Bis deine Knochen verrotten – Review

Damit wäre der erste Manga von Altraverse auch wieder vorbei.

Ich weiß noch sehr gut, wie vor über einem Jahr Altraverse seinen ersten Stand auf der Leipziger Buchmesse hatte. Damals waren sie noch ganz klein und hatten nur ein paar Titel dabei. Dieses Jahr dagegen haben sie sich einfach mal verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht. Damals wollte ich eigentlich noch keinen Manga bei ihnen kaufen, da Kakegurui erst im April rauskommen sollte und sie ja „nur“ die Neuheiten des damaligen Aprils dabei hatte. Darunter war auch der erste Band von Bis deine Knochen verrotten, den ich einfach mal Probe gelesen habe. Unterm Strich war der erste Band aber so verworren und verzwickt, dass ich einfach wissen musste wie es weitergeht. Hier gibt es Spoiler, heult also später nicht rum wenn ich euch nicht gewarnt habe.

Alles begann damit, dass ein paar 11-jährige Kinder in einer Sommernacht einen Mann töten und dessen Leiche vergruben … Seitdem wird jährlich in einer Sommernacht ein Ritual abgehalten, damit die Kinder niemals vergessen, was sie damals getan haben. Mittlerweile sind sie sechszehn und die Leiche ist längst ein Skelett. Es folgen weitere mysteriöse sowie dramatische Handlungen und die Welt der Kinder wird plötzlich zur Hölle …

Scheinbar war ich mir am Anfang echt nicht bewusst, was mich hier erwarten würde. Nicht im negativen Sinne, eher im positiven. Man merkt direkt, dass da irgendwas nicht stimmt und die Stimmung ist wirklich sehr angespannt. Ein paar Schüler die einen Erwachsenen umgebracht haben kommt ja auch nicht jeden Tag vor. Aber auch dafür sind einige Gründe vorhanden, selbst wenn das ihr eigentliches Verbrechen nicht entschuldigt. Nach so ein oder zwei Bänden saß ich oft da und dachte mir: „Alter, was ist da los?“ Und dann kam der erste Twist um die Ecke, etwas später sogar der erste Tote den diese Geschichte zu verzeichnen hatte. Der Manga führt einen sehr bewusst auf eine falsche Spurt, ich dachte am Anfang wirklich der Ermittler ist an allem Schuld. Es wurde sich auch ordentlich Mühe gegeben, ihn wie eine Irren darzustellen. Am Ende hab ich mich sogar richtig geärgert, weil ich falsch lag. Dieser Manga kam mit einigen Wendungen daher, die ich so nicht erwartet habe. Hut ab dafür, mittlerweile verblüfft mich so etwas in Manga eher seltener.

Die fünf Kinder sind an sich aber gar nicht so interessant. Der Protagonist Shintarou ist ein ziemlicher Haudrauf-Kerl, ähnlich wie Ryuu mit der Brille (aber er ist etwas vernünftiger geworden, früher war er schlimmer), Akira als ziemlicher Kerl von nebenan, Tsubaki die irgendwie ziemlich leer und komisch wirkt und als letztes Haruka. Bei letzterer kann ich ihren Charakter so gar nicht einschätzen, ich weiß nur noch das ihre Schwester auch Ermittlerin ist und mit diesem Arschloch-Ermittler zusammenarbeitet der hinter ihrer Schwester und deren Freunden her ist. Andere Nebencharaktere sind vorhanden, aber alles spoilere ich euch hier an dieser Stelle nicht. Prinzipiell hatte ich mit den Charakteren auch gar kein Problem – nur eine Sache fand ich etwas blöd. Natürlich kann es mit der Zeit unter Freunden passieren, dass sich Gefühle anders entwickeln. Aber romantische Ansätze passten so gar nicht in diese Geschichte, wenn ich mal ehrlich bin. Mal hatte der Protagonist was mit Haruka, dann mal wieder mit Tsubaki … es war einfach nicht interessant und hat auch nichts zur Story beigetragen. Ich fand diese Kinder schon so in Ordnung wie sie waren, aber das Thema Liebe hätte aus deren Freundschaft vielleicht ausbleiben sollte. Das Akira dann sehr plötzlich ermordet wurde, war schon schockierend. Allerdings hatte er dann später auch nicht gefehlt, um ehrlich zu sein. Dafür gab es einfach zu wenig Zeit mit ihm und das hätte man dafür vielleicht etwas später anbringen müssen.

Die Zeichnungen sind meiner Meinung nach nicht sehr besonders, passen aber sehr gut in das mysteriöse und teils sehr horrorhaftige Feeling dieser Geschichte. Es wurde in der Regel darauf verzichtet, zu unnötig zu splattern und Blut im Maße zu verwenden. Dafür war ich eigentlich schon sehr dankbar. Auch durch die Zeichnungen wirkte diese Serie sehr wie ein Thriller und ich könnte mir diesen Manga auch ziemlich gut als Anime vorstellen. Von Text her war es auch sehr angenehm, es wurde nicht zu viel um den heißen Brei geredet und ich habe mich beim Lesen auch nicht gelangweilt.

Aber es gibt durchaus inhaltlich ein paar Dinge, die man noch kritisieren kann. Zum Thema Freundschaft vor allem, verliert es während der Serie sehr schnell an Wert. Vielleicht ist das auch so gewollt, aber wenn man darüber nachdenkt ist das etwas niederschmetternd. Am Ende stellte sich zum Teil auch heraus, das Tsubaki hinter den vielen Dingen steckt die passiert sind. Da steckt auch noch ein erwachsener Charakter dahinter, aber das erst mal an zweiter Stelle. Sie hätte ein recht gut ausgearbeiteter Charakter sein können, aber am Ende hat sie das alles nur getan, weil sie den Protagonisten liebt. Und ganz ehrlich, der Kerl ist eigentlich ziemlich scheiße mit dem Umgang zwischenmenschlich betrachtet. Klar, er hatte einen gewalttätigen Vater. Aber ich verstehe im Ernst nicht, was Tsubaki und Haruka an ihm gefunden haben. Die Geschichte endet dann auch ziemlich deutlich (Spoiler, meine Freunde) mit Tsubakis Geständnis bei der Polizei. Trotzdem sehe ich in ihr keinen Psychopaten, auch wenn ihr eigentlicher Grund zu töten ziemlich dämlich war. Am Ende ist sie trotzdem ein starker Charakter gewesen und wurde auch von allen am meisten bestraft. Dagegen ist die Jugendanstalt, in der die anderen Kinder zwei Jahre waren noch ein Witz. Für die hätte ich mir gerade noch ein härteres Urteil erlaubt, aber so ist es natürlich in Ordnung. Im letzten Kapitel hat man es aber doch sehr nach einem Happy End aussehen lassen, wie sie sich alle ein paar Jahre später wieder treffen. Tsubaki durfte etwa vier Jahre eher gehen (sie war in einem etwas härteren Knast, fragt mich jetzt nicht wie das heißt, aber die müssen da noch wesentlich härter arbeiten).


Bis deine Knochen verrotten war deutlich besser als ich erwartet habe. Ich mag Mystery-Manga allgemein sehr gern, deswegen habe ich hier auch meinen Spaß gehabt. Perfekt ist diese Reihe aber nicht, eben wegen den merkwürdig gesetzten, romantischen Untertönen. Das hat ehrlich zu nichts beigetragen, es hat die Charaktere auch nicht tiefgründiger gemacht. Für seine Länge waren hier aber einige gute Wendungen dabei, dahingehend kann man nicht meckern. Für die erste Manga-Reihe die Yae Utsumi hier hingelegt hat, ist es aber dennoch nicht übel. Für Mystery-Fans auf jeden Fall zu empfehlen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Verlag: Altraverse – in sieben Bänden abgeschlossen

Ein Gedanke zu „Bis deine Knochen verrotten – Review

  1. Klingt okay, hat so eine Spur Higurashi, oder kommt etwas in Richtung DOUBT oder Limit, nur ohne irgendwelche „Game or Die“ Allüren. So richtige Krimi/Thriller Manga gibt es aktuell nicht, wirst du dir denn „MONSTER“ zulegen wenn er demnächst rauskommt? 🙂 DAS ist mal ein Thriller X3

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