Slam Dunk – Review

Dieses Werk ist älter als ich, kein Scherz.

Wenn man mir vor gut vier Jahren gesagt hätte, ich würde mal ernsthaft Sportanime schauen – ich hätte die Person die mir das sagt ausgelacht. Slam Dunk ist quasi der Großvater gut geschriebener Sportserien und für mich der Vater eines Werkes das hier wahrscheinlich mehr Leute kennen – Kuroko no Basuke. Ja, indirekt bin ich über KnB zu dieser Serie gekommen. Ich weiß, wie sehr Fujimaki Slam Dunk liebt und war generell interessiert an Basketballanime – aber eben erst nach Kuroko. Ich werde fairerweise auch alle Vergleiche zum „Sohn“ vermeiden, auch wenn es an gewissen Punkten unvermeidbar ist. Einen Beitrag wo ich beide Serien miteinander vergleiche habe ich irgendwann noch vor, aber das braucht noch etwas. Wir stürzen uns also mal in diese Serie, die mit 101 Folgen echt lang ist. Ich hab über ein Jahr dafür gebraucht, wenn ich so zurückblicke. Als kurze Anmerkung noch – Inoue-sensei ist der Mangaka von Slam Dunk und Fujimaki-sensei der von Kuroko no Basket.

Story

Sakuragi, ein Neuling in der Oberstufe, wurde von 50 Mädchen aus der Unterstufe versetzt. Er tritt dem Basketballteam seiner Schule bei, um dem Mädchen Haruko näherzukommen. Der Teamkapitän Akagi, Harukos Bruder, möchte, dass Sakuragi Grundübungen trainiert. Doch Sakuragi liebt es vielmehr, „Slam Dunks“ zu machen. Auch die Gangster Mitsui und Ryouta treten dem Team bei und verlassen dafür ihre Gang. Kann Sakuragi das Herz von Haruko für sich gewinnen und wie sehr wird ihm Akagi dabei das Leben schwer machen?

Im Vergleich zu anderen Sportserien aus dieser Zeit und davor ist Slam Dunk eine Art Pionier, der vorgemacht hat wie man Sport, Drama und gut geschriebene Charaktere vereint. Ganz optimal ist Toeis Adaption aus dem Jahre 1993 allerdings nicht, was aber vielleicht auch ein wenig der damaligen Zeit geschuldet ist. Viele Witze werden am Anfang sehr oft wiederverwendet, alles geht ziemlich langsam voran und das erste Spiel kommt irgendwann erst ab gut 15-17 Folgen. Aber ehrlich, das fand ich ziemlich angenehm. Sakuragi muss eben erst mal lernen wie man Basketball spielt und wenn der Zuschauer auch keine Ahnung hat, lernt er sogar ein bisschen mit. In Slam Dunk gibt es dafür eine sehr sinnvolle Figur mit dem Namen Dr. T, die in Zwischensequenzen Regeln aus Basketball erklärt und auch veranschaulicht erklärt. Es ist eine lustige, kurze Sache und der Chibi dazu ist echt lustig. Ansonsten lässt sich die Serie am Anfang echt viel Zeit und das hat wohl auch dafür gesorgt, dass ich diesen Anime nicht sonderlich schnell durchgeschaut habe. Als die Spiele dann anfangen ein Trainingsspiel zu übersteigen, merkt man wie schnell Spiel für Spiel länger wird. Selbst die unwichtigsten Teams kriegen hier ein 6 Folgen Spiel mit der Tendenz nach oben. Mitsui und Ryouta kommen erst später dazu, aber als die beiden dabei sind kommen allmählich die Drama-Elemente hinzu. Ab da an bekam ich langsam das Gefühl – ja, ich fange an zu verstehen warum die Leute diesen Manga (und Anime) mochten und es auch immer noch tun.

Problematisch ist eben das Tempo, in dem die Serie voran geht. Eigentlich ist es viel zu langsam, aber das war für die damalige Zeit einfach normal. Vermeintliche Fillerfolgen in der Schule mit Haruko oder anderen Mitschülern sind zwar nicht immer superlustig,, aber trotzdem abwechslungsreich. Da der Anime nur 60 % vom Manga abgleicht, bin ich eigentlich gezwungen ihn fertig zu lesen. Das macht mich nicht wütend, aber ein bisschen doof ist es schon. Was es hier auch nicht gibt, sind unrealistische Elemente wie sie eben in Kuroko no Basuke der Fall waren. Keine Superwürfe, kein Spieler der andere perfekt kopiert oder ein Emperor Eye das wohl so ziemlich das unrealistischste ist was KnB überhaupt zu bieten hatte. Slam Dunk hat einfach realistisches Basketball, man muss schon wissen worauf man sich hier einlässt. Ich werde mir jetzt keinen Basketball kaufen und draußen spielen gehen. Aber die Regeln und Abläufe wurden hier wesentlich besser erklärt und ich verstehe auch das viele Kinder nach dem Lesen dieses Mangas oder dem Schauen der Serie Lust auf Basketball bekommen haben. Ein Mädchen mit Sport einfach nur zu beeindrucken ist zwar eigentlich keine besondere Idee für einen Manga, aber es funktioniert merkwürdigerweise. Aber die Stärken von Slam Dunk liegen eben nicht nur im Drama und dem was die Story realistisch macht. Was es noch stark macht?

Charaktere

Auch hier haben wir wieder einige Charaktere beisammen, aber wirklich wichtig ist nur Shotoku und gelegentlich ein paar Figuren drumherum – siehe Haruko, der Coach vom Team oder die Managerin. Wir sehen ein Team das sich von der Mittelmäßigkeit hochschlägt und eben auch ein paar Spiele verliert. Das ist absolut realistisch und die Charaktere geben dem noch ein Tüpfelchen dazu. Ja, Sakuragi ist mit seiner großen Klappe echt nervig. Aber – er macht sich über die Serie, lernt schnell dazu und fängt an Basketball wirklich zu mögen. Sein Crush Haruko ist ein bisschen flach und eindimensional, ein naives und schüchternes Mädchen – aber das ist halt so. Eigentlich steht sie auch eher auf den emotionsarmen Rukawa im Team, aber der interessiert sich nicht wirklich für Mädchen und ist konsequent im Streit mit dem gleichaltrigen Sakuragi. Manchmal geht er sogar zu weit und macht die anderen Spieler dumm an, aber das artet gar nicht zu sehr aus. Akagi, auch von Sakuragi Gori(lla) genannt, ist sowohl Kapitän und Harukos älterer Bruder. Er ist so dieser typisch ernste Kapitän der Center spielt und die anderen zusammenscheißt wenn ihm was nicht passt. Trotzdem hat er aber ein Herz und zeigt das auch manchmal. Er ist nicht mein Lieblingscharakter, aber eigentlich ziemlich in Ordnung.

Wenn haben wir denn noch – ach ja, Ryouta und Mitsui. Beide waren Schlägerjungs, Ryouta ist aber der eher uninteressante Brokolikopf von beiden und erinnert mich sehr an Crow aus Yu-Gi-Oh! 5D’s. Sprich – er interessiert mich eigentlich gar nicht. Mitsui war da mit seiner Backstory schon etwas interessanter, der ein richtig guter Spieler war und wegen seiner Knieverletzung nicht weiter machen konnte (ich sehe, Fujimaki … davon hast du dich auch inspirieren lassen, hm?). Daraufhin wird er voll der Schläger und will den Basketballclub eigentlich brennen sehen – aber zum Glück gibt es den Coach Anzai, der äußerlich das Klischee das älteren, kräftigen Lehrers abhackt. Aber Mitsui verehrt ihn so sehr, dem Kerl konnte er nichts antun und bittet ihn schließlich wieder zurückkommen zu dürfen. Während der Serie hatte Anzai sogar mal einen kleinen Aufenthalt im Krankenhaus und Mitsui ist halb durchgedreht. Ich wusste nicht ob ich Mitleid haben soll oder Sorge um Mitsuis Verstand. Von den Charakteren die mir noch einfallen ist da nur noch Kogure, den ich scherzhaft auch gern Harry Potter nenne. Warum? Weil Brille, tut mir leid. Er ist Vizekapitän und die Stimme der Vernunft, eigentlich sehr nett und offensichtlich der Erzähler der Geschichte. Viel spielen sieht man ihn allerdings nicht, nach dem Mitsui und Ryouta wieder da sind. Eigentlich schade, aber er erfüllt seine Rolle trotzdem ziemlich gut.

Die anderen Teams … na ja. Normalerweise interessiere ich mich immer für Nebencharaktere, aber in Slam Dunk sind die anderen Teams eher langweilig. Auch da sind die Hintergrundgeschichten der Charaktere meist nicht schlecht und genauso gut wie die der Hauptcharaktere – aber keine davon ist mir im Gedächtnis geblieben. Slam Dunk ist im Grunde einfach Shotokus Geschichte, die anderen sind nicht so relevant. Aber das ist schon in Ordnung. Und Junge, musste ich bei der Hintergrundgeschichte des Coaches Anzai schlucken. Einen Schüler zu verlieren der stur abhaut ist das eine, aber so? Ich dachte mir echt nur – fuck, nein.

Zeichnungen & Animationen

Die Zeichnungen in Slam Dunk sind extrem realistisch. So realistisch, dass ich Leute kenne die es deswegen nicht schauen wollen. Wirklich kreativ mit Designs war Inoue damals aber nicht. Die meisten Charaktere haben mit schwarz, braun und selten blond, realistische Haarfarben – aber so sehen viele Charaktere sich untereinander sehr ähnlich. Tatsächlich fällt Sakuragi mit seinen roten Haaren am meisten auf und das soll er ja auch wahrscheinlich. Seine schwarzen Augenbrauen irritieren mich bis heute, aber das ist ein anderes Thema. Es gibt einfach den typischen Center der bullig aussieht, der Typ der etwas dünner ist und den Besenkopf. Viel unterschiedlicher wird es bei den Nebencharakteren einfach nicht, nur die erwachsenen Charaktere und die Mädels heben sich etwas ab. Ich kann es dieser Serie aber verzeihen, wenn man sich gerade das Alter anschaut. Das ist in Ordnung.

Und na ja, die Animationen – man kann es nicht mit heutigen Standarts vergleichen. Es ist ziemlich in die Jahre gekommen, aber für das was es ist – nicht schlecht. Manchmal hat es sogar mehr Animationen als heutige Basketballanime. Nicht so gute, aber besser als Standbilder, hier und da wieder zu verwerten ist in Ordnung. Ich fand die Hintergründe persönlich sehr hübsch, da war Toei damals allgemein stark drin (siehe Sailor Moon). So ein Remake als Anime, das besser aussieht würde ich aber trotzdem cool finden. Nur halt nicht mit den generischen Bishounen Designs von heutzutage, die Jungs hier sehen schon völlig in Ordnung aus und auch meistens nicht zu alt.

Musik & Synchronisation

Nahezu jeder Song aus Slam Dunk ist eine Streicheleinheit für meine Ohren. Wer auch immer die Endings und die Openings ausgewählt hat, verdient Beachtung. Die Endings sind meistens von Frauen gesungen, aber das zweite Ending von der mittlerweile aufgelösten Band WANDS ist echt ein Klassiker in meinen Augen. Openings gab es leider nur zwei, aber die fand ich persönlich sehr stark – sowohl vom melodischen als auch das was sie dargestellt haben.

Ja, eine Synchro die über 20 Jahre alt ist zu bewerten, ist nicht möglich. Eine deutsche gibt es nicht und in die englische habe ich jetzt nicht reingeschaut. Der Sakuragi-Sprecher und auch der von Rukawa haben ihre Rollen sehr gut präsentiert. Der sture, laute Typ und der stille haben sehr gut zu den Stimmen gepasst. Die Sprecher geben sich aber allgemein sehr viel Mühe, englische Worte richtig auszusprechen. Das geht nicht immer ganz gut, aber im Vergleich zu Kuroko no Basket wie es war, doch wesentlich mehr. Die Eyecatcher in der Mitte der Folge sind zum Beispiel immer von einer Dame, komplett in Englisch gesprochen. Man hört sehr deutlich das sie Japanerin ist, aber ihr Englisch ist wirklich nicht schlecht. Ehrlich gesagt hätte ich mir Slam Dunk sogar sehr gut auf Deutsch vorstellen können, aber Basketball ist hierzulande eben kein besonders großes Thema. Schade eigentlich.


Unter all den Basketballtiteln die ich mindestens angekratzt habe, ist Slam Dunk der Titel mit dem meisten Einfluss. Aber nicht nur das – vor Slam Dunk gab es auch keinen Sportitel mit so viel Drama, gut geschriebenen Charakteren und realistischen Themen. So wie ich das ganze aber betrachte, wird der Anime dem was im Manga drin ist wahrscheinlich nicht ganz gerecht. Immerhin adaptiert er ja auch nur 60 %, das Ende weißt sehr stark daraufhin das eine zweite Staffel in Planung war – jedoch nicht zustande kam. Der Interhigh und so viele Charaktere werden angedeutet, das es dort normalerweise hätte gar nicht enden können. Es ist wirklich schade, aber so kann ich dieser Serie auch keine (richtig) hohe Wertung geben. Unter den Sporttitel ist er Kult, keine Frage. Aber er bleibt wegen dieser Umsetzung eben auch hinter seinem Potenzial zurück. Es war damals auch eine andere Zeit, ganz anders als heute. Die vier Filme kann man sich bis auf den letzten sparen, da sie nur Recap sind und nur der letzte wirklich gut ist. Dort helfen sie nämlich einen jüngeren Mitschüler von Rukawa, der eine sehr schwerwiegende Verletzung erlitten hat und so nicht mehr Basketball spielen kann. Sprich – Operation und danach nie wieder, aber er soll wohl den Platz der Managerin im nächsten Jahr übernehmen.

So ein Slam Dunk Remake würde sicher ganz anders aussehen, aber ehrlich? Interessant würde ich eine vollständige Adaption schon finden. Hier ist vieles etwas lang gezogen und wir kommen eben nicht zum richtigen Höhepunkt der Geschichte. Wenn ich wissen will wie es endet, muss ich echt den Manga lesen. Wer realistisches Basketball mit interessanten Charakteren und gutem Drama sehen will – der sollte sich Slam Dunk anschauen. Mit der Zeit hatte diese Reihe auch manchmal Themen, die eher in Richtung Seinen als Shounen gehen. Nur die Comedy-Elemente sind hier noch richtig typisch für Shounen. Die Leute die aber nicht so sehr in der Materie drin sein wollen, schauen sich dann eher Kuroko no Basket an. Warum? Es ist nun wirklich nicht schlecht und trotz seiner unrealistischen Dinge, dennoch ein guter Shounen-Titel und auch im positiven Sinne stark von Slam Dunk beeinflusst. Einen Vergleichspost oder einen allgemeinen Artikel über Basketballanime werde ich wohl irgendwann auch noch machen (ist halt auch die Frage, ob euch das interessiert, ne?). Ansonsten – ich verstehe warum Basketballfans Slam Dunk lieben, aber es wird seiner hohen Latte tatsächlich nicht ganz gerecht.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Ein Gedanke zu „Slam Dunk – Review

  1. Ob Zuschauer heutzutage überhaupt die Aufmerksamkeitsspanne für einen 100 Teile Anime hätten wenn er nicht täglich im TV laufen würde? Wäre mal ne interssante Frage, aber total interessant das es dann auch erst nach über 10 episoden zum ersten Spiel kommt, ist aber auch mal nett. Das die Figuren auch mal außerhalb des Spielplatzes wirken ist auch sehr selten, selbst Haikyuu hat dann maximal die üblichen „Trainingslager“ und „Oh mit schlechten noten darf ich nicht spielen“ Plotts abseits des Feldes. Schön aber auch das es keine supermoves gibt, und einem die Regeln erklärt werden, das ist selten^^

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