Nononono – Review

Wenn man nicht weiß, ob man lachen oder schreien soll.

Irgendwie führen ich und dieser Mangaka eine Art von Missbrauchsbeziehung. Elfen Lied, Brynhildr, etliche One Shots … Lynn Okamoto ist seit einigen Jahren für vor allem erste Reihe bekannt und vor allem auch für seinen abdrehten Erzählstil. Seine Ideen sind interessant und er weiß tatsächlich, was eine gute Geschichte ausmacht. Doch Elfen Lied war nicht ganz perfekt, teils völlig verwirrend fortgeführt und die Ecchi-Szenen waren eigentlich unnötig. Doch wenn der Mann eines kann, dann ist es Drama. Elfen Lied strotze nur so davon, wohin gegen Brynhildr dahin gehend nicht so stark war und schmutzigen Humor ohne Ende nutzte. Aber was ist mit Nononono? Die dreizehnbändige Reihe erschien chronologisch gesehen nach Elfen Lied (und vor Brynhildr) und handelt von einem Mädchen namens Nono Nonomiya, das eines Tages die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen im Skispringen erreichen will. Doch für diese Kategorie sind nur Männer zugelassen, weshalb sie sich als Junge ausgeben muss. Doch das alles ist nicht sonderlich einfach, da sie eh schon extrem feminin wirkt und jedes Mal auffliegen könnte. Der Eintritt an die neue Oberschule ist also schon mal erschwert und das Risiko aufzufliegen hoch. Als sie im Internat der Schule direkt mit einem schwulen Jungen zusammengesteckt wird, der sie fast vergewaltigt hätte, flieht sie schließlich und findet später bei ihrer berühmten Mitschülerin Unterschlupf … die wirklich nichts rafft. Aber das passt schon, denkt sich der Leser. (es folgen diverse Spoiler)

Da steht wirklich Angst, mit seiner deutschen Bedeutung. Eine niemals endende Obsession.

Alles lief am Anfang noch ganz gut. Nach den abgefuckten ersten Kapiteln geht es direkt weiter mit dem Skisport. Wirklich ernst nimmt Okamoto das allerdings nie. Am Anfang zeigt er einiges dazu, später beim Interhigh natürlich auch, aber der Sport hat im Manga vielleicht einen Anteil von 40 oder vielleicht 50 Prozent. Der Rest wird gefolgt von Verrückten, Pervesen, Mördern und alles was typisch für Okamoto ist. Nun weiß ich endlich, wo der verdorbene Humor aus Brynhildr herkommt. Der Grund, warum sich Nono als Junge ausgibt, wird mit ihrer Backstory noch deutlicher. Ihr Vater war ein gescheiterter und in der Stadt gehasster Skispringer, der seinen Kindern seinen eigenen Traum aufdrückte und Nonos Zwillingsbruder Yuuta (Zwillinge sind Okamotos Ding) regelmäßig verprügelte, wenn er scheiterte. Nono war von den Zwillingen eindeutig die Begabtere, aber als Mädchen war es ihr nun mal nicht möglich den Traum ihres Vaters zu verwirklichen. Aus Frust und weil Yuuta nicht die richtigen Ergebnisse zeigte, begann ihr Vater Selbstmord und liegt seit dem im Koma (und wird nie mehr gesund werden). Yuuta der danach völlig deprimiert ist und eigentlich künstlerisches Talent besitzt, malte sein letztes Gemälde in einem brennenden Gebäude und verabschiedete sich bei Nono mit den Worten: „Mach Yuuta zur Nr. 1 im Skispringen“ während er in den Flammen schließlich starb und als seine Schwester identifiziert wurde, nach dem Nono sich die Haare schnitt und seit dem als Yuuta durch die Welt gurkt. Keine Ahnung wie er das hinbekommen hat, aber von dieser Geschichte war ich fasziniert. Es ist nicht so, als wöllte er keine guten Geschichten schreiben. Ich denke sogar, dass dieser Typ verdammt gute Ideen hat. Er glaub nur selbst von seiner Geschichte, sie sei eine lustige Romanze. Klar, fastige Vergewaltigungen und so etwas sind auch total romantisch und lustig. Natürlich war genau das immer sein Stil, aber Nononono hatte das Potenzial sein bester Manga zu werden. Mit allein dieser Backstory hatte er ja einen Grund für alles und ohne die verdorbenen Witze + dem ganzen Abfuck, hätte man diese Reihe genauso gut zu einer Shounen Reihe machen können. So lief diese Reihe wieder in der Young Jump für ältere Leser, aber das Potenzial für die Shounen Jump wäre da gewesen.

Der Rest der Charaktere neben Nono ist dagegen eher meh. Okamoto schafft es sonst nicht, gute männliche Charaktere zu schreiben (es sei denn, sie sind wirklich erwachsen). Hier schafft er das genaue Gegenteil – schwache weibliche Charaktere (außer Nono) und deutlich stärkere männliche Charaktere. Amatsu war zum Beispiel ein ziemlich cooler und gelassener Mitschüler von Nono, geht während des Interhighs aber leider ins Ausland und kommt erst gegen Ende wieder. Was nicht schon genug versemmeltes Potenzial ist, kommt dann gleich mit dem gewalttätigen Shiriya Kiyoshi, auch Emperor genannt, um die Ecke. Gute Backstory, kritisches Verhältnis zum Vater und dann auch noch der verstorbene Kumpel, der ihm zu alles und jedem bewegte. Aber nein, natürlich ist er ein Spast (der ständig ausrastet, weil man aus seinem Namen irgendwie Anal Shop zusammensetzen kann). Von dem Mädel bei dem Nono gewohnt hat, weiß ich nicht mal mehr den Namen, so langweilig war sie. Der Plot mit dem „Sklaven“ war auch eher Kindergarten, als echter Ernst. Aber na ja, irgendwie musste Nono irgendwo wohnen, selbst wenn es eben auf diese abgefuckte Art und Weise ist. Die restlichen Charaktere waren ziemliche Waschlappen und die Antagonisten wurden alle komplett beleuchtet, was gar nicht nötig gewesen wäre. Bösartige Charaktere müssen schließlich nicht immer ganz beleuchtet werden.

An den Zeichnungen sollte man dann nicht zu sehr meckern. Okamoto war nie ein großartiger Zeichner und war es hier auch nicht. Dafür, dass er in einer wöchentlichen Zeitschrift zeichnet, ist es aber ganz okay. Wenn man sich anschaut, was vor noch vielen Jahren in Japan erschien, ist er zeichnerisch schon ziemlicher Durchschnitt. Man muss halt nur ignorieren, das Nono echt ein wenig aussieht wie Yuka aus Elfen Lied, aber die männlichen Charaktere wirken doch alle recht neu und unbekannt. In Nononono stecken viele gute Ansätze, auch für einen Sportmanga. Aber der Mangaka hat nun mal seinen Stil und wenn ihm Mord und Totschlag lieber ist als richtige Story, kann man das nicht ändern. Enttäuschend ist es dennoch, weil er eben weiß worauf es ankommt.

Als Liebhaberin von gutem Drama bin ich eigentlich schon fast getriggert, eine höhere Bewertung abzugeben. Hätte er den Wert nur mehr auf Charakterentwicklung gelegt und mehr in den Skisport, wäre alles gut gewesen. Man kann die Reihe dennoch mit Spaß lesen, aber man sollte wohl nicht zu sehr darüber nachdenken. Trotzdem noch besser als Brynhildr, da eine Welt ohne Magier und Diclonius von ihm doch sehr erfrischend war. Wenn man nicht zu sehr über das Potenzial dieser Reihe nachdenkt und bedenkt wer hinter diesem Manga steckt, ist es dann schon fast ein wenig beeindruckend.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Verlag: bisher nicht in Deutschland erschienen – in 13 Bänden abgeschlossen

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