Angels of Death – Review

Die blonde Dame ist Rachel, der Herr mit der Sense ist Zack, links neben ihm ist Psychologe Daniel, der Typ ohne Augen ist der Pfarrer, die Dame rechts ist Cathy und darunter das ist Eddie.

Manchmal sagt der Titel gar nicht so viel über den Anime aus, Angels of Death ist aber auch wirklich … ein seltsam generischer Titel, irgendwie.

Eigentlich hätte ich diesen Anime schon 2018 mit Shima geschaut, als er damals im Sommer lief. Allerdings habe ich damals gemeint, keinen Bock zu haben – warum auch immer. Eigentlich lief damals nicht mal etwas für mich sonderlich gut ersichtliches, Titel wie Happy Sugar Life habe ich eh erst Ende 2018 gesehen und überhaupt, ich verstehe eigentlich nicht, warum wir diesen Anime nicht damals schon gesehen habe. Letztlich bin ich über diesen Titel gestolpert, als ich im MAL-Eintrag von Masaaki Endoh war, der hier ein sehr cooles Opening liefert. Leonine Anime hat den Anime auch vor fast zwei Jahren lizenziert, also hab ich dieses Mal sogar drauf verzichtet mit Subs zu schauen. Schließlich wird ein Opening heutzutage kaum mehr eingedeutscht und die japanischen Sprecher kannte ich fast alle sowieso nicht. Also mal nicht so tragisch, ne? Die Serie basiert soweit ich weiß auf einem Spiel, das dann danach als Manga und später als Anime adaptiert wurde. Milde Spoilerwarnung an der Stelle. 


Story


Die 13-jährige Rachel Gardner erwacht ohne jede Erinnerung in einem unterirdischen Gebäudekomplex. Bereits nach kürzester Zeit wird sie von einem mysteriösen Jungen attackiert, dem sie gerade noch entkommen kann. Als sie kurz darauf von einem Arzt angegriffen wird, eilt ihr der Junge plötzlich zu Hilfe und tötet den Angreifer. Der am ganzen Körper in Verbände gehüllte Junge nennt sich Zack und entpuppt sich als mordlüsterner Killer, der mit seiner Sense jeden umbringt, der ihm über den Weg läuft. Nur Rachel scheint nicht seinem Muster zu entsprechen, weshalb die beiden sich dazu entscheiden, gemeinsam aus dem Gebäude zu fliehen und sich dabei gegenseitig zu helfen. Eigentlich ist es nämlich Rachels Wunsch, tatsächlich zu sterben, und Zack soll derjenige sein, der sie umbringt, sobald sie zusammen dem Albtraum entronnen sind. Stockwerk um Stockwerk führt der Weg nach oben, doch auf jeder Etage warten neue Gefahren auf Rachel und Zack…

Wenn man die Serie anfängt und die ersten Folgen vor sich hat, stellen sich erstmal mehr Fragen als das man Antworten bekommt. Das Rachel auch keine Erinnerungen hat ist merkwürdig, aber es ist nicht so ein krass langweiliger Amnesie-Plot, da sie sich immer wieder an ein paar Sachen mehr erinnert. Keine der Figuren in dieser Serie ist wirklich „normal“, eigentlich hat hier jeder mindestens einen Knacks weg, eine tragische Backstory (wenn beleuchtet) und verfolgt meist seine eigenen Interessen. Was das ganze mit Engeln zu tun hat ist einfach – das kommt eigentlich erst wesentlich später durch diesen Pfarrer-Charakter, der meist von Opfern, Engeln und Göttern spricht, was im Grunde aber eigentlich ziemlich egal ist (wenn man mich fragt). Bis auf Therapeut Daniel (der in der Beschreibung eher ein Arzt genannt wird), sterben sämtliche Gegner meist auch wenn man sie tötet, aber es gab zum Beispiel auch Folgen, in denen Rachel dann in Illusionen trotzdem verstorbene Gegner wiedersieht, da der Pfarrer sie auch mal als „Hexe“ verurteilen wollte, was aber nicht so gut funktioniert hat. Auch hat Rachel im Laufe der Serie einen Schwur mit Zack gemacht, der ja mit einer Sense rumläuft und sie auch ursprünglich töten wollte. Der Schwur besagt, das er sie töten soll sobald alles vorbei ist und sie aus dem Gebäude raus sind, was zugegeben manchmal eher irritierend war. Sie hat ihn immer wieder darum gebeten, getötet zu werden und meistens hatte Zack noch nicht mal richtige Lust darauf, aber gut – hätte er sie schon bei Folge 6 getötet, wäre der Inhalt der Serie auch eher dahin gewesen. Der Grabwächterjunge Eddie wollte zum Beispiel für Rachel ein Grab fertig machen, aber selbst das durfte er nicht durchziehen, weil Zack darauf keine Lust hatte. Die sadistische Cathy mit ihren Prüfungen war da schon interessanter und auch Rachel hatte da mal die Chance zu zeigen, dass sie nicht nur ein leer wirkendes Mädel ist, sondern das auch sie fähig ist gegen ihre Gegner vorzugehen. Jede Etage hatte so sein eigenes, die letzte war zum Beispiel aber noch etwas spezieller, weil dort einfach Rachels komplettes Haus nachgestellt war. Mit tragischen Hintergrundgeschichten geizt die Story nämlich nicht, erst dachte ich die letzten vier Folgen seien zu heftig um im Fernsehen gezeigt zu werden, aber ich hab mich geirrt. Vermutlich haben gab es einfach keine Sendeplätze für die letzten 4 Folgen, so liefen die ersten 12 im Fernsehen und der Rest war dann Web-only. Auf den deutschen DVD’s merkt man aber eh nicht viel davon und selbst MyAnimelist fasst die Serie mit 16 Folgen zusammen.

Ich habe mich sehr unterhalten gefühlt, gerade Zack war neben der so leblos wirkenden Rachel sehr unterhaltsam, ob er nun geflucht hat oder einfach witzig war. Wirklich gestört hat mich nur, als er in der zweiten Hälfte mal ordentlich verletzt war und dann penetrant rumlag und Blut verloren hat. Klar, wenn man blutet, verliert man logischerweise Blut. Aber so viel Blut wie er verloren hat, ist in meinen Augen dann doch nicht mehr realistisch. Auch so oft wie Daniel doch noch überlebt hat war seltsam, aber die Blutverlust-Geschichte war teils doch etwas … na ja. Ironischerweise sagt Zack dann am Ende, als Rachel in der letzten Folge angeschossen wurde nur sowas wie „so viel Blut kann ein Mensch doch gar nicht verlieren“ und ich habe dann doch etwas mit dem Kopf geschüttelt, gedacht: „JA, GERADE DU MUSST DAS SAGEN, ODER?!“ Die zweite Hälfte konnte eben sehr wirr sein und das Ende war recht offen gehalten, so dass der Zuschauer sich tatsächlich denken soll wie es ausgegangen ist – aber auf eine interessante Weise, nicht so offen das es nervt.


Charaktere


Aus meiner Sicht lebt Satsuriko no Tenshi sehr von seinen Hauptcharakteren und das sind nun mal Rachel und Issac (Zack). Wenn man nicht wenigsten einen von beiden irgendwie leiden kann oder halbwegs sympathisch findet, wird man eine schwierige Zeit mit dieser Serie haben. Für mich waren beide recht interessant, sowohl als Charaktere als auch mit ihren Hintergrundgeschichten. Der Anime nahm sich erst die Zeit um auf Zack einzugehen, der als Kind von seinem Stiefvater angezündet wurde, dann später im Kinderheim gelandet ist und dann dort tote Kinder unter der Erde verbuddeln sollte, weil die Leute vom Heim anscheinend penetrant Kinder sterben ließen. Zack hat dann irgendwann im Fernsehen gesehen, dass da ein Mann Leute umbringt und hat dann die Leute vom Heim umgebracht, ist geflohen und hat dann lange Zeit gemordet, obwohl er teils sogar nette Leute traf die ihm helfen wollten. Er hasst es wenn Leute blöd lachen, wenn sie lügen und das lesen hat er auch nie gelernt, während er in der Serie tatsächlich schon zwanzig ist. Sprachlich kommt auch eher Gefluchte von ihm, man muss ihm die simpelsten Dinge erklären wenn er was nicht versteht, aber sein Überlebenssinn ist wirklich der Wahnsinn. Wenn es zu Problemlösungen kommt, muss dann tatsächlich Rachel eingreifen, zu der sich der Anime sehr lang Zeit gibt wirklich auf sie einzugehen. Sie zeigt kaum Emotionen, versteht andere wirklich kaum bis gar nicht und hat einen ziemlich festen Glauben an Gott, bis zu einem bestimmten Punkt. Ihre Hintergrundgeschichte, die später beleuchtet wird, ist auch recht extrem. Ihr Vater brachte ihre Mutter um, weil dieser ein ziemlicher Alkoholiker war und machte diese auch dafür verantwortlich das Rachel so seltsam im Kopf ist. Eigentlich wollte Rachel an diesem Tag ihre Eltern fragen, ob sie einen Hundewelpen haben darf, aber stattdessen hat sie sich eher in Notwehr dafür entscheiden müssen ihren Vater umzubringen und hat die Leichen dann … etwas krank auf der Couch zusammengenäht und sich die perfekte Familie gemacht. Tatsächlich wird das über die Serie immer ein wenig kurz gezeigt, aber meistens ist es nur der Vater, bevor es dann gegen Ende der Serie richtig beleuchtet wird. Alles in allem sind weder Zack noch Rachel wirklich gewöhnliche Jugendliche, aber zusammen funktionieren sie überraschend gut. Ich würde zwischen ihnen aber nichts romantisches, sondern eher eine ziemlich enge Freundschaft sehen. Vermutlich kann Rachel auch gar nicht lieben, so wie ich sie einschätze. Es klingt komisch, aber irgendwie wirkt sie in ihrer Art einfach auch nicht so, dass sie lieben könnte.

Die anderen Charaktere sind dann eher so eine Mischung aus okay und na ja. Dr. Daniel Dickens (ja, so heißt der wirklich) ist so ein tragischer Psychologe der ja „nur das beste“ für Rachel will, während er ihr eigentlich nur die Augen aushöhlen will, weil … seine Mama ja auch so schön blaue Augen hatte und er mit nur einem Auge auf die Welt kam. Ich konnte ihn erst Recht nicht ernst nehmen, da er sogar den selben Sprecher wie der Arzt aus Higurashi hatte (habs mit Shima nochmal auf Deutsch gerewatched) und … boar, der Kerl war einfach so krank. Ihn zweimal zu töten hat nicht gereicht, na ja. Eddie war halt nur eine Folge präsent, mit der Maske witzig, aber das wars auch schon. Sadistin Cathy war dann wenigstens irgendwie durch ihre Fallen und Aufgaben interessant, wie zum Beispiel der Elektrostuhl und das Giftgas, aber auch sie war dann eigentlich schnell erledigt. Der Pfarrer Gray war allerdings die wirklich langweiligste Figur ever, im Grunde hat er wirklich nicht viel gemacht außer der Gerichts-Hexen-Sache – selbst Kotomine in Fate war aktiver als der, so eine langweilige Figur.


Zeichungen & Animationen


Bei sechs Charakteren, die wirklich relevant sind, hat man sich zumindest Mühe gegeben unterschiedliche Charaktere zu designen. Ansonsten ist es sehr interessant, das man Rachel in verschiedenen Szenen teilsweise mal komplett anders zeichnet, aber das ist vielleicht auch dem Horror/Psychological-Genre geschuldet. J.C. Staff zeigt hier mal wieder das, was ich von ihnen ziemlich gut kenne – die erste Folge sieht sehr gut aus und dann schwanken die Episoden auch mal unterschiedlich stark, aber nie zu extrem das einem schon die Augen bluten. Die Hintergründe mit dem blauen Mond waren sehr schön und auch viele dunkle Hintergründe wurden sehr gut umgesetzt. Sicher keine total künstlerisch umgesetzte Serie, aber da wo es ging, wurde schon etwas Mühe reingesteckt. Aber gut, mit kleinen, blonden Mädels fährt man eine Serie oftmals ganz gut vor, dann noch einer in Bandagen und ein paar Gegnercharaktere so drauf – viel falsch machen kann man da nicht, wenn die ursprünglichen Charaktere aus dem Spiel nicht zu blöd aussahen.


Musik & Synchronisation


Die Musik macht bei dem Titel hier schon viel aus, ein Opening von Masaaki Endoh kriegt man heutzutage nicht mehr so oft. Ich mein, der Kerl kann in manchen Songs bis zu 30 Sekunden schreien und einen Ton genau halten, es wäre nur daneben gewesen wenn er eine Ballade hierbei gesteuert hätte. Vital hat eher so einen trash-rockigen Unterton, der das etwas edgy wirken lässt, aber ich mag das. Ja, vielleicht hab ich den Anime ursprünglich mal nur wegen ihm angeschaut, aber … er macht so selten Openings zu Serien die ich wirklich sehen will, lasst mich! Das Ending wird von der japanischen Rachel-Sprecherin gesungen, das auch inhaltlich sehr an den Anime angepasst ist und eher ruhig ist – aber der Song passt auch sehr gut zu ihr als Charakter. Die Stücke die in der Serie gespielt werden waren auch sehr passend, da war wirklich jemand an der Serie dran, der Ahnung von Atmosphäre hat.

Oh, zum Dub muss ich noch was sagen. Der war wirklich ziemlich gut, ich wusste gar nicht das Konrad Bösherz als Zack so kratzig und grummelig kann. Er hat die Rolle wirklich sehr gut rübergebracht und hoch sprechen in den Rückblenden kann er ja auch problemlos, ihn fand ich wirklich am besten in der ganzen Serie. Rachel hatte halt nicht so viele Emotionen, aber wenn sie welche zeigt, kam das schon gut rüber. Nicht zu niedlich, einfach passend zum Charakter und gut rübergebracht. Die restlichen Sprecher waren dann halt meist irre oder sehr ruhig, der Pfarrer war sehr ruhig und Cathys Sprecherin ging in der Rolle wirklich sehr auf und sonst, na ja. Nebencharaktere hatten hier sonst eher so kleine Rollen, neben den präsenten Rollen.


Angels of Death ist sicher nicht die beste Serie im Psychological-Myster-Horror-Bereich, Zack zieht das mit dem „Rachel töten“ auch nie wirklich durch und wenn er es gemacht hat, dann werden wir nie davon erfahren. Eigentlich stören mich Serien mit offenen Ende oft, aber hier finde ich es tatsächlich mal in Ordnung. Zack war zusammen mit Rachel eben genau der richtige Charakter um diese Serie wirklich funktionieren zu lassen, hier ist vieles wirklich nicht logisch, aber es ist nicht schlecht umgesetzt und meinen Ohren hat das auch gefallen. Es ist eher schwierig einen vergleichbaren Anime zu diesem zu nenenn, aber ein Corpse Party hat mir zum Beispiel vergleichsweise weniger gefallen als Angels of Death. Wer diese Genre mag und daraus gern Anime sieht, sollte zumindest mal reinschauen, auch wenn nicht alles perfekt daran ist. Ob meine Bewertung dementsprechend zu hoch ausfällt, keine Ahnung, aber ich finde es hier eigentlich fair auch mal etwas über den Durchschnitt zu gehen. Ich verstehe aber, warum Leonine sich gerade diesen Titel geschnappt hat, weil sie in der Regel ja immer TItel nehmen von denen sie eher überzeugt sind, als Titel rauszubringen nur um irgendwas zu lizensieren. Dieses Genre hat in Richtung Anime eh zu wenig und ich bin hier schon für das dankbar, was ich gesehen habe.


Bewertung

7 von 10 Punkten

Ein Gedanke zu „Angels of Death – Review

  1. Deine positiven Vibes liest man schon heraus, und ich gebe zu „Angel of Death“ ist der generischste Name für einen Anime den ich seit langem gehört habe. Klingt jetzt auch inhaltlich nicht nach einem Meisterwerk, aber immerhin besser als der 100ste Isekai oder der albekannten Harem-Kladdatsch. Werde ich mir mal vermerken.

Schreibste mal was, aber denk dran - das hier ist nicht Tellonym.

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