worte. Die Reihe ist so ziemlich der unproblematischste Manga für Kinder den man kaufen kann, würde ich sagen. Man hätte rein inhaltlich noch viel mehr daraus machen können, aber ich will hier mal nicht so hart sein und auch keine wirkliche Bewertung hier drunter posten. In meine 1-10 Bewertung passt es irgendwie nicht rein und auch in eine typische 5-Stern Bewertung passt es auch nicht so richtig. Als Lernmaterial, wie es in Japan ist, kann man das ganze halt auch nicht sehen – was es hätte auch sein können, so das Kinder etwas über Japan lernen können. Mir würden wahrscheinlich noch ein paar andere Ideen einfallen, wie man diesen Manga besser machen könnte, aber das hier ist eben das was man über Anime- und Manga gern behauptet – Kinderkram. Und das so pädagogisch „wertvoll und unproblematisch wie möglich. Ohne die Zeichnungen hätte ich es vermutlich nicht so weitergekauft, Bibi in Japan klingt wie eine lustige Idee – aber letztlich ist es eher ein netter Versuch eine Zusammenarbeit mit einer japanischen Zeichnerin möglich zu machen, was aber doch einfach zu viel Arbeit ist um es auf längere Dauer durchziehen.

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2 Gedanken zu „Bibi & Miyu – Review

  1. Sehr interessant, und ja: Es ist schon weird ABER auch interessant „Bibi in Japan“ zu sehen, was kommt als nächstes Chainsaw Man meets Benjamin Blümchen? XD Verstehe aber nicht wieso man nicht einfach eine deutsche Zeichnerin gefragt hätte, ist vielleicht eine Frage der Zeit? Eine deutsche Mangaka kann sich wohl nicht mal eben 3 Jahre rein auf einen Manga konzentrieren. Schade das man nicht auch mehr daraus gemacht hat, klar kenne selbst ich als Kerl einige Bibi Hörspielkasetten, aber wenn sie nichtmal Hext, wozu dann der Manga?

    Wohl eher was für die „Bibi-Stammkundschaft“

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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